GA 261

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IN MEMORIAM ANNA RIEBENSAHM

#G261-1963-SE182 Unsere Toten

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IN MEMORIAM ANNA RIEBENSAHM

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Still-ernste Seele, du trittst

Aus schwerem Erdenwege

In lichte Geistespfade;

Aus treuen Freundesherzen

Nimm hin den Lebens-Abschieds-Gruß,

Den Dir die Seelen sprechen,

Die Dich im Sinnensein

Die ihre nennen durften.

Edel-starke Seele, du schufest

In festem Erdenwollen

Dir Licht für ew'ges Geistes-Sein;

Nimm hin den Lebens-Morgen-Gruß,

Den Dir die Seelen sprechen,

Die auch im neuen Geistessein

Sich Deine nennen wollen.

Wohl dem, der wandeln kann

In Deiner wackren Art

Des Erdenlebens Schwere

In geistgetragne Seelenkraft.

Er siegt durch Duldermut,

Er gibt vom Geiste Zeugnis

Durch sanfte Seelenstärke.

So webe Deine starke Seelensanftmut

Das kräftevolle Geistesband,

Das unsre Seelen eint mit Deiner,

Da wir in Geisteslanden ferner

Dich denkend suchen wollen,

Du stille, ernste Menschenseele,

Du edel-starker Menschengeist.

GEDENKWORTE FÜR MISS WILSON UND DR. ERNST KRAMER Dornach, 30.Juli 1916

#G261-1963-SE183 Unsere Toten

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GEDENKWORTE FÜR MISS WILSON

UND DR. ERNST KRAMER

Dornach, 30.Juli 1916

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Meine lieben Freunde!

Ich mußte gestern gedenken jener tiefen Befriedigung, die mir selbst geworden ist, als ich nach längerer Zeit die Stätte unseres Baues wie­derum betreten konnte. Es mischte sich in diese Befriedigung ein her­ber Ton der Trauer dadurch, daß unter denjenigen lieben Freunden, die treu und unendlich hingebungsvoll an dem Fortschreiten dieser unserer Arbeitsstätte gewirkt haben, Miß Wilson nicht mehr hier auf dem physischen Plan zu sehen war, zu sehen ist. Sie gehört zweifellos zu denjenigen unserer lieben Freunde, an welche die Gedanken der hier auf dem physischen Plan Zurückgebliebenen schon dadurch nicht erlöschen können, weil diese Gedanken vorbereitet sind durch tief sachgemäße, selbstloseste Arbeit, Zusammenarbeit mit denjenigen, die es ernst, aufrichtig, ehrlich mit dieser der Welt notwendigen geistigen Bewegung halten. Diejenigen, welche Miß Wilson näher gekannt haben, wissen nur allzu wohl, was die Bewegung, insofern sie sich auf dem physischen Plan auslebt, dadurch verloren hat, daß Miß Wilson diesen physischen Plan verlassen mußte. Und ich fühle mich gedrängt, auszusprechen, daß ein tiefer Schmerz durch die Seelen aller derjenigen zog, die auswärts durch die Mitteilungen der hiesigen Freunde von dem Hinweggehen Miß Wilsons vom physischen Plane in der letzten Zeit erfuhren. Miß Wilson stellte sich in ihrer so unendlich anspruchs­losen, aber von so tiefem Verständnisse und von so ernstlicher Hin­gebung getragenen Art in unsere Bewegung hinein, nicht nur inso­fern diese Bewegung ein Strom des geistigen Lebens ist, der die Seele aufnehmen will, sondern Miß Wilson stellte sich in diese unsere gei­stige Bewegung auch hinein mit dem tiefsten Verständnis für das­jenige, was diese Bewegung sein soll und sein will und sein muß im ganzen Entwickelungsgange, namentlich im geistigen Entwickelungs­gange der Menschheit. Und in bezug auf diese Art der Auffassung unserer Bewegung als einer geistigen Weltbewegung werden gerade

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Miß Wilson viele von uns als eine vorbildliche Persönlichkeit in un­seren Reihen gekannt haben, und in diesem Sinne werden diejenigen, die sie gekannt haben, in Gedanken immer zu ihr sich zurückfinden, aber auch zu ihr emporfühlen, da sie jetzt ihr Dasein in den geistigen Welten fortzusetzen hat. Miß Wilson stellte sich in einer tatkräftigen Weise, indem sie half, wo sie helfen konnte, in unsere Bewegung hin­ein. Miß Wilson gehörte zu denjenigen Naturen, welche mit so star­kem Impuls unsere Bewegung aufgenommen hatten, daß sie in der Lage war, über dasjenige hinwegzusehen, was so leicht aus den Vor­urteilen insbesondere unserer Zeit heraus Trennungen und Spaltungen der Seelen innerhalb unserer Bewegung hervorrufen könnte, was aber niemals geschehen kann und geschehen soll, wenn genügend viele Seelen vorhanden sind, die ebenso wie Miß Wilson dasjenige, was als geistiger Impuls durch unsere Bewegung fließt, in erster Linie anzu­streben wissen, anzustreben wissen als Höheres, als Vereinigendes gegenüber all dem, was aus den Vorurteilen der Zeit Trennendes in unsere Reihen kommt. Auch in dieser Beziehung ist Miß Wilson zweifellos eine vorbildliche Persönlichkeit in unseren Reihen. Und fest und treu wollen wir an den Gedanken halten, die uns mit Miß Wilson zu verbinden begonnen haben, so zu verbinden begonnen haben, daß diese Verbindung niemals aufhören kann. In dem Sinne desjenigen, was uns als geistige Überzeugung aus unseren Anschau­ungen werden kann, dürfen wir sagen und darf ich es aussprechen, daß wir Miß Wilson zählen werden können, jetzt von der geistigen Welt aus wirkend, zu denjenigen Seelen, auf die wir als Mitarbeiter in schönstem, in erhabenstem Sinne immer werden blicken können. Und groß, wahrlich groß ist die Schmerzempfindung, die diejenigen durchdringt, die sie gekannt haben, darum, weil wir sie nicht mehr unter uns auf dem physischen Plane haben, weil wir nicht mehr auf dem physischen Plane hier leben können in der schönen Aura treu­herziger, freundschaftlicher Gesinnung, mit der Miß Wilson unter uns war. Aber fest und sicher wollen wir bauen auf den Gedanken, die uns mit ihr als einer treuen, lieben, höchst geschätzten Mitarbeiterin ferner von der geistigen Welt aus verbinden. Wir wollen ihr die Treue halten, so wie wir uberzeugt sind, daß sie uns die Treue halten wird, und daß

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wir durch die gegenseitige Achtung und das gegenseitige Sichfinden vereinigt sein werden mit dieser Seele für alle Zeiten, für die sich menschliche Seelen vereinigen können, nachdem sie sich gefunden haben.

Ferner, meine lieben Freunde, habe ich Ihnen die traurige Mitteilung zu machen, daß eine andere liebe mitarbeitende Seele in den letzten Tagen den physischen Plan verlassen hat, also auch nicht mehr von denjenigen wird hier unter den Mitarbeitern gefunden werden auf dem physischen Plane, die mit dieser Seele gearbeitet haben. Unser lieber Freund, Dr. Ernst Kramer, hat den Tod gefunden infolge zweier Schüsse, die er bekommen hat am 1. Juli auf dem Schlachtfelde an der Somme, und erlag seinen schweren Verwundungen am 10.Juli. Viele von uns werden gedenken der schönen Hoffnungen, die wir hatten für gerade jene Arbeitsentfaltung, die wir uns mit Recht versprechen durf­ten, von Dr. Ernst Kramer, der seit einer Reihe von Jahren unter un­seren geisteswissenschaftlichen Mitarbeitern und in der letzten Zeit unter den Mitarbeitern des Dornacher Baues war. Sein eindringender mathematischer Verstand, seine mathematische Umsicht, seine schnelle Art, eine technische Situation aufzufassen und sie entsprechend hin-einzustellen in ein Ganzes, ist dasjenige, was denen unvergeßlich blei­ben wird, die mit ihm zusammen gearbeitet haben, und was zu unser aller Hoffnung berechtigt, daß er gerade durch solche Fähigkeiten, die er nun durch des Todes Pforte hinaufgetragen hat in die geistige Welt, mit uns vereinigt sein wird in der Arbeit, die wir, insoweit sie uns ge­gönnt ist zu leisten von dem Karma, mit all denjenigen zusammen lei­sten wollen in der Zukunft, die mit uns vereinigt sein wollen auf dem physischen und auf dem geistigen Plane.

GEDENKWORTE FÜR JOSEPH LUDWIG UND JACQUES DE JAAGER Dornach, 29. Oktober 1916

#G261-1963-SE186 Unsere Toten

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GEDENKWORTE FÜR JOSEPH LUDWIG

UND JACQUES DE JAAGER

Dornach, 29. Oktober 1916

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Schmerzliches Empfinden füllt heute unsere Seele. Wir betrauern den Tod zweier Freunde, die beide innig verbunden sind mit demjenigen, was im Sinne des fortschreitenden Geisteslebens der Menschheit hier an diesem Orte geleistet werden soll. Durch die leidvollen Ereignisse unserer Zeit ist uns hinweggenommen worden unser Freund Ludwig vor einigen Tagen, und gestern ist ganz rasch durch die Todespforte gegangen unser lieber Freund de Jaager.

Wir haben in beiden Freunden Arbeiter innerhalb unseres geistigen Lebens für den physischen Plan verloren, deren Arbeit treulich ein­gemeißelt ist in den Bau, der hier auf Dornachs Hügel errichtet ist, Freunde unseres Strebens und Freunde unseres Herzens, die mit tiefer Liebe gearbeitet haben an jener Arbeit, die uns allen so teuer ist. Und so verlieren wir in ihnen für den physischen Plan Mitwirker unserer Sache; wir verlieren aber auch zwei Menschen, die uns teuer geworden sind durch dasjenige, was von ihrem Leben durch Jahre in unser Leben geflossen ist. Wenn wir den Tod nahestehender Freunde erleben, dann wird uns wohl wie plötzlich klar, tritt uns wie plötzlich vor die Seele ein Bewußtsein von dem, was sie der Welt waren, was sie in der Welt wirkten, während wir, solange sie unter uns wandeln, dasjenige, was uns mit ihrem Leben gnadevoll gegeben ist, mehr wie eine Selbstver-ständlichkeit hinnehmen. Wir, von dem Gesichtspunkt des geistigen Zusammenlebens aus, das durch den Tod eine Unterbrechung wohl, aber keine Trennung erleidet, blicken auf den Tod hin wie auf die Ein­leitung eines Stückes Lebens, das allerdings anders ist als die andere Art des Lebens, die im Physischen verläuft. Mögen wir auch immer verbunden sein karmisch aus früheren Lebenskreisen her mit den­jenigen, mit denen uns das Erdendasein zusammenführt, so müssen wir doch gedenken, wie in jedem neuen Erdendasein mit den Men­schen, mit denen wir zusammengeführt werden, auch neue Daseins-fäden angesponnen werden; und wir fühlen diese neuen Daseinsfäden.

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Wenn sie sich so verändern von Jahr zu Jahr, von Monat zu Monat, von Woche zu Woche, von Tag zu Tag, dann nehinen wir das mehr als etwas Selbstverständliches hin. Wenn aber das, was so als selbst­verständlich hingenommen worden ist, durch den Anblick der Todes­pforte stärker ins Bewußtsein tritt, dann empfinden wir den Unter­schied, der besteht zwischen dem Miterleben, das von Tag zu Tag läuft, und jenem Erleben, das über den Tod hinaus liegt und das wir wohl gerade durch die Kraft, die uns Geisteswissenschaft gibt, zu einem recht Lebendigen, zu einem im tiefsten Sinne vom Daseinsernst Durchdrungenen machen. Wir empfinden den Unterschied von die­sem Leben, das da steht, so, daß gewissermaßen fest wird, was flüssig war im Erdendasein, daß wir durch eine Weile der Zeit zurückblicken auf etwas, was uns ein Mensch geworden ist, während er uns vorher täglich neu etwas wurde. Und erschütternd bleibt der Anblick der Todespforte auch von diesem Gesichtspunkte aus, weil wir uns erst zurechtfinden müssen für jene Vorbereitungszeit, die wir zu durch­laufen haben, und nach welcher wir wiederfinden werden diejenigen, die uns nahegetreten sind, auf daß wir fortsetzen die Fäden im geisti­gen Leben, die sich angesponnen haben hier im Erdenleben. So wird Geisteswissenschaft wohl geeignet sein, uns lebendiger und inniger, weil ewig, zu verbinden mit denjenigen, die uns im Leben nahetreten. Sie wird uns gewiß nicht zu trivialem Hinwegtrösten führen können über das berechtigte Leid, das wir empfinden, wenn wir in solcher Lage die Pforte des Todes vor uns sehen. Denn, meine lieben Freunde, Rät-sel des Lebens lösen sich nicht mit Theorien. Rätsel des Lebens lösen sich nur durch das Leben selber. Und jeder Tod, er gibt uns ein Rätsel auf, ein Lebensrätsel, eine Lebensprüfung; ein Rätsel, das wir lebend lösen müssen, eine Prüfung, die wir lebend bestehen müssen, - ein Rätsel, durch dessen Lösung wir uns würdiger dem All-Leben machen, eine Prüfung, durch die wir bewähren lernen all die Liebesbande, die wir begnadet sind, anzuknüpfen mit anderen gleichgestimmten oder durch ihr Karma zu uns getragenen Seelen. Und im Anblicke des Todes empfinden wir erst, welche Gnade es war von der weisen Führung des Weltendaseins, daß wir zusammengeführt worden sind mit dem oder jenem, mit dem uns liebend das Karma zusammengeführt hat.

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Man möchte sagen, wie rätselvoll stehen die beiden Tode, unter deren Eindruck wir jetzt sind, vor uns. Der eine eingetreten in der Atmosphäre, die heute in so schmerzlicher Weise uns umgibt, umtobt von einem Getöse, das die Menschheit wird erst verstehen müssen, verstehen lernen müssen, um ein zusehen, was sich vollzogen hat durch die Heraufführung dieses schmerzlichen Ereignisses. Und immer er­neut müssen wir ja fühlen, welch Lebensrätsel vor uns steht, wenn wir sehen, daß heute junge Menschenleben durch die Menschheit selber hinweggefordert werden. So - möchte ich sagen - ist dasjenige, was uns schmerzlich berührend im Hintergrunde des einen Todes steht.

Und wie kontrastiert damit der andere Tod! Frieden umgab den lieben Toten gestern, als ich ihn erst treffen konnte, nachdem er be­reits durch die Todespforte gegangen war, Friede, der ausströmt selbst dann von einem Menschen, wenn das Leben in dieser Weise durch das Karma früh abgeschlossen ist, wenn wie in diesem Falle ein warm und ernst strebendes Menschenleben sein Physisches hingibt, wie, ich möchte sagen, in freiwilligem Abschluß desjenigen Erdendaseins, das einem für diesmal das Erdenkarma überreicht hat. Und so ist es schon ein Doppel-Lebensrätsel, vor dem wir stehen. Nicht weil uns Geistes­wissenschaft ohnmächtig machte, hineinzusehen, wie in jedem solchen Falle der Tod nur eine Umformung des Lebens ist, wie in jedem sol­chen Fall der Tod auch nur eine Veränderung unseres Freundschafts­verhältnisses ist, sondern weil auch jene Lösung, die uns ja gewiß in befriedigender Weise Geisteswissenschaft in einem solchen Falle gibt, weil diese Lösung ja erst erlebt sein will.

Unser Freund Ludwig, - dasjenige, was wir sehen konnten durch sein Erdenleben ziehend durch die Reihe der Jahre, in denen er inner­halb unserer Reihen war, konnte wirklich zeigen, wie ein Mensch aus nicht ganz leichten Lebensverhältnissen heraus, aus manchen Lebens-prüfungen heraus, durch einen tiefen Grundzug seiner Natur mit dem innersten Nerv unseres geistigen Strebens sich verbunden hat. Lud­wig war ein Mensch, welcher durch seine innerste Natur alle seine Gedanken und alle seine Bestrebungen so formte, daß gewissermaßen der Karmagedanke, der im Sinn des Karmas gefaßte menschliche

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Schicksalsgedanke immer im Hintergrunde stand. Ohne daß man sagen konnte, Ludwig wäre Fatalist gewesen, war seine Seele doch so, daß sie stets mit einer gewissen Friedfertigkeit hinnahm dasjenige, was ihr das Schicksal brachte, trotzdem diese Fügung in die Schicksals­mächte verbunden war bei ihm mit einem regen Anteil, mit einem tiefen Interesse für dasjenige, was ihm als Leben entgegentrat. Das gerade war ein Grundzug im Charakter dieses jetzt für die physische Welt von uns Gegangenen, daß er in stetiger starker Lebensfassung dasjenige hinnahm, was das Leben brachte, und daß er aber auch mit intensivem Anteil den Freuden, den Erhebungen des Lebens, allen Freuden, allen Erhebungen des Lebens mit Gefühlsverständnis ent­gegensehen konnte. Es ist mir eben ein «Abendlied», das unser Freund Ludwig gedichtet hat, übergeben worden, das wir im Andenken an ihn uns vor die Seele führen wollen.

Ich steh' auf des Berges Gipfel,

[ch breite die Arme aus.

Es brennen der Bäume Wipfel,

Die Sonne geht müde nach Haus.

Ihr Scheiden vergoldet die Länder,

Ihr Scheiden vergoldet die Luft.

Der schrägen Strahlen Gebänder

Verglimmt und verglitzert in Duft.

Und rings wird es stille, ach stille,

Doch singen so fern wie nah

Die Wesen und Dinge nur Eines:

Gloria, Gloria!

Und in solchem tiefen Gefühlsverständnis hat unser Freund auch auf­genommen alles dasjenige, was aus dem Bau werden sollte und hat gewissermaßen einzufügen gewußt in sein eigenes Schicksal das Schicksal unserer Bewegung, insoferne es in den Formen unseres Baues verkörpert ist, und er hat treulich eingemeißelt in diesen For­men seinen Fleiß, seine Liebe für unsere Sache. Es strahlte die Nach­wirkung dieses Fleißes, die Wirkung dieser Liebe wirklich aus seiner Seele, als er Abschied nahm, um zu wandern nach jenen Stätten, von

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denen heute so viele hoffnungsvolle Leben nicht wiederum für diese Jnkarnation zurückkehren. Wie ein Schatten dieses Eingreifens des Schicksals in seinem diesmaligen Erdenleben lag wohl über den ge­dämpften Abschiedsworten von damals die Vorempfindung des Be­vorstehenden für unseren Freund Ludwig. Diejenigen, welche ihm nahestanden, welche ihn kennen lernen konnten, denen wird sein An­denken teuer und lieb und wert sein. Aber auch all diejenigen, in deren Mitte er hier gearbeitet hat, all diejenigen, in deren Mitte er stand mit seinem geistigen Streben, vereint durch gleichgesinntes geistiges Ar­beiten, werden ihre Gedanken treu und liebevoll an ihn richten. Denn verbunden sind wir mit denjenigen, die sich mit uns verbinden, nament­lich auch verbinden in treuem Streben innerhalb unseres Geisteslebens, das wir uns erwählt haben aus der Betrachtung des Menschenkarmas heraus.

Und wie sich in den Kreis, der hier treulich arbeitet, unser Freund Ludwig selber hineingestellt hat, das bezeugt das andere Gedicht der zwei, die mir eben überreicht worden sind, und das er gedichtet hat zum Abschied der Kameraden August/September 1914, derjenigen also, die hingezogen sind auf dieselben Gefilde hinaus, auf die er später ziehen mußte, die verlassen mußten, wie er später, die Arbeitsstätte, die ihnen lieb geworden war. So sind die Worte, die er diesen vor ihm in den Krieg Gezogenen im Herzen mitgab:

Vom Friedenshort in die weite Welt,

Die rings vom Krieg entbrannt,

So ziehen die, so hier gesellt,

Dahin, dahin ins Land.

Es schlägt die schwere Abschiedsstund',

Das Scheiden naht heran.

Ein jeder fühlt im Seelengrund:

Treu auf dem Posten stahn!

Noch einmal blicken wir zurück

Auf Wald und Fluß und Flur,

Wo wir gesellt im reinsten Glück

Im Schoße der Natur

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So manche Stunde treu vereint

Gescherzt, gelacht, gedacht, geweint.

Es schlingt sich der Erinnerung Band

Um das, was uns bewegt,

Das wie ein Stückchen Märchenland

Ein jeder bei sich hegt.

Und wenn die Welt im Schmerz sich krampft,

Und wenn sie auch im Blute dampft -

Es wird das große, schwere Ringen

Zuletzt uns doch den Frieden bringen.

Der Würfel fällt,

Das Eisen klirrt,

Der Schlachtruf gellt,

Die Kugel schwirrt.

Es wird, was muß, auch jetzt geschehn

In jenen reinen Ätherhöhen,

Wo wir uns einstens wiedersehn.

Und in dieser Gesinnung, die ihm in der Seele war, wollen wir mit diesem lieben Freunde, der nun durch des Todes Pforte gegangen ist, treulich vereint sein.

Aus einem im enunentesten Sinne künsilerischen Leben ist ab­berufen worden unser lieber Freund de Jaager. Wenn wir auf diesen so rasch eingetretenen Tod hinblicken, so wird uns aber doch vor allen Dingen, insofrrn wir das - wir dürfen sagen - in wahre Schönheit ge­tauchte Erdenleben de Jaagers vor unserer Seele haben, auch in dieser schmerzerfüllten Stunde ein Gefühl tiefen Friedens überkommen können. Mit jeder Faser seiner Seele war de Jaager ein Künstler, aber ein Künstler, der alle Kunst echt heraus gebar aus einer tief pie­tätvollen Lebenserfassung und Lebenserfüllung. Man konnte, wenn man den sinnigen, im schönsten Sinne gedanken- und gefühlvollen Schöpfungen de Jaagers gegenüberstand, fühlen, wie diese Seele suchte nach angemessener Verkörperung desjenigen, was sie wie

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visionär ahnte auf den Gefilden, in die ihr Seelenblick gerichtet war, und auf denen Seelen entgegentreten die Wirkungen, Wellungen und Wogungen der großen Daseinsrätsel, entgegentreten jenen Seelen, die den Drang verspüren, das, was ihnen visionär entgegentritt, in For­men, in künstlerisches Erleben zu ergießen. Und wenn, wie bei de J aager, das, was die Seele will als Verbindungsglied schaffen zwischen dem Geistigen, das sie erahnt, erschaut, und dem Physischen, in das das physische Auge blickt, auf das das physische Erdenleben sich rich­tet, dann wird dieses also künstlerisch Geformte von ganz besonderem Zauber durchhaucht, wenn wir es verbunden sehen mit einer so scheuen, schönen und tiefgehenden Ehrfurcht vor dem Leben, vor dem gerade dem Geisteswissenschafter so tief geheimnisvoll erschei­nenden Leben, dessen Geheimnisse aber wir gerade mit unserem Erdentum lösen wollen. Eine künstlerische Natur, die pietätvoll allem Leben gegenüberstand, die ehrfurchtsvoll allem Dasein gegenüber war, und deren Lebenspietät und Daseinsehrfurcht sich ausdrückte so schön in allem, was sie schuf, ausdrückte so schön in jedem Gedanken, den sie hegte, in jedem Impuls, von dem sie ihre Kunst durchwärmen wollte. Wir schauten, meine lieben Freunde, in das sinnige, von Ge­fühls-Gedanken und Gedanken-Gefühlen durchzogene, lebhaft in die Welt blickende Antlitz, und uns wird aus der Seele niemals schwinden können, wie mild-andächtig und doch tief ehrfurchtsvoll dieses Auge hineinschaute in die Rätsel des Daseins. Und uns wird in treulicher Erinnerung bleiben müssen, wie ernst und innig würdig diese Hand stets bereit sein wollte, zu formen, was das sinnende Auge also von den Lebensrätseln und Lebensgeheimnissen schaute und ahnte.

Ach, meine lieben Freunde, wenn wir ein solches Leben, das so früh abgeschlossen vor uns steht, an das man knüpfen möchte so viele, viele Lebenshoffnungen, Hoffnungen für die allgemeine Welt, Hoff­nungen für unser eigenes geistiges Streben, wenn man das so vor der Pforte des Todes schweben sieht, dann, dann regt gerade Geistes­wissenschaft an, auf das Positive und nicht auf das Negative hinzu­sehen. Der Karmagedanke, der vom Karma durchleuchtete Schicksals-gedanke, er tritt uns gerade bei einem solchen Leben so bedeutsam entgegen. All dasjenige, was in de Jaagers Kunst lebte, was lebte in

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seinem künstlerischen Empfinden, es ist wohl, wenn man versucht liebevoll darauf einzugehen, kaum zu trennen von zwei Elementen, die ja vielleicht wie durch Tragik uns in diesem Falle verbunden erschei­nen, durch Lebenstragik, aber die wir doch anschauen wollen mit der­selben Ehrfurcht und mit derselben Lebenspietät, mit denen de Jaager das Leben angeschaut hat. Wem sich verbindet die Kraft, die aus einem ganzen Menschenleben, vielleicht aus einem langen Menschenleben und seiner Erfüllung werden kann der menschlichen Seele zwi­schen Geburt und Tod, wem sich diese Kraft, die aus einem langen Menschenleben fließen kann, vereinigt mit einem intensiveren Werde­gang für dieses Dasein, der verbraucht Jugendkraft, um über ein kür­zeres Dasein ausgegossene Jugendkraft auszustrecken gleichsam über dasjenige, was sonst ein langes Leben gibt; wenn sich mit anderen Worten die Kraft, die wir gewinnen aus einem vollen Erdenleben, verbindet durch ihren Ernst, durch ihre Vielfältigkeit mit dem, was aus der Wärme, aus dem Idealismus, aus dem Visionären der ersten Lebenshälfte fließen muß, und so verwendet wird dasjenige, was sonst die beiden Lebenshälften durchzieht, dadurch daß die Kraft der einen Lebenshälfte über beide ausgegossen wird - was so in einem Menschen leben kann, das lebte in de Jaagers Leben, der im zweiunddreißigsten Jahre für diese Inkarnation durch des Todes Pforte gegangen ist. Und das lebt in seiner Kunst. Wir sehen zu ihm hin wie zu einem Menschen, der in die erste Lebenshälfte herübernahm dasjenige, was sonst ein ganzes Leben durchkraftet. Und das sehen wir als das Sinnige, als das besonders Sinnige, als das außerordentlich Gedankendurchdrungene über sein künstlerisches Streben ausgegossen. Und das sahen wir auch leben in der liebevollen, treuen Hingabe, mit der er sein Können ein­meißelte in die Formen unseres Baues; verbunden fühlte er Kraft der eigenen Arbeit, Kraft der eigenen Ideale mit unserer Arbeit, mit un­seren Idealen. Gerade durch solch ein Fühlen, durch solch ein Emp­finden werden wir den Gedanken recht beleben, der jetzt ersetzen muß von dieser Stunde ab den anderen Gedanken, der uns so lieb war:

haben zu dürfen diese Seele in unserem Kreise zur Erfüllung der Hoff­nungen, der Sehnsuchten, die wir für unsere Bewegung hegen. Zart­heit war gerade durch dasjenige, was ich als das Tragische bezeichnete

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in diesem Leben, um dieses de Jaagersche Dasein ausgegossen. Und diese Zartheit empfanden wohl diejenigen, die diesem lieben Freunde nahestanden. Und diese Zartheit wird fortleben in den liebevollen treuen Erinnerungen, die wir dem Freunde bewahren wollen. Leben wird seine Arbeit im Geiste mit unserer Arbeit, mit unserem Wirken und Streben vereint. Ungetrennt wollen wir von seinem Wollen sein und oftmals denken, wie uns Ersatz sein muß dasjenige, was er, phy­sisch neben uns stehend und mit uns wirkend, geleistet haben würde, was wir anblicken als herunterfließend aus geistigen Höhen zu uns, so lange wir selbst durch Karma bestimmt sind, auf diesem physischen Plane zu wirken, zu streben, zu schaffen.

Und so wollen wir denn treue Gefährten sein denjenigen, die diesen beiden Toten besonders nahestanden. Unter uns steht ja, meine lieben Freunde, unser liebes Mitglied Frau de Jaager, die hingestellt ist vor die Todespforte desjenigen, mit dem sie hoffen durfte, lange, lange ihr Leben zu gehen hier auf diesem physischen Plan. Vereinigen wir un­sere Gedanken, unsere Empfindungen treulich mit den schmerz-erfüllten Gedanken und Empfindungen dieses lieben Mitgliedes Frau de Jaager, und durchdringen wir uns in dieser Stunde mit all dem, was uns an treuen, an herzlichen, an liebenden Empfindungen für die beiden durch die Pforte des Todes Gegangenen in der Seele erstehen kann, was uns werden kann bei dem Gedanken, der uns auch durchdringen darf, wie sie empfangen werden sein von denjenigen, die aus unseren Reihen früher hinaufgegangen sind in die geistige Welt. Denken wir im echten geistigen Sinne uns zusammen mit diesen Seelen. Aber lassen wir auch die Kraft dieses Denkens zur Kraft der rechten Liebe werden, die uns verbinden kann mit solch teuern Freunden, die im Leben mit uns verbunden waren, über die Pforte des Todes hinaus, über die hin­aus wir gedenken des Verbundenseins in ewigen Zeiträumen, setzen wir fort, was sich angebahnt hat durch dasjenige, was uns hier im Erdenleben zusammengeführt hat. Tragen wir hindurch durch die Todespforte die Liebe, die uns hier verbunden hat mit denjenigen, die wir nicht mehr physisch sehen werden, die wir aber umso lebendiger geistig in unsere Gedanken hereinnehmen wollen, damit unsere Ge­danken zu ihnen fließen und uns unaufhörlich mit ihnen verbinden.

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IN MEMORIAM JACQUES DE JAAGER

Basel, 31.Oktober 1916

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In sinniger Ehrfurcht konntest Du schauen

Den Geist, der schaffend sich erlebt;

Mit suchender Seele Dich erbauen

Am Geiste, der nach Formen strebt.

Des Künstlers reine Lebenstriebe

Erwarmt durch Schönheit Zaubermacht,

Gereift in heller Schaffensliebe,

Sie haben edle Frucht erbracht. -

Es wirkt' in Deiner Künstlerschaft

Als Lebensquelle kraftvoll-zart

Die hochgestimmte Herzenskraft,

Die Glückesquell auch denen ward,

Die ihrem treu-verbundnen Sohn

Jetzt senden schweren Schmerzensgruß

Und jener Frau, die frühe schon

Von lichter Lebenshoffnung scheiden muß.

Die liebe Seele muß aus Geistesfernen

Ihr leuchten auf den weiten Erdenwegen

Aus ihres Kindes lieben Augensternen;

Auf ihnen ruhte seiner Liebe Segen. -

Und Deine Freunde, sie empfinden

Die sonnig-helle Menschenweise

Wie schönstes Glück-Verkünden

Aus Deinem edlen Lebenskreise.

#SE261-196

So wandle mit der Lebensgabe,

Die Dir die Künstlerseele spendet,

Mit jener Geistes-Herzenshabe,

Die Menschenlieb' und Treu' Dir sendet,

Zum lichten Geistes-Ätherleben,

Von dem uns Deine Werke künden.

Es soll im ew'gen Seelenweben

Mit Dir uns Liebe stets verbinden.

ZUM JAHRESTAG DES TODES VON SOPHIE STINDE Dornach, 17. November 1916

#G261-1963-SE197 Unsere Toten

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ZUM JAHRESTAG DES TODES VON SOPHIE STINDE

Dornach, 17. November 1916

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Ein vielgenannter Amerikaner hat vor einiger Zeit das Wort geprägt: Kein Mensch sei unersetzlich hier auf Erden. Das bezeuge, daß ein jeder nach seinem Tode sogleich wiederum mit Bezug auf seine Stelle voll durch einen anderen ersetzt werden könne. Man muß sagen: Wie armselig nimmt sich eine Vorstellungswelt aus, welche zu einem sol­chen Gedanken, zu einer solchen Empfindung kommen kann. - Der­jenige, der aus jenen Untergründen heraus, welche gewonnen werden können aus intensiverer Empfindung der menschlichen Lebens-zusammenhänge, dem Mysterium des Todes gegenübertritt, er wird gerade die entgegengesetzte Empfindung in seiner Seele regsam spüren.

Wir blicken nunmehr seit dem verhältnismäßig kurzen Bestande unserer anthroposophischen Geistesbewegung zurück auf Tode lieber Freunde, auf Tode, die unseren Herzen nahe-, sehr nahegegangen sind. Freunde haben wir durch die Todespforte schreiten sehen, die ihr Leben durch, wie man sagt, eine normale Anzahl von Jahrzehnten über die Erde tragen durften, und junge Freunde haben wir durch die Todespforte schreiten sehen. Im stillen Frieden einer ruhigen Um­gebung ist der eine hingegangen; die Stürme der heutigen Zeit haben auch aus unseren Reihen viele, viele Seelen herausgerissen, andere sind aus dem heute so sturmdutchwühlten Leben hinweg-gegangen durch die Todespforte hindurch. Und indem wir den emp-findenden Blick werfen auf den Hingang unserer lieben Freunde, so wird sich uns zweifellos ja - insbesondere am heutigen Tage, der uns so schmerzlich daran erinnert, daß wir bereits ein Jahr unsere Arbeit führen müssen ohne unsere liebe, teure Sophie Stinde hier auf dem physischen Plane -, so wird sich uns gerade heute das andere Wort, die andere Empfindung tief aus der Seele heraus losringen: Für den physischen Plan ist ein jeder Mensch, der durch die Todespforte geht, unersetzlich. - Und scheint es auch dem oberflächlichen Blick oftmals anders, so braucht man ja nur hinzublicken auf die Seelen derjenigen,

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welche in der einen oder in der anderen Art karmisch verbunden waren mit dem Toten, und man wird es gewahren: Ein jeder ist un­ersetzlich.

Jndem wir uns ein solches Wort wohl in die Seele schreiben wollen, blicken wir auf der anderen Seite auf zur geistigen Welt, in die der Tote eintritt durch die Todespforte, blicken zu dieser geistigen Welt so auf, wie wir aufblicken dürfen, wenn in unserer Seele nicht nur lebendige Empfindung wird dasjenige, was die Geisteswissenschaft uns geben kann, sondern wenn auch werktätiges Leben selber in unserem Wesen diese Geisteswissenschaft wird. Wissen wir es nicht schon ver­gleichsweise aus dem physischen Leben, daß wir nur dasjenige Wesen verstehen können, recht verstehen können, von dem wir in unserem eigenen Sein Verwandtes, Anklingendes tragen? Verständnis eines Wesens ist ja nur möglich, wenn etwas in uns lebt, das in dem anderen Wesen auch lebt. Wir eignen uns die Begriffe, die Ideen davon an, wie lebendig des Menschen Leben und in welcher Art lebendig des Menschen Leben bleibt, wenn er durch die Todespforte schreitet. Aber wir sollen uns auch bestreben, daß dasjenige, was an Begriffen und an Ideen und Vorstellungen uns die Geisteswissenschaft gibt, immer lebendiger und lebendiger wird in unseren Seelen. Denn nur dadurch dringt in das Leben dieser unserer Seelen etwas herein, was zugleich lebt in den Seelen derjenigen, die abgestreift haben diese physische Hülle, die in der Geisteswelt selber leben mit einem Blicke ungetrübt durch physische Organe. Und lernen sollen wir all­mählich, was es heißt: Verständnis sich aneignen für die teuren Toten, wenn wir Geisteswissenschaft zum lebendigen Bronnen in unserer eigenen Seele machen, denn das Wesen wird ja dann Teil unseres eigenen Wesens, das ihnen, den Toten, Lebenselement ist. Nicht mehr, wenn wir uns so aneignen Verständnis ihres Lebenselementes, brauchen sie dann herüberzuschauen auf die Seelen, auf die Herzen, die sie hier zurückgelassen haben, also daß sie gewahren müssen:

O diese Seelen, 0 diese Herzen da unten, es fehlt ihnen das­jenige Verständnis, das sie haben müssen, wenn sie zu uns herauf­blicken mit einem Blick, den wir ihnen beantworten können! - Wie man ein Wesen selbst hier auf dem physischen Plane nur kennenlernen

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kann, wenn man sich in seine Welt zu vertiefen vermag, so können wir verständnisvoll eins sein mit unseren Toten nur dann, wenn in uns leben Vorstellungen derjenigen Welten, in denen sie sich befinden.

Das, meine lieben Freunde, scheint mir - und scheint nur nicht nur - wie eine Mahnung zu sein derjenigen Toten, zu denen wir mit Liebe blicken wollen, die aus unseren Reihen hinaufgestiegen sind in die geistigen Welten, eine Mahnung von ihnen, weil sie jetzt wissen aus ihrer Anschauung heraus, was es für die ganze Welt be­deutet, wenn Menschen erkennen das Wesen der geistigen Welten. Und wir dürften ja schon so weit sein im Verfolge unserer Geistes­wissenschaft, daß wir mit eindringlichen Worten zu unseren Seelen sprechen hören die aus den geistigen Welten von unseren teueren Toten zu uns herunter gesprochenen Worte: «Erkennet die geistige Welt! Denn unter dem vielen, was dadurch wird für die Menschheit, ist auch dieses, daß eine Einheit bilden können die Toten und die Lebendigen.»

Ich weiß, daß wir im Sinne vieler unserer teuren Toten denken, vor allem auch im Sinne Sophie Stindes, so wie sie jetzt denkt, wenn wir diese Mahnung uns gerade heute in unsere Seelen schreiben, und wenn wir dazufügen so manchen anderen Gedanken, der uns nun auch schon werden kann, wenn wir in vollem Ernste und in voller Tiefe dasjenige nehmen, was Geisteswissenschaft uns sein soll.

Vielleicht darf ich etwas anknüpfen an die Tatsache, daß mir die Liebespflicht nun schon öfter geworden ist, angesichts des eben er­folgten Todes teurer dahingegangener Glieder unserer Bewegung bei ihrer Beerdigung oder Kremation sprechen zu sollen. Ich darf sagen:

Solche Augenblicke führen einem besonders den Gedanken vor die Seele, was es heißt, Worte auszusprechen unter derjenigen Ver­antwortung, die sich ergibt, wenn gewußt wird: Nicht nur im All­gemeinen ist eine geistige Welt vorhanden, sondern im Konkreten schaut derjenige auf dich herab, mit dem zusammen du gearbeitet hast hier, zu bekräftigen das Dasein und das Wesen der geistigen Welten. - In solchen Augenblicken und in denjenigen Augenblicken, die sich daraus ergeben, von der Wahrheit also zeugen zu sollen, daß

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man sich bewußt ist der Gemeinschaft in dieser Wahrheit zwischen den Lebenden und den Toten, das gehört zu den Herzens-, zu den Seelenerrungenschaften der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung, gehört zu demjenigen, was durchströmt die geisteswissenschaftliche Bewegung von dem lebendig empfundenen Mysterium des Todes aus. Und wir dürfen, meine lieben Freunde, alle, alle uns durchdringen von dieser Empfindung, von der Empfindung unserer Gemeinschaft, die wir pflegen hier als Lebende im physischen Leibe mit den Leben­den, die durch die Todespforte gegangen sind, mit den Lebenden im Lichte der geistigen Welt und im geistigen Leben. Und wenn wir das Gefühl entwickeln jener Verantwortlichkeit gegenüber der Er­kenntnis der geistigen Welten, die sich ergibt durch das Bewußtsein:

Hier gedenken wir der geistigen Welt, und dort sind die Geistesaugen, die herunterschauen prüfend, wie wir zur Wahrheit der Welt stehen, dort sind die Geistes ohren, die herunterhören, ob Wahrheit oder Lüge in unseren Herzen wohnt, - wenn wir entwickeln dieses Gefühl in konkreter Gemeinschaft mit denjenigen, die hier Seite an Seite mit uns gearbeitet haben und die jetzt weiter mit den Strömungen unserer Seele mit uns arbeiten, dann, dann wird uns geisteswissenschaftliche Weltanschauung, geisteswissenschaftliche Bewegung jenes Lebendige, das die Brücke schlägt zwischen Welten, zwischen denen in unserer Zeit und in der ewigen Zukunft auf eine andere Weise keine Brücke geschlagen werden kann.

Und wenn wir solche Gefühle entwickeln, wenn wir solche Gefühle so recht beleben in unseren Seelen, dann fühlen wir, wenn wir in der einen oder in der anderen Weise den durch des Todes Pforte Ge­gangenen nahegestanden haben, auch in besonderer Weise den karmi­schen Zusammenhang. Und dann lernen wir auch allmählich durch jene subtilen, feinen Offenbarungen hindurch spüren, die stets bestehen zwischen der geistigen Welt und unseren Seelen, dann erfahren wir sie schon - die Stimmen unserer Toten, derjenigen namentlich, die karmisch mit uns ganz besonders verbunden waren. Wir erfahren sie dadurch, daß wir in der eben gekennzeichneten Weise die Gedanken zu ihnen richten und in der inneren Seelenatmosphäre und Seelenaura, die uns diese Gedanken übermitteln, in vielleicht leiser, in recht

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intimer, aber darum doch allmählich wahrnehmbarer Art verspüren, wie sie fortleben in uns, die durch des Todes Pforte Gegangenen, wie sie mit uns leben, wie sie teilnehmen an unserem Schicksal, aber wie sie zu gleicher Zeit ihre Kraft für alles dasjenige geben, was vielleicht das Beste in uns selber ist und im Wirken der Welt aus uns werden kann. Und so wird es uns, ausgehend von solchen Empfindungen und Gedanken, immer mehr und mehr möglich, die abstrakten Emp­findungen gegenüber dem Tode, die in unserer materialistischen Zeit sich immer mehr und mehr verbreiten müssen, wiederum in lebendig konkrete zu verwandeln, wiederum zusammen sein zu dürfen geistig­seelisch mit denjenigen, die uns als physische Persönlichkeit für eine Weile, bis wir ihnen folgen durch des Todes Pforte, verlassen haben. Und vielleicht ist es eine Botschaft unserer Toten an uns, wenn ich sagte: Wir sollen uns bewußt sein, welche Belebung das Erden-dasein über die Vorstellung des Todes hinaus in der Richtung der Heiligung dieses Erdendaseins erfährt dadurch, daß wir mit jener Aufrichtigkeit Geisteswissenschaft nehmen, die notwendig ist, wenn wir fühlen: Unsere Toten schauen uns zu, hören unsere intimsten Gedanken und unser wahres oder unwahres Dabeisein bei den Er­kenntnissen der Geisteswissenschaft.

Wie eine Botschaft der teuren Toten empfindet man es, daß auf­gehen müsse der Menschheit im allgemeinen die Vorstellungswelt des Geistes. Denn wie schneidet es einem gerade heute, gerade in unserer Gegenwart ins Herz, wenn man von da- oder dorther, von Seiten her, die viele Menschen sogar als Berufene, die unzählige Menschen als Berufene ansehen, wenn man von solchen Seiten her in dieser traurigen Zeit oftmals heute die Worte hört: man sei es den Toten schuldig das­jenige fortzusetzen, was heute in so grausiger Weise durch die Welt geht! - Erkennt man die eben gekennzeichnete Meinung der Toten, dann weiß man auch, daß zum Ärgsten des Materialismus dies gehört, daß das Mysterium des Todes also in unserer Zeit, wo die Menschen so den Tod in die Welt bringen, entheiligt wird, indem die Leiden­schaften der Lebenden sich berufen auf diejenigen, die durch des Todes Pforte gegangen sind.

Ehren und lieben wir unsere teuren Toten, meine lieben Freunde,

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dadurch daß wir lebendiges Leben der Geisteswissenschaft hinein­zutragen versuchen auf alle die Plätze, auf die wir gestellt sind, der eine und der andere, im Erdendasein. Dadurch tragen wir geistiges Leben auch in alles Weltendasein hinein nach unserem Vermögen, und wir werden gerade in unserem Eifer, in unserer Hingabe für geisteswissenschaftliche Weltanschauung am besten zusammensein mit unseren teuren Toten. Und ich weiß, daß ich auch im Sinne der nun schon ein Jahr in der Geisteswelt weilenden Sophie Stinde spreche, wenn ich diese Worte, die heute zu ihrem und der anderen uns Nahestehenden und durch des Todes Pforte Gegangenen Ge­dächtnis gesprochen worden sind, gerade an diesem Tage ausspreche. Wenn ich gerade an diesem Tage versuche, in Ihnen das Bewußtsein rege zu machen, daß in der Arbeit für die geisteswissenschaftliche Weltanschauung immer wieder und wieder jene großen, aber auch jene intimen Augenblicke für unsere Seele kommen, in denen diese unsere Seelen wissen: Jetzt bist du nicht allein: bei dir ist sie, die Seele, der du nahestandest, als sie sprach mit den Organen des phy­sischen Leibes, als sie dich ansah mit den Augen des physischen Leibes, als du blicken durftest in ihre physischen Augen. Nahe ist dir jetzt diese Seele, der du damals nahegetreten bist, die Seele, die du begleitet hast zu des Todes Pforte, die Seele, die du betrauert hast, als sie sich vom physischen Dasein zu wenden hatte. Du kanntest sie, du liebtest sie, dir war sie teuer; du kennst sie weiter, du liebst sie weiter, sie ist dir weiter teuer. Und da du sie begleitetest zu des Todes Pforte, da war es nur, daß sich verwandelte die Art deines Zusammen-seins mit ihr; denn du fühlst, wie sie um dich, wie sie bei dir ist.

Durchdringen wir uns, meine lieben Freunde, heute an dem Jahres-tage des Todes unserer lieben Sophie Stinde mit solchen Gedanken, und gedenken wir all derer in solchen Gedanken, die aus unseren Reihen durch des Todes Pforte gegangen sind, und die sich wohl alle mit ihr zusammenfinden, weil alle mit ihr vereint hat das gemeinsame geistige Streben. Und suchen wir ihnen allen nahe zu sein durch die intimsten Phasen unserer Seele, indem uns mit ihnen vereinigt das gleiche Sehnen, das gleiche Streben nach der geistigen Welt.

GEDENKWORTE FÜR GERTRUD MOTZKUS Berlin, 6. Februar 1917

#G261-1963-SE203 Unsere Toten

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GEDENKWORTE FÜR GERTRUD MOTZKUS

Berlin, 6. Februar 1917

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Seit wir uns hier nicht zusammengefunden haben, haben wir für den physischen Plan den Verlust unseres lieben Fräulein Motzkus und anderer lieber Freunde zu beklagen, die infolge der Zeitereignisse den physischen Plan verlassen haben. Es ist besonders schmerzlich, unter denjenigen lieben Freunden, die hier nun durch so viele Jahre mit teilgenommen haben an unseren geisteswissenschaftlichen Be­strebungen, Fräulein Motzkus nicht mehr zu sehen. Sie gehörte ja unserer Bewegung an, seitdem wir mit derselben begonnen haben. Vom ersten Tage an, von der ersten Versammlung im kleinsten Kreise an, die ganze Zeit über war sie in unserer Mitte als ein im tiefsten Herzen unserer Bewegung hingegebenes Mitglied, das alle Phasen, alle Entwickelungsprüfungen unserer Bewegung mit innigem Anteil mitgemacht hat; das vor allen Dingen durch alle diese Ereignisse hin­durch, durch die wir haben gehen müssen, sich bewahrt hat im tiefsten Sinne des Wortes eine unbesiegliche Treue zu unserer Sache, eine Treue, durch die Fräulein Motzkus gewiß vorbildlich war für die­jenigen, die wirklich ergebene Mitglieder der geisteswissenschaftlichen Bewegung sein wollen. Und so schauen wir denn dieser lieben, guten Seele nach in die Welten des geistigen Lebens, zu denen sie auf­gestiegen ist, indem wir das durch viele Jahre herangebildete und herangefestigte Treue-Verhältnis zu ihr bewahren, indem wir uns mit ihrer Seele verbunden wissen für immerdar.

In der letzten Zeit hat Fräulein Motzkus selber den Verlust ihrer treuen Freundin, die sie nun so bald in der geistigen Welt wieder­gefunden hat, zu beklagen gehabt und in dem Sinne, wie man aus dem Bewußtsein einer wirklichen Auffassung der geistigen Welt einen solchen Schlag erträgt, diesen Schlag hingenommen. Be­wundernswert war es, mit welch regem Interesse Fräulein Motzkus bis in ihre letzten Tage hinein ein tiefes Anteilnehmen zeigte an den großen Ereignissen der Zeit. Sie sagte mir selber wiederholt, so lange möchte sie noch hier auf dem physischen Plane leben, bis sich diese

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bedeutenden Ereignisse, in deren Mitte wir jetzt stehen, entschieden haben. Nun, sie wird mit freierem Blicke noch, mit festerem Sinne für die Entwickelung der Menschheit, in ihrem jetzigen Zustand diese Ereignisse, an denen sie mit so innigem Anteil und Interesse hing, verfolgen können.

Und so sei es denn uns allen ans Herz gelegt, daß wir, wo wir nur können, unsere Gedanken, unsere tätigen Kräfte der Seele, mit diesem treuen Geiste, mit diesem treuen, lieben Mitgliede unserer Bewegung vereinigen, damit wir uns mit ihr eins wissen auch fernerhin, wo sie in anderer Form unter uns weilen wird als bisher, da sie auf dem physi­schen Plan mit uns in einer so vorbildlichen Weise verbunden war.

ANSPRACHE BEI DER KREMATION VON PAULINE DIETERLE Stuttgart, 11.Mai 1917

#G261-1963-SE205 Unsere Toten

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ANSPRACHE BEI DER KREMATION VON PAULINE DIETERLE

Stuttgart, 11.Mai 1917

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Nicht leicht gewobene Trostesworte geziemt es sich zu sprechen, wenn man als Freund eines Dahingegangenen inmitten derjenigen steht, welche ein Teuerstes verloren haben. Denn allzuberechtigt, all­zubegreiflich ist der tiefe Schmerz, den wir in einem solchen Augen­blicke fühlen, wenn Lebensbande zerrissen werden, die fest gewoben sind, die gewoben waren, um in gemeinsamen Schicksalen und in gemeinsamen Lebensaufgaben durch das Dasein hindurchzugehen. Aber ein anderes darf vielleicht hineinsprechen in solchem Augen­blick auch in den größten, in den herbsten Schmerz, in die bitterste Trauer: Es ist der Mitschmerz, die Mittrauer derjenigen, welche zu den Nächststehenden hinzu in tiefster Seele, aus vollstem Herzen schätzen und lieben gelernt haben diejenigen, die den physischen Plan verlassen haben. Und vielleicht darf gerade ich in diesem Trauer-augenblick gedenken derjenigen Seele, von der wir wissen dürfen, daß ihr zueilt diejenige, die uns jetzt im physischen Erdendasein ver­läßt. Denn gedenken darf ich der Seele des lieben, uns so teuer ge­wordenen Gatten der teueren Dahingeschiedenen, dieser suchenden, tief in die Geheimnisse des Daseins schürfenden Persönlichkeit. Un­vergeßlich werden mir bleiben viele Augenblicke,. die ich im Ge­spräche über geistige Angelegenheiten, über geistige Verhältnisse und geistige Welten haben durfte mit der Seele, die jetzt schon seit langer Zeit von uns hinweg in geistige Welten gegangen ist, mit der Seele des Gatten der Dahingegangenen und des Vaters der hier traurig Zurückgebliebenen. Und wenn in unserem Kreise die liebe, suchende Seele der jetzt Dahingegangenen erschien, so spiegelte sich aus ihren Augen, aus diesen suchenden und, man darf wohl sagen, lichttragenden und liebetragenden Augen dieselbe Kraft echten, wahren, geistigen Strebens und Suchens nach höheren, lichten Welten, die da lebte in der Seele des ihr Vorangegangenen. Und wir dürfen in diesem Trauer-augenblick der schönen Geistbegegnung gedenken der beiden, die eine Aussöhnung sein darf für die dahingegangene Seele gegenüber

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alle dem, was sie hier in ihrem teuren, lieben Kreise verlassen hat, in jenem Kreise, für den sie durch das Schicksal so tief vorausbestimmt erschien, in jenem Kreise, aus dem heraus Welteninteresse im tiefsten Umfang jedem entgegentrat, der diesem Kreise nahetritt. Erhebend war es, zu hören, zu sehen, wie diejenigen, denen Mutter geworden ist die teuere Dahingegangene durch Schicksalsfügung, wie sie den suchenden Geist der Familie Dieterle hinaustrugen in die weitesten Weltenkreise, wie sie suchten Menschenglück zu finden im Menschen-wirken, wie sie suchten aus dem Engen stets heraus in das Weite hineinzukommen.

Das ist es, was vor unserer Seele stehen darf für diesen Kreis, den die Teuere uns Liebgewordene verläßt, und versichert darf der Kreis, der Verwandtenkreis sein, daß sein Schmerz, seine Trauer Mit-schmerz, Mittrauer findet in dem weiteren Kreise derer, in den die Dahingeschiedene getreten ist, um nach dem Geiste zu suchen, um Annäherung zu finden an die Lösung derjenigen Rätsel, die ihr so stark in der Seele brannten. Und diejenigen, die mit ihr verbunden waren in diesem, nach dem Geiste suchenden Kreis, ihnen werden sie unvergessen bleiben, die geistsuchenden, liebetragenden beiden Da­hingeschiedenen. Wir werden sie hier im physischen Leben nicht mehr schauen, diese beiden, diese milden, starken, diese suchenden Seelen, aber wir werden wissen, daß unserer Erinnerung lebendig bleiben wird und als lebendige Erinnerung mit der lebendig bleiben­den Seele der nur physisch von uns Gegangenen sich immer ver­bunden fühlt, jener Seele, die mit dem ewigen Geiste Harmonie suchte und bis zu einem gewissen Grade ganz gewiß gefunden hat, so daß sie diese hinübertragen kann in geistige Welten, um dort in der entsprechenden Weise weiter die Sorge für das eigene und der andern Menschen Heil, für die eigene und der andern Menschen Entwickelung zu pflegen.

Und so darf ich als letzten Gruß nachsprechen aus der Erinnerung, aus dem Zusammensein mit der Seele und dem Geiste der teueren Freundin, ihrer Seele, ihrem Geiste die Worte nachsenden, die sich mir vor die Seele gestellt haben, als die irdische Hülle verlassen wurde von dieser Seele, von diesem Geiste:

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Seele, aus dem Reich der milden Kraft erstanden,

Die im Kampf des Erdenlebens Felsengrund

Für die innern Wesenstiefen

Mutig sich erworben,

Die im Suchen nach der Wahrheit Segen

Echtem Menschenziel sich zugerungen,

Und in edler Menschenliebe

Sinnvoll wirken wollte;

Geist, der in den Lebensweiten

Nach der Seele Tiefen strebte,

Und die Quellen wahrer Daseinswerte

Sich ergründen wollte,

Der im Strom des Lebens

Stets das Selbsterrungene gütig

Andern Menschen segensvoll

Wirksam reichen wollte:

Du betrittst der Seele Lichtbereich.

Blick in Deiner Kinder Herzen,

Und in Deiner Freunde Seelen,

Blick zu uns hernieder,

Wie wir Dich geleiten möchten

Mit dem Seelenschritt der Liebe,

Mit dem Herzenswort der Treue,

Hier vom Trauerort

Zu den Höhen, wo Dich wissen kann

Unser Seelensinnen unverloren,

Wo das Licht durch Todesschleier

Nicht verdunkelt werden kann.

Und so scheiden wir denn von Deiner irdischen Hülle, die uns in dem nie verlöschenden Lichte geistigen Lebens erstrahlen wird, und wir wissen, daß wir in jenem Geiste, der in Dir gesucht hat nach

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seines Wesens Ursprung, gesucht hat nach derjenigen Überwindung des Todes, die aus der geistigen Erkenntnis heraus zu dem Christus kommen will, der da finden will aus der Versenkung des eigenen Wesens in die Christus-Wesenheit die Kraft der Wiedergeburt der ewigen Seelenkraft, - so wissen wir, daß wir im Suchen nach diesem Geiste uns mit Dir gefunden haben, und daß dieser Geist, der Men­schenseelen durch Ewigkeiten und Todestore und Lebenstore trägt, uns für immer mit Dir zusammenhalten wird. Wir werden uns ver­bunden wissen nicht nur in toter Erinnerung, sondern in voller Lebendigkeit, da wir Dich gefunden haben in einer Art, daß wir Dich nimmermehr verlieren können.

GEDENKWORTE Stuttgart, 11. Mai 1917

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GEDENKWORTE

Stuttgart, 11. Mai 1917

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Meine lieben Freunde!

Seit wir uns das letztemal gesehen haben hier, haben innerhalb und außerhalb des Kreises, der hier vereint ist, zahlreiche unserer Mit­glieder, zum Teil infolge der Ereignisse, die in der Gegenwart die Menschheit so schwer prüfen, teilweise ohne Zusammenhang mit diesem Äußerlichen, den physischen Plan verlassen. Es ist nicht mög­lich, im einzelnen auf alle diejenigen, die für uns fortan ihre Vereini­gung mit uns haben in der geistigen Welt und nicht mehr auf dem physischen Plan, mit Namen hinzuweisen. Lebhaft vor der Seele stehend sind Ihnen die schweren Verluste, die gerade unsere Be­wegung hier durch den Hingang unseres lieben Herrn Barth, unseres lieben Fräulein Rettich und unserer lieben Frau Pauline Dieterk er­litten hat. Es würde lange Zeit in Anspruch nehmen, wenn ich alles das jetzt vor Ihren Seelen hier aufrollen wollte, was in diesen unseren Seelen aufsteigt in dem Augenblick, wo wir an diese teuren Seelen denken. Allein darum kann es sich uns nicht handeln. Für einen jeden von diesen lebt hier ein sehr großer Kreis, welcher das, was in Worten ausgesprochen lange Zeit in Anspruch nehmen würde, mit un­geheurer Intensität und voller Hingebung an diese Seelen in seiner eigenen Seele fühlen kann. Und daß wir dieses in unserer Seele lebendig halten, daß wir uns gewissermaßen geloben, dies in unseren Seelen lebendig zu halten, daß wir keine Gelegenheit zur Aufmerk­samkeit verlieren, den Zusammenhang mit diesen Seelen aufrecht zu erhalten, das ist es, was uns nahegehen muß.

Wer Fräulein Rettichs stille, ruhige Art gekannt hat, wer mit ihr lebte, wer mit ihr wirkte, der weiß, daß ein reicher Geist, der durch schwere Prüfungen des Lebens hindurchgegangen ist, der beseelt war von ernstem, heiligstem Streben nach Wahrheit, beseelt war von rein­stem Menschenwohlwollen und von Menschenliebe, in dieser unserer Freundin lebte. Und die Individualität von Fräulein Rettich ist so, daß wohl niemand sie wird vergessen können, der in irgend einem Lebenszusammenhang

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mit ihr war. Die stille, bescheidene Art, verbunden mit einer starken inneren Kraft des Strebens, das war bei dieser Per­sönlichkeit das besonders Anziehende. Das war dasjenige, welches machte, daß uns die fortwirkende Seele gerade Fräulein Rettichs, mit der wir uns vereinigt fühlen wollen, besonders nahestehend bleiben wird, sofern wir das Glück hatten, ihr schon im Leben nahezustehen.

Was Herr Barth durch seine besondere Individualität und Wir­kungsart dem Kerningzweig war, das werden sogar manche andere hier besser künden können als ich selber, weil sie viel zu erzählen haben werden von dem, was sie Herrn Barth verdanken. Daß ein großer Kreis mit innigster Liebe an ihm hing, das ist weithin bekannt; daß er keine Mühe gescheut hat, keine Kraft unwirksam gelassen hat, um in der Richtung zu wirken, die er als die richtige erkannt hat, das ist das, was in bleibender Erinnerung leben muß, was vorbildlich wirken kann über diese Erinnerung hinaus, und was dem zugrunde tiegen wird, was viele Seelen in lebendigem Zusammenhang mit dieser Seele erlebten. Was Herr Barth seinem Kreise war, es ist von einem Angehörigen dieses Kreises geschildert worden, als unsere lieben Mit­glieder sich von der irdischen Hülle dieses unseres teuren Freundes trennten, und wir können gerade bei ihm das Andenken am besten ehren, wenn wir die ungeheuer hingebungsvolle Art an die Sache und an die Persönlichkeiten nimmermehr aus den Augen verlieren.

Was in meiner Seele lebendig ist, und was ich glaube, daß in vielen Seelen lebendig ist infolge des Hinganges der lieben Frau Dieterle, das versuchte ich mit wenigen Worten heute morgen anzudeuten, als wir uns trennten von der irdischen Hülle dieser lieben Freundin. Ich glaubte hindeuten zu dürfen insbesondere bei dieser Gelegenheit darauf, wie diese Seele wie geboren war aus Gegensätzen, die zur schönsten Harmonie - wie das bei richtigen Gegensätzen immer der Fall ist - sich vereinigten, wie diese Seele erstanden war aus milder Kraft, aus Mildheit und Kräftigkeit. Gedenken mußte ich der weiten Lebensinteressen, in welche das Karma diese Frau hineingetragen hat. Und gedenken mußte ich vor allen Dingen der weiten geistigen Interessen, die in diesem Traueraugenblick lebendig vor meiner Seele standen, des Geistes des ihr lange vorangegangenen Gatten, des Vaters

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der Zurückgebliebenen. Gedenken mußte ich manches Gespräches mit diesem Manne, das immer erfüllt wa? von reinsten geistigen, un­persönlichen geistigen Interessen, erfüllt war von dem, was eigentlich niemals den Richtpunkt auf das Persönliche nahm. Und in diesem Augenblick dürfen wir dieses Mannes gedenken ganz im Sinne unserer geisteswissenschaftlichen Gesinnung, die uns im Geiste hin-blicken läßt auf das nunmehr zu erfolgende Zusammentreffen unserer Freundin mit der ihr in die geistige Welt vorangegangenen Seele. Was sie mir selbst durch die Art wurde, wie sie immer hier seit langer Zeit mit teilnahm an unserem Wirken und Leben, das stellte sich mir vor die Seele in den Worten, die ich als letzten Abschiedsgruß unserer lieben Freundin heute morgen nachrief und die ich vielleicht hier wiederholen darf, die zum Ausdruck bringen sollten, wie sich mir hin-stellte das Verhältnis der Seele, des Geistes dieser Frau:

Seele, aus dem Reich der milden Kraft erstanden,

Die im Kampf des Erdenlebens Felsengrund

Für die innern Wesenstiefen

Mutig sich erworben,

Die im Suchen nach der Wahrheit Segen

Echtem Menschenziel sich zugerungen,

Und in edler Menschenliebe

Sinnvoll wirken wollte;

Geist, der in den Lebensweiten

Nach der Seele Tiefen strebte,

Und die Quellen wahrer Daseinswerte

Sich ergründen wollte,

Der im Strom des Lebens

Stets das Selbsterrungene gütig

Andern Menschen segensvoll

Wirksam reichen wollte:

Du betrittst der Seele Lichtbereich.

Blick in Deiner Kinder Herzen,

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Und in Deiner Freunde Seelen,

Blick zu uns hernieder,

Wie wir Dich geleiten möchten

Mit dem Seelenschritt der Liebe,

Mit dem Herzenswort der Treue,

Hier vom Trauerort

Zu den Höhen, wo Dich wissen kann

Unser Seelensinnen unverloren,

Wo das Licht durch Todesschleier

Nicht verdunkelt werden kann,

Um das Andenken all unserer lieben Dahingegangenen zu ehren, er-heben wir uns von den Sitzen. Und wir denken uns, wie wir Kraft gewinnen, wenn wir mit den Dahingegangenen im Geiste fest ver­bunden bleiben.

GEDENKWORTE FÜR HEINRICH MITSCHER UND OLGA VON SIVERS Dornach, 7. Oktober 1917

#G261-1963-SE213 Unsere Toten

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GEDENKWORTE FÜR HEINRICH MITSCHER

UND OLGA VON SIVERS

Dornach, 7. Oktober 1917

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Die meisten der Freunde, die hier ihre Arbeit mit dem Bau verbunden haben, waren ja auch vereinigt in ihrer Arbeit mit unserem Freunde Heinrich Mitscher, welcher vor kurzem den physischen Plan verlassen hat. Sie alle wissen ja, daß wir damit verloren haben das dritte Glied innerhalb jener teuren und treuen Gemeinschaft, aus welcher vorher von uns in die geistige Welt hinweggegangen sind Fritz Mitscher und unsere liebe Frau Noss. Ich brauche nicht viel zu sagen der Erinnerung über Heinrich Mitscher, denn es ist eine große Anzahl von Freunden hier, welche aus einer verhältnismäßig langen und schönen Arbeits­gemeinschaft heraus empfinden werden, was gerade in Verbindung mit Heinrich Mitscher zu sagen ist.

Heinrich Mitscher stand uns hier bei von den ersten Zeiten dieses Dornacher Baues an, und wie weniges war es ein Glück für diesen Bau, daß wir für viele Dinge - gerade die mit diesem Bau vereinigten künstlerischen Naturen werden dies in gleicher Weise fühlen -, daß wir für die Arbeiten dieses Baues gerade diese künstlerische Kraft haben konnten. Heinrich Mitscher war in dieser Inkarnation eine eigentümlich geartete Künstlernatur, eine Künstlernatur, von der man sagen könnte: Diese Persönlichkeit war in erster Linie Künstler, nicht Maler, nicht Künstler auf einem anderen speziellen Gebiete, sondern in erster Linie Künstler. - Solche Naturen haben das Eigentümliche, daß sie innerhalb des gegenwärtigen Künstlertums, des gegenwärtigen Künstlerwesens manchmal nur sehr schwer dazu kommen, die gerade ihnen geeignete Lebensbaha zu finden. Wer durch eine reichere Seelenveranlagung künstlerische Impulse im allgemeinen in sich hat, künstlerische Impulse von organisatorischer Kraft, der kommt dem heutigen Spezialistentum gegenüber manchmal nicht leicht zurecht. Aber - und gerade dann, wenn sich die Möglichkeit findet, allgemeines Künstlertum zu entwickeln, wie das in ganz besonderem Maße bei der Aufführung dieses Baues dann der Fall ist -, dann sind solche Kräfte so

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recht am Platze. Und das haben wir gefühlt, indem Heinrich Mitscher mit in unserer Mitte hier wirkte mit seiner starken Organisationskraft, mit seiner in vieler Beziehung suggestiven Kraft, durch die er In-tentionen zu übertragen wußte auf andere Freunde, mit seinem starken Wollen, welches geeignet ist, durchzusetzen dasjenige, was intendiert wurde. Hier braucht man ja vor allen Dingen künstlerische Naturen, und eine solche war Heinrich Mitscher. Daher sind die Dienste, die er dem Bau geleistet hat, wirklich nicht hoch genug anzuschlagen.

Bei diesem Bau ist ja vieles von teuren, lieben Freunden geleistet worden, von dem im einzelnen, speziellen vielleicht die Welt gar nicht viel wissen wird. Manche treue, hingebungsvolle Arbeit ist hier ver­körpert in demjenigen, was das Auge sieht. Vieles von der fürs Große angelegten Geistigkeit Heinrich Mitschers steckt in diesem Bau. Und sein Wollen war in der Zeit, als er seine Kraft dem Bau widmete, un­geteilt in dem ganzen Sinn des Baues darinnen. Er war innerlich ver­bunden mit diesem Bau mehr als mit irgend einem anderen Gliede der anthroposophischen Bewegung. Das war eine Folge gerade seiner eigentümlich gearteten künstlerischen Natur, und es wird mir immer eine traurige Erinnerung sein, wie ich schon in den ersten Tagen des Kriegsausbruchs gerade Heinrich Mitscher Abschied nehmen sah von dieser Arbeitsstätte hier. Er hat dann während der ganzen Zeit, wäh­rend welcher seine Kraft gewidmet sein mußte den jetzigen traurigen in die Menschheitsentwickelung eingreifenden Ereignissen, auch über­all verstanden, am rechten Ort den rechten Mann zu stellen. Und die Schätzung, die ihm sicher ist bei all denjenigen, die seinen Wert er­kannt haben innerhalb der Gemeinschaft, die diesen Bau aufführt, ist ihm auch zuteil geworden in den Kreisen, in denen er dann ein­getreten ist zu einer ganz anders gearteten Tätigkeit. Auch bekannt zu sein, verbunden zu sein im Leben mit solchen Naturen, ist für die­jenigen, die es sind, ein außerordentlicher Gewinn des Lebens. Denn diese Bekanntschaft schließt ein das Heranklingen-Fühlen einer wirk­lichen, innerlich in bestimmter Art wollenden und denkenden Indi­vidualität. Das Wort ist in der neueren Zeit vielfach mißbraucht wor­den für alles mögliche, aber man kann seinen guten Inhalt, seine gute Wesenhaftigkeit deshalb doch empfinden. Da muß man dann sagen:

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Diejenigen, die Heinrich Mitscher kennen gelernt haben, lernten kennen eine wirkliche Individualität. - Individualitäten sind ja in der heutigen Zeit viel seltener als man denkt. Deshalb ist es Glück und Gewinn des Lebens, Gemeinschaft mit einer Individualität zu haben. Man muß in solchen Dingen nur recht verstehen. Gewiß konnte von Heinrich Mitscher manches scharfe, manches schneidige Wort kom­men, niemals war solch ein scharfes, schneidiges Wort gebraucht worden anders als in heiligem Enthusiasmus für die Sache. Und der­jenige, der diese Individualität kannte, der wußte, daß hinter der manchmal rauhen Form tatsächlich etwas ungeheuer Feines, etwas aus eben kunstgeformten und kunstwollenden Welten herauskam.

Nun hat wie so viele der Gegenwart, deren Karma im engeren Sinne verbunden ist mit diesen gegenwärtigen Ereignissen, auch Heinrich Mitscher die Kugel getroffen, und er ist von uns gegangen. Wir dürfen das Gefühl haben, meine lieben Freunde, daß so wie die anderen Glieder der Familie Mitscher-Noss, auch diese Seele uns Hilfe- und Stärkequell sein kann gerade von den geistigen Welten aus. Und die Schwester, die in unserer Mitte weilt, sie darf wissen und darf versichert sein, daß diejenigen, die ihres Bruders Wert erkannt haben, ihres Bruders Wert und Freundschaft erlebt haben, mit ihr brüderlich-schwesterlich fühlen werden und tragen werden treu das Gedächtnis dieses unseres lieben Freundes. Ich brauche, wie gesagt, darüber nicht viele Worte zu machen, denn gerade in diesem Fall sitzt auch das Beste in den Seelen, die diesen Wert einer Freundesseele, einer Künstlerseele, einer treu arbeitenden Seele erkannt haben.

Ein anderer erinnernder Gedanke muß noch kürzer sein, meine lieben Freunde, weil es nicht statthaft ist, daß ich gerade dann aus­führlich spreche, wenn das Ereignis, von dem zu sprechen ist, mir selbst persönlich außerordentlich nahesteht. Aber auch in diesem Falle ist es so, daß, wenn ich auch nur wenige Worte spreche, trotz­dem diese Worte, wie es in diesem Falle sein muß, aus persönlichstem Empfinden und Fühlen heraus gesprochen werden müssen, daß diese Worte einen von diesem persönlichen Ton in diesem Falle abseits stehenden, selbständigen Widerhall bei vielen Herzen und vielen Freundesseelen, die hier vereinigt sind, finden. Unter den Verlusten

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der letzten Zeit für den physischen Plan, die ja so zahlreich sind, ist auch der der Schwester von Frau Dr. Steiner, Fräulein Olga von Sivers, welche vielen von uns ganz gewiß als treue Freundin, als mit unserer Bewegung in der schönsten Weise verbundene Seele in liebendem Gedächtnis verbleiben wird. Wer wird sich, der es gesehen hat, nicht erinnern an die liebenswürdige, schöne Verkörperung der Gestalten, die Olga von Sivers für unsere Mysterien darstellen konnte. Wer wird sich nicht erinnern des stillen an sich haltenden Waltens gerade nun dieser Persönlichkeit innerhalb der Kreise unserer Gesellschaft.

Olga von Sivers war eines derjenigen Mitglieder - das darf ich sagen -, welche von Anfang an in ganz spezifischer Art mit unserer Bewegung verbunden sind. Sie lehnte im umfassendsten Sinne eigent­lich alles dasjenige ab, was an okkulten Wahrheiten, an okkulten Im­pulsen, an okkulten Einsichten nicht gerade kam von jener Strenge, die wir anstreben, von jener Reinheit, mit der wir die Sachen ansehen sollen. Man kann sagen: Unsere Bewegung, meine lieben Freunde, war ja, weil man immer Geschichtliches an Geschichtliches anknüpfen muß, in der mannigfaltigsten Weise von anderen Bewegungen durch­setzt. Die eine oder die andere Seele fand sogar nur schwer den Weg heraus aus anderen allerlei okkulten Gesellschaften und theosophischen Bewegungen.

Olga von Sivers gehörte zu denjenigen Persönlichkeiten, die nie­mals irgendwie angezogen waren von etwas anderem. Und daher konnte man sich umso enger gerade mit ihr verbunden fühlen, treu. An demjenigen Ort, dem sie sich zugewiesen fand, pflegte sie im intimen Kreise dasjenige, was von dieser Bewegung ausgehend als den Bedürfnissen der Gegenwart und der nächsten Zukunft dem geistigen Leben angemessen gehalten werden muß. So still sie auftrat, so sanft ihr Wirken war, so energisch im Inneren, wenn auch an sich haltend, war ihr Verbundensein mit gerade der spezifischen Artung unserer Bewegung.

Als dann der Krieg ausbrach, hatte sie neben der weiteren Pflege, die sie treulich besorgt hat - der anthroposophischen Sache in Peters­burg, in Rußland überhaupt -, ihre Kräfte dem Samariterdienst des Krieges gewidmet, hatte durch ihre Seele ziehen lassen müssen den

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schweren Verlust ihres Bruders, der auf dem Schlachifelde gefallen ist, hatte ihre Kräfte verbraucht, war bis zuletzt beseelt von der Hoff­nung, die ihr aber fast keine Hoffnung mehr war, weil sie sie nicht mehr für erfüllbar hielt: vereinigt zu sein mit all dem, was sich um diesen Bau herum bildet.

Weiteres zu sagen, wie gesagt, verbietet mir der Umstand, daß ich selbst so unendlich viel gerade an dieser Persönlichkeit verloren habe Und ich darf auch hier sagen: Es ist meine tiefste Überzeugung, daß diejenigen, die Wert und Wesen dieser Persönlichkeit kennen gelernt haben, ihr das treueste Andenken bewahren werden und mitfühlen werden, daß es schwer ist, diese Persönlichkeit in Zukunft nicht an der Seite ihrer Schwester in unserem Kreise hier auf dem physischen Plan wissen zu dürfen. Auch sie wird uns von der geistigen Welt aus in Treue weiterhelfen.

GEDENKWORTE FÜR MARJE HAHN Dornach, 20. September 1918

#G261-1963-SE218 Unsere Toten

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GEDENKWORTE FÜR MARJE HAHN

Dornach, 20. September 1918

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Meine lieben Freunde!

In die Gedanken, die uns heute bewegen konnten und die zu­sammenhängen damit, daß wir heute vor fünf Jahren hier an dieser Stätte den Grundstein unseres Baues gelegt haben, tönte uns hinein die schmerzliche Kunde von dem Verlassen des physischen Planes durch eines der ältesten Mitglieder hier in dieser Gegend: unsere liebe Frau Hahn hat heute morgen den physischen Plan verlassen. Und ich brauche wahrhaftig nicht viele Worte zu machen, um bei denjenigen unserer lieben Freunde die entsprechenden Empfindungen zu er­regen, die in diesem Falle bei allen von selber kommen, bei den­jenigen unserer Freunde, die Frau Hahn gekannt haben. Und die­jenigen, die sie gekannt haben, die sie in Wirklichkeit gekannt haben, sie haben sie auch wirklich recht, recht lieb gehabt. Vor uns steht, die wir sie gekannt haben, ihre sanfte, stille Wesenheit, doch eben, die wir sie kannten, wußten, wie viel starke, verinnerlichte Kraft in dieser stillen Wesenheit war. Und wir hatten durch eine lange Reihe von Jahren, durch welche Frau Hahn an der Seite unseres lieben Herrn Hahn mit uns verbunden war, reichlich Gelegenheit, tief befriedigt zu empfinden die intensive Verbundenheit mit unserer Bewegung durch diese Seele, die nunmehr den physischen Plan verlassen hat.

In tiefster Seele hatte sie aufgenommen dasjenige, was durch die Geisteswissenschaft spricht. Sie hatte es erfaßt, man darf sagen in der ganzen Breite ihres umfänglichen Gefühlslebens. Und was besonders tief aus ihr sprach, sie hatte überall die Möglichkeit gefunden, das­jenige, was sich aus der Geisteswissenschaft ihr offenbarte, anzuknüp­fen an ihr tiefinnerliches, geistergebenes, und wir dürfen im wahrsten Sinne des Wortes sagen frommes seelisches Wesen. Sie war eine der­jenigen Seelen, welche nicht nötig hatten, irgend einen Widerspruch zu empfinden zwischen ihrer ursprünglichen, elementaren Hinneigung zum Geistigen, zum Frommsein, zur Geistergebenheit und dem­jenigen, was als - man möchte sagen - die Geisteswelt erhellendes

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Licht durch die Geisteswissenschaft kommen soll. Eine Eigenschaft dieser guten Seele, die sich insbesondere in ihrer Haltung gegenüber unserer geisteswissenschaftlichen Bewegung immer von neuem in der allerschönsten Weise offenbarte, war die so auffällige Treue zur Be­wegung, jene Treue, die in der schönen Nuance auftauchte, daß sie nicht bloß ein Festhalten an einem einmal Gewohnten in der Ver­gangenheit darstellte, sondern ein immer neues Erleben. Man konnte an dieser Seele sehen, wie wahre Treue zu einer Sache darinnen be­steht, daß sie jeden Tag, jede Stunde sich neu beleben kann durch die innere Kraft ,der Sache und durch die herzlich innige Verbundenheit mit der Sache.

Und so steht vor der Seele, die zurückblickt gerade zur treuen Seele, zur lieben Seele unserer Frau Hahn, das schöne Bild ihrer wirk­lich so ganz im geisteswissenschaftlichen Sinne gehaltenen Todes-Erwartung, - einer Todes-Erwartung, die zu nehmen wußte dieses ins Menschenleben so tief einschneidende Ereignis als eine Verwand­lung des Lebens, der es selbstverständlich war, dieses Ereignis als eine Verwandlung des Lebens zu nehmen, der es selbstverständlich war, durch ein Tor in eine andere Lebensform einzutreten. Und schauen konnte man an dieser Seele, wie tragend den Menschen solche Mög­lichkeit des Drinnenstehens im Geiste ist, auch wenn schweres Leiden, wie es hier der Fall war, die letzten Wochen, die letzten Monate, ja Jahre schon durchzog. Wunderbar symbolisch für das schöne Bild, das von dieser treu-lieben Seele auftaucht, ist es wohl, daß man ge­denken darf der wahrscheinlich im Menschenleben doch seltenen Tatsache: wie an dem Tage, an dem sich unser lieber Herr Hahn und unsere liebe Frau Hahn zum Lebensbunde vereint haben, wie an ihrem Hochzeitstage 1906 sie abends zu dem zweiten Vortrage, dem zweiten öffentlichen Vortrage, den ich in Basel über unsere Geistes­wissenschaft halten durfte, gekommen sind. Der Eintritt in unsere Bewegung, meine lieben Freunde, war dieser unserer beiden Freunde Hochzeitsfeier.

Und schön, sinnbildlich schließt sich zusammen, daß die Gedanken, die uns heute bewegen im Zusammenhange mit unserem Bau, wie durch einen treuen, einen lieben Boten hinaufgetragen werden in die

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geistige Welt. Denn wahrhaftig, dessen dürfen wir sicher sein, wie ein treu-liebender Bote wird unsere besten Gedanken, die wir hegen können anläßlich dieses Quinquenniums unserer Grundsteiniegung, unsere liebe Frau Hahn in die geistigen Welten hinauftragen.

Ich habe nur noch zu sagen, daß die Trauerfeier, die Beerdigung, am nächsten Sonntag um zwölf Uhr sein wird. Wir versammeln uns im Trauerhause bei Herrn Hahn um zwölf Uhr, Sonntagmittag, in Reinach, Therwilerstraße.

ANSPRACHE AM GRABE VON MARIE HAHN Reinach, 22. September 1918

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ANSPRACHE AM GRABE VON MARIE HAHN

Reinach, 22. September 1918

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Nachdem das priesterliche Wort die Seele, die wir lieben, hinüber-geleitet hat aus der sichtbaren in die unsichtbare Welt, sei es mir gestattet, im Namen der hier mit ihr versammelten und mit ihr ver­bundenen Geistesfreunde einige Worte zu sprechen, die jetzt in diesem Augenblicke unsere Seelen, die mit ihr so eng verbunden waren, durchdringen.

Der Lebenslauf von Marje Hahn, wie er sich abspielte in der äußeren Welt, ist eben vor unserem Seelenblick vorübergezogen. Derjenige, welcher die teure Seele kannte, ahnt wohl, wie viel der Lebens­befriedigungen, aber auch der Lebensleiden, der Lebensenttäuschun­gen durch diese Seele im Laufe der Jahre gezogen sind. Immer wieder zog und strahlte ein Licht durch all dasjenige, was Marie Hahn im äußeren Leben erfuhr, was Marie Hahn im äußeren Leben erarbeitete. Marie Hahn war keine bloß träumerische Seele, Marie Hahn war eine Seele, die in voller Hingabe die äußere Welt, wie sie sich den Men­schen darbietet in der sinnlichen Welt, in die er hineingestellt ist, zu erfassen strebte. Marie Hahn war eine Seele, die in voller Hingabe an die Pflichten lebte, die das Leben dem Menschen stellt. Allein der­jenige, welcher Marie Hahn kannte, kannte, wie die im Geiste ihr durch mehr als ein Lebensjahrzehnt verbundenen Freunde sie zu

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kennen strebten, weiß, daß aus all den Lebenserscheinungen, aus aller Arbeit des Lebens heraus Marie Hahn nach dem wahren Geistes-lichte suchte, nach geistiger Erkenntnis, nach jener Welt, die da liegt hinter jener Pforte, durch welche die teure, liebe Seele jetzt gezogen ist. Und wenn wir fragen, warum im Hinwenden zur Geisteswissen­schaft Marie Hahn die Wege suchte, die da führen aus der Sinneswelt in die Geisteswelt, die da führen aus allen Pflichten, aus allem Be­obachten der Arbeiten des Lebens heraus in das Überlebendige, in das Übersinnliche, bekommen wir Antwort durch einen tieferen Blick in die Seele der teuren Dahingegangenen, der uns sagt, daß in dieser Seele mit geboren wurde, als sie hereingetreten ist in diese Welt, das starke, feste Bewußtsein des Gottesursprungs der menschlichen Seele. Welche Wege irrend und ringend die Seele durch der Welten Erscheinungen wandeln muß, innerhalb der Welten-Wandelwege findet die Seele, wenn sie die Wahrheit sucht, das geistige Licht, findet die Seele die tiefe, ewige Wahrheit: Der Mensch ist aus dem Gotte geboren.

Und Marie Hahn, sie fand das Geisteslicht, das aus diesem Wahr-worte leuchtet, in ihrer Art. Und wir dürfen ihres Suchens gedenkend in ihrem Sinne mit Angelus Silesius sprechen dasjenige, was auch ihre tiefste Überzeugung ausdrückt:

Gott muß der Anfang sein, das Mittel und das Ende,

Wo ihm gefallen sollen die Werke deiner Hände.

Ein ursprünglich frommes Bewußtsein erweckte in dieser Seele die feste Zuversicht in ihren Gottesursprung. Aber nicht dies allein er­füllte diese Seele. Das Göttliche, das die Welt durchwallt, das Gött­liche, welches das Menschenleben durchstrahlt, sie wollte es fühlen, sie wollte es erleben in der eigenen Seele. Das, was sie als Geistes­wahrheit erfaßt hatte, sie erfaßte es in so sicherem Wollen, daß die Treue zu diesem Wollen, zu dieser Geistes-Wahrheit, bei ihr eine Selbstverständlichkeit war. In dieser Seele ruhte tief die andere Über­zeugung, daß das Christentum allein das Wahre ist, welches in der tiefsten Menschenseele, im innersten Menschenherzen durchlebt wird, welches im innersten Herzen als ganze Macht desjenigen eingreift,

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was in Wahrheit und in Wirklichkeit durch das Mysterium von Gol­gatha als Sinn dieses Erdenlebens, als Sinn dieses ganzen Erden-körpers sich vollzogen hat. Und wiederum dürfen wir der teuren Dahingegangenen ureigenste Überzeugung aussprechen mit des Angelus Silesius Worten:

Das Kreuz auf Golgatha kann dich nicht von dem Bösen,

Wo es nicht auch in dir wird aufgericht't, erlösen.

Das gab der teuren Dahingegangenen, als sie anfing, hinfällig zu werden, als die Leiden sich lagerten über das sonst so pflichttreue Leben, die Stärke, sich zu sagen: Gehe ich ein durch die Todespforte in die geistige Welt, so gehe ich ein mit Christus: In Christus werde ich sterben.

Aber Tod und Leben wußte sie zu verbinden, diese Seele, zu ver­binden in jener heiligen Geistigkeit, die allen Tod und alles Leben im Überlebendigen, im Übersinnlichen überleuchtet und überstrahlt. Daß das, was hier durch das Erdengeschehen zu Vergänglichkeit ver­urteilt wird, im Reiche der Dauer wieder auflebt, im Reiche der Dauer sich in seiner wahren Wesenheit durchstrahlt und durch­leuchtet von des Geistes Licht wiederfindet, das war es, was das ganze Leben unserer lieben Marie Hahn durchstrahlte und durch­leuchtete, das war es, was ihr Kraft gab, rechte, wahre Kraft, Geistes-kraft in den letzten schweren Jahren, schwereren Wochen und schwereren Tagen. Wer sie da besuchen durfte und schauen, mit welcher Geist-Ergebenheit, mit welcher starken Seelenkraft sie sich hinüberlebte in die andere Geistesform, in der sie nun weiter wesen soll, der hatte an ihr den lebendigsten Beweis des Geistes und der Kraft, aber auch des Wissens, des Erkennens vom Geiste und seiner Wahrheit.

Und Sie, lieber, mit uns verbundener Rudolf Hahn, teurer Freund, Sie verlieren für dieses Erdenleben das teuerste Wesen. Wir wissen es, was Ihnen das mehr als ein Lebensjahrzehnt währende Sein an der Seite dieser Seele war; wir ahnen es und wissen es zum Teil, wie nahe verbunden sich Ihre Gedanken mit den Gedanken der teuren durch die Todespforte Ziehenden fühlten.

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Wir sehen hin auf all die trauten, lieben Gespräche, die Sie führten nach des Tages Arbeit mit der lieben, liebenden und geliebten Gattin, die Sie weiter führen müssen nunmehr in geistiger Verbundenheit. Aber stark war die Seele, die für die sichtbare Welt von Ihnen ge­gangen ist, und stark waren ihre Gedanken und stark war ihr Wollen. Und diese Stärke und diese Reinheit in ihr, sie wird bei Ihnen sein dauernd, ewig, wesenhaft als Seele durch das Leben. Und kann Ihnen die Verbindung mit den Gedanken liebender Freunde, die sich eng hineinfühlen in die durch die Todespforte ziehende Seele, Trost sein für das, was Sie im Sichtbaren verlieren sollen, um es ferner dauernd im Unsichtbaren zu gewinnen, so lassen Sie sich unsere aus tiefstem Herzen kommenden Gedanken diesen Freundestrost sein. Wir wollen sie mitsenden, unsere liebenden Freundesgedanken, hinauf in die andere, lichte Geistes-Welt, wenn Ihre Gedanken hinaufweisen und hinaufdringen in jene Geistes-Orte, wo wir die Tote, die Tote für diese Welt, nunmehr zu suchen haben.

Und so seien ihr nachgesendet als letzte Worte hier von der sicht­baren Welt in die unsichtbare Welt die Worte, die jetzt in diesem Augenblicke durch unsere Seele ziehen:

Du Seele mit dem mildestarken Fühlen:

Du hast im Erden-Wandelwege Dich

In Freundschaft uns verbunden,

Weil Du den Eintritt in die Geisteswelten

Durch jene Pforte finden wolltest,

Die unsren Seelen weisend auch sich zeigt.

So wisse, daß wir in das Seelenreich

Und in das Geisteslicht in solcher Liebe,

Die Deiner Freundesliebe Spiegelbild,

Dir sinnend folgen wollen -

Durch jene Pforte, die Dich jetzt

Zu Geisteslebensformen führen wird.

Wir durften stets in Deinem Zeitenwandel schauen

Die Treue, die zu halten wußte,

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Was Du als wahr und geistgerecht

Ergriffen mit dem sichten Willen -

Und dann durch jene Pforte hast geleitet,

Die fühlend-starkes Denken Dir erschlossen.

So wisse auch, daß Deine künft'ge Geistesschau

In unsten Seelen Treue finden soll,

Die wir Dir dauernd halten wollen,

Wenn wir Dich liebend-denkend suchen müssen

Im Seelenreich durch jene Pforte, die Geisteskraft

Von uns zu Dir erschließen möge.

Und wenn wir oft so zu Dir sprechen, Du wirst uns hören, denn im Geiste lebtest Du, im Geiste wirst Du weiter leben. Deine Gesinnung war die des Angelus Silesius, die uns wie aus Deinem eignen Seelen-innern selbst von hier tönt:

Du aber, an dem allermeist das ganze Werk gelegen,

Du großer Gott, Du Heil'ger Geist, sprich Du hinzu den Segen.

ANSPRACHE AM GRABE VON MARIE LEYH Arlesheim, 14.Januar 1919

#G261-1963-SE225 Unsere Toten

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ANSPRACHE AM GRABE VON MARIE LEYH

Arlesheim, 14.Januar 1919

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Nachdem des Priesters Weihe-Wort verklungen ist, das leiten sollte die Seele unserer lieben Frau Leyh in Geistesgebiete-Höhen, darf durch meinen Mund ausgesprochen werden, was fühlen die liebenden Freunde, die hier stehen zum letzten Erden-Abschiede, zum Geist­Empfang in des Lichtes ewigen Reichen.

Ein Dulderleben, ein Dulderleben wenigstens für die letzten Jahre, das ihr reich an Leiden und Schmerzen war, ist für diese Erde für unsere liebe Frau Leyh abgeschlossen. In unseren Herzen, in unseren Seelen glimmt die Hoffnung, daß ihr erwachsen werde in dem Reiche, in das sie durch das Tor des Todes nunmehr einzieht, aus der edlen Dulderkraft, mit der sie sich wahrlich im strengsten Sinne des Wortes hier im Erdenleben bewährt hat, die Gewalt, zu wirken auf jenen Höhen und auf jenen Wegen, in denen durch des göttlichen Geistes Willen der Mensch wirken soll in unsichtbaren Höhen, wie er hier durch seine Hände und durch seinen Verstand wirkt im Erdenleben als im Sichtbaren.

Ihr lieben, sorgenden Seelen, die Ihr sie pflegtet in ihren letzten Wochen, in ihren letzten Tagen, die Ihr teilgenommen habt in Liebe an ihren Leiden, die Ihr teilgenommen habt in Liebe auch an ihren Hoffnungen, an ihrer Zuversicht und geistigen Stärke und Kraft und Liebe, Ihr habt mit ihr vereint aufgeschaut zu jenen Höhen, in die sie nun aufsteigen soll durch die Kraft ihrer Seele, Ihr wart in Liebe mit ihr vereint. Ihr kennt am besten, was es heißt, zusammenzuleben mit dieser lieben Seele, die nur für das Irdische jetzt von uns getrennt ist. 0, wir dürfen gewiß sein, liebe Freunde, die Ihr sie gepflegt habt in den letzten Wochen, in den letzten Tagen, daß gerade in Euren Seelen rieseln wird auch in der Zukunft, ausgehend von jener Kraft, welche die teure Dahingegangene Euch gegeben hat, eine Quelle, aus der Euch Edles erfließen wird. Und Ihr werdet dieses Edle fühlen, mehr als erinnerndes Zusammensein, in einem rechten Geistesleben mit ihr. Und sie wird Euch nicht verloren sein. Ihr werdet sie nicht zu finden

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brauchen, denn Ihr werdet keinen Augenblick daran zweifeln, daß Ihr sie habt.

Und blicken wir zurück, was sagen können in der Erinnerung diese engsten lieben Freunde, die für sie gesorgt, über sie gewacht haben in den letzten Monaten und in den letzten Tagen, blicken wir zurück auf dasjenige, was die Freunde des weiteren Kreises, die hier die irdische Ruhestätte umstehen, zu sagen, zu denken haben. Die engsten Freunde wußten zu sagen, nachdem unsere liebe Frau Leyh durch das Todestor gegangen war, daß sie an ihres irdischen Lebens letztem Tage, an dem so oft im Menschenleben sich noch einmal hebt, wenn der Seele Geist sich losgelöst hat vom Leibe, Leben und Lebensschwung, daß sie dasjenige, was sie zusammenraffen konnte unsere liebe Freundin - das wußten ihre engsten Freunde zu sagen -, zusammenfassen konnte an Gedanken ihres Geistes, an Gefühlen ihres Herzens, daß sie das wandte an die Aufnahme derjenigen Geistes-wahrheiten, die ihr so lieb geworden waren im Leben, die ihr - für jeden, der sie kannte, ist es Wahrheit, tiefste Wahrheit - die Kraft des Lebens geworden sind.

Und Ihr, Freunde aus dem weiteren Kreise, die Ihr vereint waret mit ihr im gemeinsamen Geistesleben, Ihr wisset es, wie sie bis in die letzten Tage hinein, da ihr Körper die Seele nicht mehr tragen konnte zu der Stätte, an der sie so gerne weilte, zu vernehmen, was mit schwachen Worten an dieser Stätte vom Geiste verkündet werden konnte, daß sie sich fahren ließ, als der Leib nicht mehr tragen konnte die nach Geist lechzende Seele, daß sie sich tragen ließ zu dem, was da gesprochen werden durfte über den Geist.

Ja, in einigen von uns, liebe leidtragende Freunde, war etwas auf­gekommen wie Sorge. Die Stätte des äußeren leiblichen Heiles, in die sie durch liebende Freunde fürsorglich versetzt werden konnte für die letzten Monate ihres Lebens, wollte sie verlassen, weil sie nicht suchen konnte die Heilung ihres Leibes, ohne zu empfangen, wie sie glaubte in ihrem reinen, starken, kindlichen und zu gleicher Zeit in ihrem reinen, starken, geistigen Glauben, das Heil der Botschaft, in der sie den Geist zu vernehmen suchte. So blickte sie denn von der Stätte der leiblicben Heilung zu dem, was ihr war Stätte der geistigen Heilung.

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Und beruhigt durften die Freunde, die etwa Sorge empfanden über das Verlassen ihrer leiblichen Heilungsstätte, nur sein, da die Ärztin ihr folgen konnte und sorgen konnte für die leibliche Heilung auch, da die teure Dahingegangene nur suchen wollte noch dasjenige, was wie geistig-seelischer Lebensbalsam in ihre Seele, in ihr Herz rieseln soll.

Nun blicken wir alle zurück auf dieses Leben hin in dasjenige, wovon wir glauben können, daß es die tiefsten Gedanken, die innig­sten Empfindungen dieser Seele, dieses Herzens waren. Wir schauen zurück auf ein Leben, von dem wir wahrhaftig glauben dürfen, daß es sich durchgerungen hatte zu heiligen drei Überzeugungen, die ihren irdischen Menschen verbunden hatten mit dem Reiche, in das nun ihre Seele, in das ihr Geist geht.

Und die erste Wahrheit, sie hatte sie wohl geschöpft aus der Kenntnisnahme der Krankheit, die ihr in so reichem Maße zugeteilt worden ist. Sie kannte aus ihrem edlen Dulderleben Krankheit des Leibes. Doch wir dürfen es glauben, sie wußte, daß es eine Krankheit geben kann, die da schlimmer ist für Menschenheil und Menschenziel als alle andere Krankheit des Leibes, jene Krankheit, die nur aus einem zerstörten Leibe kommen könnte, die oftmals aber heim­tückisch, ja, durch Täuschung wie Wahrheit wirkt, jene Krankheit, die den Menschen nicht erkennen läßt, daß aus allem Weben, aus allem Streben, Wirken und Wesen gerade des Menschenleibes im Um-kreise des Erdendaseins spricht die ewige, einzig große Wahrheit:

Der Leib des Menschen verkündet das göttliche Sein und Wirken in tiefster, in ernstester Weise. Die Krankheit wäre die größte, die den physischen Leib bestimmte, einen Verstand zu entwickeln, der dieses leugnen wollte. - Dies war wohl die erste Überzeugung, zu der sich dieses Leben durchgerungen hatte selber durch Krankheit.

Und die zweite ihrer Grundüberzeugungen war wohl die, daß sie wußte: Wie auch gesund mag sein dieser Leib, wie auch gesund mag sein der Leib von der Geburt bis zum Tode, eines braucht er, wenn er selbst die größte Gesundheit sein eigen nennte, eines braucht er:

jenen Erwecker, welcher die Seele an ihren geistigen Ursprung immer­dar erinnert, wenn sie sich zu sehr gefesselt fühlen muß an den ver­gänglichen Leib. Durch ihr Hinschauen zum Geiste, durch ihr Aufnehmen

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des geistigen Wortes hatte sie ihn kennen gelernt, jenen großen Erwecker der Seele, welcher der Seele die Kraft gibt, zu wissen: Wenn Du durchgehst durch das Tor des Todes, werde ich Dich führen in die lichte Höhe des Geistes, ich, der Christus, der mit Dir, der in Dir, der für Dich ist, der Christus, der durch den Durch­gang durch das Mysterium von Golgatha, der durch die Besiegung des Todes errungen hat für den Menschen die Kraft, erweckt zu wer­den im Tode mit dem Lichte des Geistes, hindurchzugehen durch die dunkle Pforte des Todes.

Wahrhaftig, Bescheidenheit war Dir eigen, liebe Freundin. Du schriebst Dir wahrlich nicht übermenschliche Kräfte zu. Du warst nicht beseelt von blindem Stolz und eitlem Hochmut, Du kanntest Deine Schwächen. Doch nimmer hättest Du Dir vergeben können, wenn Du eine Schwäche Dein eigen hättest nennen müssen, jene Schwäche des Geistes, die des Geistes Stumpfheit und Dumpfheit ist, und die nicht aufblicken läßt zum ewigen Walten des Heiligen Geistes selbst durch alles Menschenweben und Menschenwollen, durch alles Naturwirken und Naturkraften. Gott, den Vater, hattest Du Dir errungen, indem Du wußtest, daß Gott, den Vater, nicht erkennen des Menschen stärkste Erdenkrankheit wäre. Gott, den Sohn, den Christus, hattest Du Dir errungen, indem Du mit Deiner Seele zu verweben suchtest die Kraft des lebendigen Wortes, das vom ewigen Seligwerden spricht. Gott, den Heiligen Geist, hattest Du Dir errungen, indem Du Dich verpflichtet fühltest, Deine Seele so zu erkraften, daß sie nicht der Schwäche und Dumpfheit verfallen kann, die da sagt: Es ist kein Geist.

Nun bist Du aus einem Leben, das sich dieses errungen hat, dahin-gegangen durch des Todes Pforte. Sollen wir von Dir Abschied nehmen, so sei es nur der Abschied, der da ist zu gleicher Zeit der Empfangensgruß im Geiste.

Die engeren Freunde, die sie umgaben in den Sorgen-Monaten, Sorgen-Wochen und Sorgen-Tagen, der weitere Kreis von Freunden, der jetzt steht, aufblickend, wie der Geist sie empfangen will zu wei­terem Wirken, ihnen allen wird ja unvergessen sein das liebe Gesicht unserer teuren Frau Leyh, jenes liebe Gesicht, das uns seit Jahren

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anblickte so, als ob sich auf diesem lieben Gesicht glätteten alle die inneren Wogen des menschlichen Strebens, der menschlichen Sehn­suchten. Reine Harmonie war ausgegossen über diesem Antlitz, das unvergeßlich durch sein eigenes Wesen sein wird. Und erinnern wir uns an den Blick, an jenen merkwürdig sehnsüchtigen, forschenden, auf die Weltenrätsel und Weltengeheimnisse hingewendeten Blick, der so eigen hinwegsah über des Lebens nächste Sinnendinge und Sinnenangelegenheiten, und der da schien, als ob er hinausblickend über all dieses Nächste hinsenden wollte des Herzens Sehnsucht nach den ewigen Gründen des Daseins. Und unvergeßlich wird uns sein der Klang Deiner Stimme, liebe Freundin, die uns überströmte mit einem rechten Lichtstrahl wahrer menschlicher Liebe. Wir haben ihn vernommen durch Jahre hindurch.

Und sahen wir Dich dann in den letzten Zeiten Deines Duldens und Leidens: das Leiden hatte nur das eigentümliche Aroma des Ewigen ausgegossen über Dein harmonisches Antlitz, es hatte nur die geistig-seelische Verinnerlichung gelegt in Deinen seelenforschenden Blick und es hatte versenkt in Deine Stimme, die so milde zu uns klang, jenes geheimnisvolle, rätselhafte Tönen, das oftmals durch das Leiden in Menschenstimmen versenkt wird und aus dem heraus ge­hört werden kann der Unterton des Göttlich-Ewigen, der durch alles Zeitlich-Vergängliche des Menschenwesens auch dann hindurch-klingen kann, wenn wir nur einem irdischen Menschen hier gegen­überstehen. So sahen wir Dich. Das, was aus Deinem Antlitz sprach, es wird uns unverloren sein. Wir werden uns vereint wissen mit ihm für alle ferneren Zeiten, denn es hat uns ergriffen so, daß Du uns un­verloren bist. Dein Blick wird in uns leben. Und wir werden ge­denken dieses Blickes. Er wird uns beleben dasjenige, was aus diesem Blick sich sehnte nach dem Ewigen, wo wir Dich suchen werden, um mit Dir vereint zu sein. Der Klang Deiner Stimme wird uns nachtönen und wird uns erinnern, wie Du nicht verlassen sein sollst, sondern im Geist vereint mit uns fortleben sollst, wie wir uns ver­pflichtet fühlen werden, wenn die Möglichkeit vor uns liegt, mit Dir vereint zu sein in diesen Deinen Geistes-Seelen-Tagen, wie wir ver­eint waren mit Dir in Deinen Erden-Tagen.

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Dies, nicht ein Abschiedsgruß soll das Letzte sein, dieser Geistes-Gruß soll es sein, der zu Dir aufsteigen möge aus jenen Tiefen des Menschenherzens, aus denen darf sprechen der Menschengeist zum Weltengeist, indem er sucht die Seelen, die durch das Tor des Todes treten vor den Weltengeist, wenn er sie aufruft zu einem Wirken, das nicht vollendet werden könnte hier im physischen Erdendasein.

Und so rufen wir Dir, liebe Frau Leyh, nach als diesen Herzens-

Geistes-Gruß:

Das Suchen auf Geisteswegen,

Es war Dir der Seele Urtrieb. -

Die Dir auf dem Erdenpfade

Bei Deinem ernsten Seelensuchen

Die Wandergenos sen waren:

Sie folgen Deinem Seelenpfade

Mit liebendem Denken

In Geistes lichte Höhen.

Das Leben in Geisteswärme,

Es war Dir des Gemütes Blüte. -

Die Dir mit dem Erdgedanken

In Deinem starken Geistesstreben

Die Wandergenos sen waren:

Sie folgen Dir in Geistesreiche

Mit treuem Erfühlen

In Geistes Liebesweben.

Das Dasein im Geisteswillen,

Es war Dir der Seele Pendelschlag. -

Die Dir in dem Erdenwollen

Bei Deinem edlen Seelenschwung

Die Wandergenossen waren:

Sie folgen Deinem Geistesflug

In Seelenvereinung

Zu Geistes Willenszielen.

GEDENKWORTE FÜR ANNA ZIEGLER Dornach, 3. Oktober 1919

#G261-1963-SE231 Unsere Toten

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GEDENKWORTE FÜR ANNA ZIEGLER

Dornach, 3. Oktober 1919

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Während wir in den letzten Wochen in Deutschland waren, hat, wie Sie wissen, unser liebes Fräulein Anna Ziegler den physischen Plan verlassen. Sie haben Anna Ziegler ja gekannt, die meisten von Ihnen, und ich brauche denjenigen, die Anna Ziegler gekannt haben, nicht besonders zu sagen, welch wertvolle Persönlichkeit durch sie in unserer Mitte war. Aber es wird uns doch ein Bedürfnis sein, da sie in andere Regionen des Daseins übergegangen ist und unsere Augen sie künftig hier auf dem physischen Plan nicht sehen werden, ein wenig ins Gedächtnis zu rufen am heutigen Tage, wie sie innerhalb unserer Mitte gestanden hat. Sie kennen ihr wirklich stilles Dasein, durch das sie äußerlich im Grunde genommen oftmals von ihren Mitmenschen wenig bemerkt worden ist. Aber es gibt Menschen, welche dieses Dasein in einem ganz starken Sinne bemerken konnten und dann so bemerken konnten, daß sie in Anna Ziegler eine Persönlichkeit er­lebten, die zu erleben eine wirkliche Wohltat des Daseins ist. So still sie war, so laut und bedeutsam sprach sie durch ihre Taten für viele Menschen, durch ihre Taten der Liebe und des Wohiwollens, durch die sie Dinge verrichten konnte, welche den Menschen, die sie be­trafen, das Dasein wirklich befriedigender gestalten konnte, als das ohne Anna Ziegler der Fall gewesen wäre.

Diejenigen Menschen, die von ihr solches erfahren haben, werden wissen, wie stark die Worte gelten, die ich in dieser Weise über die vom physischen Plan Abgegangene jetzt zu Ihnen spreche. Und daß ich sie sprechen darf, das geht wohl daraus hervor, daß Anna Ziegler unsere eigene Hausgenossin durch lange Zeiten war, und wir alles das aus unserem eigenen Leben heraus zu sagen haben, was viele andere an ihr erfahren haben.

Aber es ist auch noch manches andere über die Dahingegangene zu sagen. Es ist vor allen Dingen das von ihr wirklich als ein höchst Schätzenswertes zu betonen, daß in ihrer Seele lebte in einer muster-gültigen Weise die Kraft, überzeugt sein zu können von dem, was wir

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hier Geisteswissenschaft nennen. Ihre Seele war ganz und gar erfüllt von jener Kraft, durch und durch überzeugt sein zu können von allen Einzelheiten, die auf geisteswissenschaftlichem Felde in Betracht kommen. Und es war diese Kraft der Überzeugung in ihr so wirksam, daß gesagt werden darf: Wenn viele Menschen, welche die Möglich­keit haben, mehr nach außen hin zu wirken, wenn diese solche Kraft der Überzeugung in sich tragen könnten, wie das bei ihr der Fall war, so würde für unsere geisteswissenschaftliche Bewegung außerordent­lich viel gewonnen sein.

Und gesagt werden darf, daß solch eine Seele mit solch einer Kraft in sich etwas ganz Besonderes bedeutet auch nach ihrem Tode. Man kann sich mit einer solchen Seele vereinigt fühlen, so daß man weiß, sie wird sein als Seele in unserer Mitte, wenn wir da kämpfen müssen für alles dasjenige, wofür eben stark wird gekämpft werden müssen, wenn Geisteswissenschaft diejenige Stellung in der Welt gewinnen soll, die ihr zugemessen ist.

Wir werden in diesem Sinne, meine lieben Freunde, an unsere Freundin Anna Ziegler immer wieder und wiederum denken. Wer sie gekannt hat, wird als eine Notwendigkeit empfinden, immer wieder und wiederum die Gedanken nach ihr hinzulenken. Sie hatte auch noch das Besondere gehabt, daß sie alle Dinge, die vorgegangen sind um sie, die sie erfahren hat im Leben, in die sie einzugreifen hatte im Leben, daß sie diese rückte in den Gesichtspunkt geisteswissenschaft­licher Betrachtung. Wenn sie sich über irgend etwas sagen mußte: das ist vom geisteswissenschaftlichen Standpunkte und namentlich von dem Standpunkt des Gedeihens der geisteswissenschaftlichen Be­wegung richtig -, so gab es für sie keinen Zweifel, daß alles eingesetzt werden müsse, um eine solche Sache durchzubringen, so durch-zubringen, wie es ihrer wirklich rein geisteswissenschaftlichen Emp­findung entsprach. Und das ist es, wovon ich glaube, daß wir uns es heute wiederum ins Gedächtnis rufen dürfen, und wovon ich glaube, daß es der Ausgangspunkt dazu sein kann, daß viele von uns, die Anna Ziegler gekannt haben, immer wieder und wieder die Gedanken zu ihr hinlenken werden. Diese hingelenkten Gedanken werden nicht nur solche sein, die ganz gewiß aufgenommen werden von der Seele

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Anna Zieglers so, daß sie in ihr Liebe erweckende und Liebe er­zeugende Gedanken sind, daß sie in voller Liebe aufgenommen wer­den, sondern es werden auch Gedanken sein, die, indem sie wiederum zurückkommen von der Toten, stärkend sein können für den, der diese Gedanken zu dieser lieben Seele hinwendet.

So ihrer gedenkend und so uns mit ihr vereinigt fühlend, erheben wir uns von unseren Sitzen und wollen oftmals, meine lieben Freunde, so an sie denken wie in diesem Augenblicke.

GEDENKWORTE AM GRABE VON JOHANNA PEELEN Arlesheim, 12. Mai 1920

#G261-1963-SE234 Unsere Toten

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GEDENKWORTE AM GRABE VON JOHANNA PEELEN

Arlesheim, 12. Mai 1920

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Nachdem der Priester diese liebe Seele hinübergeleitet hat in des Geistes Gebiet, seien ausgesprochen durch mich die Gefühle der­jenigen, die hier stehen als Leidtragende:

Es trug Dein Erdensein Dich

Durch schwere Seelen-Prüfungen.

Du hieltest Dein Erleben

Im warmen Gotterfühlen.

Du sahest Menschen leiden

Auf Deinem Lebenswege,

Du gabest opfernd Dich hin

Dem Leiden, das Dir nahte.

Auch Menschenfreuden sahest Du.

Du pflegtest sie in Liebe

Und wandtest sie zur Tiefe

Des Menschenwesens sinnig.

Dein Blick, er trug zum Lichte

In Deinem Innern Dich hin,

Aus aller Lebenswirrnis

Beseelend und befreiend.

So fandest Du Erkenntnis

Aus Fühiens Sicherheiten,

Aus Willens Gütekräften

In Deiner Seelenstärke.

Im letzten Erdenleiden

War stets Dein Sinn gerichtet

Nach lichten Geisteshöhen,

In denen Friede waltet.

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Du bleibst bei uns im Geiste,

Die wir durch viele Jahre

Auf Erden mit Dir waren

Vereint im Geistesstreben.

Wir lenken hin zum Geiste

Den Seelenblick und finden

Dich milde Seele leuchtend

Durch Herzenskraftgemeinschaft.

Ja, wir fanden Dich. Es ist viele Jahre her, damals kamst Du und vereintest Dich mit uns. Du hattest vieler Menschen Leiden gesehen, Du hattest vieler Menschen Streben geschaut, vieler Menschen Freude, vieler Menschen Wirken, Enttäuschungen. Du kamst mit dem aufrichtigen Gefühl: ein Licht müsse es geben, das hineinleuchte, nicht tröstend allein, aufklärend in Lebenswirrnis, in Daseins-kämpfen. - Wohl mehr der Leiden hatten Eindruck dazumal gemacht auf Deine Seele, als der Menschen Glück. Du verbandest Dich mit uns, wir dürfen es sagen, aus Deinem christlichen Herzen, christlichen Sinn heraus. Du hattest finden gelernt vor allen Dingen Erbarmen gegen alle menschlichen Wesen, gegen alles menschliche Wehe. Du hattest gefunden die Möglichkeit, Menschenfreude nicht zu lassen an der Oberfläche des Daseins, sie hinzuleiten nach der Tiefe des Welten-empfindens. Dein christlicher Sinn, der Dich begleitete von der Kind­heit bis zum Erdentode, er ist ein lebendiger Beweis dafür, daß das­jenige, was Du in unsern Reihen gefunden hast, nicht unchrjstlich sein kann. Du trugst uns entgegen in Deiner tiefempfindenden Seele ein wirkliches, wahres, berechtigtes Wissen von dem Ruhen der Men­schenseele im göttlichen Geiste. Du wußtest Dich geborgen in dem Wesen Christi, Du wandeltest im Wesen Christi, Du bist gestorben im Wesen Christi.

Wir fanden Dich immer wieder und wiederum auf unserem Lebens­weg innerhalb unserer Strebensziele. Wir fanden Dich im Freundes­kreise am Rhein, wir fanden Dich da, wie Du durch die milde Güte, durch die liebende Kraft Deines Wesens Sonne warst dem dortigen Freundeskreise. Und wir sahen es dann, wie Du liebend, beseligend,

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beglückend tratest an Deines Lebensgefährten Seite, wie er liebend, heseligend, beglückend trat an Deine Seite. Wir stehen hier mit Dir, wenn ihm der Schmerz dieser Tage ein wenig gemildert werden kann durch das Bewußtsein, daß wir im ehrlichsten Inneren seine Leiden tief mit ihm teilen; er darf wahrlich dieses Bewußtsein haben. Er darf es haben, weil wir es haben aus der Erkenntnis seines eigenen Wesens heraus. Wir haben Dich geschaut in den Tagen, da Du Menschenleid durch Deinen Opfrrwillen lindern durftest in vielen Fällen. Wir haben Dich geschaut, wie Du beglückt warst, wenn Du auch der Menschen Freude hinlenken konntest dorthin, wo Menschenfreude sich ver­tiefen kann zur geistigen, zur Seelenwelt hin. Aus dieser Erkenntnis Deines Wesens heraus lieben wir Dich, werden Dich lieben immerdar, werden mit Dir vereint bleiben. Du hast schwere Stunden mit uns durchgemacht. Du warst vereint mit uns in Stunden, wo schwerste, man darf sagen welthistorische Augenblicke an uns herantraten. Du fandest Dich dann wieder mit uns zusammen in dem hiesigen Kreise, in dem Du wiederum beglückend und Geist ausstrahlend wirken durftest durch Dein liebes, mildes Seelenwesen. Wir mußten es dann erfahren, wie einmündete hier Dein leibmüdes Seelenwesen in dem irdischen Leben. Aber wie aus Deinem ganzen milden Seelenwesen der lichte Blick sich erhob zum göttlich-geistigen Dasein, wie Deine Herzenskraft immerdar sich erhob zu dem, wie es der Christus als menschliches Erdenwesen vorgezeichnet hat, so warst Du kraftvoll und stark, als Erdenleid Dich umfing. Und es wird eine tiefe, eine bedeutsame Empfindung in der Seele derjenigen sein, die Dich näher kannten, wie Du voraussahst Dein irdisches Ende, voraussehend prophetisch fast bis zu der Woche, da es eintrat, sprachest über diesen Wandel Deines Seins aus der Überzeugtheit Deines Gottesursprunges, aus Deinem Bewußtsein, in Christus zu leben, den Tod als einen Wandel des Lebens begreifend, hineinfühlend schon im irdischen Da­sein die Welten des Geistesseins. So warst Du leidend im tiefsten Wesen zugleich glücklich. Wir sahen einen glücklichen Menschen in schwerem Leiden glücklich sich hinwegfinden aus des Lebens Engen in des Geistes, in der Seele Weiten.

So wirst Du in uns allen leben unvergänglich, so werden unsere

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Gedanken Dich durchleuchten, wenn sie Dich suchen. Und sie werden Dich suchen in den geistigen Welten, die Du erstrebt hattest während Deines Erdendaseins, die Du gefunden hattest und weiter nun finden wirst vom heutigen Tage an. Wir werden Dich suchen, und wir wer­den Dich finden, weil wir Dich lieben. Und Du wirst finden aus dem Bewußtsein Deines Gottesursprunges, aus dem Bewußtsein Deines Lebens in Christus, Du wirst finden das Leben, in dem Deine Seele wiedererstehen wird im weiten Lichte des Geistes, der die Welt durchleuchtet, zu dem Du sehnend Dich hingelebt hast, in dem Du findend Dich weiter leben wirst.

Dasjenige, was uns verband mit Dir, es ist kein flüchtiges Erden­band, es ist das Band, das die geistige Erkenntnis bindet für Ewig­keiten. So werden wir Dich suchen, so werden wir Dich finden, wissend, daß Du gelebt hast, bewußt Dir Deines Ruhens im göttlichen Schoße der Welt, bewußt Dir Deines Wandelns bis zum Erdentode, durch den Erdentod und weiter darüber hinaus in den Pfaden, die Christus vorgezeichnet hat dem Erdenwandel, vorgezeichnet hat dem Menschenwesen, vorgezeichnet hat allem Menschendenken und allem Menschenempfinden. Du wirst Dich finden wiedererstanden im Geiste, und wir werden Dich als unser dort schauen in den Ewig­keiten.

Es trug Dein Erdensein Dich

Durch schwere Seelen-Prüfungen.

Du hieltest Dein Erleben

Im warmen Gotterfühlen.

Du sahest Menschen leiden

Auf Deinem Lebenswege,

Du gabest opfernd Dich hin

Dem Leiden, das Dir nahte.

Auch Menschenfreuden sahest Du.

Du pflegtest sie in Liebe

Und wandtest sie zur Tiefe

Des Menschenwesens sinnig.

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Dein Blick, er trug zum Lichte

In Deinem Innern Dich hin,

Aus aller Lebenswirrnis

Beseelend und befreiend.

So fandest Du Erkenntnis

Aus Fühlens Sicherheiten,

Aus Willens Gütekräften

In Deiner Seelenstärke.

Im letzten Erdenleiden

War stets Dein Sinn gerichtet

Nach lichten Geisteshöhen,

In denen Friede waltet.

Du bleibst bei uns im Geiste,

Die wir durch viele Jahre

Auf Erden mit Dir waren

Vereint im Geistesstreben.

Wir lenken hin zum Geiste

Den Seelenblick und finden

Dich milde Seele leuchtend

Durch Herzenskraftgemeinschaft.

GEDENKWORTE FÜR HARALD LILLE Dornach, 22. Oktober 1920

#G261-1963-SE239 Unsere Toten

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GEDENKWORTE FÜR HARALD LILLE

Dornach, 22. Oktober 1920

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Meine lieben Freunde!

Gestern Abend hat unser lieber Freund Harald Lille den physischen Plan verlassen. Eine überwiegend große Anzahl derjenigen Freunde, die seit Jahren hier an diesem Bau arbeiten, und auch solche, die immer wiederum hierher gekommen sind, kennen unseren Freund und haben ihn zweifellos sehr lieben gelernt. Lille war eine Persönlichkeit, die ganz der anthroposophlschen Sache ergeben war, eine Persönlich­keit, die mit inniger Liebe an allen Arbeiten und an dem ganzen Zustandekommen unseres Baues hing. Als Lille vor einiger Zeit, durch seine Verhältnisse veranlaßt, nach seinem engeren Heimatlande zog, war schon der Keim derjenigen Krankheit, die jetzt ihn hinweg­gerafft hat, in ihm. Es zog ihn aber wieder hierher. Der gegnerische Geist in seinem Körper warf ihn, als er wiederum hierher gekommen war im vorigen Jahre, aufs Krankenlager. Es war eine schwere Zeit, die er hier durchgemacht hat. Dann suchte er Erholung in den Bergen, immer gedenkend dessen, was hier für die Menschheit entstehen soll, und voll überzeugt davon, welchen Wert dasjenige hat, das hier ent­stehen soll.

Als unsere Kurse begannen, fand er sich, trotzdem er schwer litt und dem Tode nahe war, hier wiederum ein, und mit einer innigen Anteilnahme, mit einem wirklichen inneren Sonnenleuchten konnte er eine Anzahl der Darbietungen in der ersten Woche des Kurses noch mitmachen. Dann allerdings hinderte ihn die Krankheit wieder­um daran. Und noch ganz kurz, einen Tag vor seinem Tode ver­sicherte er mir, wie außerordentlich froh er sei, daß er diesen Teil des Kurses, den er hat mitmachen können, noch habe auf sich wirken lassen können. Er ist mit Mut und im Lichte in die geistige Welt hinüber-gegangen, schon eigentlich wirklich kaum einen Unterschied der Welten von hier und dort in sich selber annehmend, hinübergegangen als eine unserer treuest mitarbeitenden Seelen, die ganz gewiß alle ihre Gedanken, ihr ganzes Streben vereinigt halten wird mit dem, was hier

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entsteht. Und überzeugt davon werden diejenigen sein, die unseren lieben Freund haben kennen und in seiner Art namentlich schätzen lernen. Sie werden ihm treulich auch zu seinem jetzigen weiteren Lebensweg ihre Gedanken nachsenden. Er wird ganz sicher, nach­dem er in seinem Erdenleben immer wieder und wiederum nach dem Bau hergestrebt hat, schon vorauszeigend, wie sein ganzes Wesen hierher gerichtet ist, er wird ganz gewiß seine Gedanken mit den­jenigen vereinigen, die von hier aus zu ihm hinauf kommen. Zum Zeichen dessen, meine lieben Freunde, erheben wir uns von den Sitzen.

Die Kremation wird am Montag, Nachmittag um 4 Uhr, in Basel stattfinden.

ANSPRACHE BEI DER KREMATION VON HARALD LILLE Basel, 25. Oktober 1920

#G261-1963-SE240 Unsere Toten

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ANSPRACHE BEI DER KREMATION VON HARALD LILLE

Basel, 25. Oktober 1920

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Liebe Trauergemeinde! Jung ist unser lieber Freund Harald Lille von uns gegangen. Eine Wegstrecke seines Lebens hat er in gemeinsamer Arbeit, gemeinsamem Bestreben, gemeinsamem Trachten mit uns zurückgelegt. Wir haben ihn kennen gelernt, in ihm kennen lernen, was wirken kann, daß unsere Gedanken, unsere Empfindungen nach­kommen seiner nunmehr in geistige Welten hinaufsteigenden Seele.

Seit, lieber Freund Lille, Deine Seele diesen Leib verlassen hat, traten noch einmal vor mein Inneres alle diejenigen Augenblicke, in denen ich Dich kennen lernen konnte. Die Erinnerungen, sie brachten mir das Bild Deines Wesens, das sich uns nun, den Trauernden hier in diesem Augenblicke, da wir hinaufschauen zu Deiner in Geistes­weit enteilten Seele und Abschied nehmen von Dir auf dem physischen Plan, das sich mir vor die Seele stellt. Und das vor die Seele Gestellte soll Dein Bild dieser unserer Trauergemeinde geben:

Des Geschickes übermenschlich Walten,

Es erzog zur Kunst des Messens, Formens

Und der Technik Leistung Deine Kräfte.

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Dieses blieb Deines Wesens Schale nur.

Tief im Innern wies ein mächtig Sehnen

Auf den Weg nach Geistessonnenwärme.

Und es wies dies Sehnen aus dem Norden

Dich zu uns nach unserer Goethestätte,

Wo der Technik Kraft sich eint mit Geisteswirken.

Und da ward Dir dann die Seelenwärme,

Die Du Deinem Herzen geben wolltest

Als den Seinsgehalt, den Du erstrebtest.

In des Geistes Höhenwelten

Hin nun trag', was Du gefunden

Durch der Seele Leistung: Gotteskräfte.

Vor jetzt schon einer größeren Anzahl von Jahren hat sich unser lieber Freund Lille innerhalb unserer geisteswissenschaftlichen Ge­meinschaft eingefunden zu gemeinsamem Streben, zu gemeinsamem Wirken und vor allen Dingen zu gemeinsamem Leben. Er ist er­zogen in den technischen Wissenschaften unserer technischen Kunst. Das brachte er aus der äußeren Welt in unsere Gemeinschaft herein. Aber in seinem Inneren war ihm etwas gegeben aus ewigen Welten. Ein inniger Drang nach Seelenwärme, nach einer solchen Seelen-wärme, die durchleuchtet sein will von dem Lichte des Geistes, in dem des Menschen wahres Wesen doch atmen muß, zu dem des Menschen wahres Wesen doch gehört. Und wie, man möchte sagen selbstverständlich fanden sich diese beiden Pole des Lebens unseres Freundes zusammen, da wo er zunächst nach beiden Richtungen hin wirken konnte, wo er mit uns zusammen in den Dienst einer großen Sache stellen konnte sein technisches Können, wo aber dieses tech­nische Können nur insofern in dem Dienste einer großen Sache für die äußere Welt steht, als diese Sache durchstrahlt sein soll von alle­dem, wozu als zu ihrem innersten geistigen Wesen die wahre mensch­liche Seele doch streben muß.

Das Innere unseres Freundes war auf diese Seelenwärme hin ge­stimmt. Sein immer liebes, freundliches Gesicht, seine Innigkeit strahlenden

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Augen, aus ihnen sprachen die Sehnsuchten nach dieser Seelenwärme, die durchleuchtet sein wollten von dem Lichte einer geistigen Erkenntnis, die arbeiten wollten im Dienste der geistigen Menschheitsentwickelung. Ihm war es ein tiefes Bedürfnis, eine Arbeit zu leisten im Menschheitsdienste, die er durchwirken konnte von dem Bewußtsein, dem Geiste der Menschheit in seiner Wahrheit an­zugehören. Und so hat er unter uns gewirkt, gewirkt fleißig immer in dem Bewußtsein, wie jeder kleinste Teil, der von uns gewirkt werden kann, sich stellen will in den Dienst der ganzen Menschheits­bewegung

Dann kam es, daß das Geschick ihn zurückbringen mußte in seine nordische Heimat, und in dieser nordischen Heimat, in die er im Grunde genommen schon den Keim jener Krankheit mit hinübertrug, der sich eben so weit entwickelt hat, daß unser Freund von dieser physischen Welt von uns gegangen ist, in dieser Heimat, in der er sich dann einige Zeit wiederum aufhalten mußte, da erlebte er das ganze chaotische Gewoge unserer Gegenwart, da erlebte er all das­jenige, was aus dem aufgewühlten sozialen Leben heraufdringt und nach neuen Gestaltungen in der Menschheitsentwickelung die ener­gische Forderung stellt. Da wurde er reifer und reifer, indem er ge­neigt war, zu vereinigen dasjenige, was er aus geistigen Erkenntnissen geschöpft hatte, mit demjenigen, was er aus Schmerzen heraus erfahren haben mußte aus den revolutionären Bewegungen, die er in seiner Heimat durchgemacht hatte.

Und so kam er, die Krankheitskeime im Leibe, aber mit einer Seele, die entgegenstrebte der Wirkungsstätte, die er innerhalb unserer Gemeinschaft gefunden hatte, wiederum zu uns. Man konnte ansehen der Art, wie dazumal unser Freund Lille zu uns kam, daß im Grunde genommen dasjenige, was wir in der Lage waren, hineinzustellen in Menschheitsstreben und Menschheitsentwickelung, für ihn den Mittelpunkt seines ganzen Seelensehnens bildete. Er war wiederum wie von innerer Geistessonne durchstrahlt, als er bei unserem Goethe-Bau anlangte. Aber es lebte der Keim der schweren Krankheit in ihm. Mutig und dem Lichte zustrebend war seine Seele immer. Allein, eben ein übermenschlich Schicksal hatte es so bestimmt, daß dieses Lebens

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Uhr früh ablaufen sollte. Und so ergriff ihn auch die Krankheit, die viele in jener Zeit ergriffen hatte. Man konnte sehen, wie er, als er in der Pflegestätte unseres lieben Mitgliedes, der Frau Wirz lag, auf der einen Seite schwer trug an demjenigen, wovon sein Körper be­fallen war. Wie immer nach lichten Höhen hinauf strebte, nach dem Inhalt einer Geist-Erkenntnis strebte, nach Seelensonnenwärme strebte sein wirklich liebes, edles Innere.

Dann hatte er Erholung zu suchen in den Bergen. Und man darf denken, meine liebe Trauergemeinde, daß gerade während dieses Er­holungssuchens fort und fort durch seine Seele zog die Sehnsucht wiederum nach der Goethestätte zurück. Das, was er an dieser Stätte erfahren hatte, was er erlebt hatte, das trug ihn, das war es, was wirk­lich bei unserem Freunde - wir dürfen es Dir, lieber Freund, hier so nahe sprechen bei Deinem Hinaufgehen in die geistigen Welten -zuletzt jene Stimmung hervorbrachte, die ihn im Grunde genommen keinen Unterschied mehr finden ließ zwischen der Welt, die er durch­zumachen hatte, und in der er nur kurze Zeit zu verleben hatte, und derjenigen Welt, in die er eintreten sollte, um zu wirken in ihr als Geist und Seele. Die Stärke der Überzeugung, die Tiefe der Er­kenntnis, sie wirkten wirklich geistig sichtbarlich in unseres Freundes lieber Seele. Sie war dasjenige, was auch gegenüber dem schmerz­lichen Darniederliegen einem immer entgegentrat, wenn man wieder-um dieses bis zuletzt dem Lichte zu blickende Antlitz schaute.

Und von dieser Sehnsucht getrieben nach der Zentral-Geistesstätte, mit der er die eigene Seele so verbunden hatte, kam er denn auch, als vor kurzer Zeit unsere Hochschulkurse am Goetheanum eröffnet wurden. Er konnte noch die ersten acht Tage dieser Hochschulkurse mitmachen. Als Schwerkranker, dem Tode Entgegeneilender machte er sie mit, doch mit einer Seele, die voll dabei war bei all dem, was da als ein neues Menschheitsgut an Erkenntnis erobert werden sollte, wie einer, der sich berufen fühlte, sei es in dieser, sei es in einer andern Welt mitzuarbeiten an demjenigen, was da an Impulsen gegeben wer­den sollte. Und als ich in den letzten Tagen unsern Freund noch sehen durfte, da war es mir so, als ob schließlich aus dem Streben im Mut und nach dem Lichte bei ihm sich, ich möchte sagen die Gedankenworte

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immer intensiver und intensiver festgesetzt hatten: Mag auch dasjenige, was von mir hier der physischen Welt angehört, zerfallen, ich bin verbunden mit dem geistigen Streben, das ich hier erworben habe, ich gehöre ihm so an, daß meine Kraft ihm gewidmet sein soll auch in anderen Welten, die ich vielleicht betreten soll. - Für ihn stand dieses Verbundensein nit der von ihm erwählten und in ihm Sehnsucht erzeugenden Geistessache in dem Mittelpunkt all seines Seelenerlebens, man darf wohl sagen, bis zur letzten Stunde. Die letzte Zeit unseres Ferienkurses, er hat sie nicht mehr mitmachen können. Er lag aber benachbart im Krankenhaus, und er machte sie mit allen Instinkten seiner Seele mit. Und so erwartete er den letzten Tag seines Erdeniebens nicht anders, als indem ihm ganz lebendig vor der Seele stand der erste Tag seines Geisteslebens, dem er mutvoll und strebend nach dem geistigen Lichte entgegenlebte. Seine Gedanken lebten in dem Strom des Denkens, das seine Seele ausgefüllt hat: Mutig dem Lichte entgegen! - Dieser Gedanke zog in den letzten Tagen durch seine Seele.

Und wir schauen hin auf diese Seele. Sie war als Seele so gesund trotz des kranken Körpers, mit dem das Schicksal sie umideidet hatte, daß es ihr eben die Selbstverständlichkeit des Lebens war, daß sie herausgetreten ist aus den Pforten des Alls zu dieser irdischen Mission, und daß sie fühlte in sich all dasjenige, was allen Menschenseelen eignet, wenn sie ihr wahres Sein innerlich erschauen, daß sie fühlte, daß der Mensch auf dieser Erde eine Mission auszuführen hat, die ihm gegeben ist von den Göttern des Alls, aus denen sie ihrer wahren Wesenheit nach doch geboren ist. Ein edles Schauen dieses gött­lichen Durchströmtseins in allem, das war es, was selbst dann, wenn unser Freund Lille die Hand anlegte an praktische Lebensbetätigung, ihn immer erfüllte. Ein Gottschauen im schönsten Sinne des Wortes, das war es, wodurch er sich sagte: Diese meine Seele, sie ist aus dem Göttlichen geboren.

Und er suchte die geistige Erkenntnis, weil er leben wollte hier und sterben wollte hier innerhalb dieser physischen Erde in der Kraft des Christus, und er fühlte, er brauche die die Seele mit dem wahren Lichte durchglänzende geistige Erkenntnis, um den Weg zu finden in

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seiner Art zu dem Leben und Sterben in dem Christus. Und so hat er sich denn verbunden durch unsere Geisteswissenschaft mit einem echten, wahren Christus-Bewußtsein. Wie er sich fühlte geboten aus dem Göttlichen, so fühlte er sich lebend und so lebte er dem Tode entgegen in echtem, wahrem, lebendigem Christus-Bewußt­sein. Er fühlte den Christus durch geistige Erkenntnis in seiner Seele lebend.

Und aus der Kraft dieses den Menschen durchdringenden Christus, mit dieser Kraft ging ihm die Zuversicht auf darüber: Welche Welten auch des Menschen Seele durchleben muß, durch wie viele Tode sie auch gehen muß, wie oft auch die Finsternis in ihr Licht hereinfallen muß -, aus allen Leben, aus allen Toden, aus aller Finsternis heraus muß der Menschengeist, der zu Ewigem bestimmt ist, immer wieder und wiederum auferweckt werden. - Das Auferwecktwerden in dem heiligen Geiste, das ging ihm aus seinem Gottesbewußtsein, aus sei­nem Erlebnis des Christus durch geistige Erkenntnis hervor.

So schauen wir auf unseres Freundes Seele, meine liebe Trauer­gemeinde, da sie jetzt von uns hinweggeht. Wir werden nicht mehr, lieber Freund, in Deine immer so freundlich blickenden Augen schauen können. Wir werden Deine so sehr die Sehnsucht nach dem Geiste tragenden Züge des Antlitzes hier in der physischen Welt nicht wiedersehen. Aber wir werden sie in unserem Herzen behalten, diese aus dem geistigen Auge mit Sehnsucht blickenden Züge. Wir werden unsere Gedanken vereinen mit Deiner auch im Geistigen fort2 strebenden Seele. Lieber Freund, Du hast Dich mit uns verbunden, wir werden mit Dir verbunden bleiben, auch wenn wir nur in unseren Herzensgedanken dasjenige erreichen können, was Du selber, nach­dem Du physisch von uns gegangen bist, in Deiner Seele als Dein Streben trägst. Wir haben Dich lieb gewonnen. Viele sind unter uns, die jetzt in diesem Augenblicke das empfinden. Sie haben Dich lieb gewonnen, lieb gewonnen zu einem Bande, das geistig-seelisch ist, das nicht reißen kann. Du bist unter uns. Wir gedenken in diesem Augenblicke Deiner fernen Angehörigen im hohen Norden, die nicht hier sein können, die Deiner in diesem Augenblicke gedenken. Wir lenken unsere Empfindungen so, daß unsere Gedanken Deinen Angehörigen

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im hohen Norden sagen können: Du gehst hier von der physischen Welt nicht hinweg, ohne umgeben zu sein von liebenden Herzen, von liebenden Herzen, die sich bewußt sind, daß sie Dir auch in diesem Augenblicke ersetzen müssen das Beisammensein in Liebe mit denjenigen in Deiner Heimat, die Du verlassen hast, um nach geistiger Strebensstätte zu gehen.

Und so möget Ihr es denn, Ihr Angehörigen unseres lieben Freundes Lille in seiner fernen Heimat, empfinden, wie wir in treulicher Liebe hier stehen, da seine Seele seinen physischen Leib verläßt, und seid Euch, die Ihr ihn liebet, die Ihr ihn uns gabet, seid Euch bewußt, daß er hier liebende Seelen gefunden hat, daß er nicht lieblos hinwegeilt aus dieser physischen Welt.

Des Geschickes übermenschlich Walten,

Es erzog zur Kunst des Messens, Formens

Und der Technik Leistung Deine Kräfte.

Dieses blieb Deines Wesens Schale nur.

Tief im Innern wies ein mächtig Sehnen

Auf den Weg nach Geistessonnenwärme.

Und es wies dies Sehnen aus dem Norden

Dich zu uns nach unserer Goethestätte,

Wo der Technik Kraft sich eint mit Geisteswirken.

Und da ward Dir dann die Seelenwärme,

Die Du Deinem Herzen geben wolltest

Als den Seinsgehalt, den Du erstrebtest

In des Geistes Höhenwelten

Hin nun trag', was Du gefunden

Durch der Seele Leistung: Gotteskräfte.

Im Leben haben wir Dich gefunden. Im Erdenleben hast Du ver­bunden mit uns Deine Kräfte. Hier stehen wir, um Deiner Seele nach­zuempfinden, nachzufühlen, um uns vorzubereiten, zu vereinigen unsere Gedanken mit Deinen Gedanken, die Du in die Arbeit der Ewigkeiten trägst. Tief empfinden wir es, was als Anfang und Ende

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Deines Bildes noch einmal, zum letztenmal vor unserer Seele auf-leuchten soll:

Des Geschickes übermenschlich Walten,

Es erzog zur Kunst des Messens, Formens

Und der Technik Leistung Deine Kräfte.

In des Geistes Höhenwelten

Hin nun trag', was Du gefunden

Durch der Seele Leistung: Gotteskräfte.

Im Leben: wir waren Dir vereint. Im Geiste: wir wollen Dir vereint bleiben auf ewig im Sinne dessen, was Du als Deine Erkenntnis-Überzeugung gewonnen hast. Aus dem Göttlichen ist des Menschen Seele geboren. In dem Christus muß des Menschen Seele sterben, wenn sie wahrhaftig leben will. In dem Heiligen Geiste muß sie auf-erweckt und wird sie stets wieder auferweckt werden. Das war Deine Überzeugung, das hast Du durch den Tod getragen. Das wird Dir als das Licht des Geistes leuchten, da Du jetzt die anderen Wege be­treten sollst.

Verbunden Dir, lieber Freund, auf ewig!

GEDENKWORTE FÜR CAROLINE WILHELM Dornach, 23. Oktober 1920

#G261-1963-SE248 Unsere Toten

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GEDENKWORTE FÜR CAROLINE WILHELM

Dornach, 23. Oktober 1920

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Meine lieben Freunde!

Auch heute habe ich mit einer Trauerbotschaft zu beginnen. Unser liebes Mitglied, Frau Caroline Wilhelm, hat heute Nacht den physischen Plan verlassen. Es sind jedenfalls eine ganze Anzahl von Freunden unter Ihnen, welche seit Jahren Frau Wilhelm kennen, und welche wissen, mit welcher Treue sie vor allen Dingen an unserer anthropo­sophischen Geistesbewegung hing, mit welcher Treue sie auch hing an alledem, was hier der Dornacher Bau ist. Mit welcher Liebe ist sie immer herausgekommen! Sie ist seit langem schwer leidend gewesen. Auch als das Leiden, das seit langem nicht viel Aussicht bot auf eine wirklich gründliche Wiederherstellung der Gesundheit, sie schon er-griffen hatte, da kam sie immer wieder und wiederum heraus und fühlte sich gestärkt, auch im Leiden gestärkt durch dasjenige, was ihr hier Dornach war. Sie fand dann manche Linderung da und dort. Sie fand insbesondere durch längere Zeit hindurch die besonders liebe Pflege in der Anstalt unseres verehrten Mitgliedes, Mitarbeiters, des Herrn Dr. Scheidegger in Basel. Es war rührend, wie sie in ihrem freundlichen Zimmer über jeden Sonnenstrahl sich freuen konnte, auch unter schmerzlichstem Leiden, wie sie immer wieder und wieder­um ihre Zuflucht suchte zu alledem, was ihr an Erhebendem, aber auch an Trost und an Kräftigendem gerade die anthroposophische Lektüre bieten konnte. Das ist ganz zweifellos, daß sie mit ihrer Seele dasjenige, was in der Anthroposophie lebt, tief und intim ver­bunden hat, und daß sie es hindurchgetragen hat durch des Todes Pforte. Und ich bin auch überzeugt davon, daß diejenigen, die sie gekannt haben, diejenigen, die hier gesehen haben, wie treu sie an alledem, was Dornach betrifft, hing, ihre Gedanken auch jetzt ver­einigen werden mit dem Streben ihrer Seele. Es wird ganz zweifellos auch unsere Freundin, Frau Wilhelm, stets aus ihrem jetzigen Orte mit inniger Liebe und mit treuer Anhänglichkeit an alledem hängen und bei alledem sein, was hier lebt und wirkt.

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Dienstag um 4 Uhr wird in Basel die Kremation sein, und es ist zu hoffen, daß diejenigen, die Frau Wilhelm kennen, an dieser Kremation sich beteiligen werden. Jetzt erheben wir uns zum Zeichen, daß wir uns mit ihr verbinden, von unseren Sitzen.

ANSPRACHE BEI DER KREMATION VON CAROLINE WILHELM Basel, 27. Oktober 1920

#G261-1963-SE249 Unsere Toten

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ANSPRACHE BEI DER KREMATION VON CAROLINE WILHELM

Basel, 27. Oktober 1920

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Meine liebe Trauergemeinde!

Nachdem das priesterliche Wort diese liebe Seele hinaufgeleitet hat in die geistigen Welten, in denen sie schon heimisch war während ihres irdischen Daseins, sei es mir gestattet, einiges anzufügen heraus aus dem Herzen derjenigen, mit denen sich unsere liebe Freundin, Frau Wilhelm, verbunden hat zu gemeinschaftlichem geistigen Streben, ge­meinschaftlichem Arbeiten. Es entspricht dieses dem Herzenstriebe derjenigen, die mit der teueren Dahingegangenen das gemeinschaft­liche Streben hatten, daß hier, wo sich ihre Seele von uns trennt, aber wir mit ihr vereinigt bleiben in des Geistes ewigen Reichen, daß hier sprach der Priester, der innerhalb unserer Geistesgemeinschaft steht, und daß auch von mir als dem Vertreter dieser Geistesgemeinschaft die Gedanken mit hinaufgeleitet werden, die entsprießen aus den Herzen und Seelen derjenigen, die mit unserer Freundin vereinigt waren. In den letzten Tagen, als diese Seele sich getrennt hatte von dem irdischen Leib, da stand das Bild der Teueren vor meiner Seele, und dasjenige, was aus diesem Bilde mit sprach, es sei gesprochen der enteilenden Seele:

Aus des Lebens Pflichtenkreis

Sprach zu Deinem Geistesquell

Ernst die große Schicksalsfrage:

Wie ergründet Menschenwissen,

Wo der Seele wahre Heimat

Ist in Weltenalles Weiten?

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Deinem Herzenstrieb erschien

Geist-Erkenntnis als der Weg,

Der vom Licht beleuchtet ist.

Und Du folgtest diesem Trieb.

Seelensicherheit hat er

Dir gebracht und Lebensmut.

Und es ist Dir Trost und Kraft

In den schweren Schmerzenstagen,

In der Schicksalswende-Stunde

Dann geworden. Was Du stark

In dem Seelen-Innern sahst

Als des Menschen Geisteslicht,

Durch das Leid hat es geleuchter.

So auch finde es im Geiste,

Dessen Pforte jetzt vor Dir

Sich der neuen Daseinsform

Öffnet, und die Deiner Seele

Weitern Weg lichtvoli weiset.

Meine liebe Trauergemeinde!

Die engeren Angehörigen der lieben Dahingegangenen, sie dürfen in dieser Stunde fühlen, daß diejenigen Freunde, die hier sich versam­melt haben, um der sich von uns trennenden Seele die letzten Ab­schiedsgedanken zu senden, daß alle diese Freunde in herzlicher Liebe dieser Seele hierher gefolgt sind. Und in herzlicher Liebe gesprochen werden diejenigen Worte, die jetzt noch gesprochen werden sollen:

Die teure, liebe Freundin, sie hatte in sich gefühlt einen Strahl von demjenigen Geisteslichte, das in der Seele aufleuchtet, wenn diese Menschenseele sich besinnt auf ihren wahren, echten Ursprung, wenn sie sich besinnt auf dasjenige, woraus als dem ewigen Menschheits­quell jeder einzelne Mensch geschöpft ist zum Wirken in der geistigen, zum Wirken in der physischen Welt.

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Aber, meine liebe Trauergemeinde, an den einen Menschen tritt intensiver oftmals als an den andern heran die große Schicksalsfrage:

Wie findet die Seele sich zurecht in diesem Dasein? - in diesem Da­sein, das uns zunächst umgibt als die irdisch-physische Welt, in das hereinleuchtet für das Seelenauge dasjenige, was diese irdisch­physische Welt geistig durchdringen kann. Stark im Leben ist das­jenige, was an Freude, an Erhebendem, dieses Leben bieten kann. Der Mensch bleibt leicht innerhalb dieses physischen Lebens stecken. Dann treten die Schicksalsfragen aus den Vergnügungen, aus den Freuden, aus den Erhebungen des Lebens nicht mit aller Intensität entgegen! Die großen Schicksalsfragen, die großen Weltenrätsel, sie treten an den Menschen heran, wenn Schmerzen es sind, wenn Leid es ist, die den Menschen befallen. Derjenige, meine lieben Freunde, der sich angeeignet hat etwas wie Welterkenntnis, der wird aus seinen tiefsten Erfahrungen, aus seinen tiefsten Erlebnissen heraus niemals sprechen: Aus meinen Freuden, aus meinen Lebensvergnügungen heraus ist mir Erkenntnis geworden. - Der wird davon sprechen, daß gerade die Leiden und Schmerzen es sind, die aufsprießen als das Er­kenntnislicht der Seele. Und die Leiden und Schmerzen, die herein-dringen in das Leben, sie sind es, die stärker nach dem Ewigen hin zeigen als die Freuden. Und wenn unsere Freundin schon war - das zeigte ihr Suchen nach dem Geisteslichte - eine von jenen tieferen Seelen, die das eigene Licht vereinigen wollten mit dem Gotteslichte der Welt, so ist sie vertieft worden noch im Leben durch schweres Leid, durch Schmerzen.

Liebe Trauergemeinde, insbesondere die nächsten Angehörigen, sie können versichert sein, daß diejenigen sie pflegenden Ärzte unserer Gesellschaft, die sie in ihrer Krankheit pflegen durften, gern, sehr gern dieses Leben noch länger hier auf der Erde erhalten hätten. Des Schicksals Stimme hat stark gesprochen, des Lebens Uhr war ab­gelaufen, und heute können wir uns nur denjenigen Trost geben, der aus geistigen Höhen von geistigem Lichte kommt, der uns aber sagt:

Wenn abgelegt ist dieses irdische Kleid, wenn übergeht dieser physische Leib, dann ist derjenige, den wir lieb gewonnen haben, der uns teuer geworden ist, nicht von uns gegangen. Die Gedanken, die

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ihn lieb gehabt haben, die Gedanken, die sich im gemeinschaftlichen Streben mit ihm vereinigt haben, die Gedanken finden ihn wieder.

Und diejenigen, die unsere liebe Freundin, Frau Wilhelm, lieb ge­habt haben, sie werden beflügelt von dieser Liebe ihre Gedanken in ewigen Gefilden zu ihr immer wiederum und wiederum hinaufsenden. Und dasjenige, was der irdische Tod von einander getrennt hat, das wird das Leben in den ewigen Geistesgefilden, in lichten Geistes-höhen vereinigen, denn so fest war das Band, das hier gebunden worden ist zwischen unserer lieben Freundin und denjenigen Freun­den, die in unserer Gemeinschaft Vereinigung gefunden haben, daß dieses Band gewiß nicht zerrissen werden kann. Auch diejenigen, die ihr fern gestanden haben, sie werden ihre Gedanken mit dem Streben, das unserer lieben Freundin in der Zukunft als Geist und Seele eigen sein wird, vereinigen. Wer sich bewußt geworden ist des Zusammen­hanges in der Ewigkeit, für den gibt es in Wirluichkeit keine Trennung.

Sehet hin, meine Lieben, auf die starke Zuversicht, welche lebte in dieser Freundin, Frau Wilhelm, aus dem geistigen Bewußtsein ihrer Seele heraus, das sie gesucht hat durch die Vereinigung mit unserem Geistesstreben. Wir wissen es, wie lieb es ihr war, immer wiederum und wiederum herauszukommen nach Dornach, wie lieb ihr die Stätte geworden ist, wie lieb ihr alles einzelne gewesen ist, was sie da vernommen hat. Wir wissen aber auch, wie dasjenige, was sie da ver­nommen und erlebt hat, sie zusammengebracht hat mit dem Gottes-lichte, das sie gesucht hat. Ich selber gedenke, wie rührend es war, wie sie auf ihrem Krankenlager die durch ihr Fenster hereinscheinende Sonne angesprochen hat in ihrem scheinenden Lichte als den äußeren Ausdruck des die Welt durchdringenden Göttlichen. So hat sie in allem Physischen das Göttliche gesucht.

Sie glaubte den Geist, mit dem sie sich vereinigen wollte, nur finden zu können, wenn sie in ihrer Seele aufleben lassen konnte die echte, starke Christus-Kraft. Und deshalb ist sie hinausgegangen zu uns, um durch das Erleben draußen, durch dasjenige, was da draußen vorging, diese Seele innerlich erstarken zu lassen, damit sie fühlen konnte das paulinische Wort: «Nicht ich, sondern der Christus in mir.» Und sie

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fühte, wie diese Christus-Kraft in ihrer Seele einzog. Sie fühlte das­jenige, dessen sich der Mensch bewußt sein kann, als seines Ur­Sprunges, sie fühlte das Göttliche dieses menschlichen Ursprunges durchdrungen von der Christus-Kraft. Sie wußte, daß so wahr es ist, daß der Mensch herausgeboren ist aus Geistestiefen durch die Kraft des göttlichen Vaters, daß der Mensch getragen werden muß durch Leben und Tod durch die Kraft des Christus. Ihr leuchtete entgegen in den schwersten Leidensstunden das Bild, das sie bekommen hat von dem Leiden des Christus auf Golgatha, der das Siegende ist über allem Tod. So besiegte sie in ihrem eigenen Inneren unter den schwersten Leiden und Qualen den Tod. Sie empfand das Christus-Licht in ihrem Inneren. Das war es, was sie aufrecht erhielt unter dem schweren Druck des Leidens, durch das sie geprüft worden ist. Denn das war es, was ihr immer wieder und wiederum sagte dieses Christus-Licht: Möge der Mensch durch noch so viele Tode gehen, mögen eindringen in dieses Leben noch so viele Leiden, noch so viele Finster­nisse, es gibt ein Wiederaufleben im Geiste aus allen Toden, aus allen Finsternissen, aus allen Leiden. Und aus allen Leiden werden Prü­fungen der Seele und aus allen Prüfungen der Seele wird dann erst jenes große Licht, das den Menschen erwartet und ihm zustrebt.

So, meine lieben Leidtragenden, haben wir sie gekannt, unsere Freundin. Nicht wollen wir sprechen von dem allzusehr, was sie draußen finden konnte. Denn daß sie finden konnte, was ihre Seele suchte, dafür ward ihr Leben selber das lebendige Zeugnis. Aber davon wollen wir noch sprechen, daß, wenn sie hinausgekommen war, ihr eigenes Auftreten das lebendige Zeugnis war für etwas, was aus ihr sprach, ohne daß sie sich dessen bewußt war, was aber jeden Menschen berührte, der die teure Freundin kennen lernte: Sie ist eine gute Frau. - Sie ist eine Frau, die man lieben konnte bis in die Tiefe ihrer Seele hinein. Das konnte sich derjenige sagen, der sie draußen sah, wenn sie noch suchte dieses Geisteslicht. Bis in die letzten Zeiten hinein, in denen sie noch den Weg hinaus machen konnte. Sie hat es ja gesucht. Und aus der Art und Weise, wie sie es aufgenommen hat, aus der Art, wie sie aus ihren Augen empor ge­blickt hat, um das innere Licht mit dem äußeren zu vereinigen,

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sprach aus ihr: Eine gute liebe Frau. - Und sie wird weiter geliebt werden von denjenigen, die sie kennen gelernt haben, und aus der Wärme dieser Liebe wird ersprießen jenes Licht, das leuchten wird, wenn wir unsere Gedanken zu ihr hinaufsenden in der Gewißheit, mit ihr vereinigt zu sein, auch wenn die Seele getrennt ist von diesem physischen Dasein.

So sei Dir, liebe Freundin, noch einmal das Bild nachgesprochen, das zu mir in diesen Tagen gesprochen hat, mich erinnernd des­jenigen, was Du uns warst, was Du warst all denjenigen, die Dich kennen gelernt haben, was Du warst der Welt des Geistes, der Du treulich und in Liebe und in starkem Mute zugestrebt hast:

Aus des Lebens Pflichtenkreis

Sprach zu Deinem Geistesquell

Ernst die große Schicksalsfrage:

Wie ergründet Menschenwissen,

Wo der Seele wahre Heimat

Ist in Weltenalles Weiten?

Deinem Herzenstrieb erschien

Geist-Erkenntnis als der Weg,

Der vom Licht beleuchtet ist.

Und Du folgtest diesem Trieb.

Seelensicherheit hat er

Dir gebracht und Lebensmut.

Und es ist Dir Trost und Kraft

In den schweren Schmerzenstagen,

In der Schicksalswende-Stunde

Dann geworden. Was Du stark

In dem Seelen-Innern sahst

Als des Menschen Geisteslicht,

Durch das Leid hat es geleuchtet.

So auch finde es im Geiste,

Dessen Pforte jetzt vor Dir

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Sich der neuen Daseinsform

Öffnet, und die Deiner Seele

Weitern Weg lichtvoll weiset.

Im Zeitensein haben Deine Freunde Dich gefunden. Sie haben ver­einigt die Liebe zu Dir mit der Liebe, die Deine teueren Angehörigen Dir auf Deinem Lebensweg entgegengebracht haben. Sie schauten die Liebe, die Du selber Deinen teueren Angehörigen und den Freun­den entgegenbrachtest. Der Lebensweg, der uns vereinigt hat, er lasse aufsprießen jene Kraft, durch welche unsere Gedanken stets finden werden Deine Gedanken, wenn Du in ewigen Gefilden lebest und strebest. Denn dasjenige, was sich in wahrer Liebe und in echter Liebe findet in der Zeitenwende, das bleibt aus Menschenwesenstiefen ver­eint für Ewigkeit.

GEDENKWORTE FÜR LINA SCHLEUTERMANN Dornach, 1.Juli 1921

#G261-1963-SE256 Unsere Toten

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GEDENKWORTE FÜR LINA SCHLEUTERMANN

Dornach, 1.Juli 1921

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Bevor ich zu dem Gegenstande unserer Betrachtungen komme, möchte ich mit ein paar Worten darauf hinweisen, daß unser Freund und Mitarbeiter hier am Bau, Herr Schleutermann, in diesen Tagen seine junge Frau vom physischen Plane verloren hat, und ich darf vielleicht gerade davon den Anlaß nehmen, Ihnen zu sagen, wie Frau Dr. Wegman, die der behandelnde Arzt in diesem Falle war, das schöne Erdenende von Frau Schleutermann mitgemacht hat.

Es war allerdings eine lange, zum Teil sehr leidensvolle Krankheit, von der Art, die zuletzt schon durch längere Zeit den Ätherleib los-löste von dem physischen Leibe, was sich in einer besonderen Art von Benommenheit zeigt. In diesem Falle geschieht sehr häufig gegen das Ende, daß bei der noch stärkeren Loslösung des Ätherleibes ein von übersinnlichen Inhalten erfülltes Bewußtsein auftritt, das in allerlei schönen Bildern über die Aufgaben des eigenen und des Erden-daseins spricht. Und von diesem Gesichtspunkte ist der Hinübergang der jungen Frau, die erst vierundzwanzig Jahre alt war, ein außer­ordentlich erhebender offenbar gewesen.

Ich wollte auf dieses hinweisen, meine lieben Freunde, aus dem Grunde, weil das ein erhebender Gedanke sein kann für die zahl­reichen Freunde, die sich auch heute nachmittag bei der Beerdigung eingefunden hatten, und weil dieser Gedanke der Ausgangspunkt sein kann für diejenigen Freunde, die dann Herrn Schleutermann wieder­um in ihren Reihen empfangen werden, wenn er nach der einiger­maßen eintretenden Linderung seines Schmerzes wiederum hierher arbeitend zurückkommt. Aus diesem Gedanken werden Sie dann stärkend auf ihn wirken können, und er wird vielleicht in den stärken­den Gedanken, die Sie ihm entgegenbringen, einigen Trost finden, wie er wirklich recht viel aufrichtende Kraft finden kann in den schönen, nach dem Übersinnlichen gerichteten Gedanken, die wäh­rend dieser Erdeninkarnation die letzten seiner verstorbenen Frau waren.

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Ich möchte Sie bitten, meine lieben Freunde, zum Zeichen dafür, daß wir unserem Freunde in seinem schweren Leid beistehen wollen, sich von Ihren Sitzen zu erheben.

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GEDENKWORTE FÜR NELLY LICHTENBERG

Berlin, 21. Mai 1922

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Bevor ich zu meinem Vortrag komme, habe ich die Mitteilung zu machen, daß unsere liebe Freundin Nelly Lichtenberg den physischen Plan verlassen hat. Die jüngeren Freunde werden sie vielleicht auch aus ihrer Teilnahme an unseren Veranstaltungen kennen, aber die älteren Teilnehmer kennen sie sehr gut und haben sie gewiß tief in ihr Herz geschlossen - ebenso wie ihre in Trauer zurückgebliebene Mutter.

Nelly Lichtenberg, die zuletzt noch in Stuttgart ihre Gesundung gesucht hat, hat dort vor einigen Tagen den physischen Plan ver­lassen. Sie und ihre Mutter, die dort zu ihrer Pflege war, gehörten seit dem Beginne unserer anthroposophischen Bewegung dieser an. Und wenn ich in wenigen Worten ausdrücken soll, was vielleicht gerade die Verstorbene, von dem physischen Plan Hinweggegangene, und auch ihre Mutter selbst in meinen Augen am besten charakteri­siert, so möchte ich sagen: Gegenüber der anthroposophischen Be­wegung bestanden ihre Seelen aus lauterer Treue, aus lauterer tiefer Hingegebenheit an die Sache. - Wir alle haben zu schätzen gewußt, als unsere Bewegung hier in Berlin noch außerordentlich klein war, mit welcher innigen Treue und mit welchem tiefen Herzensverständnis die beiden an der Bewegung hingen und an der Entwickelung der Bewegung teilnahmen. Die Baronesse Nelly Lichtenberg trug diese treue Seele in einem Körper, der außerordentliche Schwierigkeiten für das äußere Leben bereitete. Aber diese Seele fand sich eigentlich mit allem in einer wunderbaren Duldergesinnung zurecht, die sich verband mit einer gewissen inneren beseligten Freudigkeit im Auf­nehmen des Spirituellen. Und diese Duldergesinnung, verbunden mit

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dieser inneren Freudigkeit, durchwärmt von einer Zuversicht für das seelische Leben, auf welchem Plane immer sich in der Zukunft dieses seelische Leben entfalten möge, das alles traf man bei der nunmehr Verstorbenen auch an ihrem letzten Krankenlager in Stuttgart, wo ich sie durchaus in dieser Seelenstimmung und Seelenverfassung bei meinen letzten Besuchen gefunden habe. Es ist Ihnen allen klar, daß derjenige, der irgendwie mitwirken kann zur Gesundung eines Men­schen, alles tun muß, um diese Gesundung nach seinen Kräften herbei­zuführen. Aber Sie wissen auch alle, wie das Karma wirkt, und wie es zuweilen eben unmöglich ist, eine solche Gesundung herbeizuführen. Es war gewissermaßen durchaus schmerzlich, nur in die Zukunft zu sehen, wenn man die Leidende in den letzten Wochen vor sich hatte. Aber über alles das führte ihre auch für die geistige Welt so außer­ordentlich hoffnungsvolle Seele sie selbst und die, welche mit ihr auch in den letzten Zeiten zu tun hatten, hinweg. Und so darf man sagen, daß gerade in der mit ihr von dem physischen Plan hinweggegangenen Seele eine solche hier auf Erden lebte, welche Anthroposophie in wahrem Sinne des Wortes aufgenommen hatte, so aufgenommen hatte, daß diese Anthroposophie nicht bloß eine theoretische Welt­anschauung, eine Verstandesbefriedigung oder auch eine leichte Emp­findungsbefriedigung war, sondern der ganze Inhalt ihres Lebens, die Gewißheit ihres Daseins war. Und mit diesem Inhalt ihres Lebens und mit dieser Gewißheit ihres Seelendaseins ist sie auch von diesem physischen Plan hinweggegangen. An uns ist es, namentlich an den­jenigen, die so viele von den Stunden hier im physischen Dasein, die der Mensch zuzubringen hat, mit ihr im gleichen geistigen Streben durchgemacht haben, unsere Gedanken zu ihrem Seelendasein hin zu richten. Und das wollen wir denn treulich tun! Sie soll oft in der Fortsetzung ihres Daseins in einem anderen Gebiete unsere Gedanken durch unseren Willen mit ihren Gedanken vereinigt finden, und sie wird immer, auch in ihrem ferneren Seelendasein, ein treuer Mit-genosse unseres geistigen Strebens sein. Dessen können wir gewiß sein. Und daß wir ihr dieses versprechen, daß wir unsere Gedanken kraftvoll zu ihr hinlenken wollen, zum Zeichen dessen, um sie zu ehren, wollen wir uns von unseren Sitzen erheben.

ANSPRACHE BEI DER KREMATION VON ELISABETH MAIER Stuttgart, 29. März 1923

#G261-1963-SE259 Unsere Toten

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ANSPRACHE BEI DER KREMATION VON ELISABETH MAIER

Stuttgart, 29. März 1923

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Liebe Leidtragende!

Nachdem die feierliche, priesterliche Handlung für unsere liebe Freundin Elisabeth Maier hier vollzogen worden ist, seien aus der Geistgemeinschaft, welcher die teure Dahingegangene aus den Tiefen ihres Herzens angehört hat, der lieben, guten Seele einige Worte durch mich nachgesprochen.

Elisabeth Maier hat gesucht diese Geistgemeinschaft aus den Tiefen ihrer Seele heraus, weil sie durch ihr ganzes Wesen eine innige Ver­wandtschaft zu geistigem Sein und zu geistigem Wirken hatte, weil sie durch die besten Kräfte, die in ihrer Seele lebten, menschlich klar wußte, wie allezeit das Leben im Geiste den Sieg davonzutragen hat über den Tod im Stoffe. Mit Menschenseelen suchte ihre Seele Ge­meinschaft, welche mit ihr in dieser heiligen Überzeugung verbunden sind, so verbunden sind, daß das Band, durch das sie verbunden sind, durch nichts getrennt wird, welche daher auch wissen, daß der Tod nur ein Übergang von einem Leben zu dem andern ist. Deshalb aber, geliebte Leidtragende, bleibt der Schmerz, die Trauer, die solche Seelen an den Särgen der von ihnen Weggehenden empfinden, in seiner vollen Größe bestehen. Der Schmerz und die Trauer werden verklärt, aber sie werden nicht vermindert.

Daher darf ich mich ganz besonders in diesem Schmerzens-, in diesem Traueraugenblicke zunächst wenden an die geliebte Mutter der teuren von uns Hingegangenen, ihr zu versichern, daß es gibt in den Seelen, die mit der teuren Elisabeth Maier verbunden waren, tiefsten, aufrichtigsten, ehrlichsten Schmerz für jene Lebensempfin­dung, die solchen Schmerz verstehen kann und die sich ausdrückt darin, daß man sagen muß: Einem teuren Wesen hat man das Leben gegeben als Mutter, und man muß dessen irdisches Leben früher ent­schwinden sehen, als rnan sich selbst in die geistigen Gefilde hin-aufhebt.

Und aus diesem tiefen Mitschmerze wende ich mich an alle übrigen

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Geschwister, an alle übrigen Verwandten und an die weitere Leid-und Trauergemeinde, die Her vereint ist. Ihr alle, liebe Leidtragende, dürft in diesem Falle den Schmerz wahrhaftig so betrachten, daß er die Grundlage ist für schöne, gute, heilige Empfindungen und Ge­danken, welche die jetzt in die Höhe steigende Seele begleiten dürfen und begleiten können. Und wir dürfen auf der Grundlage dieses echten, aber durch unsere Überzeugung verklärten Schmerzes die Worte aussprechen, die sein sollen ein Gelöbnis, in weiterer treuer Verbindung bleiben zu wollen mit der von der Erde weggehenden Seele.

Seelen, die in zarter, inniger Weise verbunden waren hier auf Erden mit demjenigen, was als geistiges Leben und geistige Erhebung fließt durch die Geistesüberzeugung, in der Elisabeth Maier lebte, von solchen Seelen darf gesagt werden, sie schritten schon in das Leben herein, vorbestimmt dazu, den Geist wieder zu suchen Her auf Erden, von dem sie heruntergestiegen waren aus geistumiangenem Daseins-atem im vorirdischen Leben, aus der Gemeinschaft im Geiste, dem göttlichen Geiste, der die Welt durchlebt und durchwebt. Solche Seelen tragen das Geist-Zeichen Her auf Erden mit. Und eine solche Seele war Elisabeth Maier. Man konnte von ihr wirklich sagen: Ge­boren war sie aus dem im Gotte ergriffenen Geiste. - Und die Kraft dieses Geistes führte sie zu jener Geist-Erkenntnis und Geist-Über­zeugung, die ihr vorangeleuchtet hat wie ein Ideal, das sie getragen hat wie eine stark wirkende Seele. Gerade das war etwas, meine lieben Leidtragenden, liebe Trauergemeinde, was man erleben konnte mit unserer teuren Elisabeth Maier, und was in dieser Stunde schmerz­lichen Herzens, aber auch, ich möchte sagen wie erflehend erst recht die Verklärung der teuren Seele, Her ausgesprochen werden kann. Das geistige Ideal, das sich Elisabeth Maier aus den Tiefen ihrer Seele heraus gestellt hatte, es war ein hohes Ideal. Es war ein Ideal, zu dem starke Kräfte notwendig waren. In dem von jeher schwachen Körper waren diese nach seelischer Stärke rufenden Kräfte. Aus dem schwächlichen Körper schauten seit langem diese Seelenaugen, die so sehnsüchtig nach ihrem hohen Ideale hinblickten. Das war die tiefere Seelengrundlage dieses körperlichen Leidens, an dem unsere Elisabeth

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Maier seit langem siechte. Der Lebensmut wollte ihr wanken, die Lebensfrische wollte ihr wanken, weil sie sich unter der Größe ihres [deals schwach fühlte. Und es waren wohl menschliche Worte nicht stark genug, den Lebensmut ihr zu geben, die Lebenskraft ihr zu schenken, welche sie gebraucht hätte. Und so starb sie in einer ge­wissen Weise entgegen auch ihrer Seele, dem Leben in den ewigen Gefilden des Daseins, zu denen sie jetzt aufsteigt von dieser Erde. Gerade aus der Kraft, aus der uns Her oft etwas wie mangelnde Lebenshoffnung entgegenkam, wird ihr jene starke Seelenkraft kom­men, die sie nun weiterführen wird im Geiste. Denn im Grunde ge­nommen kam letzten Endes dasjenige, was ihr Lebensfrische nahm, doch aus einer seelischen Stärke. Sie wollte alles dasjenige, was sie in der Seele aufzubringen vermochte an Kräften, vereinigen in dem großen Ideal der Geistgemeinschaft, der sie mit einer so innigen, herzlichen Gesinnung angehörte.

Weil aus dieser Geistgemeinschaft heraus die stärksten Lebens-kräfte für die Seele kommen, stehen wir, indem wir ganz zart und innig diese Empfindung in unserer Seele aufsteigen lassen, an der entschwindenden, in die Höhe Hnaufsteigenden Seele, der Seele Elisabeth Maiers.

Wissen wir, liebe Leidtragende, liebe Trauergemeinde, daß sie durch diese starke Kraft aber gefunden hat die Gemeinschaft mit demjenigen, der aus geistigen Höhen in inniger Geistgemeinschaft mit den Menschen heruntergestiegen ist, um sich mit Menschen-geschick zu vereinigen, der Besieger des Todes ist, der Begründer des ewigen Lebens in allen Menschen ist. Wissen wir, liebe Leid­tragende, liebe Trauergemeinde, daß sie gefunden hat den Christus, der da leitet die menschlichen Seelen, die ihn suchen, durch die Pforte des Todes, und wissen wir, daß solche Seelen, die in solcher fnnigkeit zu diesem Geist aufschauen, den durch alle Räume und Zeiten waltenden Geist finden. Wissen wir, daß mit diesem Geist zusammenfinden sich wird die jetzt von uns entschwindende, uns teure Elisabeth Maier.

Wir werden nicht ihre Augen weiter schauen. Wir werden aber unsere Gedanken ihrer Seele, unsere Empfindungen mit den Empfindungen

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ihrer Seele, unser bestes menschliches Sein mit ihrem Seelen­sein vereinigen wollen, und so dürfen wir denjenigen, welche die nächsten Leidtragenden sind, der Mutter, den Geschwistern, der wei­teren Verwandtschaft und den ihr Geistverwandten versichern, daß mit dem Gedanken, der hinaufeilt zu dem Seelenwesen Elisabeth Maier in Zukunft sich vereinigen werden alle diejenigen, die innerhalb der von Elisabeth Maier gesuchten Geistgemeinschaft mit ihrem Geiste innig verbunden waren.

So wie finden werden diejenigen, denen sie teuer war, oben in den Geisteshöhen diese teure Seele, so werden sie stets finden die Gedanken derjenigen, denen sie, zu ihrem Leide, zu ihrem Schmerze von der Erde allzu früh entrissen worden ist. Sie werden sie finden in den Geisteshöhen. Und so senden wir denn mit der hinaufeilenden Seele heute die Gedanken, die uns am innigsten, am herzlichsten verbunden haben mit der teuren Elisabeth Maier, wir senden sie hinauf auf den­selben Wegen, auf denen Du hinaufgehst, auf geistigen Wegen, damit sie Dich stets finden werden. Aus dem Worte des heutigen Gelöb­nisses heraus wollen wir die Kraft schöpfen, daß unsere mit Dir ver­bundenen Gedanken Dich auch immer suchen werden, damit Du die Gemeinschaft finden wirst immerdar durch alle Welten, in denen Men­schenseelen durch alle Daseinsverwandlungen hindurch leben in Weltenfernen und durch alle Zeitenräume. Das wollen wir Dir heute mit Deinen teuren Angehörigen und den Dir Nächststehenden in Treue geloben für alle Zeiten.

ANSPRACHE BEI DER KREMATION VON HERMANN LINDE Basel, 29.Juni 1923

#G261-1963-SE263 Unsere Toten

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ANSPRACHE BEI DER KREMATION VON HERMANN LINDE

Basel, 29.Juni 1923

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Meine liebe Trauergemeinde!

Nachdem das priesterliche Geleitwort unseren lieben Freund be­gleitet hat in die Reiche des Lichtes, sei gesprochen aus den Herzen derer, mit denen unser lieber Freund innigst verbunden war, an seine liebe Gattin, Tochter und an Euch, liebe Freunde, die Ihr mit Hermann Linde so eng verbunden waret, seien diese Worte gesprochen, die nach-klingen mögen der Seele unseres teuren Freundes:

Deiner Seele sanfter Flügelschlag

Trug Dich, lieber Freund, in Geistesbahnen,

Deines Schicksals ernste Führerhand

Bracht' das Geistes-Wort zu Deinem Ahnen.

Mancher Zweifel trat in Deinen Weg,

Doch des Herzens Kraft, sie fand

Sich durch Lebenslicht und Daseins-Schatten

Zum Gedankenziel im Geistesland.

Und so schaue, treue Freundesseele,

In der vollen Geisteswirklichkeit,

Was Dir sinnvoll leuchtend vorgeschwebt

Als die Zukunft nach der Erdenzeit.

Und am Lebensabend noch mußtest Du

Tief im Seelen-Innern unsern großen Schmerz

Aus der Flamme furchtbar leuchten sehn;

Für das Erdendasein brach es Dir das Herz.

Deiner Gattin ernste Herzensliebe,

Sie wird folgen Deinem Geistesleben;

Deiner Tochter treu Gedenken

Soll bewahren Dein edles Streben.

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Und wir, Dir geistverbunden im Erdensein,

Wir, die wir zum neuen Leben Dich geleiten,

Wollen geistgeeint bei Dir verweilen

In Zukunftzeiten und in Weltenweiten.

Liebe Trauergemeinde! Unser teurer Freund hat sich als einer der ersten unserer geistigen Gemeinschaft in herzlicher Innigkeit an­geschlossen. Und wir lernten sein liebes, gutes Herz, sei es in einer so wirksam vollbrachten, uns allen heiligen Arbeitspflicht, sei es im Nebeneinandergehen in der Bekennerschaft zu unserer geistigen Er­kenntnis, wir lernten dieses gute, liebe Herz kennen, wir lernten es schätzen, und wir sollen wissen, mit ihm verbunden zu bleiben, auch nachdem unser physisches Auge in sein physisches Auge nicht mehr schauen kann. Und so schaue denn in Zukunft unser Seelenauge, seiner in aller Herzlichkeit und Liebe gedenkend, in sein liebes Geistesauge.

Liebe Freunde! Hermann Linde hat auf seinem ernsten Wege zum Geistesforschen manchen Zweifel, manches andere Seelenhernmnis an dem Wege gefunden. Aber er hat eine geistgeneigte, eine seelenwarme innere Herzenskraft besessen. Sie hat ihn hingeleitet mit starker innerer Macht zu demjenigen, was er dann gefunden hat als sein Geisteswort, seine Geistes-Erkenntnis, in der wir in inniger Freund­schaft mit ihm verbunden waren.

Man möchte sagen, mit den drei Epochen des anthroposophischen Lebens ist Hermann Linde in Treue gegangen. Zunächst hat er es gefunden, dieses geistige Leben. Dann kamen die Zeiten, wo er als einer der Wirksamsten, der Hingebungsvollsten, der Opferfreudigsten in München mitgearbeitet hat an unseren Festes-Mysterienspielen, die mit anderen zusammen auch sein Werk waren. Von wie vielem, meine lieben Freunde, müssen wir sagen: In der Zeit, in der wir es zu arbeiten hatten, wäre es ohne Hermann Linde nicht zustande ge­kommen.

Und dann, als der Ruf kam, auf dem Dornacher Hügel das uns allen so teure, auch gestorbene Goetheanum zu erbauen, war er wieder einer der ersten, der ratend, helfend alles dasjenige, was er hatte:

seine Kunst, sein Sein dem Werke zum Opfer brachte. Wir haben es

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gesehen, wie Hermann Linde, herausgewachsen aus künstlerischet Lebenstätigkeit, zuletzt all das, was er in der Kunst zu geben ver­mochte, hineinopferte in dasjenige Werk, mit dem er sich ganz ver­bunden hatte.

Und wer Menschentreue und Menschenhingebung zu schätzen ver­mag und zu lieben vermag, der konnte wohl nicht anders, als mit-arbeitend, mitlebend mit Hermann Linde, die stille, sanfte und doch so tatkräftige Seele schätzen und bewundern und sie als die teuerste Freundesseele fühlen, die auf unserem Geisteswege mitgegangen war.

Viele der Stunden treten vor mein Seelenauge, in denen ich Her­mann Linde arbeitend, arbeitend an der Seite seiner lieben Gattin, unserer Freundin, oben in der Kuppel des Goetheanum traf, und in denen er sein Bestes in das Werk hineinopferte, dessen Untergang er und wir in so tiefem Schmerze erleben mußten.

Und wenn man Hermann Linde sah still wirken in seinem Atelier, ganz hingegeben dem Goethe-Gedanken, alles, was er empfinden konnte als Künstler, hineingeheiminissend in diesen Goethe-Gedanken, dann wußte man: Das war einer der Besten, die unter uns wirken.

Liebe trauernde Freunde, so steht Hermann Linde vor uns. Aber wir mußten ihn auch begleiten so, daß wir immer an ihm sahen, wie eine starke, eine viel wollende Seele doch in einem schwachen Körper lebte. Und dieser schwache Körper hat für uns alle Hermann Linde früh, viel zu früh von uns hinweggenommen: dieser schwache Körper, von dem diejenigen, die intimer mit Hermann Linde verbunden waren, wußten, daß alles, was an Hemmaissen in Hermann Lindes Leben stand, was sogar an Zweifel in ihm auftauchte, was manchmal die Intentionen der Arbeit nicht zur vollen Geltung kommen ließ, von ihm herrührte. Diejenigen, die intim Hermann Linde nahestanden, wußten, daß die Seele groß war, und daß er selber oftmals eine innere Tragik durch seinen schwachen Körper fühlte.

Aber gerade deshalb war sein Platz in einer Geistgemeinschaft, die hinauszublicken vermag über alles das, was nur die physisch-irdische Sinnlichkeit gibt, die hinaufzublicken vermag zu demjenigen, was als überirdisches Können die geistig wollende Seele als ihr großes Ziel

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ersehnt und erhofft. Und in intimer Freundschaft mit Hermann Linde ging einem oftmals der Gedanke auf: Magst du selbst dir sagen, daß nicht alles, was du willst, dir in deinem Erdendasein gelingt, du darfst dich trösten, daß in Geistesregionen dein über das Irdische hinaus-wollendes Wollen erkraftet und erstarkt, und daß du all dasjenige der Erde zu geben vermagst, was du ihr gerne geben möchtest. - Wir aber mußten uns sagen: Wir dürfen solche Ansprüche nicht machen, wie Hermann Linde sie an sich selber machte. - Und wir waren mit dieser in so milder, stiller Weise wirkenden Seele wahrhaftig immer im Innersten in voller Zufriedenheit einig. Wir wußten zu schätzen, was dieser als einer der Besten für uns wirkte.

Und Vorbild, meine liebe Trauergemeinde, kann Hermann Linde für viele sein. Er hat gerungen im stillen Inneren, gerungen mit ernster Kraft, sich durchgerungen mit feierlicher Würde über alle Zweifrl, über alle Hemmungen hinaus zu derjenigen Erkenntnis, die dem Menschen die Sicherheit bringt: Das, was du lebst auf Erden, es stammt aus göttlichen Daseinshöhen. - Aber Hermann Linde wußte zu schätzen die Heiligkeit der göttlichen Daseinshöhen, Hermann Linde wußte zu durchschauen, welche Geheimnisse bergen diese gött­lichen Daseinshöhen, und er wußte es daher, wie wenig in das Men­schenbewußtsein des Erdendaseins eingeht von demjenigen, was wir aus himmlischen Höhen durch irdische Geburt hereintragen in dieses Dasein,

Zwar aus Gott sind wir alle geboren zum irdischen Leben. Doch während dieses irdischen Lebens entfällt dem dünnen menschlichen Bewußtsein das Durchdrungensein mit der göttlichen Kraft. Und wiederfinden kann nur in diesem mit irdischem Bewußtsein erlebten Tode die göttliche Kraft die starke Seelenmacht, die sich verbunden fühlt mit dem Impulse des Christus, wiedergebären, wiedererstehen [assen kann den Gott in der Menschenbrust die Verbundenheit mit Christus.

Und so fühlte Hermann Linde. Wie er wußte, daß er hereingeleitet ist aus Gottesdasein ins Erdendasein, so wußte er, daß im Erdentode der Erwecker Christus lebt, mit dem die Menschenseele, das Men­schenherz sich verbinden kann.

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Und so schauen wir heute in dieser ernsten Stunde mit Dir, geliebte Seele, hinauf in geistige Regionen, wissend, daß dem, der im Erden­dasein sich bewahrt das Bewußtsein von göttlicher Herleitung, der für das Erdenbewußtsein sich erobert das Durchdrungensein mit der Christus-Kraft, daß der wiedererweckt wird, wiedererstehen wird in hellen, lichten Geisteshöhen. Dahin, liebe Freundesseele, geleiten Dich sehnsüchtig unsere Freundesblicke aus tiefstem Herzensinnern heraus. Dahin wollen wir Dir folgen lassen unsere besten Gedanken, die mit Dir verbunden waren. Wir wissen Dich in Zukunft in Geisteshöhen. An uns wird es sein, wieder und immer wiederum aus unserem tief­sten Herzensfühlen heraus zu suchen die Gedanken, die zu Dir gehen, die sich vereinigen mögen mit Deinen Zielgedanken in lichten Geistes-höhen, die da bleiben wollen bei Dir für alle Zeiten, die Du zu durch-wandeln für alle Weltenweiten, die Du zu durchwellen haben wirst. Ja, bei Deinen Gedanken mögen sein unsere Gedanken, heraus aus der Erdenarbeit, die wir fühlen konnten, mit der Du uns geistverbun-den durch Deine eigene Wahl in diesem Erdenleben warst.

Dem Geistverbundenen mögen, meine liebe Trauergemeinde, Eure Gedanken immerdar folgen in seinen künftigen erdenfreudigen, zu neuem Erdendasein lichtesvoll sich bereitenden Daseinsstufen. So möge es geschehen. Und so mögen Dir folgen unsere Gedanken, mögen sie bei Dir bleiben, unser lieber Hermann Linde, und mögen wir verstehen, bei Dir zu bleiben, auch dann, wenn unsere Seele Dich suchen muß in lichten Geisteshöhen.

Deiner Seele sanfter Flügelschlag

Trug Dich, lieber Freund, in Geistesbahnen,

Deines Schicksals ernste Führerhand

Bracht' das Geistes-Wort zu Deinem Ahnen.

Mancher Zweifel trat in Deinen Weg,

Doch des Herzens Kraft, sie fand

Sich durch Lebenslicht und Daseins-Schatten

Zum Gedankenziel im Geistesland.

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Und so schaue, treue Freundesseele,

In der vollen Geisteswirklichkeit,

Was Dir sinnvoll leuchtend vorgeschwebt

Als die Zukunft nach der Erdenzeit.

Und am Lebensabend noch mußtest Du

Tief im Seelen-Innern unsern großen Schmerz

Aus der Flamme furchtbar leuchten sehn;

Für das Erdendasein brach es Dir das Herz.

Deiner Gattin ernste Herzensliebe,

Sie wird folgen Deinem Geistesleben;

Deiner Tochter treu Gedenken

Soll bewahren Dein edles Streben.

Und wir, Dir geistverbunden im Erdensein,

Wir, die wir zum neuen Leben Dich geleiten,

Wollen geistgeeint bei Dir verweilen

In Zukunftzeiten und in Weltenweiten.

GEDENKWORTE FÜR HERMANN LINDE Dornach, 29.Juni 1923

#G261-1963-SE269 Unsere Toten

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GEDENKWORTE FÜR HERMANN LINDE

Dornach, 29.Juni 1923

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Heute morgen haben wir unserem lieben Freund, Hermann Linde, das Geleite zu geben gehabt zu dem Tore, durch das er nunmehr in die geistige Welt eintreten wird. In einem solchen Augenblicke ist es, meine lieben Freunde, an uns, auch in einem tieferen, moralisch­religiösen Sinne und in einem tieferen Gefühls- und Empfindungs­Sinne praktisch wahr zu machen, was Anthroposophie in unseren Seelen auslösen kann, wozu Anthroposophie unsere Seelen impul­sieren kann. Es ist ja unser ganzes Streben, die geistige Welt kennen zu lernen, zu lernen, in der Seele mit der geistigen Welt zu leben.

In dem Augenblicke, wo eine teure Seele hinweggeht aus dem physischen Dasein und eingeht in jenes Leben, um dessen Erkenntnis wir uns bemühen, müssen wir auch die Kraft und die Stärke fühlen, all das in vollem Sinne des Wortes aufrecht zu erhalten, was sich in uns eingewurzelt haben sollte während jener Zeit, während welcher wir hier auf Erden mit einer solchen Seele, die von uns nunmehr hinweggegangen ist, geistverbunden worden sind. Und wir sollten im rechten Sinne verstehen lernen, jene Gemeinschaft, zu der wir uns zusammengefunden haben, zu erhalten hinaus über diejenigen Bande, die durch das Erdenleben geflochten werden. Wir sollten warm jene Liebe halten können, welche uns mit solchen Seelen verbindet auch dann, wenn jene Wärme der Empfindung nicht durch äußere Impulse so angefacht werden kann, wie wenn die betreffende Seele noch im physischen Leibe unter uns wandelt. Dann erst haben die Empfin­dungskräfte, die in uns durch Anthroposophie ausgelöst werden kön­nen, die rechte Stärke, wenn wir das können. Wir sollen auch die Er­innerungen an einen teuren Toten in anderer Weise noch lebendig halten können als derjenige, der nicht Geist-Erkenntnis in das Innere seiner Seele so aufgenommen hat, wie wir es uns zu unserem Ziele setzen.

Und Hermann Linde ist ja durch viele schöne Erinnerungen an unsere Seelen gebunden. Eine große Zahl derer, die hier sitzen, wissen

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das ohne Zweifel, manche vielleicht in loserer Art. Aber Hermann Linde war eine Persönlichkeit, von der gesagt werden darf, daß auch derjenige, der sie nur kurz gekannt hat, sie lieb gewonnen hat. Die­jenigen, die länger innerhalb unserer Gesellschaft sind, kennen Her­mann Linde als einen der ersten, die hereingekommen sind in diese Gesellschaft, um mit den anderen in ihr vereinigten Freunden einen gemeinsamen Geistesweg zu gehen. Und solche, die Hermann Linde intimer kennen gelernt haben, wissen, daß er zu denen gehörte, die nicht etwa in einer bloß übersprudelnden Empfindung, in einer inner-seelischen Sensation sich diesem Geistesweg angeschlossen haben, sondern er hat aus innerster Selbsterkenntnis heraus erstrebt, die Mög­lichkeit zu finden, seinen Weg mit dem Weg dieser Geistesströmung zu vereinigen.

Hermann Linde war eine milde Natur, aber eine Natur, die inner­halb der Milde ihrer Seele auch einen starken, berechtigten kritischen Geist hatte, eine Natur, die prüfte, was ihr entgegentrat, und eine Natur, die deshalb prüfen mußte, weil andere Eindrücke, die schon da waren, in ein er starken Weise in der Seele haften geblieben sind. Und so hatte Hermann Linde zwischen dem, was in seiner Seele lebte, was seine Seele durchwärmte, was seine Seele oftmals auch mit herben Zweifeln erfüllte auf der einen Seite, und mit dem, was ja, weil es gar so sehr abweicht von allem übrigen, das man in der Gegenwart an­trifft, auf der andern Seite mit Anthroposophie an die Seelen heran-gebracht wird, er hatte mit diesen beiden Strömungen seine Seelen-kämpfe auszukämpfen. Und wir dürfen heute, wo sein Erdenleben abgeschlossen ist, also auf dasselbe zurückblicken, daß wir uns sagen können: Wenn eine solch edle, milde, aber innerlich ernste Seele nicht aus übersprudelnder Empfindung, sondern aus innerlich sich selbst getreuer Selbsterkenntnis den Weg in diese Geistesströmung gefun­den, dann ist das etwas, was diese Geistesströmung so ansehen darf, daß es für sie selbst gewissermaßen ein ihre innere Kraft erhärtendes Zeugnis ist. - Eine Bewegung, die in der Lage ist, darauf hinzu­deuten, daß gute Menschen die Möglichkeit fanden, sich mit ihr zu vereinigen, darf sich das im schönsten Sinne zugute halten.

Und es war ja unsere anthroposophische Bewegung in ihrer ersten

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Periode so, daß sie zunächst aus der Natur der Tatsachen heraus nichts anderes sein konnte als eine Stätte, in der die Seelen sich selbst und ihren Zusammenhang mit der geistigen Welt fanden. Gegenüber den Aufgaben, die in späterer Zeit die anthroposophische Bewegung hat übernehmen müssen, ist ja wohl mancher, der zu den älteren Mit­gliedern gehört, und der sich sagt: Ach, wäre es nur immer so ge­blieben, wäre die anthroposophische Bewegung in jener ersten Epoche stehen geblieben, in der im Grunde genommen sie eine Versammlung von Menschen war, die als Menschen miteinander zu tun hatten, die einen innerlich geschlossenen Verein bildeten, der zunächst hinsah auf dasjenige, was als geistige Strömung durch ihn floß.

Hermann Linde hat voll mit seiner eigenen Seele dieses zu ver­einigen gewußt, was als solche geistige Strömung durch die Anthropo­sophische Gesellschaft fließt; aber er gehörte auch zu denen, die mit offenem Herzen und mit einer unbegrenzten Opferbereitschaft sich jeder neuen Aufgabe widmeten, die durch diese geistige Bewegung an sie herantrat. Und für viele, die in diese geistige Bewegung herein-treten, sollte es so werden, daß sie hinschauen auf das Vorbildliche einer solchen Persönlichkeit.

Hermann Linde ist als Künstler in die anthroposophische Be­wegung hereingetreten. Er hat sein ganzes künstlerisches Sein zu-nächst in den Dienst dieser Bewegung gestellt und dann in der dritten Phase dieser Bewegung auf dem Altare derselben hingeopfert. Wir blicken zurück, weil es uns wert sein muß, was durch die innerhalb unserer Bewegung arbeitenden Persönlichkeiten geschehen ist, auf jene Zeit, wo in einer von rechter Innerlichkeit durchtränkten Art in München die anthroposophische Bewegung in das künstlerische Fahr­wasser hineingeleitet werden mußte. Wir brauchten zunächst Men­schen, welche Künstlerisches in sie einfließen lassen konnten. Und nun möchte ich diejenigen unter Ihnen, die sich an die Münchner Myste­rien-Vorstellungen erinnern, in ihrer innersten Seele anrufen, dessen zu gedenken, wie wunderbar geschlossen jene Bühnenbilder waren, die zu einzelnen Szenen dieser Mysteriendramen Hermann Linde aus seiner, ich möchte sagen selbstverständlichen Opferwilligkeit bei­gesteuert hat. Manchen von denen, die anwesend waren bei jenen

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Vorstellungen, werden diese Bilder unvergeßlich sein, denn sie ent­standen aus einem wirklichen Erleben dessen, was damals vor die Seelenaugen unserer Anthroposophen treten sollte. Und das Wort, das ich heute morgen aus tief bewegtem Herzen aussprach, ich möchte es hier wiederholen: Wir wissen sehr gut, daß vieles von dem, was dazumal hat gemacht werden sollen, ohne eine solche Beihilfe, wie diejenige war, die von Hermann Linde kam, nicht hätte gemacht werden können.

Und als dann in einzelne Seelen die Idee kam, der anthroposophi­schen Bewegung einen eigenen Bau zu errichten, da war es wiederum eine Selbstverständlichkeit, in den Kreis derer, die vor allen Dingen ihre Arbeit der Errichtung und Führung dieses Baues widmen wollten, Hermann Linde hereinzurufen, denn man wußte, da findet man Opfer­willigkeit, da findet man Arbeitsgeneigtheit, da findet man vor allen Dingen das, was am allermeisten gebraucht wird: versöhnenden, liebevollen, Gegensätze ausgleichenden Geist.

Und so trat denn Hermann Linde in die kleine Gemeinschaft der­jenigen, die als eine Art Komitee alles das leiteten, was zunächst mit der Absicht in München, dann mit der Wirklichkeit hier in Dornach zusammenhing: einen Bau der anthroposophlschen Sache aufzurich­ten. Und er war dann auch einer der Vordersten in den Reihen derer, welche die Arbeit an diesem Bau übernahmen. Er war von solcher inneren Liebe zur Sache durchdrungen, daß er sein ganzes Dasein nunmehr in den letzten Jahren mit diesem Bau verband.

Und wiederum möchte ich ein Wort, das ich heute morgen aus­gesprochen habe, wiederholen: Wenn ich zurückdenke an die Stunden, in denen ich Hermann Linde traf, arbeitend oben in unserem nun nicht mehr bestehenden Kuppelraum, arbeitend im Einklang mit unserer lieben Freundin, seiner Gattin, wenn ichdaobenmitihmdie verschiedensten Angelegenheiten besprach, die mit der Führung des Baues zusammenhingen und mit dem Amte, das er innerhalb dieser Führung hatte, dann lag in alledem erstens die Offenbarung seiner unbegrenzten Opferwilligkeit, der unbegrenzten Einstellung seines künstlerischen Könnens in das, was da errichtet werden sollte, und da war auch auf der andern Seite jener versöhnende, die Gegensätze

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ausgleichende Geist, der immer früher mit einem Rate, als mit einer Kritik bei der Hand war.

Es hat mancher gedacht, daß entweder er selber oder andere - wie das immer im Leben der Fall ist - das, was Hermann Linde gemacht hat, hätte besser machen können. Aber diese Dinge sind eitel Illusion. Worauf es ankommt, wenn etwas Wirkliches in die Welt gesetzt wird, das liegt vielmehr in dem, was Hermann Linde in einem so hervor-ragenden Maße hatte, als in dem, was manche glaubten, daß er es nicht hatte. Mit demjenigen, was oftmals kritisiert worden ist, hätte sich eben nicht arbeiten lassen. Mit dem, was Hermann Linde in einer so opferwilligen, liebevoll aussöhnenden Weise an unsere Arbeit heranbrachte, ließ sich in jeder Einzelheit und im Ganzen arbeiten. Und wenn von den Arbeitern innerhalb unserer Sache die Rede sein soll, dann muß Hermann Linde in der ersten Reihe genannt werden.

Dann aber darf auch nicht verschwiegen werden, wie groß unser Schmerz darüber sein muß, daß er uns für eine ernste Zeit, die ohne Zweifel für uns kommt, so früh aus dem Erdendasein entschwunden ist. Aber er war ja mit alledem, was uns hier im Erdendasein obliegt, so innig verbunden, daß wir die Hilfe, welche die Seelen aus Geister-landen leisten können für diejenigen, die hier zurückgeblieben sind, von ihm im allergrößten Maße erhoffen dürfen, wenn wir uns nur auch würdig erweisen dieser Hilfe.

Viele wissen nicht, wie umfassend die Sorgen im einzelnen waren, die gerade auf den führenden Persönlichkeiten in den letzten Jahren während des Dornacher Baues lasteten. Heute ist es selbstverständlich, hinzuweisen darauf, daß Hermann Linde einer derjenigen war, die in schönster Weise diese Sorgen mitgetragen haben, daß Hermann Linde aber auch einer derjenigen war, die mit einem weitherzigen Interesse alles das verfolgt haben, was hier geschah, und die gern gesehen hätten, daß manches gerade durch Ausgleichung der Gegensätze sich zu größerer Fruchtbarkeit entwickele, als es sich hat bisher ent­wickeln können.

Viele von uns werden sich erinnern, wie Hermann Linde immer wieder und wiederum unter denen war, die das innige Bestreben

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hatten, eine Vereinigung der Künstierschaft hier unter uns zu be­wirken. Er war gewiß nicht ein Mensch, der irgend eine individuelle Betätigung ausgeschlossen oder beengt hätte. Er wollte aus der un­endlichen Güte seines Herzens ein Zusammenwirken gestalten. Und manches, was in dieser Richtung hat geschehen können, ist auf seine Initiative zurückzuführen. Und daß mancher Keim, den er in dieser Beziehung gelegt hat, nicht zur vollen Entfaltung gekommen ist, ist wahrhaftig nicht auf seinen mangelnden Eifer zurückzuführen. Ge­denken wir nur, mit welch inniger Liebe und Hingabe er jedesmal bei den Versammlungen des Goetheanum-Vereines hier in diesem Saale über den Fortschritt der künstlerischen Arbeiten an unserem Goetheanum Bericht erstattet hat. Gedenken wir solcher Dinge als dessen, was mit der Geschichte unserer Bewegung innigst zusammen­hängt. Nicht vergessen darf gerade in diesem Augenblicke werden, daß Hermann Linde es zum Beispiel war, der die Anregung gegeben hat zu jener kleinen Fortbildungsschule, die hier am Goetheanum errichtet ist, daß er seine besondere Sorge und Sorgfalt dieser Fort­bildungsschule gewidmet hat.

Damit bezeichne ich aber nur eine der Lücken, deren viele sind, die durch Hermann Lindes Hinweggang vom Physischen in uns, in unseren Reihen entstehen. Und was uns Hermann Linde war, werden diejenigen empfinden, denen die Aufgabe wird zufallen, in irgend einer Weise diese Lücken auszufüllen. Denn was man auf gewissen Gebieten des Lebens so leicht nimmt, daß wo irgend eine Lücke durch einen Menschen entsteht, ein anderer eintritt, das ist ja in Wirklichkeit gar nicht der Fall.

Und zuletzt hat Hermann Linde mit uns jenen Schmerz durch­machen müssen, der unsere und seine Arbeit betroffen hat. Er mußte unter denjenigen stehen, die in kurzer Zeit das, was aus Liebe und Hingebung erbaut worden ist, zur Ruine haben hinschwinden sehen. Und es ist wirklich in tiefstem Sinne wahr, was ich heute morgen sprechen mußte, daß für das Erdendasein ihm dieses das Herz ge­brochen hat. Dieser Eindruck, der in der Neujahrsnacht erlebt worden ist und der für vieles, was unsere Sache ist, ein Tod war, war tief brennend in Hermann Lindes Seele. Und die kurze Spanne Zeit, die

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ihm auf Erden zuzubringen noch gegönnt war nach dem Goethe­anum-Brande, stand ganz und gar unter diesem Eindrucke.

Die letzte Zeit, die er hier zugebracht hat im Erdendasein, war eine Leidenszeit. Er hat auch tief im innersten Herzen mitgefühlt alles, was von den verschiedensten Gegnerschaften her gegen die anthropo­sophische Bewegung getan, unternommen wird. Auch darum war die letzte Zeit, die ihm auf Erden zu verweilen hier gegönnt war, eine Leidenszeit. Und wenn Schmerzen dasjenige sind, was das Leben in der geistigen Welt, das sich anschließt an die Erdenzeit, vertieft, = Hermann Linde hat vieles von edlem Schmerze in jene Daseinsform hinübergenommen, die er nunmehr angetreten hat. Das alles, meine lie­ben Freunde, soll unsere Seele erfüllen heute. Und es soll der Ausgangs­punkt sein, daß hingebende Gedanken für diese Seele verbleiben in unseren Seelen. Dann werden wir in würdiger Weise wiederfinden die liebe Seele, die von unserem physischen Anblick hinweggenommen ist, die unserem geistigen Anblick in intensivster Weise bleiben soll.

Wenn wir das können, wenn wir Hermann Linde lieben können in der Stärke, mit der wir ihn hier geliebt haben, und mit einer immer wachsenden Stärke, dann erfüllen wir in diesem Falle das, was zu er­füllen uns fähig machen soll gerade anthroposophische Lebens­auffassung.

Der Ausgangspunkt für eine Geistgemeinschaft mit dieser Seele sollen die Tage sein, in denen er uns für den physischen Anblick ent­rissen worden ist. Er hat unserer Gemeinschaft zurückgelassen seine liebe Gattin, unsere liebe Freundin, zurückgelassen seine liebe Tochter. Wir müssen den Schmerz, den sie tragen über seinen Hin-gang, in wahrer innerer Herzlichkeit mitzutragen verstehen. Wir müssen verstehen, dadurch unsere an ihn hingegebenen Gedanken recht wertvoll zu machen, daß wir in innigster Liebe verbunden bleiben, solange uns dies auf Erden vergönnt ist, mit diesen seinen uns befreundeten Hinterbliebenen. Wir müssen es zu unserem Willen und zu seiner geistigen Freude machen, seinen Hinterbliebenen das zu sein, was ihm, wenn er herunterschaut auf dasjenige, was auf der Stätte geschieht, auf der er so lange gewirkt hat, zur inneren geistig-seelischen Befriedigung dienen kann.

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Dies ist wirklich seelisch-praktische Anthroposophie. Wenn wir im rechten Sinne wissen, daß der Tod nicht Zerstörer des Lebens, son­dern Anfang einer anderen Lebensform ist, so müssen wir verstehen im rechten Sinne auszulegen, daß die Liebe, die einem, der nun für das Erdenleben tot ist, zugeteilt worden ist, mit diesem Tode ebenfalls in eine andere Daseinsform tritt. Und wenn wir nicht verstehen diese Metamorphose der Liebe, dann verstehen wir auch nicht im rechten Sinne die Metamorphose des Lebens, die wir doch zu verstehen meinen, wenn wir uns überhaupt einer solchen Geistesbewegung, wie sie die anthroposophische ist, anschließen.

Und so sei denn heute gedacht, wie schön Hermann Linde in seinem eigenen Herzen wahr gemacht hat die Überzeugung, daß das­jenige, was der Mensch hier auf Erden ist und wirkt, aus dem Gött­lichen stammt: Ex deo nascimur. Es sei bedacht, daß er voll in seinem Herzen die Kräfte gefunden hat, für das irdische Bewußtsein an­zuerkennen, daß in diesem Bewußtsein aufleben müsse die Christus-Kraft, damit das, was in dem Menschen mit der Geburt anfängt zu sterben, durch das Erleben der Christus-Kraft die Anwartschaft auf ein neues Leben gewinnt: In Christo morimur. Und teilen wir mit Hermann Linde die Überzeugung, indem wir sie heute in Gedanken wachrufen, daß, wenn also das Bewußtsein von der göttlich-geistigen Abstammung sich verbindet mit dem Bewußtsein des Geeintseins mit dem Christus-Impuls, daß dann gelebt werden darf auch in der Über­zeugung, daß im Geiste auferweckt wird das Menschendasein, das in dieser Weise Gott-bewußt und Christus-durchdrungen ist: Per spiritum sanctum reviviscimus.

Diese Gedanken bekräftigen dasjenige in uns, was uns fähig macht, für alle Zukunft in treuen Gedanken immerdar aufzuschauen zu der Seele Hermann Lindes, die weiterwirken wird im geistigen Dasein als Fortsetzung ihres irdischen Daseins. Zum Zeichen dessen, meine lieben Freunde, erheben wir uns von unseren Sitzen.

Meine lieben Freunde, es geziemt sich vielleicht gerade an diesem Tage in der kurzen Spanne Zeit, die uns noch bleibt, eine Betrachtung anzustellen, die mit einem solchen Ereignisse zusammenhängen kann.

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Wir müssen uns im Innersten unserer Seele klar sein darüber, wie das, was wir im physischen Erdendasein durchleben, auch seelisch durchleben, gebunden ist an die äußeren Sinne und an das, was der Verstand aus den Eindrücken der äußeren Sinne macht. Die äußeren Sinne aber mit alledem, was der Verstand aus diesen äußeren Sinnen macht, sie folgen uns nicht in das nachirdische Dasein. Die äußeren Sinne übergeben wir dem irdischen Dasein mit dem physischen Tode. Was der Verstand aus den Eindrücken der äußeren Sinne macht, über­geben wir wenige Tage nach dem physischen Tode der ätherischen Welt. Es schmilzt von uns ab, und wir sind bei allem Folgenden darauf angewiesen, dasjenige weiter auszuleben, was in die Finsternis des Unbewußten getaucht ist, während wir das Erdenleben führen.

Der Mensch vollbringt sein Erdenleben zu einem Teile in dem Zustande zwischen Aufwachen und Einschlafen. Da erfüllt ihn, was durch die Sinne und durch den Verstand erlebt wird, und was er in der Gestalt, in der er es hier auf Erden erlebt, mit dem Tode aus­gelöscht findet. Der Mensch erlebt die andere Seite des Daseins an je­dem Tage zwischen dem Einschlafen und Aufwachen. Aber wenn auch das darinnen Erlebte für das Erdenbewußtsein in die Finsternis des Unbewußten getaucht ist, was hier für das Erdendasein manchem von geringer Bedeutung erscheint: für das, was in der Menschenseele auf­lebt, wenn sie durch die Pforte des Todes durchgegangen ist, sind gerade diese Erlebnisse, die sich dann in volle Bewußtheit wandeln, das Aller-wesentlichste des Erdenlebens. Was wir in Unbewußtheit hier im Er­denleben durchmachen, das tragen wir hindurch durch die lange Zeit, die wir zwischen dem Tode und einem neuen Erdenleben durchmachen.

Die größte Verschiedenheit zwischen dem, was wir hier auf Erden wahrnehmen, schauen und denken, und demjenigen, was wir drüben schauen, nachdem wir durch die Pforte des Todes geschritten sind, ist vorhanden in bezug auf die äußere Natur. Wer da glaubt, im Wach-zustande, mit den physischen Sinnen und dem irdischen Verstande zu erschöpfen, was in der Natur verborgen liegt und sich offenbart, der ist in einem Irrtum befangen, er kennt nur den geringsten Teil der Natur. Die Natur hat noch eine wesentlich andere Seite, jene Seite, die wir durchleben zwischen dem Einschlafen und Aufwachen, die für

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das wache Bewußtsein aus der Natur heraus tief verborgen ist, die im wahrsten Sinne des Wortes eine andere Seite unseres Daseins dar­stellt. Im höchsten Maße verschieden ist die eine Seite des Daseins, welche die Natur zuweist unseren irdischen Sinnen und unserem irdi­schen Verstande, von der anderen Seite, die unserem Seelischen, un­serem Geistigen, das der Ewigkeit angehört, zugewiesen ist.

Wer sich von dieser radikalen Verschiedenheit einen rechten Begrift machen kann, wer da einsieht, in welch hohem Maße es der Fall ist, daß, während die Natur unseren Sinnen eine ganz entgeistigte, ent­seelte Wesenheit offenbart, sie von der andern Seite gesehen durch und durch eine unendliche Fülle von in sich geistigen Wesenheiten ist, der kann auch begreifen, welch gewaltiger Unterschied besteht zwischen dem Menschenwesen, wenn es hier eingekleidet ist in den physischen Leib, und dem Menschenwesen, wenn es abgelegt hat den physischen und den Ätherleib und in seinem seelisch-geistigen Teil jenseits der Pforte des Todes weiterlebt. Nicht nur an sich, sondern im ganzen Verhältnisse zu uns selbst herrscht da eine radikale Verschiedenheit. Wir stehen einem Menschen im Erdenleben gegenüber, wir erleben mit ihm zusammen, was sich im Erdenleben abspielt. Das, was er erlebt, prägt sich unseren irdischen Gedanken ein. Es wird durch unsere irdischen Gedanken unsere Erinnerung. Wir tragen in unserer Erinnerung während unserer Erdenzeit diesen anderen Menschen in uns, mit uns. Aber jedesmal, wenn wir wieder seiner ansichtig werden, dann wirkt in uns nicht bloß die irdische Erinnerung, dann wirkt dasjenige, was als Lebendiges aus seiner Seele ausströmt und was sich ergießt in diese irdische Erinnerung. Man bedenke, wie die Er­innerung an einen Menschen, die wir in uns tragen, belebt ist, wenn wir ihm selbst im Erdenleben gegenüberstehen, wie unendlich leben­diger für das irdische Denken dasjenige ist, was von ihm ausströmt in die Erinnerung herein, als diese Erinnerung selbst.

Und nun geht er fort von uns aus dem physischen Erdendasein. Uns bleibt die Erinnerung, zu der er selbst von seinem Tode an nichts Metamorphosierendes, nichts Verwandelndes, nichts Belebendes mehr hinzutut. Uns bleibt die Erinnerung, so wie uns die Gedanken an die äußere Natur bleiben, wenn wir sie mit physischen Sinnen schauen,

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mit physischem Verstande ergreifen, wo auch die Dinge der Natur nichts zu unserer Erkenntnis, zu unseren Gedanken hinzutun, wo wir unsere Gedanken umso objektiver halten müssen, je mehr wir nur treu dasjenige abbilden wollen, was einmal ist, und wo wir uns nicht be­irren lassen dürfen von dem, was diese Gedanken aus dem Leben heraus modifizieren könnte. Aber so wie die andere Seite der Natur verschieden ist von der, die sie uns zuweist für die Sinne und für den irdischen Verstand, so ist dasjenige, was ein Menschenwesen ist, wenn es für uns bloß irdische Erinnerung geworden ist, verschieden von dem, was es gewesen ist, da es Tag für Tag, von Zeit zu Zeit diese irdische Erinnerung belebte. Denn von diesem Zeitpunkte an tritt dieses Menschenwesen für unseren Anblick, für unser Erleben nun ganz und gar auf die andere Seite des Daseins.

Wie wir im Schlafe leben, so leben wir mit den Naturwesen, die innerlich geistig lebendig sind, gegenüber dem, was tot ist und sein totes Antlitz uns zuweist für die irdischen Sinne, so lebt dasjenige vom Menschenwesen, was für unser irdisches Erdenleben nunmehr nur Erinnerung geworden ist, auf dieser andern Seite des Daseins, in jenem Reiche, das wir, in die Unbewußtheit, in die Finsternis der Unbewußtheit gedrängt, in jenem Reiche erleben, das wir im Schlafe durchmachen.

Ja, meine lieben Freunde, so wie belebend unsere Gedanken, be­eindruckend unsere Empfindungen der physische Mensch vor uns hintritt und wir ihn im Erdenbewußtsein eben bewußt erleben, so erleben wir - zwar unbewußt, aber deshalb nicht weniger real - das Herannahen, das Mit-uns-Leben des aus dem irdischen Dasein Hin­gegangenen im Schlafeszustande. In demselben Maße, in dem uns der Hingegangene entschwindet für das wache Bewußtsein, tritt er in unsere Lebenssphäre für das schlafende Bewußtsein. Und wenn wir Menschenseelen - aus der anthroposophischen Erkenntnis heraus -wissen, wie wir lernen müssen, für den Schlaf eine ganz andere Lebens-richtung anzutreten als diejenige ist, die wir für das Wachen haben, dann werden wir fühlen, was das Gesagte bedeutet.

Wenn wir nur so leben könnten, daß immer in der physischen Zeit verlaufend das Spätere an das Frühere sich anschließt, würden wir

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niemals das wahre Geistige erleben können. Wir lernen erst dann das wahre Geistige erleben, wenn wir die Lebensrichtung ganz in die entgegengesetzte Richtung verlegen können. Im Geistigen verläuft, so paradox es dem physisch Denkenden erscheint, alles Leben in umgekehrter Richtung. Das Rad des Lebens schließt sich. Das Ende schließt sich zuletzt mit dem Anfang zusammen.

Das erscheint den Erdenmenschen nur deshalb so unglaublich, weil sie sich so weit entfernt haben von jeglicher geistiger Anschauung. Aber jedesmal, wenn wir auch nur zu dem kürzesten Schlafe kommen, erleben wir die Zeit nach rückwärts laufend. Denn nach rückwärts laufend ist der Vorwärtsgang zum Geist, aus dem die Welt urständet.

Und selbst das, was ältere Kulturströmungen als ihr Richtiges an­erkannten, daß die später Geborenen zu den Urvätern zurückkehren im Tode, ist richtiger als die Vorstellung, die wir in unserer scheinbar so aufgeklärten Zeit haben.

Dann aber, wenn wir jede Nacht antreten den Weg zum Geistigen hin in der dem Physischen entgegengesetzten Richtung, sind die, welche vor uns im physischen Tode hinweggegangen sind, diejenigen, die uns da vorangehen. Und indem wir jede Nacht eintreten in eine geistige Welt, sind gewissermaßen - bildhaft gesprochen - vorn die Wesenheiten der höheren Hierarchien, die niemals sich auf Erden inkarnieren, und dann unter ihnen der Zug derjenigen Seelen, mit denen wir schicksalsmäßig verbunden waren und die früher als wir die Pforte des Todes durchschritten haben. Und jenes Stück Weges, das uns, wenn auch nicht in Bewußtheit, so doch in unbewußten Ge­danken zu verfolgen gegönnt ist in jedem Schlafzustand, dieses Stück folgen wir ihnen in Wirklichkeit.

Und wenn wir es dahin bringen, die Erinnerung wach und lebendig zu erhalten an unsere lieben Toten, wenn wir auch im Wachzustande diese Gedanken in lebhafter Bildhaftigkeit immer wieder und wieder­um vor uns haben, dann macht das, was wir im Wachen als Erinne­rungsbilder liebevoll in uns tragen für die Toten, daß die Toten hereinwirken können in diese Welt, ihren Willen herein ergießen können und daß in dem Willen der Lebendigen der Wille der Toten weiterlebt.

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Aber auch das, was wir in unseren Erinnerungen im Wachzustande für die Toten immer wieder und wiederum in Liebe voll erwecken, geht mit uns als nachwirkende Kräfte in den Schlafzustand hinüber. Es ist anders für die Toten, wenn wir in den Schlaf eintreten aus einem Leben, in dem wir unsere Toten vergessen haben, oder aus einem Leben, in dem wir die Bilder unserer Toten immer wieder liebe­voll vor unsere Seele gerufen haben. Denn das wird für die Toten Empfindung, was wir in die Welt des Geistes jedesmal beim Ein­schlafen hineintragen. Dort wird ihre Seelenanschinung, ihre An­schauung gewahr die Bilder, die wir durch die Pforte des Schlafes in die geistige Welt jeden Tag hineintragen. Und so können wir es dahin bringen, daß das Walirnehmungsvermögen der Toten sich mit den Bildern, die wir ihnen treu bewahren, während des Schlafes ver­einigt. So können wir es dahin bringen, daß der Wille des Toten sich mit unserem Willen vereinigt durch die Gedanken, wenn sie im Wachzustande von uns in treuem Angedenken gehegt und gepflegt werden. Und so können wir in realer Weise lernen, mit den Toten zu leben.

Dann werden die Toten uns würdig befinden, mit ihnen zu leben. Und dann erst entsteht die rechte Menschengemeinschaft, die trieb-artig nur ist innerhalb der physischen Welt, die seelisch aber auch für diese physische Welt wird, wenn das Auslöschen des physischen Erdenlebens keine seelisch geknüpften Bande lockert oder gar zer­rüttet, wenn alles bleiben kann, was in der Seele gebunden ist, trotz­dem die äußeren irdischen Bande gelockert oder gelöst werden. Das heißt durch die Menschenseele bewahrheiten die Realität des Geistes, wenn wir im Leben dem Geiste die Wahrheit dadurch zugestehen, daß wir ihm von seiner Realität nichts entziehen, dadurch daß wir uns allein an das Physisch-Sinnliche hingeben, sondern daß wir die Mög­lichkeit finden, so - wie gezwungen im Physisch-Sinnlichen - frei zu leben in dem Geistig-Seelischen.

Das ist es, woran uns jeder Tod, woran uns insbesondere der Tod eines lieben Freundes erinnern kann, wozu er uns aufrufen kann, aber nicht bloß zur toten Erinnerung, sondern erwecken kann zu einer bleibenden lebendigen Empfindung, Erinnerung.

GEDÄCHTNISWORTE FÜR GEORGA WIESE Dornach, 6.Januar 1924

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GEDÄCHTNISWORTE FÜR GEORGA WIESE

Dornach, 6.Januar 1924

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Meine lieben Freunde!

Die anthroposophische Bewegung hat heute morgen einen schwe­ren Verlust erlitten, einen großen Schmerz erfahren. Unsere liebe Freundin Ceorga Wiese aus Norwegen ist von dem physischen Plan hinweggegangen. Es kann uns mit dem Gefühle tiefer Tragik er­füllen, wenn wir bedenken: Georga Wiese hat durch Jahre hindurch an dem zugrunde gegangenen Goetheanum intensiv mitgearbeitet. Manche Form, die an dem alten Goetheanum war, ist mit unter ihren Händen entstanden. Sie war immer wieder und wiederum gekommen, ist hier vielen teuer, lieb geworden, mit vielen verbunden worden und fühlte schon neben ihrer geliebten nordischen Heimat das Goethe­anum als ihre zweite Heimat, fühlte sich innig mit diesem Goethe­anum verbunden. Sie kam zu unserer Weihnachtstagung hierher, um teilzunehmen in ihrem Enthusiasmus und in ihrer auch immer inneren opferwilligen und opferfreudigen Hingabe an die anthroposophische Sache, und hatte, ehe sie an derselben teilnehmen konnte, ehe diese begann, einen Unfall, einen Oberarmbruch erhalten, mußte ins Krankenhaus gebracht werden. Durch Komplikationen, wie sie in diesem Alter sehr leicht auftreten können, kam es dann, daß sich eine Lungenschädigung einstellte. Mit einer Lungen-Embolie endete für diesen physischen Plan dieses uns und der ganzen anthroposophischen Bewegung so wertvolle Leben heute morgen. Mit einem lichten Blicke hinein in die geistige Welt, hoffend, mittun zu können an demjenigen, was geschehen soll, in ihrem Herzen, konnte man sie noch finden am Tage, der der Nacht voranging, da sie hinstarb.

Wir, meine lieben Freunde, folgen ihrer Seele, die mit uns vereint bleibt. Wir wollen mit dieser Seele vereint bleiben und wissen das Milde, Schöne, Liebe ihres Geistes wirklich auch in inniger Liebe hier in diesem Saale, in dem sie so oftmals gesessen hat und hingebungs­voll mit uns Anthroposophie gepflegt hat.

Wann wir die liebe Seele geleiten sollen bei ihrem Aufstieg nach

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den geistigen Welten, beim letzten Erdengang ihr folgen wollen, das muß noch bekanntgegeben werden. Es wird erst dafür gesorgt werden müssen, die Verwandten aus Norwegen entweder hierher zu bekom­men oder ihre Anordnungen zu hören.

Heute aber, meine lieben Freunde, wollen wir zunächst uns in treuem Gedenken an unsere liebe Freundin und in dem Bewußtsein, daß wir wollen mit unseren Gedanken ihrer Seele folgen nach den­jenigen Zielen hin, die nach ihrem ganzen Wesen ganz gewiß große, gute sein werden, um ihr Andenken zu ehren, jetzt von unseren Sitzen erheben.

ANSPRACHE BEI DER KREMATION VON GEORGA WIESE Basel, II. Januar 1924, 11 Uhr vormittags

#G261-1963-SE283 Unsere Toten

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ANSPRACHE BEI DER KREMATION VON GEORGA WIESE

Basel, II. Januar 1924, 11 Uhr vormittags

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Meine liebe Trauergemeinde!

Zuerst habe ich mich zu wenden an die liebe Schwester und an den lieben Bruder der teuren Verstorbenen und dann an Euch alle, meine lieben Leidtragenden, die Ihr in treuer Liebe verbunden waret mit derjenigen, die von der physischen Welt von uns gegangen ist.

An den sterblichen Resten unserer Freundin Georga Wiese stehen wir, im Seelenauge den ewigen Geist in lichte Höhen von uns gehend. Liebe Georga Wiese!

Wir kennen, was Dich im Geiste bewegte,

Wir fühlen, was Dich im Herzen erwärmte,

Wir streben, wonach Dein Wollen drängte.

Deine Geistesregung, Deine Herzenswärme,

Dein Willensdrang,

Sie stehen vor unsrer Seele.

Und die Erinnerung stellt Dich vor uns hin:

Wie Du mit uns dachtest,

Was wir für der Gedanken würdigsten Inhalt halten,

Wie Du mit uns empfandest,

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Was wir für des Gemütes schönste Liebe halten,

Und wie Du mit uns erstrebtest,

Was wir für der Menschheit wahrstes Ziel halten.

Und zur Erinnerung steht die Geistesschau vor uns:

Wie Du empfangen bist von den Geistern der lichten Höhen,

Zu wirken im Geiste,

Zu schauen Deiner Taten Ergebnis,

Zu sprechen die Sprache des ew'gen Seins.

Webe, o Georga Wiese, in Deinem Wirken im Geiste,

Schaue in Deiner Taten Ergebnis,

Lasse dringen in die Sprache des ew'gen Seins

Den Strahl, der in unsere Herzen dringen kann,

Und der wieder zu Dir zurückkehrt,

Auf daß wir in Zukunftzeiten

Vereint mit Dir das Geistesdasein ]eben können.


Meine liebe Trauergemeinde! Wenn ich mich versetze in Georga Wieses liebe Seele, dann tönen dieser lieben Seele die Worte entgegen:

Wer da suchte

Nach einem liebenden Herzen,

Teure Freundin,

Sicher fand er es schlagen

In Deiner Brust.

Wer da suchte

Nach einer verstehenden Seele,

Teure Freundin,

Sicher fand er sie blicken

Aus Deinen Augen.

Wer da suchte

Nach tätiger Hilfe,

Liebe Freundin,

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Sicher fand er sie kommen

Durch Deinen Willen.

So mögen schlagen die Herzen für Deine Seele,

So mögen blicken die Augen in Deine Augen,

So mögen kommen die Willen zu Deinem Geiste,

Wenn sonnengleich Dein Vorbild

In unsere Seelenaugen

Aus geist'gen Höhen strahlet.

Wir,

Deines Herzens Genossen,

Deiner Seele Teilhaftige,

Deines Willens Bewunderer,

Blicken

Nach Deiner zeit-entbundenen Seele.

Bleibe

Sie uns ew'ge Weggenossin.

Lasset,

Ihr Geister in lichten Höhen,

Uns bewahren

Im endelosen Geistesreiche,

Was vereint uns

Dir im Erdgebiete hat.

Du schenktest uns

Treueste Geistesfreundschaft.

Ihr Geister in lichten Höhen,

Machet unsre Herzen stark,

Auf daß wir würdig

Des Geschenkes uns erweisen,

Das die Götter uns gegeben.

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Meine liebe Trauergemeinde!

Tief bewegten Herzens und von Schmerz erfüllt stehen wir an den sterblichen Resten unserer lieben Freundin Georga Wiese, hinauf­schauend zu ihrer enteilten Seele in jene Geistesreiche, die sie in so ernstem Streben während ihres irdischen Daseins gesucht hat. Und wir wissen sie in Zukunft vereint mit denjenigen Geisteskräften, mit denen sie aus so warmem und in so tätigem Streben sich während ihres Erdendaseins vereinigt hat. Wir schauen, wie ihr Geistesdasein sein wird die Fortsetzung desjenigen, was geistig in ihrem Herzen, in ihrer Seele, in ihrem Geiste schon hier auf Erden gelebt hat. Und wir gedenken, meine liebe Trauerversammlung, jeder lieben Stunde, die uns mit Georga Wiese vereint hat, denn diese lieben Stunden waren stets ausgefüllt von einer regen Teilnahme und von einem ernsten Sich-Hineinstellen in die geistige Welt. Es war stets ausgefüllt bei je­dem einzelnen, so darf wohl gesagt werden, der Georga Wiese gegen­überstand, sie war stets ausgefüllt, diese Stunde des Beisammenseins mit Georga Wiese, von der innigen Überzeugung: Du stehst gegen­über einem lieben, einem treuen, einem herzerwarmenden Menschen.

Und diese Liebe, diese Treue, diese herzensherrliche Wärme, sie strömte in so unendlich schönem Maße von Georga Wiese aus, daß jeder, der mit ihr zusammenkam, empfand, wie wohltätig und zu gleicher Zeit wie innig verständnisvoll gegenseitig dieses Zusammen­sein sein konnte. Wir haben Georga Wiese kennen lernen dürfen in ihrer heimatlichen Umgebung, der sie aus ihrer schönen Seele heraus mit einem solchen Eifer und mit einem solchen verständnisvollen Blicke das Geistesleben hat vermitteln wollen. Wir haben sie kennen gelernt in ihrer treuen Anhänglichkeit und Liebe zu dem Lande, zu dem uns alle, die wir oben sein durften im Norden, die innigste Liebe erfaßte, und wir haben es gesehen, und wir haben - wenigstens ein großer Teil von uns - wirken dürfen in diesem nordischen, felsen­durchwachsenen, meerumbrandeten, götterdurchwirkten Lande, das so schön und so majestätisch einem entgegentritt, von dem man glauben kann, wenn man es betritt, daß die harten Felsen eine harte, aber innerlich durchgeistigte Sprache sprechen. Und man bekommt

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dieses Land lieb. Und man bekommt es lieb insbesondere dann, wenn man vom Schicksal begünstigt ist, solche lieben Menschen in dem­selben zu finden, wie Georga Wiese und die um sie Seienden waren.

Wir haben den innigsten Anteil genommen daran, wie die liebe Mutter vorangegangen ist in geistige Lande, und wir möchten es miterleben, wie erwartungsvoll, verständnisvoll diese liebe Mutter die teure Tochter nunmehr empfangen wird.

Wir sahen Georga Wiese liebend inmitten des uns lieb gewordenen nordischen Kreises. Wir sahen sie umgeben von einer Reihe von Gleichgesinnten. Und mein Auge konnte niemand entdecken, der nicht in inniger Liebe ergeben war der hingebungsvollen Seele Georga Wieses. Und vieles, vieles von dem, was uns möglich war zu wirken in jenem Lande, in dem so gern von uns gewirkt wird, ist uns durch die Aufopferung Georga Wieses möglich geworden.

Brauchen wir da noch viel, um uns heute in diesen Trauertagen im Herzen zurückzurufen alle die Liebe, die wir durch lange Zeit hindurch empfinden mußten für die teure Dahingegangene, weil Erdenliebe ja nur der Reflex sein konnte von demjenigen, was an inniger Liebe, an tätiger, an opferwilliger Liebe von ihr kam. Die Vereinigung mit Georga Wiese war schön, und die Schönheit dieser irdischen Vereinigung, sie wird der Keim sein zu der geistigen Ver­einigung, wo wir hintreten müssen, da Georga Wiese vor uns in das Geistesland eingetreten ist. Denn es ist ein schönes Bild, das vor die Seele tritt, wenn wir uns versetzen nach dem nordischen Lande. Wir fanden Wärme, die wärmenden Sonnenstrahlen im Herzen durch Georga Wiese.

Und es war immer ein schöner Gedanke, es war immer ein warmes Gefühl, sich sagen zu können, innerhalb des Wirkens im nordischen Lande wird an der Seite stehen mit all dem, was sie nur sein kann, Georga Wiese. Das, meine liebe Trauergemeinde, wird hier auf Erden nicht mehr sein; aber wir wissen, wir erhoffen, wir ersehnen es in unsere Herzen herein, daß wir um so tiefer, inniger für alle Zeiten vereinigt bleiben mit der Seele derjenigen, die sich uns aus einem so freien, hingebungsvollen Willen in Geistfreundschaft vereinigt hat.

Und wir gedenken heute in Trauer, in tiefem Leid, in tiefem

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Schmerz, daß wir nicht mehr werden schauen können in diese lieben­den Augen, daß wir nicht mehr werden fühlen können die be­glückende Nähe. Aber wir schauen auf zu dem Lichte der Höhen, zu den Welten des geistigen Lebens, mit denen sich Georga Wiese ver­einigt hat, und in die wir oft und oft und immer wieder und wiederum unsere empfindungswarmen Gedanken senden wollen, damit sie fin­den dasjenige, was ganz gewiß aus diesen lichten Geisteshöhen herab-sendet an uns schützenden, wärmenden, helfenden Gedanken Georga Wiese.

Und wir schweifen ab von dem Bilde, das uns hinaufgeführt hat in die nordische Heimat, und wir schauen hin zu dem Bau, den wir versuchten, dem Geistesleben zu errichten hier in der Nähe, den uns ein schlimmes, trauriges Schicksal entrissen hat; wir wissen, wie viel damit auch unserer teuren Freundin entrissen worden ist. Aber wir sahen sie im Laufe der Jahre, in denen sie immer wieder und wieder-um, wie ihre Heimat suchend, ans Goetheanum in Dornach kam, wir sehen sie an allem möglichen, was da zu arbeiten war, in treuem, in innigem Verständnisse mitarbeiten. Wir sehen die Hunderte von Händen, die Hunderte von Herzen, die da arbeiteten und schlugen für dasjenige, was am Goetheanum wurde, und wir sahen darunter aus milder Seele, aus einer ganzen, milden Persönlichkeit im Liebeslicht die schöne Begeisterung, die aus Georga Wiese mitarbeitend an dem Dornacher Goetheanum wiederkam. Ein Schönes, ein Herrliches, ein schier Bewunderungswertes. Und wo etwas fehlte, wo Hiffe ge­braucht wurde, im großen, im kleinen, Georga Wiese war da. Und sie war da, da sie glaubte, in voller Freiheit dasjenige, was zu tun war, aus ihrem liebenden Herzen heraus tun zu sollen.

Und wir, wir können heute nur mit schwerem, mit trauerndem, mit leiderfülltem Herzen dastehen und der enteilenden, das Geistes-land suchenden Seele zusenden herzinnigen Dank, Dank, der warm bleibe in unserer Seele, wie alles dasjenige seelenwarm war, was in unsere Reihen, was in unser Tun Georga Wiese hereingebracht hat. Und sie wußte es zu tun so anspruchslos, so innig bescheiden. Man merkte, sie gab erst dann, wenn sie's von der Persönlichkeit losgelöst hatte. Stets trat zurück hinter dem, was sie für soviele war, die Persönlichkeit

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Georga Wieses. Und wenn man durch Jahrhunderte hindurch das Wort gebraucht hat, meine liebe Trauergemeinde, für Seelen, die also geartet waren, dann hatte man den heute nicht mehr gebräuch­lichen, einstmals viel in sich schließenden Ausdruck: eine schöne Seele. Goethe hat die liebste Person im Geistesland, die er kennen gelernt hat, eine schöne Seele genannt, und wir wollen in all dem Sinn, den einstmals die Vorzeit mit diesen Worten verband, heute auf-blicken zu der schönen Seele Georga Wieses.

Und unser Seelenauge kommt an das dritte Bild. Wir riefen die Freunde, die sich mit uns vereinigen wollten, um die Anthroposo­phische Gesellschaft zu dieser Weihnachtszeit in einer neuen Form zu gestalten, an das Goetheanum in Dornach. Und unter denjenigen, die begeisterten Herzens kamen, war Georga Wiese. Und kaum an­gekommen, erwartend das Festliche, das sie mitmachen wollte, hatte sie einen Unfall, durch den sie den Arm an einer ungünstigen Stelle des Oberarms brach. Und sie mußte, was uns wirklich den aller­allertiefsten Schmerz nur bereiten konnte, die Tage, da wir ver­sammelt waren, zu begründen die neue Form der Anthroposophischen Gesellschaft, zu legen den Grundstein zu ihr, sie mußte im Kranken­haus die Tage, die sie im festlichen Zusammensein mit dem, was sie liebte, verbringen wollte, zubringen. Sie war an dem Orte angelangt, zu dem sie oftmals so gern gekommen war, und sie war wieder gern gekommen, und das Schicksal hatte sie ferngehalten von dem, an dem sie teilnehmen wollte.

Wieder wirkte die schöne Seele Georga Wieses. Äußerlich, sie hatte in dem Krankenhause und durch den verständnisvollen Arzt ja ge­treueste Pflege, und nach dieser Richtung hin konnte ich tief be­friedigt sein, als ich selbst bei einem Besuche kurz vor ihrem Tode ihren Arzt sprechen konnte. Aber es war doch tief zu Herzen gehend, Georga Wiese nun in schwerer Krankheit liegen zu sehen und den Gedanken haben zu müssen, wie gerne sie gerade in diesen Tagen an anderer Stätte gewesen wäre. Aber wiederum überstrahlte sie der Glanz desjenigen, was ich eben genannt habe, meine liebe Trauer-gemeinde, die schöne Seele. Sie trug alles dasjenige, was sie zu finden hoffte innerhalb unserer festlichen Weihnachtsgemeinschaft, in ihrer

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Seele, in ihrem Herzen. Und von ihrer Lagerstatt strahlte mir ent­gegen aus ihrem treuen, liebenden Herzen in einer fast himmlischen Verklärung all dasjenige wiederum am Ende der Tage vor dem Tode Georga Wieses, da wir das Fest begangen hatten, zu dem sie auch gekommen war. Sie trug wahrhaftig dieses Fest in ihrem Herzen, sie trug wahrhaftig dieses Fest in ihrer Seele. Denn in ihr war alles in ihrer Seele von Kräften erfüllt, die ihr ohne Ende - damit tief bekräftigend das eigene Sein - aus geistig lichten Höhen die Worte sagten: Ex deo nascimur, aus dem Göttlichen ist alles Menschliche geboren.

Und Georga Wiese, sie wußte sich aus dem Göttlichen geboren. Sie wußte sich herausgetragen in irdisches Sein aus göttlich weiten Daseinskräften. Sie wußte wirkend dieses Göttliche in der eigenen Seele. Sie fühlte diese Gotteskräfte im eigenen Hetzen. Sie wollte ohne Ende strömen lassen in den eigenen Willen diese sie licht durch-strömende Gotteswärme. Ihre Seele selber lebte in dem Lichte der Worte: Ex deo nascimur. - Und sie wußte, wie hineinverschwindet dasjenige, was in göttliche Höhen reichte, in irdisches Dasein, und wie hingenommen wird der Mensch, dessen äußere physische Körper­lichkeit, von dem irdischen Dasein. Aber sie wußte auch, daß, wenn auch der Mensch in jedem Augenblicke hineinerstirbt in den Stoff, in der Erde die durch Gnade mitgeteilte große Kraft wirkt, die in dem lebendigen Christus ist. Sie fühlte, sie lebte in ihrem Herzen, sie lebte in ihrer Seele, sie lebte in ihrem Geiste: In Christo morimur.

Liebe Trauergemeinde! Wie wenn ich hätte lesen können in dem Herzen, das ich noch an dem wenige Stunden vor dem Tode voran­gehenden schweren Tag sah, wie wenn ich es hätte sehen können, das Licht, das aus diesem «In Christo morimur» strahlte, so war es auf­richtig, so war es tief geist-ehrlich in der Seele dieser treuen, dieser an alles Schöne, Große und Liebe in der Welt so echt hingegebenen Seele. Oh, es war ein großer Kontrast in diesen letzten Stunden zwischen dieser Seele, die aus den müden Augen, aber in unendlicher Leuchtkraft hineinblickte in Unbestimmtes, die klagte, wie wenig ihr Leib noch vertrug von irdischen Stoffen, und die so sichtlich erfüllt war von dem, was der Geist der Seele mitteilte.

Es war eine tiefe Sorge, in der ich Georga Wiese verlassen mußte.

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Man darf, meine liebe Trauergemeinde, wenn man die Untergründe des Geistigen versteht, solange der Mensch hier auf Erden weilt, nur mit starken, kräftigen Gedanken hinstreben, zu sagen, er wird, er wird gesund. Denn solche Gedanken sind es oftmals, die mit den geheimnisvollen Kräften, die bestehen zwischen Menschenseele und Menschenseele und zwischen Weltengeist und Menschengeist, manche Seele noch hinwegtragen über den Todesakt. Aber die Sorge lebte doch durch jene schwere Schädigung, die nur Bedrohliches ahnen ließ, die ausging von der geschädigten Stelle und sich wie dunkle Strahlen über den ganzen Körper hinbewegten. Aber die Hoffnung lebte. Die Hoffnung durfte schon am nächsten Tage nicht mehr leben. Es kam die Kunde, daß uns unsere liebe Freundin am Morgen für das irdische Leben entrissen war.

Tief verbunden, liebe Trauergemeinde, ist nun diese Seele dem, was wir alle hier erstrebt haben, dem, was uns so tief bewegte in den Weihnachtstagen, wie tief verbunden ist für uns alle, da sie hinweg­gegangen ist, zu sterben in unserer Mitte in diesen unseren Festes-tagen, mitmachte noch im Geiste hier auf Erden, was wir durch­machten, dann den Weg suchte hinauf in geistige Höhen.

Ich darf, meine liebe Trauergemeinde, versichert sein, daß ich zu aller Herzen spreche, wenn ich diese der Christus-Kraft so tief er­gebene Seele diejenige nenne, die sich für alle Ewigkeit im Aller-tiefsten mit uns durch diese Tragik des Todes in einer für uns so ernsten Zeit verbunden hat. Gedenket dieser Christus ergebenen Seele immer mit all jener Kraft, die den Schmerz zuletzt verklären wird in Euren eigenen Seelen, wenn Ihr die tiefe Tragik wirken lasset, die mit diesem uns mit solchem Leid erfüllenden Tod ver­bunden ist.

Oh, aus diesem Tode soll auf keimen ein Geistesleben, das uns für alle Ewigkeit innig vereint mit Georga Wiese. Und dieses geistige Leben, sie hat es immer geführt. Aus dem «Ex deo nascimur - In Christo morimur» ging für sie die selbstverständliche Überzeugung hervor, daß des Menschen Seele, wenn sie die Kraft des Vater-Wortes, wenn sie den Willen des Sohnes-Gottes und seine Liebe in sich hegt, im Geiste auferstehen wird, um im Geiste zu erfassen das Leben, das

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dem endelosen Geist des Lichtes reiches selber angehört: «Per spiritum sanctum reviviscimus». Das ist sicher der Zauberhauch, der als der lebendige Hauch sich entrungen hat, als der irdische Hauch bei Georga Wiese aufhörte.

Und mit diesem alles Tote ständig erweckenden Geiste wollen wir uns vereinen, die Kraft zu gewinnen, vereint zu bleiben im geistes-ewigen Zukunfts-Dasein mit Georga Wiese.

Unvergeßlich mögen denjenigen, die sie kennen gelernt haben, die drei Bilder sein: Die Liebende inmitten ihrer geliebten Heimat, die wir selber so lieb gewonnen haben; die Treue, Tätige, die begeistert mit dem Herzen Enthusiasmierende, selber in Treue Tätige, mit dem Herzen enthusiastisch Anteilnehmende, arbeitend, wirkend, lebend am Bau des Goetheanum in Dornach; die Sterbende, dem Tode zu ewigem Leben sich mit uns Vereinigende bei unserem so bedeutungs­vollen Weihnachtsdasein im Übergange von 1923 auf 1924. Die Kraft dieser drei Bilder, sie muß leben in Euren Herzen! Und leben in Euren Herzen wird, wenn Ihr die Kraft dieser Bilder mit all dem, was dieser schönen Seele im Vereine mit Euch an sich eigen war, auf Euch wirken lasset, vereint wird sein in dem schönen, lichtvollen Leben diejenige, die im Tode nunmehr von uns ging.

Wir kennen, was Dich im Geiste bewegte,

Wir fühlen, was Dich im Herzen erwärmte,

Wir streben, wonach Dein Wollen drängte.

Deine Geistesregung, Deine Herzenswärme,

Dein Wollensdrang,

Sie stehen vor unsrer Seele.

Und die Erinnerung an Irdisches stellt sich vor uns hin:

Wie Du mit uns dachtest,

Was wir für der Gedanken würdigsten Inhalt halten,

Wie Du mit uns empfandest,

Was wir für des Gemütes schönste Liebe halten,

Wie Du mit uns erstrebtest,

Was wir für der Menschheit wahrste Ziele halten.

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Neben der Erinnerung an Irdisches steht die Geistesschau - hinauf in lichte Höhen:

Wie Du empfangen wirst von den Geistern der lichten Höhen,

Zu wirken im Geiste,

Zu schauen Deiner Taten Ergebnis,

Zu sprechen die Sprache des ew'gen Seins.

Webe in Deinem Wirken im Geiste,

Schaue in Deiner Taten Ergebnis,

Lasse dringen in die Sprache des ew'gen Seins

Den Strahl, der in unsere Herzen dringen kann,

Und der wieder zu Dir zurückkehrt,

Auf daß wir in Zukunftzeiten

Vereint mit Dir das Geistesdasein leben können.

Oh, es ist mir, als wenn aus lichten Höhen Georga Wiese spricht:

Ich war mit Euch vereint.

Bleibet in mir vereint.

Wir werden zusammen sprechen

In der Sprache des ewigen Seins.

Wir werden tätig sein

Da, wo der Taten Ergebnis wirkt,

Wir werden weben im Geiste

Da, wo gewoben werden Menschen-Gedanken

Im Wort der ew'gen Gedanken.

Wer da suchte

Nach einem liebenden Herzen,

Teure Freundin,

Sicher fand er es schlagen

In Deiner Brust.

Wer da suchte

Nach einer verstehenden Seele,

Teure Freundin,

Sicher fand er sie blicken

Aus Deinen Augen.

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Wer da suchte

Nach der tätigen Hilfe,

Teure Freundin,

Sicher fand er sie kommen

Durch Deinen Willen.

So mögen schlagen die Herzen für Deine Seele,

So mögen blicken die Augen in Deine Augen,

So mögen kommen die Willen zu Deinem Geiste,

Wenn sonnengleich Dein Vorbild

In unsere Seelenaugen

Aus geist'gen Höhen strahlet.

Wir,

Deines Herzens Genossen,

Deiner Seele Teilhaftige,

Deines Willens Bewunderer,

Blicken

Nach Deiner zeit-entbundenen Seele.

Bleibe

Sie uns ew'ge Weggenossin.

Lasset,

Ihr Geister in lichten Höhen,

Uns bewahren

Im endelosen Geistesreiche,

Was vereint uns

Dir im Erdgebiete hat.

Und wenn wir Dich schauen, empfangen werdend von den Gei­stern der lichten Höhen, von den Seelen der Dir im Tode voran­gegangenen lieben Angehörigen, zu denen wir in Liebe hindenken, weil sie die Deinen waren, dann, dann strahlen in unsere Herzens-wärme herein die Worte:

Du schenktest uns

Treueste Geistesfreundschaft.

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Ihr Geister in lichten Höhen,

Ihr, mit Georga Wiese im Geiste vereinigten,

Ihr vorangegangenen, ihr zugehörigen Menschenseelen,

Machet unsre Herzen stark,

Auf daß wir würdig

Des Geschenkes,

Das die Götter uns gegeben haben mit Georga Wiese,

Uns erweisen.

Mit dieser Gesinnung und dem Versprechen, unsere Gedanken un­aufhörlich immer wieder und wiederum mit Deinem geistigen Sein, teure, liebe Freundin, zu vereinigen, daß Du mit uns bist, auch wenn wir nicht mehr in Deine treuen Augen blicken können, das wollen wir Dir geloben, wissend, daß, wenn wir im Leid jetzt in diesem Augen­blicke Deine sterblichen Reste dem Feuer übergeben, im himm­lischen geistigen Feuer, das nicht zehrend, das wohltätig wärmend durch Seelen und Geister wirkt, wir mit Dir werden vereinigt sein, vereinigt sein im Lichte, in der Liebe, in der Menschentreue, in dem Geisteswillen. So scheiden wir. So scheiden wir nicht. So fühlen wir uns für ewige Daseinszeiten mit der uns liebend enteilenden Seele einig, einig, einig.

Ex deo nascimur

In Christo morimur

Per spiritum sanctum reviviscimus.

ANSPRACHE BEI DER KREMATION VON EDITH MARYON Basel, 6. Mai 1924

#G261-1963-SE308 Unsere Toten

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ANSPRACHE BEI DER KREMATION VON EDITH MARYON

Basel, 6. Mai 1924

#TX

Meine liebe Trauergemeinde! Dies als letzter Gruß an Edith Maryon, unsere treue Mitarbeiterin:

Wer da blickt auf Deinen Karmaweg,

Den freudearmen,

Der schauet Dein edles Geistesstreben,

Das Seelen-warme:

Ihm erscheinet eines Menschenwesens Witkenssinn

Aus Deinem Erdenwandel.

Wer da fühlt Dein so stilles Sein,

Das liebevolle,

Der schauet Deiner Seele Mühen

Das nie ermüdende:

Ihm erscheinet eines Menschenwesens Herzenssinn

Aus Deinem Tagesleben

Wer da stand vor Deinem Todestore,

Dem allzunahen,

Der schauet den harten Schmerzensweg

Den sanft ertragenen:

Ihm erscheinet eines Menschenwesens Duldersinn

Von Deinem Krankenlager.

Wer empfindet Dein schönes Geisteswerk,

Das ernst geführte,

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Der schauet Dein Leben hingegeben

Dem Geistes-Ziele:

Ihm erscheinet eines Menschenwesens Opferkraft

Aus Deinem Seelenringen.

Wer da schauet in den Geistes-Sphären,

Den segensvollen,

Dein Seelenleben künftig weben

Das Licht-erstrahlende:

Ihm erscheinet eines Menschenwesens Geisteskraft

Aus Deinem Ewig-Sein.

Wer da schauet aus den Sonnenhöhen,

Den liebenswarmen,

Deinen Blick zu uns herniederstrahlen,

Den Hilfe-spendenden:

Ihm erscheinet eines Menschenwesens Segenskraft

Aus Deinem Geisteswirken.

Liebe Trauergemeinde! Zu den abwesenden Verwandten habe ich die Gedanken zuerst hinzuwenden, die da nicht erscheinen konnten an dem Tage, da wir die irdischen Überreste unserer lieben Edith Maryon den Elementen zu übergeben haben. Alles dasjenige, was hier noch an Liebe erwiesen werden konnte von seiten der Familie der Hingeschiedenen, hat mir deren ältester Bruder, Herbert Maryon, auf­getragen. Die anderen, eine Schwester in London, eine andere in Nordengland, ein Bruder in Australien, sie sind nicht imstande, hier zu sein, und können nur mit ihren Gedanken hier sich mit uns ver­einigen. Wir aber, meine liebe Trauergemeinde, blicken an diesem Tag der Trauer zurück in das diesmalige Erdenleben von Edith Maryon.

Sie kam ja vor mehr als zehn Jahren zu uns in unsere Anthroposo­phische Gesellschaft her aus anderer esoterischer Gemeinschaft, voll erfüllt von einem edlen, heiligen Streben nach esoterischer Vertiefung der Seele. Dies alles stand bei ihr neben demjenigen, was sie im äuße­ren Leben vorstellte. Sie war Künstierin und in ihrer Art eine wirklich vollendete Künstlerin, eine Künstlerin, welcher die Mittel der Kunst

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voll zur Verfügung standen, die Arbeitsweise in der Kunst voll ge­läufig war. Sie hatte in England und in Italien Bildhauerkunst ge­trieben. Sie hatte es in dieser Kunst lange, bevor sie in die Anthro­posophische Gesellschaft hereingekommen ist, zu schönen äußeren Erfolgen gebracht. Eine ganze Reihe von Porträts angesehener Per­sönlichkeiten, selbst sehr bekannter Persönlichkeiten in der Welt, sind von Edith Maryon. Sie hat in Italien sich innig vertieft in alles das­jenige, was groß, schön, erhaben und eindringlich ist in der Kunst. So trat sie unter uns als Künstlerin, als Esoterikerin. Zunächst suchte sie bei uns nichts anderes als die Vertiefung in der Betrachtung ihrer Seele durch eine esoterische Entwickelung. Aber das Karma brachte es so, daß sie sich genötigt fand, dasjenige, was in der Kunst ihr eigen war, in den Opfrrdienst unseres Goetheanums zu stellen, und ganz vom Anfange an war sie an dem Goetheanum mit alledem tätig, was sie aus ihrer Kunst und aus ihrem menschlichen Wesen heraus zu der Vollendung dieses Goetheanums und alles desjenigen, was damit zu­sammenhängt, hat beitragen können.

Wenn man zurückblickt auf dieses ihr Arbeitsleben, war es nur unterbrochen im Jahre 1914, wo sie auf einer Reise nach England eine sehr schwere Krankheit durchmachte, eine Krankheit, von der man wohl sagen konnte, wenn sie sich in einer ernsten Weise einmal wie­derholt, so wird Edith Maryon nicht weiter auf der Erde verweilen können. Dazumal hat sie sich aber durch die Bemühungen des ihr be­freundeten Arztes Dr. Felkin doch wiederum erholt und ward uns wiedergegeben noch im Jahre 1914 zur weiteren Arbeit am Goethe­anum. Von der Zeit an, in der sie ihre Arbeit hinlegen konnte auf den Opferaltar des Goetheanums, war dies dasjenige, was im Mittel­punkt all ihrer Pflichten und all ihres geistigen Lebens stand. Und sie hat gerade die Möglichkeit gefunden, ein richtiges, wirklich innerhalb der anthroposophischen Bewegung zum Ziele führendes Arbeiten haben zu können.

Es ist ja ganz selbstverständlich, daß innerhalb der anthroposophi­schen Bewegung dasjenige, was von mir als neue Impulse in die ver­schiedensten Gebiete der Kunst, der Wissenschaft, des Lebens ein­zufügen ist, daß diese Impulse in mannigfaltigster Weise in Widerstreit

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kommen mit demjenigen, was hereingebracht werden kann, mit dem­jenigen, was mit äußerer Kunst, mit äußerer Wissenschaft und so wei­ter erworben werden kann. Aber es gibt eine Möglichkeit zu arbeiten, wenn über allem Widerstrebenden die edle Hingabe an die Arbeit sel­ber da ist, wenn niemals in einer anderen Ansicht ein Hindernis ge­sehen werden darf zusammenzuarbeiten. Wenn die Arbeit zustande kommen soll, kommt sie auch zustande, wenn auch der eine von den Traditionen der älteren Kunst herkommt, und der andere genötigt ist, aus neuen Impulsen heraus die Kunst zu einer weiteren Entwickelung zu bringen. Ist wirklich echtes menschliches Zusammenwirken vor­handen, dann kann über allem Gegensatz die Gemeinsamkeit der Arbek liegen.

Diese Gesinnung, sie war im allerhöchsten Maße innerhalb ihres ruhigen Wirkens Edith Maryon eigen. Daß allerdings dabei mancher­lei in Betracht kam gerade für das Zusammenarbeiten mit mir, darf heute, da wir uns von den irdischen Resten Edith Maryons zu trennen haben, und in der Zukunft nachzublicken haben ihrer in die lichte Ewigkeit, in das geistige Höhenreich hinaufstrebenden, dort weiterwirkenden Seele, es darf am heutigen Tag wohl auch einem größeren Kreis gesagt werden. Es war ziemlich im Anfange des bildhauerischen Wirkens am Goetheanum in Dornach, daß ich im äußeren Atelier, im vorderen großen Atelier an der dort im Modell vorliegenden Christus-Statue auf dem Gerüste oben zu arbeiten hatte. Dazumal passierte es, daß durch eine Öffnung des Gerüstes ich drohte hinunterzufallen, und ich wäre ganz gewiß nach Lage der Sache mit dem ganzen Körper auf­gefallen auf einen Pfeiler mit einer schaffen Spitze, wenn Edith Maryon nicht meinen Fall aufgefangen hätte. Und so ist schon zu sagen, meine liebe Trauergemeinde, daß die Anthroposophische Gesellschaft in einer gewissen Weise, wenn sie meint, daß mein Wirken auch seit jener Zeit einen Wert innerhalb ihrer Gesellschaft hatte, wegen dieser Ret­tung dazumal dankbar zu sein hat.

Es wurde wenig von solchen Dingen gesprochen, denn viel über ihr Wirken, namentlich über ihr menschliches Wirken zu sprechen, war nicht die Eigenart Edith Maryons. Dafür aber entfaltete sie in einer ganz besonderen Weise dasjenige, was man nennen kann Energie

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in der Ruhe, Energie im ruhigen Arbeiten. Und die zwei Eigenschaf­ten, die dabei als menschlich schöne Eigenschaften, wertvolle Eigen­schaften hervortraten, das waren die in allen Fällen, wo es nötig war, wirkende Zuverlässigkeit von Edith Maryon auf der einen Seite und ihr praktischer Sinn auf der anderen Seite.

Im geistigen Streben, das genötigt ist, hinauszuwirken in die Welt, ist nun schon einmal nötig, meine liebe Trauergemeinde, daß auch Menschen darinnen stehen, welche einen wirklich praktischen Sinn haben, so daß dasjenige auch vor die Welt hintreten kann, vor der Welt verkörpert werden kann, was aus den Absichten des Geistes heraus verwirklicht werden soll. Und von Edith Maryon kann man sagen, ihre Zuverlässigkeit war etwas unbedingt treu Wirkendes. - Man kann sagen, sagte sie etwas, so konnte man darauf bauen. Nahm sie sich etwas vor, wozu ihr praktischer Sinn notwendig war, so stand es nach einiger Zeit vollendet da, wenn auch dasjenige, was zu tun war, recht fernab lag von demjenigen, was ihre eigentliche Berufstätigkeit war.

Außer der Zusammenarbeit für die bildhauerische Arbeit am Goe­theanum, die wirklich noch mehr in Anspruch nahm als dasjenige, was dann äußerlich sichtbar geworden ist selbst in der Mittelpunkts-Statue, in der Mittelpunkts-Gruppe, - für die bildhauerische Arbeit am Goetheanum war sie die im aller eminentesten Sinne geeignete Kraft. Sie beherrschte die bildhauerische Kunst, und sie war geneigt, alles dasjenige aufzunehmen, wovon diese Kunst durchzogen werden soll.

Aber dazu war noch etwas anderes notwendig. Es war ein fort­währendes Ineinanderwirken zwischen Altem und Neuem in der Kunst notwendig, und mancherlei, was am Goetheanum entstanden ist, ohne daß es gerade von uns selbst gemacht worden ist, birgt ja den Geist, der mit Edith Maryon zusammen gerade in dem Ausbau der plastischen Kunst vom Goetheanum gewirkt hat. Aber sie ging hin-aus; ihre Energie in der Ruhe wirkte in weiterem Sinne für das Ge­deihen in der Entwickelung der anthroposophischen Sache. Wenn in den letzten Jahren es möglich geworden ist, in Stratford, in Oxford, in London, in Penmaenmawr, in Ilkley Vorträge zu halten und für Anthroposophie und Eurythmie zu wirken, so ist dem stillen Arbeiten

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in der Vermittelung zwischen dem Goetheanum und der englisch sprechenden Bevölkerung von Edith Maryon das Hauptverdienst zu­zuschreiben. Sie war es, die zuerst die Anregung gegeben hat zu dem vor Jahren um die Weihnachtszeit abgehaltenen Weihnachtskurs, den englisch sprechende Lehrer und Lehrerinnen besucht haben. Sie war es auch, welche die Anregung gegeben hat zur künstlerischen Dar­stellung der eurythmischen Bewegungen und den Eurythmie-Figuren. Und ich würde wohl noch vieles zu sagen haben, wenn ich auf alles dasjenige hinweisen möchte, was aus stiller energischer Ruhe heraus Edith Maryon mit bewirkt hat.

Aber es kommt ja weniger darauf an. Es kommt darauf an, diesen im Wirken so schön sich offenbarenden Zug ihres Lebens heute vor unsere Gedanken zu bringen.

Und herausgerissen ward sie aus diesem Leben dadurch, daß ihr altes Leiden durch die Aufregungen der Brandnacht, in der uns das Goetheanum genommen worden ist, sich wiederum zeigte, und daß durch alle sorgsame Pflege dieses Leben für das irdische Sein zuletzt doch nicht zu erhalten war. Wir glaubten im letzten Sommer, als Edith Maryon wenigstens einige ganz kleine Ausgänge machen konnte, daß dieses Leben zu erhalten sei. Aber schon im Herbste zeigte sich, wie sehr hier zerstörende Kräfte in dieses Leben eingegriffen haben.

Es ist ja wahrhaftig aus dem Bewußtsein jenes karmischen Zusam­menhanges heraus gesprochen, der von mir dadurch ausgedrückt wor­den ist, daß ich auf jenen Unfall im Atelier wies, wenn ich sage: Edith Maryon war vorbestimmt, in die anthroposophische Bewegung hin-einzukommen, und mit ihrem Tod ist der Anthroposophischen Ge­sellschaft, der ganzen anthroposophischen Bewegung viel entrissen.

Viel von demjenigen, was ihr eigen war, hat sich insbesondere in den letzten Wochen, wo das Leiden ein so außerordentlich bedrük­kendes und schmerzvolles geworden ist, in schönster Weise geoffen-bart, teils durch die Art des Ertragens dieses Leidens, teils durch die volle, ganz aus dem Geiste der Anthroposophie heraus getragene Ge­sinnung gegenüber der geistigen Welt, in welche hineinzugehen Edith Maryon sich dennoch seit Wochen vorbereitete.

Es war mir dann nicht gegönnt durch andere Verpflichtungen, die

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ich hatte, in der Todesstunde selbst anwesend zu sein. Edith Maryon hat dann an der Seite ihrer treu befreundeten Ärztin, unserer lieben Dr. Ita Wegman, die Seele aus dem Leibe herausgeführt, um sie hin-aufzuführen in die geistige Welt. Sie war bis in ihre letzten Stunden von der treuen Pflege nicht nur der Ärztin, sondern auch derjenigen, die ihr liebe und sie betreuende Krankenschwestern geworden sind, gepflegt worden, und unter der Pflege dieser Krankenschwestern ver­brachte sie dann in der Tat in der letzten Zeit oftmals qualvolle Stun­den, die aber immer erhellt werden konnten in einer außerordentlich schönen und geistigen Weise. Arzneien waren zuletzt ja nicht mehr wirksam, was aber noch wirksam war, waren die Vorlesungen, die ihr geboten werden konnten, entweder aus demjenigen, was als Sprüche gegeben war zur Weihnachtstagung, oder auch aus dem Neuen Testament.

Dazumal, zur Weihnachtstagung, wo noch Hoffnung vorhanden war, daß wir Edith Maryon halten können hier in der physischen Welt, wurde ihr ja die Leitung der Sektion für bildende Künste über­geben. Mit einer ungeheuren Innigkeit hat sie sich auf dem Kranken­bette noch bemüht, ihre Gedanken fortwährend hinzulenken auf die Art, wie nun diese Sektion zustande kommen soll, wie sie wirken soll.

Aus diesem Leben, meine liebe Trauergemeinde, geht nun die Seele Edith Maryons hinauf in die geistigen Welten, voll durchdrungen von demjenigen, was aus dem Kennen anthroposophischer Geisteshoff­nung, anthroposophischen Geisteslebens gewonnen werden kann. Sie trug wie wenige das lebendige Bewußtsein in ihrer Seele, mit ihrem besten Sein hervorgegangen zu sein aus dem ewigen Vatergeistquell der Welt: Ex deo nascimur. Sie lebte in inniger Liebe hinschauend zu demjenigen Wesen, das der Erden-Entwickelung ihren Sinn gegeben hat. Sie ließ sich in den letzten Tagen noch Christi Spruch: «Kommet zu mir, die ihr mühselig und beladen seid» an der Seite des Bettes be­festigen. Sie wußte sich im Tode vereinigt mit dem Geiste Christi: In Christo morimur. Und so ist ihr in der schönsten Weise gewiß die Auf-erweckung in der geistigen Welt: Per spiritum sanctum reviviscimus, in der wir mit ihr vereinigt sein wollen, in die wir hinaufschicken wollen unsere Gedanken, auf daß sie sich mit den ihrigen vereinigen.

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Dann können wir sicher sein, meine liebe Trauergemeinde, ihre Gedanken, ihre Seelenblicke, sie werden ruhen, nein, sie werden nicht bloß ruhen auf den Taten, die etwa noch getan werden können für die anthroposophische Sache vom Goetheanum aus, sie werden treu­lich und kraftvoll, energisch mitarbeiten, sie werden unter uns sein, wenn wir Kraft brauchen, sie werden unter uns sein, und wir werden ihren stillen Trost in den Herzen empfinden können, wenn wir einen solchen Trost brauchen in den mancherlei Anfechtungen, denen ja die anthroposophische Sache ausgesetzt ist.

In rührender Weise ist abgefaßt dasjenige, was Edith Maryon als ihren letzten Willen über ihre wenigen Habseligkeiten verfaßt hat. Dabei hat sie all derer in außerordentlich liebender Weise gedacht, die ihr irgendwie nur nahestehen.

Und so blicken wir hinauf in jene Sphären, in denen Du weiter das Leben, das über das Sterben siegt, führen willst, wollen bei Dir sein, vereint mit Dir in jener Einheit, die nimmer erstirbt, die da ist un­vergänglich durch alle Kreise der durch die Welt webenden und wel­lenden Ewigkeit.

Wer da blickt auf Deinen Karmaweg,

Den freudearmen,

Der schauet Dein edles Geistesstreben,

Das seelen-warme:

Ihm erscheinet eines Menschenwesens Wirkenssinn

Aus Deinem Erdenwandel.

Wer da fühlt Dein so stilles Sein,

Das liebevolle,

Der schauet Deiner Seele Mühen,

Das nie ermüdende:

Ihm erscheinet eines Menschenwesens Herzenssinn

Aus Deinem Tagesleben

Wer da stand vor Deinem Todestore,

Dem allzu nahen,

Der schauet den harten Schmerzensweg,

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Den sanft ertragenen:

Ihm erscheinet eines Menschenwesens Duldersinn

Von Deinem Krankenlager.

Wer empfindet Dein schönes Geisteswerk,

Das ernst geführte,

Der schauet Dein Leben hingegeben

Dem Geistesziele:

Ihm erscheinet eines Menschenwesens Opferkraft

Aus Deinem Seelenringen.

Wer da schauet in den Geistes-Sphären,

Den segensvollen,

Dein Seelenleben künftig weben,

Das Licht-erstrahlende:

Ihm erscheinet eines Menschenwesens Geisteskraft

Aus Deinem Ewig-Sein.

Wer da schauet aus den Sonnenhöhen,

Den liebenswarmen,

Deinen Blick zu uns herniederstrahlen,

Den Hilfe-spendenden:

Ihm erscheinet eines Menschenwesens Segenskraft

Aus Deinem Geisteswirken.

Und so gehe denn hin, Du, unserer heiligen Sache so treu ergebene Seele! Wir wollen aufschauen zu Dir. Wir wissen, Du schauest her­nieder zu uns, wir wissen, wir bleiben mit Dir vereint durch alle Kreise der Ewigkeit. Wir leben weiter mit Dir, die Du das Leben lebst, das über den Tod siegt, so lange wir hier sind, und wenn wir nicht mehr hier sein werden, wir leben weiter mit Dir einig, einig, einig.

GEDENKWORTE FÜR ADMIRAL GRAFTON Dornach, 14. September 1924

#G261-1963-SE317 Unsere Toten

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GEDENKWORTE FÜR ADMIRAL GRAFTON

Dornach, 14. September 1924

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Bevor ich heute den Vortrag beginne, möchte ich aus einem be­stimmten Anlasse heraus ein Wort des Gedenkens für eine uns sehr wertvolle, von uns sehr geliebte Persönlichkeit sprechen. Wir hätten heute gelegentlich der Eurythmie-Aufführung ganz gewiß die Be­friedigung gehabt, unter den Mitwirkenden den Admiral Grafton zu haben, wenn er noch auf dem physischen Plane hier weilen würde. Und ihm ein Gedenkwort gerade in diesen Tagen zu widmen, ist mir ein tiefes Herzensbedürfnis.

Der Admiral Grafton trat in unsere Reihen hier in Dornach ein mit einem allerherzlichst guten, dem anthroposophischen Streben zu-gewandten Sinn. Seine Verbindung mit dem anthroposophischen Streben war die denkbar innigste, und wenn er sprach von dieser seiner Verbindung mit der Anthroposophie, konnte man nur tief im Herzen bewegt sein. Der Admiral Grafton hatte ein langes arbeits­reiches Leben hinter sich, war während dieses der Außenwelt zu-gewandten arbeitsreichen Lebens immer durchaus dafür interessiert, eine Weltanschauung, eine Lebensauffassung sich zu erwerben, und er hat mir oftmals davon gesprochen, wie er viele Jahre hindurch bei Herbert Spencer, dem mehr materialistisch geneigten Philosophen, seine Welt- und Lebensanschauung aus dem Zeitgeiste heraus gesucht hat, wie eben ein Mensch diesen Zeitgeist miterlebt, auf den zunächst mit aller Kraft und Macht dieser Zeitgeist so wirkt, wie er auf viele unserer Zeitgenossen wirken muß. Aber der Admiral Grafton war eine Persönlichkeit, die man im wahrsten Sinne des Wortes als eine suchende Persönlichkeit bezeichnen muß. Und so bezeichnete er es mir immer wieder und wiederum als die große Befriedigung seines Lebens, daß er, nachdem er sich lange bemüht hat, geradezu am ent­gegengesetzten Pol zu einer Überschau über das Leben zu kommen, zuletzt die Anthroposophie gefunden hat. Und man hatte immer das Gefühl, wenn diese Persönlichkeit über eine Verbindung mit der Anthroposophie sprach, so war das nicht nur aus allen Tiefen des

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Herzens heraus, sondern es war auch in diesem Sich-Fühlen in der Verbindung ein wunderbarer, geradezu ein schönheitsvoller Enthu­siasmus, ein Enthusiasmus, der wirklich als ein besonders schöner dann erscheinen muß, wenn er aus einem Herzen heraus gesprochen ist, aus einem Kopfe, der es in arbeitsreichem Leben zu hohem Alter gebracht hat.

Wenn ich an die Vorträge denke, die ich hier hielt, und während deren ich immer wiederum mit einer rührend herzlichen Aufmerk­samkeit im Auditorium den Admiral Grafton sitzen sah, hingegeben an die Vorträge, so konnte man sich sagen: Da ist ein Herz, das zu­hört. - Es war ein Herz, das zuhörte. Nur aus dem allgemeinen enthusiastischen Gefühl für die Geistigkeit der Anthroposophie konnte der Admiral Grafton zuhören, denn er verstand nicht Deutsch so weit, daß er einem Vortrage hätte folgen können. Er konnte nur folgen mit dem Herzen. Er konnte nur der Sache im großen und ganzen folgen. Und so war er, aber immer innerlich freudig erregt, immer mit herzlichem Enthusiasmus der Sache hingegeben.

Er hat mit einer unnennbaren Freude gesehen, daß sich sein Töch­terchen der Eurythmie zugewendet hat, und hat darüber mit einer rührenden, freudigen Begeisterung gesprochen, wenn er davon ge­sprochen hat. Er war der Anthroposophie wirlllich in musterhafter Weise zugetan. Eine Persönlichkeit voller Güte war er, die eigentlich nur leben konnte, wenn sie Taten der Güte gegen ihre Mitmenschen vollbringen konnte. Uns hat er dadurch vieles geholfen, daß er in unserem Eurythmie-Orchester immer wieder mitgewirkt hat als Flötenspieler. Und auch das hat er mit einer wirklich herzlichen, bewunderungswürdigen, ich darf auch sagen musterhaften Hingabe getan, denn ich habe manches erlebt in bezug darauf, daß Leute, die mitzuwirken hatten, zu spät gekommen sind. Der Admiral Grafton war nie unter ihnen. Er war immer an seinem Platze. Und er war vor allen Dingen immer dann an seinem Platze, wenn man seine Hilfe in irgend einer Weise im kleinen und im großen brauchte. Er hat uns in vielen Dingen außerordentlich geholfen. Es ist tatsächlich der Admiral Grafton hier eine Persönlichkeit gewesen, die von jedem geliebt worden ist, und ich weiß, daß ich aus dem Herzen vieler

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heraus spreche, wenn ich diese kurzen Gedenkworte dem nun in die geistigen Welten von uns Gegangenen hier nachrufe.

Es war so, daß eigentlich in einer hingebungsvollen Beweglichkeit der Admiral Grafton da war in den letzten Tagen, bevor wir nach England reisten, und für das äußere Leben überraschend kam uns die Nachricht durch unseren lieben Freund Heywood-Smith zugesandt, daß der Admiral Grafton den physischen Plan während einer Opera­tion verlassen habe. Wir waren alle, die wir diese Nachricht empfingen, tief betroffen. Und herzlich dankbar bin ich, der ich nicht selbst hier zugegen sein konnte bei dem Totenfeste für diesen unseren lieben Freund, daß in so schöner Weise die Freunde, allen voran unser Freund Heywood-Smith, es übernommen haben, dasjenige schön, hingebungsvoll, mit tiefem Verständnis für die Persönlichkeit des Admirals Grafton bei dem Totenfeste zu sagen, was ich gerne auch selber gesagt haben würde, wenn ich nicht pflichtgemäß in England abgehalten gewesen wäre.

Ich kann sagen, meine lieben Freunde, es ist gerade in diesem Falle so, daß die zahlreichen Persönlichkeiten, die jetzt da sind und von dem Admiral Grafton nichts vernommen haben, ihn nicht kann­ten, glauben dürfen, daß das Goetheanum den Admiral Grafton gern hatte, und daß von denen, die ihn hier liebten, die allerrerbindendsten Gedanken ihm folgen werden nach den Stätten, die er, der auf so überraschend schnelle Weise durch die Todespforte gegangen ist, nunmehr betreten wird. Dankbar sind wir ihm für alles, was er unter uns hier durch seine unendliche Güte geleistet hat. Aber dankbar sind wir auch dafür, daß wir mitanschauen konnten den herzbewegen­den Sinn und die edle Begeisterung für die anthroposophische Sache gerade an dieser vorher so stark in der Welt gestandenen Persönlich­keit. Und aus dieser Dankbarkeit heraus formen wir die Gedanken, die uns mit dem Geiste und mit der Seele des Admirals Grafton fernerhin verbinden sollen. Wissen können wir, daß er herunter-schaut auf die anthroposophische Bewegung mit hingebendem Ich, mit kraftvoller Seele. Wissen können wir, daß unsere Gedanken, die zu ihm gehen, wirklich segensvollen Wünschen im geistigen Gebiete für das Gedeihen der anthroposophischen Sache begegnen.

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Und so dürfen Sie alle, meine lieben Freunde, die Sie heute hier versammelt sind, versammelt sind mit dem Kreise zusammen, der mit dem Admiral Grafton hier an der Stätte des Goetheanums die letzten Jahre lebte, mit uns in diesem Augenblicke sich im Gedenken an diese edle Seele von Ihren Plätzen erheben. Mögen sich unsere Gedanken mit den seinigen vereinigen in freiem Willen, wie es das Richtige ist unter anthroposophischen Menschen, die da wissen, daß die Bande, die im Leben geknüpft sind hier auf Erden, fortdauern können, wenn sie ehrlich und echt sind, durch alle Zeiten und auch durch die Ewigkeiten hindurch.

GEBETE UND MEDITATION S SPRÜCHE

#G261-1963-SE321 Unsere Toten

#TI

GEBETE UND MEDITATION S SPRÜCHE

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#TX

Meine Liebe sei den Hüllen,

Die Dich jetzt umgeben -

Kühlend Deine Wärme,

Wärmend Deine Kälte -

Opfernd einverwoben!

Lebe liebgetragen,

Lichtbeschenkt, nach oben!

Meine Liebe sei Dir im Geistgebiet.

Lasse finden Deine Seele

Von meiner suchenden Seele.

Lasse lindern Deine Kälte

Und lindern Deine Wärme

Von meinem Denken Deines Wesens.

So seien wir verbunden,

Ich mit Dir

Und Du mit mir.

In Welten, wo weilet

Deines Wesens Seelenkern,

Schick ich Liebe Dir -

Zu kühlen Deine Wärme,

Zu wärmen Deine Kühle.

Und findest Du mich fühlend,

Will ich Dir stets nahe sein.

#SE261-324

Es strebe zu Dir meiner Seele Liebe,

Es ströme zu Dir meiner Liebe Sinn.

Sie mögen Dich tragen,

Sie mögen Dich halten

In Hoffnungshöhen,

In Liebessphären.

Herzensliebe dringe zu Seelenliebe,

Liebewärme strahle zu Geisteslicht.

So nahe ich mich Dir,

Denkend mit Dir Geistgedanken,

Fühlend in Dir Weltenliebe,

Geistig-wollend durch Dich

Eins-Erleben seiend weben.

#SE261-325

Gebet für die im Felde Stehenden

Die Ihr wachet über Erden-Seelen,

Die Ihr webet an den Erden-Seelen,

Geister, die Ihr über Menschenseelen schützend

Aus der Weltenweisheit liebend wirkt:

Höret unsre Bitte, schauet unsre Liebe,

Die mit Euren helfenden Kräftestrahien sich

Einen möchten, geistergeben, liebesendend.

Gebet für die im Felde Gefallenen

Die Ihr wachet über Sphären-Seelen,

Die Ihr webet an den Sphären-Seelen,

Geister, die Ihr über Seelenmenschen schützend

Aus der Weltenweisheit liebend wirkt:

Höret unsre Bitte, schauet unsre Liebe,

Die mit Euren helfenden Kräfteströmen sich

Einen möchten, geisterahnend, liebestrahlend.

#SE261-326

Der Tote spricht:

Im Leuchtenden,

Da fühle ich

Die Lebenskraft.

Der Tod hat mich

Vom Schlaf erweckt,

Vom Geistesschlaf.

Ich werde sein,

Und aus mir tun,

Was Leuchtekraft

In mir erstrahlt.

Beim Tode von Fritz Mitscher für seine Mutter

Durch des Todes Pforte will ich folgen

Treulich Deiner Seele in des Geistes

Lichterzeugende Zeitenorte,

Liebend Dir mildern Geisteskälte,

Wissend Dir ordnen Geisteslicht,

Denkend bei Dir will weilen ich,

Dämpfend Dir sengende Weltenwärme

Meine Seele folge Dir in Geistgebiete,

Folge Dir mit jener Liebe,

Die sie hegen durfte im Erdgebiete,

Als mein Auge Dich noch schaute,

Lindre Dir Wärme, lindre Dir Kälte,

Und so leben wir vereint

Ungetrennt durch Geistestore.

#SE261-327

Der Mutter beim Tode ihres im Kriege gefallenen Sohnes

Göttliches in meiner Seele,

Dir will ich Raum geben

In meinem bewußten Wesen:

Du bindest mich an alles,

Was Schicksalsmacht mir zugebracht,

Du lösest mich nimmer

Von dem, was zu lieben

Du mir geschenkt:

Dein Geist wachet über das Meine,

Denn es ist auch das Deine:

So will ich wachen mit dir,

Durch dich, in dir,

Was du beschlossen mit dem Deinen.

[ch will stark sein, zu erkennen,

Daß es Weisheit sei.

#SE261-328

Unsre Liebe folge Dir,

Seele, die da lebt im Geist,

Die ihr Erdenleben schaut;

Schauend sich als Geist erkennt.

Und was Dir im Seeleniand

Denkend als Dein Selbst erscheint,

Nehme unsre Liebe hin,

Auf daß wir in Dir uns fühlen,

Du in unsrer Seele findest,

Was mit Dir in Treue lebet.

In Geistgefilde will ich senden

Die treue Liebe, die wir fanden,

Um Seele der Seele zu verbinden.

Du sollst mein Denken hebend finden,

Wenn aus des Geistes lichten Landen

Du suchend wirst die Seele wenden,

Zu schauen, was in mir Du suchest.

#SE261-329

Im Lichte der Weltgedanken,

Da webet die Seele, die

Vereint mit mir auf Erden.

Ich schaue auf Dich in der geistigen Welt,

In der Du bist.

Meine Liebe lindre Deine Wärme,

Meine Liebe lindre Deine Kälte.

Sie dringe zu Dir

Und helfe Dir,

Zu finden den Weg

Durch des Geistes Dunkel

In des Geistes Licht.

Meines Herzens warmes Leben,

Es ströme zu Deiner Seele hin,

Zu wärmen Deine Kälte,

Zu sänftigen Deine Hitze.

In den Geisteswelten

Mögen leben meine Gedanken in Deinen,

Und Deine Gedanken in meinen.

#SE261-332

In lichten Höhen,

Wo sonnenglitzernd

Die freundlichen Libellen

Verflatternd Wärmestrahlen

Dem Lebensraum vermählen,

Verweile du, meine Seele:

Sie weben mein gedenkend

Aus Trauer Kraft;

Schon fühle ich,

Wie sie mich fühlen;

Wie sie erwarmend

Mich durchdringend strömen;

Der Geist schmilzt

Im Weltenweben

Die Erdenschwere

Zu Zukunftlicht.

Ich bin als Seele nicht auf der Erde,

sondern nur in Wasser, Luft und Feuer;

In meinem Feuer bin ich in den Planeten und der Sonne.

In meinem Sonnensein bin ich der Fixsternhimmel.

Ich bin als Seele nicht auf der Erde,

sondern in Licht, Wort und Leben.

In meinem Leben bin ich im Innern

des planetarischen- und Sonnenseins:

im Geiste der Weisheit.

In meinem Weisheitsein bin ich in dem Geist der Liebe.

#SE261-333

In memoriam

I

Es strebt die Seele mitzuklingen

Mit jenen Geistes-Äthertönen,

In denen weben die Wesen,

Von deren Willenskräften

Ihr irdisch Dasein den Sinn erhält.

Und oft durchrüttelt als Leid

Des Menschen physisch Sein,

Was geistig in seines Wesens Tiefen

Zusammen ihn schließt mit Geisteswesenheit.

So war's mit dieser Seele -

Sie klang in ihrem Innern

Mit Geistes-Ätherklängen mit;

Sie wird Geduld und friedevolle Ruh'

Auf ihrem Wege sicher finden,

Auf daß sie auch mit innrem Ohre

Vernehme, was sie klingt.

Wenn ruhevolles Ergeben

Die Seele durchdringt,

Dann ist der Weg bereitet,

Den Geistes -Macht im Menschen-Innern

Durch Seelenprüfung schreitet.

#SE261-334

In memoriam

II

Du standest im Leben

Mit einem Seelengehalt,

Der wärmend und leuchtend

Die andern Seelen ergriff.

Dir strahlte die Freude,

Wenn Freuden Du konntest

Erwecken in andern,

Die freudlos Dir nahten.

Die sorgenden Herzen,

Die zogest Du zu Dir,

Und ihre Sorge zu lindern

Dir ward es zur Sorge.

Du ruhtest fest in Dir

Und konntest festigen,

Die Lebensschutz und Stütze

Bei Dir suchen wollten.

Wer Dir entgegentrat,

Ihm mußte Deines Wesens Schlichtheit

Im Innersten der Seele

Des Menschen Wert verkünden.

Was Du sprachest,

War so sonnenhaft,

Weil Du in Helle

Des sonnigen Herzen lebtest

#SE261-335

Du suchtest das Geisteswissen,

Weil Dir sein Licht

Im Innern leuchtend lebte

Und Licht zum Lichte strebte.

In schöne Würde war

Dein Leben eingetaucht,

Dein Wandel weltgetreu,

Dein Streben geistergeben.

Von lichter Klarheit war

Dein Sterben schön umfiossen,

Vertrauensvoll dem Geisterland

Die starke Seele zugewandt.

Von Lebenden schiedest Du

In Schmerzen Abschied nehmend,

Dem toten Sohne wandtest Du

Die scheidende Seele grüßend zu.

Uns lässest Du in Trauer

An Deiner Bahre stehen;

«Ich bin bei Euch», so hören wir

Den Geistesruf, «und Ihr bei mir.»

Wir scheiden nicht von Dir,

Wir fühlen Dich in uns

Und leben Dir verbunden -

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Beim Tode eines Schülers

In künftiges Erdenleben

Dich kräftig einzuführen,

Warst Du uns übergeben

Durch Deiner Eltern Willen.

Im Schmerz an des Todes Pforte

Zu sprechen vermögen allein

Die seelenbeflügelten Worte,

Die dem reifenden Leben bestimmt.

So nimm statt der Schule Lenken

Für irdisches Tun und Leben

Der Lehrer liebend Gedenken

Hinüber in jenes Geistessein,

Wo die Seele umwebet

Der Ewigkeit helles Licht,

Und der Geist erlebet

Das Gottes-Willens-Ziel.

#SE261-337

Für Georga Wiese

Trennen kann keine Schranke,

Was im Geist vereint bewahrt

Das lichterglänzende

Und liebestrahlende

Ew'ge Seelenband.

So bin ich in Eurem Gedenken,

So seid Ihr in meinem.

NAMENVERZEICHNIS

#G261-1963-SE338 Unsere Toten

#TI

NAMENVERZEICHNIS

#TX

Aldinger, Maria 53

Aluigi, Brizio 73

Asch, Dr. Max 62

Barth, Herr 209

Bauernfeind, Georg 68

Baumberger, Erwin 64

Bergh, Augusta 73

Bittmann, Juliua 70

Bolze, Hugo 67

Bontemps, Frau 66

Brand, Klara 66

Broekdorff, Sophie, Gräfin von 47, 50

Cohcn, Frau 53

Colazza, Sibyl 116

Dam-Nieuwenhuisen, Frau van 70

Dieterle, Christian 63

Dieterle, Pauline 205, 209

Doser, Margarete 51

Duttenhofer, Luise 71

Eckle, Wilhelm 64

Eggert, Edmund 70

Eggert, Frieda 50

Ellrieh, Leo 67

Erwin-Blöcker, Fräulein 68

Etwein, Emmy 73

Eyselein, Friedrich 52

Fähndrieh, Frau 53

Faiss, Albert 103

Faiss, Theo 101

Ferreri, Charlotte 296

Flamme, Otto 72

Frenzel, Frau 57

Geaterding, Karl 64

Göring, Frau Major 64

Grafton Admiral E.H. 317

Groaheintz-Rohrer, Lina 108, 330, 331

Hahn, Marie 218, 220

Hamann, Georg 64

Harrold, E. 73

Herbst, Frau Major 68

Hiltbold, Gottlieb 67

Hippenmeyer, Jenny 61

Hoffmann, Baronin E. von 69

Hoffstetten, Rosa von 52

Holm, Mia 65

Husebke, Hilda 51

Husebke, Otto 51

Ifftner, Sophie 70

Jaager,Jaeques de 186,195

Keller, Josef 63

Knebel, Hedwig von 57

Knott, Jakob 71

Kollnberger, Georg 72

Kramer, Dr. Ernst 183

Kramer, Richard 130

Krug, Walter 64

Kurze, Frieda 70

Leyh, Marie 225

Lichtenberg, Nelly 257

Lilie, Harald 239, 240

Linde, Hermann 263, 269

Lindemann, Ludwig 61

Lindl, Frau 64

Ludwig, Josef 186

Maier, Elisabeth 259

Marty, Frau 68

Maryon, Edith 296, 308

Meakin, Nevill 68

Minuth, Georg Wilh. 56

Mitscher, Fritz 122, 326

Mitscher, Heinrich 213

Morgenstern, Christian 24, 76, 84

Mössner, Wilhelmine 64

Motzkus, Gertrud 203

Muneh, Thekla 72

Neumann, Julie 73

NoB, Gertrud 132

Peelen, Johanna 234

Pitschner, Ernst 63

#SE261-339

Rademann, Johannes 64

Rebstein, Edmund 64

Rettich, Clsra 209

Riebensahm, Ar'ns 180, 182

Rösel, Lucia 67

Rothenstein, Frau 53

Russenberger, Fanny 64

Sellin, Caroline 56

Silbermaun, Frau 64

Siven-Baum, Csroline von 74

Sivers, Olga von 213

Sehellbach, Hans 67

Sehewitseh, Helene von 64

Schmid, Marie von 72

Schleutermann, Lina 256

Schuchardt, Agnes 50

Schwarz, Lina 53

Schwarze, Karl 64

Stephan, Georg 64

Stinde, Sophie 150, 153, 162, 172, 197

Stockmey er, Hilde 58

Straueh-Spettini, Maria von 40

Tschudy, Jacques 56

Vockroth, Wilhelm 67

Vrba, Franz 51

Wagner, Amalie 55

Waller, Oda 22,71

Wiese, Georga 282, 283, 337

Wilhelm> Caroline 248, 249

Wilson, Ada M. 183

Wirschmidt, Herr 502

Zalbin, Eduard 71

Ziegler, Anna 231

333 Jn memariam: Aus dem Nachlaß

HINWEISE

#G261-1963-SE340 Unsere Toten

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HINWEISE

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Von den in diesem Buch veröffentlichten Ansprachen, die Rudolf Steiner beim Hin-scheiden zahlreicher Mitglieder der Anthioposophisehen bzw. ,Iheosophischen Gesell-schaft gehalten hat, ist bisher nur ein kleiner Teil gedruckt worden. Frau Marie Steiner hat 1935, zum zehnten Todestage von Rudolf Steiner, eine Auswahl von solchen Gedenk­worten in den Publikationen «Rudolf Steiner und unsere Toten» und « Christian Morgen­stern, der Sieg des Lebens über den Tod» zusa"rmengefaßt und später, 1945, zum dreißig­sten Todestag von Sophie Stinde einen Gedäehtnisband für deren Wirken herausgegeben.

Die folgenden Worte schrieb sie im Vorwort zu «Rudolf Steiner und unsere Toten»:

«Der seit zehn Jahren schon unsern physischen Plan verlassen hat, der aber durch seine Taten und sein Wort unter uns weiter lebt, als ob er noch hier wirkte, dessen ilebevoller, sinnender, rubig-feuriger oder sehmerzerfüllter Blick noch immer uns stärkt, mahnt, an­spomt oder straft, je nachdem wir unsere Pflichten der Menschheit und der Wahrheit gegenüber erfüllen, dessen gütige Handbewegung und gestaltenformende Handfertigkeit im weiten Umkreis segenspendende Kraft verlieh und schöpferischen Reichtum aus-strömte, so daß diese Geistessaat sieh in den Seelen regt und keimt und blüht und viele schöne Fruebte schon gezeitigt hat, er hat uns auch gelehrt den Tod empfinden als das Tor zu emem neuen Leben, zum wahren I>eben, das aber seine Bedeutung und seine Färbung erhält durch die Art des hier vollführten Erdenwandels. Er hat uns die Wege gewiesen,

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die zu etner lebendigen Verbindung mit den Abgeschiedenen führen können, hat uns ahnen lassen, was sie von geistigen Welten aus für uns bewirken können, welchen Anteil ihr geistiges Seelensein an den Geschicken der Erde nimmt. So sind sie uns ferne-nah, um­geben uns spürbar, wenn wir uns der Geschäftigkeit der Erde zu entreißen vermögen. Der grausigste Stachel des Todes ist, durch Rudolf Steiner, für uns verschwunden. Wir wissen uns vereint und nicht getrennt von denen, die mit uns die Wege der Seele gewandelt.

In vielen Vorträgen liegt dasjenige vor, was uns im kosmischen wie auch im Mensch­heitsainne Aufschluß gibt über das Leben der Toten. Ein verborgenes Dasein haben bis jetzt jene Ansprachen geführt, die Rudolf Steiner zu den Feuerbestattungen so mancher lieben Mitglieder gehalten hat. Gewiß, sie hatten einen mehr privaten Charakter und waren für die Gemeinde der Verwandten und Freunde bestimmt. Aber einige von ihnen haben eine für alle gültige Bedeutung, sind sozusagen in ihrem Geiste an die gesamte Mitglied-schaft gerichtet. Und einiges von dem so Gesprochenen soll nun allen helfen können.

Dr. Steiner pflegte bei den Ansprachen, die er auf Bitten der Angehörigen bei der Be­stattung der Hingegangenen hielt, die Essenz dessen, was er hatte sagen können, zu­sammenzufassen in einigen rhythmisch gebundenen Worten, die sich der Seele einprägen und die Verbindung mit der nun von der andern Seite her berunterschauenden Seele her­stellen. Manchmal aber waren durch sein inniges Sichverbindenkönnen die Worte wie aus der Seele des Verstorbenen heraus gesprochen. Solche Worte haben eine besondere Durch­sichtigkeit und Zartheit. Sie sind durchdrungen von der Seelenstimmung des Dahin-gegangenen, von dem, was er in diesen Augenblicken der Rüeksehau erlebt. Und sie sind verklärt durch das, was in der Seele Rudolf Steinen selber lebt. Ganz besonders die Worte, die er bei der Kremation unserer Freundin Georga Wiese sprach, von der man sagen kann, daß ihr Karma sie aus dem fernen Norwegen heruntergesandt hat, um, für alle unerwartet, während der Weihnachtstagung [1923] hier einen Unfall zu erleiden und unmittelbar da­nach zu sterben. Diese aus ihrer Seele heraus gesprochenen Worte sind wie von seiner eigenen Seele an uns gerichtet: er hätte sie so geben können zu seinem eigenen Gedächtnis. Es ist eine eigentümliche Abendmahlsstimmung in ihnen, ein Abschiedriehmen, Sich­Loslösen von der Erde. Und so war es ja. Er hat es uns selbst gesagt: er hatte in den letzten zwei Jahren die Verbindung mit dem Erdenleibe nicht mehr genügend aufrecht erhalten, genügend beachtet, während sein Geist für uns die ewigen Wahrheiten herunterholte, die in so erschütternder Überfülle in diesen letzten Jahren uns gespendet wurden.

Die erste Bestattung innerhalb der anthroposophischen Gemeinschaft, an der er auf Bitten der Angehörigen selbst aktiv teilnahm, war die der noch jungen Oda Waller im März 1914, einer ungemein zarten, tief schönen, aber dem Leben wie erschreckt ab­wehrend gegenüberstehenden Seele. Sie hat sich nie mit dem Leben ganz verbinden kön­nen und fand erst in der Anthroposophie den innern Halt, der sie mit dieser ihr schon entgleitenden Erde versöhnte.

Die erste Bestattung in Basel, der so viele andere gefolgt sind, war die von Christian Morgenstern, der uns am 31. März 1914 verlieB. Der Wunsch, den Dichter noch lange schöpferisch wirksam unter uns zu sehen, hat nicht Erfüllung werden dürfen. Seine Kre­mation erlebten wir am 4. April. Rudolf Steiner sprach die tief ergreifenden Gedächtnis-worte, von denen eine Nachsehrift leider nicht vorhanden ist. Doch berichtete er im Mit­gliederkreise zu Wien am 10. April darüber.

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Was Rudolf Steiner selbst am Kriege erlebte, findet seinen Niedenchlag auch in den Gebeten für die im Felde Stehenden und im Felde Gefallenen, die vor und nach jeder Zweig-Versammlung in Deutschland von ihm gesprochen wurden alle vier Schreckens­jahre hindurch... Worte, die auch jetzt ihre Bedeutung haben für die Seelenhaltung, die er sich bei den tätigen Mitgliedern der Anthroposophischen Gesellschaft wünschte, hat er insbesondere zur Bestattung von Sophie Stinde gesprochen. Er nannte ihre Art des Wir­kens ein vorbildliches, das eine bleibende Bedeutung für den Fortgang unserer Bewegung hat. So sollen sie hier festgehalten werden. Unter ein Reliefbild, das er selbst von ihr [Sommer 1918] gemacht hatte, finden wir die Worte eingraviert:

Nach dem Lichte strebte ihr Sinn

aus der Liebe wirkte ihr Herz.»

Im Rahmen der Gesamtausgabe lag die Aufgabe vor, nach Möglichkeit alle Ansprachen, welche Rudolf Steiner entweder am Grabe oder bei der Kremation des Verstorbenen oder auch in den Zweigen zur Erinnerung an verstorbene Mitglieder hielt, zu vereinigen. Das ist mit Ausnahme von Gedenkworten, welche innerhalb von Vortragen oder Vor­tragsreihen gesprochen wurden und oftmals Wiederholungen von bereits an anderen Orten Ausgeführtem darstellen, geschehen. Auch wurden die Ansprachen, welche Rudolf Steiner anläßlich von Generalversammlungen hielt und die von Mathilde Seholl in den «Mitteilungen der Deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft» erschienen sind, hier wiederum abgedruckt.

Die von Rudolf Steiner in Kassel am 9. und 10. Mai 1914 gehaltenen Vorträge über «Das Hereinragen der geistigen Welt in die physische» sind ungekürzt dem Bande als Ein­leitung vorangestellt worden.

Der Wortlaut wurde vor allem bei den Anspracben möglichst beibchalten, doch lagen zum Teil gekürzte oder mangelhafte Nachsehriften vor, was zu berücksichtigen ist. Der Teil «Gebete und Meditationsaprüche » konnte durch eirüges, was sich noch im Nachlaß gefunden bat, erwekert werden. Die Sprüche wurden, soweit sie im Original vorlagen, mit diesem verglichen. Zur Orientierung ist dem Band ein Namenverzeichnis beigefügt worden. Der Versuch, biographische Daten aller erwähnten Mitglieder aufzufinden, ist bis jetzt noch nicht durebführbar gewesen.

Zu Seite

24 ein... von ans gegangenes Mitglied: Christian Morgenstern, der am 31. März 1914 ge­storben war.

37 zur schriftlichen Darstellung: Es handelt sich um die ersten Aufsätze, die Rudolf Steiner

1882 oder 1883 verfaßte: Goethe und Shakespeare, eine Parallele; Lessing. Die Auf­sätze erschienen im il./IIL Jahrgang der «Freien Schlesischen Presse», Troppau. Alle Bemühungen, diese Arbeiten aufzufinden, sind aber bis zur Stunde ohne Erfolg ge­blieben.

40 eine für die Geisteswissenschaft außerordentlich begeisterte Persönlichkeit: Maria von Strauch­Spettini. Siehe «Aus dem Leben von Marie Steiner-von Sivers», III. Dornach 1956.

45 heute morgen: Gedächtuisfeier für Christlan Morgenstern.

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45 Fichte: Die Bestimmung des Mensenen. Drittes Buch. Glaube. «Nicht erst, nachdem ich aus dem Zusammenhange der irdischen Welt gerissen sein werde, werde ich den Eintritt in die überirdische erhalten; ich hin und lebe schon jetzt in ihr, weit wahrer, als in der irdischen; schon jetzt ist sie mein einziger fester Standpunkt, und das ewige Lehen, das ich schon längst in Besitz genommen, ist der einzige Grund, warum ich das irdische noch fortführen mag. Das, was sie Himmel nennen, liegt nicht jenseits des Grabes; es ist schon hier um unsere Natur verbreitet, und sein Licht geht in jedem reinen Herzen auf.» - Der Vortrag fand am 8. Mai 1914 statt mit dem Titel:

«Wie ilndet die Seele ihre wahre Wesenheit?»

47 eine Dame: Fräulein Schwiebs.

65 angesichts der Schwiengkeiten unserer Verhandlungen: Der Ausschluß der Deutschen Sektion aus der Theosophischen Gesellschaft.

70 Heinrich Zschokke, 1771-1848. «Stunden der Andacht zur Beförderung wahren Chri­stentums und häuslicher Gottesverehrung.»

101 Die Trauerrede am Grabe von Theo Faiss ist nicht erhalten geblieben. Vgl. Vortrag Berlin, 22. Februar 1915, in «Menschensehicksale und Völkerschicksale», Dornach 1960, Gesamtausgabe.

103 am Grabe des teuren Kindes: 5. Hinweis zu S.101.

115 Schicksalsterne: Über die Veränderung des Wortes «Seelensterne» in «Schicksal­sterne» vgl. Vortrag vom 22. Februar 1915.

116 5. Vortrag: Hinweis zu S.101.

122 S. Vortrag: Hinweis zu S.101.

132 gestern: Die Ansprache ist nicht erhalten geblieben.

147 Friedrich Rückert: Agnes Totenfeier.

203 ihrer treuen Freundin: Anna Riebensahm. Nachruf: S. 180.

219 in Basel: Donnerstag, 11.Januar 1906, «Darwinismus und Theosophie».

243 Pfiegestätte: In Arlesheim, die jetzige Pension Schiefer.

256 Der Grabstein, auch derjenige für Frau Marie Hahn, wurde nach einem Modell Rudolf Steiners, das sich nicht erhalten hat, angefertigt. Er trug die von Rudolf Steiner angegebenen Worte: Deiner Seele folgen liebe, treue Gedanken ins Geist­gebiet.

264 drei Epachen: S. «Die Geschichte und die Bedingungen der anthroposophischen Be­wegung im Verhältnis zur Anthroposophischcn Gesellschaft», Dornach 1959, Ge­samtausgabe.

310 Dr. med. Robert W. Felkin behandelte Miß Maryon 1914 in London.

326 Im Leuchtenden: Berlin, 2. März 1915. Dornach 1960, Gesamtausgabe.

Literatur

Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com.
Freie Werkausgaben gibt es auf steiner.wiki, bdn-steiner.ru, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
Die Rudolf Steiner Ausgaben basieren auf Klartextnachschriften, die dem gesprochenen Wort Rudolf Steiners so nah wie möglich kommen.
Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.