Infektionskrankheit: Unterschied zwischen den Versionen

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== Infektionswege ==
 
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Version vom 27. März 2020, 01:16 Uhr

Eine Infektionskrankheit (von lat. īnficere „anstecken“, „vergiften“; wörtlich: „hineintun“), verkürzt auch Infekt genannt, ist eine ansteckende, durch Krankheitserreger hervorgerufene Erkrankung, wobei zu berücksichtigen ist, dass nicht jede Infektion („Ansteckung“) notwendig zu einem Krankheitsausbruch führt. Krankheitserreger können Algen, Bakterien, Parasiten, Pilze, Prionen, Protisten, Viren oder Viroide sein. Besondere Probleme treten auf, wenn die Primärinfektion das Immunsystem so schwächt, dass es zu einer Sekundärinfektion durch weitere, oft noch gefährlichere Erreger kommt.

Häufen sich innerhalb einer Population die Erkrankungen, spricht man von einer Seuche bzw. Epidemie, die sich durch die zunehmende Globalisierung bis zu einer weltweiten Pandemie steigern kann. Die Ausbreitung und Eindämmung von Infektionskrankheiten wird durch die Infektionsepidemiologie, einem Teilgebiet der allgemeinen Epidemiologie, untersucht.

Geistige Ursachen für den Ausbruch und Verlauf von Infektionskrankheiten

Konstitution des Menschen

Entscheidend für den Ausbruch und Verlauf einer Infektionskrankheit ist nicht nur die Pathogenität und Verbreitung des Erregers, sondern vor allem auch die Konstitution des befallenen Organismus. Der Erreger ist zwar notwendig, um die Krankheit zu erregen, aber er ist nicht deren eigentliche Ursache. Psychische Ursachen spielen hier eine wesentliche Rolle und geben den Krankheitserregern überhaupt erst die Möglichkeit, sich zu entfalten. Das wird heute durch die interdisziplinären Forschungsgebiete der Psychoneuroimmunologie und Psychoneuroendokrinologie weitgehend bestätigt. Es hat sich gezeigt, dass Botenstoffe des Nervensystems auf das Immunsystem und Botenstoffe des Immunsystems auf das Nervensystem wirken. Wichtige Schnittstellen dieser biologisch-mentalen Regelkreise sind das Gehirn mit der Hirnanhangdrüse, die Nebennieren und die Leukozyten (Immunzellen). Psychische, neurologische und hormonelle Faktoren und ihre komplexe Wechselwirkung sind für die Immunabwehr entscheidend.

Die höheren Wesensglieder des Menschen

Aus anthroposophischer Sicht müssen neben dem physischen Leib aber auch die höheren Wesensglieder des Menschen, deren Tätigkeit sich in den physischen Organen widerspiegelt, mit einbezogen werden. Das Drüsensystem ist der unmittelbarste physische Ausdruck des Ätherleibs, der eigentliche Träger der Lebens und damit auch der Heilkräfte ist. Im Nervensystem wirkt am stärksten der Astralleib. Das Ich, die einzigartige Individualität des Menschen, bildet den Mittelpunkt der Seele, wobei sich diese wiederum in drei unterschiedliche seelische Wesensglieder, die durch die, allerdings weitgehend unbewustte Tätigkeit des Ich ausgebildet werden. Die Empfindungsseele, das in gewissem Sinn niederste seelische Wesensglied, entsteht, indem das Ich mehr oder weniger unbewusst den Astralleib umwandelt. Durch die Arbeit des Ich am Ätherleib bildet sich die Verstandes- oder Gemütsseele und durch die - natürlich nur sehr zarte - Umwandlung des physischen Leibes entfaltet sich die Bewusstseinsseele. Je mehr der Mensch durch Selbsterziehung an diesen seelischen Wesensgliedern arbeitet, desto wirksamer werden auch die Selbstheilungskräfte, die das Immunsystem stärken.

Furcht vor Ansteckung

Durch die Furcht vor der Ansteckung wird das Immunsystem geschwächt. Angststörungen führen nachweislich zu einer verringerten Produktion von Lymphozyten, die für die Immunabwehr unerlässlich sind. Wie man das Infektionsrisiko verringern kann, erläutert Rudolf Steiner am Beispiel der Pockenerkrankung so:

„Man kann sagen, daß die Ansteckungsgefahr doch eine außerordentlich starke ist bei der Pockenerkrankung. Nur sollte man nicht so leichtsinnig sein, just immer gleich an physische Vermittlung zu denken bei der Übertragung, sondern es sind sogar bei der Pockenerkrankung besonders stark vorliegend die psychischen Anlagen. Dafür könnte ein Beweis der sein, daß man sich sehr gut schützen kann, wenn man in der Lage ist, sich in rechter Art abzuschließen. Ich darf darüber deshalb sprechen, weil ich einmal als zweiundzwanzigjähriger Mensch - die Umstände brauche ich nicht zu erwähnen - einen Schüler unterrichtet habe, dessen Mutter mit schwarzen Pocken unmittelbar daneben lag, nur durch eine spanische Wand getrennt von der Stube, in der ich meinen Unterricht gab. Ich habe nichts dagegen gemacht, habe den Unterricht die ganze Zeit fortgesetzt, bis die Mutter wieder gesund geworden ist. Aber ich habe das ganz gern getan, namentlich auch, um zu sehen, wie man sich schützen kann, wenn man absolut den Pockenkranken, also auch den an schwarzen Pocken Erkrankten, nimmt ganz objektiv wie ein anderes Objekt, wie einen Stein oder einen Strauch, dem gegenüber man gar keine weiteren Furchtgefühle noch sonst psychische Regungen hat, sondern ihn nimmt als eine objektive Tatsache. Da ist in der Tat der Ansteckungsgefahr in hohem Maße zu begegnen. Daher kann schließlich der psychische Faktor auch bei der Ansteckung stark mitspielen.“ (Lit.:GA 314, S. 286f)

Karmische Ursachen

Infektionskrankheiten hängen wie alle Krankheiten stets auch mit dem Karma des Menschen zusammen. Bei Seuchen, die ganze Völker betreffen, steht das Volkskarma im Hintergrund, bei weltweiten Pandemien das ganze Menschheitskarma.

„Das Innere drückt sich immer später im Äußeren aus. Eine Krankheit ist die karmische Folge einer früheren verkehrten Tat, zum Beispiel einer Lüge. Wenn eine solche real wird, so wird sie eine Krankheit. Seuchen gehen auf weit zurückliegendes Unrecht der Völker zurück. Sie sind etwas Unvollkommenes, das von innen nach außen gerückt ist.“ (Lit.:GA 93a, S. 73)

Bedeutsam ist die von Ahriman geschürte Angst namentlich dann, wenn sie ganze Völker ergreift und unbewusst als Gruppenkarma in die folgende Inkarnation hinüberwirkt. Infektionskrankheiten erreichen dann sehr leicht ein epidemisches Ausmaß. Rudolf Steiner nennt als Beispiel die Ängste, die mit dem Einfall der Hunnen in Europa verbunden waren und im späteren Mittelalter die Lepraepidemien auslösten.

„Sie müssen in diesem Falle, wenn Sie geistig die tiefere Ursache dieser Krankheit erklären wollen, zurückblicken auf ein bedeutsames historisches Ereignis: auf das Ereignis, als von Osten her große Völkermassen über Europa hinwegstürmten und dieses Europa in Furcht und Schrecken setzten. Diese asiatischen Scharen waren Volker, die auf der alten Atlantierstufe stehengeblieben und daher im Niedergang begriffen waren, also Völker, die den Niedergangs-, sozusagen den Fäulnischarakter besonders stark in ihrem Asträlleib hatten. Wären diese Völkerschaften über Europa herübergestürmt, ohne daß die Europäer sich erregt oder erschreckt hätten, dann wäre nichts passiert. So aber verursachten diese Horden Angst und Schrecken und Bestürzung; ganze Völkerschaften in Europa erlebten diese Angstund Schreckenszustände. Und nun mischte sich der faule Astralstoff der Hunnen mit den von Angst und Furcht und Grauen durchwühlten Astralleibern der Überfallenen Völker. Die degenerierten Astralleiber der asiatischen Stämme luden ihre schlechten Stoffe auf diese furchtdurchwühlten Astralleiber der Europäer ab, und diese Fäulnisstoffe bewirkten eben, daß später die physische Wirkung der Krankheit auftrat. Das ist in Wahrheit die tiefe geistige Ursache des Aussatzes im Mittelalter. Es tritt also etwas, was geistig verursacht ist, in späterer Zeit im physischen Körper auf. Nur wer dieses Gesetz von Karma kennt und es zu durchschauen vermag, ist dazu berufen, in den Geschichtsverlauf tätig einzugreifen.“ (Lit.:GA 100, S. 87f)

Das Leid, das der Mensch den Tieren zufügt, hat seine unmittelbaren Folgen im Leben nach dem Tod, wenn er das Kamaloka durchschreitet. Darüber hinaus hat es aber auch karmische Folgen, die sich in einer späteren Inkarnation durch Infektionskranheiten manifestieren.

„Wenn wir die Menschheitsentwickelung betrachten, so sehen wir, wie viele Schmerzen der Mensch über das Tierreich ausgestreut hat und wieviel Tiere er getötet hat. Was bedeuten diese Schmerzen, diese Tode im Laufe der Evolution?

Da zeigt uns das okkulte Studium, daß jeder Schmerz, der einem schmerzempfindenden Wesen außer dem Menschen zugefügt wird, daß jeder Tod eine Aussaat ist für die Zukunft. So wie die Tiere gewollt sind durch die fortschreitende göttliche Entwickelung, sind sie nicht bestimmt, Inkarnationen zu haben wie die Menschen. Aber wenn eine Änderung eintritt in diesem weisheitsvollen Weltenplan, wenn der Mensch eingreift und die Evolution der Tiere nicht sein läßt, wie sie sein sollte ohne den Menschen, was geschieht dann? Nun, die okkulte Forschung lehrt uns, daß jeder Schmerz, jeder Tod, den der Mensch den Tieren zufügt, daß diese alle doch wiederkehren und auferstehen, nicht durch Reinkarnation, sondern weil den Tieren Schmerzen und Leiden zugefügt wurden. Diese Schmerzen, diese Leiden rufen die Tierheit wieder hervor. Die Tiere, denen Schmerz zugefügt wurde, werden zwar nicht in derselben Form wiedererstehen, aber das, was in ihnen Schmerz fühlt, das kommt wieder. Es kommt so wieder, daß die Schmerzen der Tiere ausgeglichen werden, so daß jedem Schmerze sein gegenteiliges Gefühl hinzugefügt wird. Diese Schmerzen, diese Leiden, dieser Tod, sie sind die Saat, die der Mensch gestreut hat; sie kommen so wieder, daß jedem Schmerze sein gegenteiliges Gefühl zugefügt wird in der Zukunft. Um ein konkretes Beispiel zu gebrauchen: Wenn die Erde vom Jupiter ersetzt sein wird, dann werden die Tiere in ihrer heutigen Form zwar nicht erscheinen, aber ihre Schmerzen und Leiden werden auferwecken die Empfindungskräfte der Schmerzen. Sie werden leben in den Menschen und sich in den Menschen verkörpern als parasitäre Tiere. Aus den Empfindungen und Gefühlen dieser Menschen heraus wird der Ausgleich geschaffen werden zu ihren Schmerzen. Das ist die okkulte Wahrheit, die man objektiv und ungeschminkt sagen kann, wenn es auch dem heutigen Menschen nicht angenehm ist. Der Mensch wird es einmal erleiden, und das Tier wird in einem bestimmten Wohlgefühl, in einer guten Empfindung den Ausgleich seiner Schmerzen haben. Das geschieht auch langsam und allmählich schon im Laufe des gegenwärtigen Erdenlebens, so sonderbar es scheint. Warum werden denn die Menschen gequält von Wesen, die eigentlich weder Tiere noch Pflanzen sind, sondern zwischen beiden stehen, die ein Wohlgefühl daran haben, wenn der Mensch leidet, von Bazillenarten und dergleichen Geschöpfen? Dieses Schicksal haben sie in früheren Inkarnationen dadurch, daß sie Leiden und Tod den Tieren zugefügt haben, sich geschaffen. Denn das Wesen, wenn es auch nicht in derselben Form erscheint, das empfindet hinüber über die Zeiten und empfindet den Ausgleich der Schmerzen in den Leiden, die der Mensch erfahren muß. So ist alles dasjenige, was an Leiden und Schmerzen geschieht, durchaus nicht ohne Folgen. Es ist eine Aussaat, aus der dasjenige hervorgeht, was durch Schmerz und Leid und Tod bewirkt worden ist. Es kann kein Leid, kein Schmerz, kein Tod geschehen, ohne daß dadurch etwas bewirkt wird, was später aufgeht.“ (Lit.:GA 143, S. 139ff)

Einwirkungen von Toten

Menschen mit mangelnder moralischer Gesinnung, deren Erdenleben von Gewissenlosigkeit und Verantwortungslosigkeit geprägt war, werden im Leben nach dem Tod zu Dienern furchtbarer geistiger Wesen, die an der Entstehung von epidemischen Krankheiten beteiligt sind.

„Da sehen wir die physische Welt durchzogen von Krankheiten, Seuchen, sehen diese physische Welt durchzogen in früheren Zeiten von jenen Seuchen, die ja hinlänglich bekannt sind. Man braucht nur die verheerenden Züge unter der älteren europäischen Bevölkerung durchzugehen, wo die Pest, Cholera und dergleichen hinzog über die Lande. In dieser gegenwärtigen Zeit sind wir in bezug auf solche Dinge - man kann das Wort dafür gebrauchen - noch verhältnismäßig glücklich daran. Allein schon bereiten sich gewisse Epidemien vor, auf die bereits in unseren Vorträgen aufmerksam gemacht worden ist. So sehen wir also den gleichsam zur Unzeit eintretenden Tod über die Erde hinziehen, und so auch sehen wir Krankheiten und Seuchen über die Erde hinziehen. Und der Seher sieht Seelen, die da leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, jenen Geistern helfen, die aus den übersinnlichen Welten in die Sinneswelt die Kräfte tragen, welche Seuchen, Krankheiten bringen, welche sozusagen unzeitige Tode bringen. Es gehört zu den furchtbaren Eindrücken, Menschenseelen in gewissen Zeiten ihres Lebens zwischen dem Tode und einer neuen Geburt wahrzunehmen, die Diener geworden sind der schlimmen Geister von Krankheit und Tod, und die sich selber dazu verurteilt haben, solche Diener der schlimmen Geister von Krankheit und Tod zu werden.

Versucht man nun das Leben solcher Menschen zurückzugehen bis vor die Zeit, da sie die Pforte des Todes durchschritten haben, dann findet man immer bei denjenigen Menschen, die sich das eben erwähnte Schicksal bereitet haben, daß sie in ihrem Leben auf dem physischen Plan Mangel an Gewissenhaftigkeit, Mangel an Verantwortlichkeitsgefühl gehabt haben. Das ist ein ständiges Gesetz, welches sich dem Seher zeigt, daß Seelen, die durch die Pforte des Todes schreiten, und die vorher gewissenlose Seelenanlagen gehabt haben oder in Gewissenlosigkeit gelebt haben, sich zu einer bestimmten Zeit zwischen dem Tode und der neuen Geburt zu den Dienern machen derer, die mitarbeiten müssen an dem Hereintragen von Seuchen, Krankheiten und unzeitigen Toden in die physisch-sinnliche Welt. Da sehen wir naturgemäßes Geschehen, dem diese Seelen unterliegen, und von dem wir nicht sagen können, es sei, wie eine Kristallisation oder wie der Stoß zweier elastischer Kugeln oder dergleichen, unabhängig von irgendwelchen moralischen Fehlern; sondern an dem, was da geschieht, was diese Seelen uns zeigen, sehen wir, wie sich in den höheren Welten durcheinandermischt dasjenige, was als Naturgesetzmäßigkeit in den höheren Welten wirkt, mit der moralischen Weltordnung, Wie die Dinge in den höheren Welten geschehen, das hängt ab von Wesenheiten, an denen das eine oder das andere geschieht, je nachdem diese sich moralisch in die Welt hineingestellt haben.“ (Lit.:GA 144, S. 32f)

Infektionswege

Krankheitserreger können über verschiedene Infektionswege in den Blutkreislauf gelangen, was die notwendige Voraussetzung für ihre Vermehrung ist. Praktisch alle Lebewesen, also sowohl Menschen als Tiere und Pflanzen, können von einer Infektion betroffen werden. Neben der Ansteckung von Mensch zu Mensch, findet oft auch eine Übertragung von Tieren zum Menschen statt; in diesem Fall spricht man von einer Zoonose (von griech. ζῶον zōon „Tier“ und νόσος nósosKrankheit“).

Bei einer autogenen bzw. endogenen Infektion (auch: Autoinfektion), die bei geschwächtem Immunsystem auftreten kann, entstammt der Erreger der normalerweise völlig harmlosen körpereigenen Flora und gelangt über den Darm, die Haut oder die Lunge in den Blutkreislauf.

Bei einer exogenen Infektion wird der Erreger hauptsächlich über vier Infektionswege aus der Umwelt aufgenommen:

  • Bei einer Tröpfcheninfektion wird Sekret aus den Atemwegen auf die Schleimhäute anderer Lebewesen übertragen. Eine Tröpfchenübertragung erfolgt durch direkten Kontakt mit den Sekrettröpchen, eine aerogenen Übertragung hingegen durch in der Luft zerstäubte Aerosole, die Tröpfchenkerne mit Erregern enthalten.
  • Eine Kontaktinfektion oder Schmierinfektion erfolgt durch die Berührung anderer Lebewesen, entweder direkt (beispielsweise bei Hautkontakt) oder indirekt durch verseuchte Gegenstände.
  • Die Infektion kann auch durch den Austausch von Körperflüssigkeiten geschehen.
  • Viele Erreger werden durch blutsaugende Insekten übertragen, wie es etwa bei der Malaria der Fall ist.

Epidemiologische Kennzahlen

Prävalenz

Die Prävalenz (von lat. praevalēre „sehr stark sein“) oder Krankheitshäufigkeit gibt an, welcher Anteil einer Population gegebener Größe zu einem bestimmten Zeitpunkt erkrankt ist (die sog. Punktprävalenz). Sie wird in der Regel aufgrund von Stichproben abgeschätzt. Bei zeitlich enger begrenzten Erkrankungen, wie beispielsweise einer Grippewelle, ist oft die auf einen bestimmten Zeitraum, etwa „die letzten sieben Tage“, bezogene Periodenprävalenz zu bevorzugen.

Inzidenz

Die Inzidenz (von lat. incidere „vorfallen“) gibt an, wie viele Menschen in einem bestimmten Zeitraum neu erkranken und unterscheidet sich dadurch von der Prävalenz. Im einfachsten Fall wird sie durch die Anzahl der Neuerkrankungen ausgewiesen, die in einem Jahr pro 100.000 Menschen auftreten.

Risiko

Zur Risikoabschätzung dient die kumulative Inzidenz (eng. cumulative incidence, CI). Sie gibt die Anzahl LaTeX: N_I der Menschen an, die in einer definierten Zeitspanne mindestens einmal von der Krankheit betroffen werden, bezogen auf die Anzahl LaTeX: N_0 der gesunden Personen zu Beobachtungsbeginn.[1][2]

LaTeX: \text{CI} = \frac{N_I}{N_0}

Die kummulative Inzidenz CI entspricht damit der Wahrscheinlichkeit, mit der eine Person im gegebenen Zeitraum erkrankt[3]. Dieses Risiko bzw. Inzidenzrisiko ist eine dimensionslose Zahl, die zwischen 0 und 1 liegt. Ist der Zeitraum nicht gesondert ausgewiesen, ist ein Jahr gemeint.

Mortalität

Die Inzidenz von Todesfällen wird Mortalität (von lat. mortalitas „Sterblichkeit“), Mortalitätsrate, Sterblichkeit oder Sterberate genannt.

Kontagiosität und Infektiosität

Ein Maß für die Überragungsfähigkeit eines Erregers auf den erregertypischen Infektionswegen ist die Kontagiosität. Sie wird u. a. durch die im Labor gemessene Anzahl neuer Pathogene pro Zelle ermittelt. Die Infektiosität gibt hingegen jenen Anteil an, bei dem es nach erfolgter Übertragung zu einer immunologisch nachweisbaren Infektion kommt. unabhängig davon ob diese in der Folge auch zu einer tatsächlichen Erkrankung führt. Dies wird durch den Manifestationsindex angegeben. Der Zeitraum zwischen der Infektion und dem Auftreten der ersten Symptom der manifesten Krankheit wird als Inkubationszeit (von lat. incubare „ausbrüten“) bezeichnet. Findet eine Immunisierung ohne Krankheitsausbruch oder Impfung statt, spricht man von einer stillen Feiung.

Im englischen Sprachraum - und daher auch in vielen wissenschaftlichen Veröffentlichungen - werden die Begriffe Kontagiosität (eng. contagiosity) und Infektiosität (eng. infectivity) in gleicher Bedeutung verwendet. Der Kontagiositätsindex oder Kontagionsindex (von lat. contagium „Ansteckung“ und index „Anzeiger“) gibt entsprechend den Anteil einer Population an, bei der es zu einer Infektion kommt. Er wird entweder in Prozent oder als Zahl zwischen 0 und 1 angegeben. So haben etwa Masern eine sehr hohe Kontagiosität von etwa 0,98 (98%)[4], während die Poliomyelitis (kurz „Polio“) bei 0,001 bis 0,003 (01-0,3 %) liegt.

Gruppen- oder Herdenimmunität

Eine Gruppen- oder Herdenimmunität tritt auf, wenn bereits ein großer Anteil einer Population bzw. Herde gegen einen spezifischen Erreger immunisiert ist, sei es durch eine überwundene Infektion oder durch Impfung. Durch diesen Herdeneffekt (eng.herd effect) wird indirekt auch der nicht-immunisierte Anteil der Population geschützt, da die Infektionskette unterbrochen und so die Verbreitung des Erregers eingedämmt wird. Die für einen Herdeneffekt notwendige minimale Herdenimmunität LaTeX: \operatorname{HI}_{\min} (eng. herd immunity threshold, HIT) lässt sich aus der Basisreproduktionszahl LaTeX: R_0 errechnen. Unter idealen Bedingungen gilt:

LaTeX: \operatorname{HI}_{\min} = 1 - \frac{1}{R_0}

Da in der Praxis keine idealen Bedingungen vorliegen, ist die zur Erzielung der Herdenimmunität nötige minimale Durchimpfungsrate LaTeX: D_{\min} meist größer als LaTeX: \operatorname{HI}_{\min}. Zur Berechnung ist daher noch ein Effizienzfaktor LaTeX: E für die Wirksamkeit der gesetzten Maßnahmen zu berücksichtigen:

LaTeX:  D_{\min} = \frac{\operatorname{HI}_{\min}}{E}

Basisreproduktionszahl

Die in der Epidemiologie gebräuchliche Basisreproduktionszahl oder Grundvermehrungsrate LaTeX: R_0 gibt an, wieviele Mitglieder einer nicht immunisierten Population durchschnittlich von einer infizierten Person angesteckt werden. Sie beträgt z. B. bei Poliomyelitis 6, bei Masern 15[5], bei Covid-19 schätzungsweise 2,4 bis 3,3[6].

Nettoreproduktionszahl

Die Nettoreproduktionszahl LaTeX: R_t berücksicht auch den bereits zu einem bestimmten Zeitpunkt immunisierten Anteil der Population LaTeX: P_i und errechnet sich aus der Basisreproduktionszahl LaTeX: R_0 wie folgt:

LaTeX: R_t = (1 - P_i) \cdot R_0

Um die weitere epidemische Verbreitung eines Infekts zu verhindern und diesen langfristig ganz auszurotten, muss LaTeX: R_t durch geeignete Schutzmaßnahmen auf einen Wert kleiner 1 gesenkt werden.

Infektionsschutz

Gebotszeichen M016: Maske benutzen

Der Infektionsschutz bzw. die Infektionsprävention (veraltet Seuchenschutz) soll die Übertragung und Verbreitung von Krankheitserregern verhindern oder zumindest eindämmen und die Häufigkeit und Schwere des Erkrankung verringern. Zu diesem Zweck können u. a. folgende Maßnahmen gesetzt werden:

  • Expositionsprophylaxe durch verschiedene hygienische Maßnahmen wie Händewaschen oder Händedesinfektion und das Tragen von Schutzkleidung, Mund-Nasen-Schutz oder Atemschutzmasken.
  • Dispositionsprophylaxe zur Verringerung der individuellen Krankheitsempfänglichkeit, wie etwa die vorbeugende Einnahme von Antibiotika bzw. Virostatika oder durch erregerspezifische Impfung.
  • Erregerentfernung bzw. Erregerinaktivierung durch Desinfektion und Sterilisation.
  • Gesetzlich geregelte Maßnahmen wie die häusliche oder stationäre Isolierung bzw. Quarantäne infizierter und erkrankter Personen, die Schließung öffentlicher und eventuell auch privater Einrichtungen und Betriebe, die Absage von Großveranstaltungen, Stilllegung des öffentlichen Verkehrs, Versammlungsverbote, Einreiseverbote usw.

Siehe auch

Literatur

Glomer.com - alle lieferbaren Bücher  Hier finden sie eine Zusammenstellung von Büchern zum Thema „Epidemien
Steiner big.jpg
Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
Die Rudolf Steiner Ausgaben basieren auf Klartextnachschriften, die dem gesprochenen Wort Rudolf Steiners so nah wie möglich kommen.
Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und
Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.
Ausführliche bibliografische Informationen mit Volltextsuche in allen derzeit verfügbaren Online-Ausgaben bietet die Steinerdatenbank.de.

Einzelnachweise

  1. Lothar Sachs, Jürgen Hedderich: Angewandte Statistik: Methodensammlung mit R. 8., überarb. und erg. Auflage. Springer Spektrum, Berlin/ Heidelberg 2018, ISBN 978-3-662-56657-2, S. 197
  2. Uwe Truyen, Peter Valentin-Weigand: Tiermedizinische Mikrobiologie, Infektions- und Seuchenlehre. Georg Thieme Verlag (2015).
  3. Robert Koch-Institut: GBE-Glossar.
  4. H. W. Doerr, W. H. Gerlich (Hg.): Medizinische Virologie, 2. Auflage Stuttgart 2010 ISBN 978-3-13-113962-7 S. 549
  5. Klaus Krickeberg, Pham Thy My Hanh, Pham Van Trong, Epidemiology, Springer 2012, S. 45
  6. SARS-CoV-2 Steckbrief zur Coronavirus-Krankheit-2019 (COVID-19), Robert-Koch-Institut, Szand vom 21. März 2020
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