Seuche

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Eine Seuche (von mhd. siuche und ahd. siuhhī „Krankheit“; von mhd. siech bzw. ahd. sioh, „krank“ bzw. „aussätzig“ sein, zurückgehend auf idg. *seuka-) ist eine hochansteckende Infektionskrankheit bei Mensch und Tier, die bei einer zeitlich und örtlich begrenzten Häufung der Krankheitsfälle als Epidemie (von griech. ἐπί epí „auf, bei, dazu“ und δῆμος dēmos „Volk“; bei Tieren: Epizootie, von griech. ζῷον zóon „Tier“), bei einer weitgehend unbegrenzten, länder- und kontinentübergreifenden Ausbreitung hingegen als Pandemie (von πᾶν pan, „alles“; bei Tieren: Panzootie) bezeichnet wird. Bei andauerndem, aber begrenztem Auftreten an einem Ort oder in einer bestimmten Population spricht man von einer Endemie (von griech. ἐν en „in“; bei Tieren: Enzootie). Die erhebliche und überregionale Ausbreitung einer bedrohlichen Infektionskrankheit mit relativ geringer Inkubationszeit, z. B. die mittelalterlichen Pest oder heute die Grippe, wird als Seuchenzug bezeichnet.

Geistige Ursachen für den Ausbruch von Seuchen

Konstitution des Menschen

Entscheidend für den Ausbruch und Verlauf einer Infektionskrankheit ist nicht nur die Pathogenität und Verbreitung des Erregers, sondern vor allem auch die Konstitution des befallenen Organismus und das physische, seelische und geistige Milieu, in dem er lebt. Der Erreger ist zwar notwendig, um die Krankheit zu erregen, aber er ist nicht deren eigentliche Ursache. Wie auch die Schulmedizin zeigt, spielen Psychische Ursachen hier eine wesentliche Rolle und geben den Krankheitserregern überhaupt erst die Möglichkeit, sich zu entfalten. Ellis Huber, Vorsitzender des Berufsverbands deutscher Präventologen und langjährig Vorsitzender der deutschen Ärztekammer, schrieb dazu anlässlich der COVID-19-Krise:

Robert Koch, der Namensgeber des RKI, sagte bei seinem Nobelpreis Vortrag zum Beziehungsverhältnis von Krankheitserreger und Menschen: „Das Bakterium ist nichts, der Wirt ist alles.“ Der Arzt und Infektiologe Louis Pasteur war der gleichen Meinung: „Das Bakterium ist nichts, das Milieu ist alles.“ Der Sozial- und Umweltmediziner Max von Pettenkofer trank im Jahr 1892 öffentlich eine Flüssigkeit voller Cholerabazillen und blieb gesund. Er wollte zeigen, dass die Lebenswelt der Menschen für die Cholerakrankheit entscheidend sei. Und tatsächlich: Die Infektionskrankheiten wurden nicht durch die Segnungen der Medizin, sondern durch die gesellschaftliche Entwicklung gesunder Lebensverhältnisse besiegt. Pasteur, Virchow, Pettenkofer und Koch, die Helden der naturwissenschaftlichen Medizin, sorgten mit politischer und medizinischer Courage für „saubere Städte“ und gesündere Lebensräume und damit für ein neues Gleichgewicht zwischen Bakterien, Menschen und ihrem Gemeinwesen.“

Ellis Huber: Das Virus, die Menschen und das Leben. Das Coronavirus im Vergleich zur alltäglichen Gesundheitsversorgung[1]

Das wird heute durch die interdisziplinären Forschungsgebiete der Psychoneuroimmunologie und Psychoneuroendokrinologie weitgehend bestätigt. Es hat sich gezeigt, dass Botenstoffe des Nervensystems auf das Immunsystem und Botenstoffe des Immunsystems auf das Nervensystem wirken. Wichtige Schnittstellen dieser biologisch-mentalen Regelkreise sind das Gehirn mit der Hirnanhangdrüse, die Nebennieren und die Leukozyten (Immunzellen). Psychische, neurologische und hormonelle Faktoren und ihre komplexe Wechselwirkung sind für die Immunabwehr entscheidend. Von grundlegender Bedeutung dafür, ob ein Mensch zum Krankheitsträger oder Krankheitsempfänger wird, ist seine ganz spezifische Individualität. Die personale Medizin (Lit.: Danzer 2012), teils auch die nicht damit zu verwechselnde personalisierte Medizin, sind erste schulmedizinischer Ansätze in dieser Richtung. Aus geisteswissenschaftlicher Sicht spielen darüber hinaus auch karmische Wirkungen aus früheren Inkarnationen eine Rolle (siehe unten).

„In vieler Beziehung sind diejenigen Dinge bewundernswert, welche von der Schulmedizin in der letzten Zeit geleistet worden sind [...] Aber auf der anderen Seite können wir sehen, daß berechtigte Ansprüche dieser Schulmedizin sehr leicht unser ganzes Leben durchkreuzen können, was in gewisser Beziehung zu einer Tyrannis führen kann [...] So könnte es dahin kommen, daß die Forderung aufgestellt würde, die Krankheitskeimträger zu isolieren [...] Zu welchen Konsequenzen das führen muß, wenn man diesen Menschen den Umgang erschweren würde, das mag man daraus erkennen: Man kann anführen und es ist schon angeführt worden —, daß an irgendeiner Schule plötzlich eine größere Anzahl von Kindern an dieser oder jener Krankheit erkrankt ist. Man wußte nicht, woher die Krankheit gekommen ist. Da stellte sich heraus, daß die Lehrer die eigentlichen Krankheitsträger waren. Sie selber sind nicht von der Krankheit befallen worden, aber die ganze Schule ist von ihnen angesteckt worden. Der Ausdruck Bazillenträger oder Bazillenfänger ist ein Ausdruck, der von einer gewissen Seite sogar mit einem gewissen Recht gebraucht werden kann. Daß derjenige, welcher Laie ist auf diesem Gebiete, in allem, was ihm entgegentreten kann von dieser oder jener Seite, sich recht wenig auskennt, das ist schon aus dem wenigen, was wir anführen konnten, fast selbstverständlich [...]

Nun müssen wir sagen: [...] Als Grundsatz im tiefsten und bedeutsamsten Sinne muß gelten, daß vor allen Dingen vor uns stehen muß die Individualität des Menschen als eine einzelne Realität, als etwas, was anders ist als jeder andere Mensch.“ (Lit.:GA 57, S. 195f)

Im Zusammenhang mit Betrachtungen zur Darmflora wehrt sich Rudolf Steiner gegen die Anschauung, die im Erreger die primäre Ursache einer Krankheit sieht:

„Es ist schon wirklich eigentlich schrecklich, wenn man heute an die Prüfung der pathologischen Literatur herangeht und bei jedem Kapitel aufs Neue darauf stößt: für diese Krankheit ist der Bazillus entdeckt, für jene Krankheit ist der Bazillus entdeckt und so weiter. ...Für das Kranksein hat das keine andere Bedeutung als höchstens die eines Erkennungszeichens, eines Erkennungszeichens insofern nämlich, als man sagen kann: Wenn die oder jene Krankheitsform zugrunde liegt, so ist im menschlichen Organismus die Gelegenheit geboten, dass sich diese oder jene interessanten kleinen Tier- oder kleinen Pflanzenformen auf einem solchen Unterboden entwickeln, aber sonst weiter nichts. Mit der wirklichen Krankheit diese Entwickelung der kleinen Fauna und kleinen Flora in einem sehr geringen Maße etwas zu tun, höchstens in einem indirekten Maße.“ (Lit.:GA 312, S. 81f)

Der Blick sei vielmehr auf die tieferliegenden Ursachen zu richten, die es den Krankheitserregern überhaupt erst ermöglichen, sich zu entwickeln, und in der Folge allerlei Erscheinungen wie z. B. Entzündungen hervorzurufen.

„Denn bedenken Sie nur, wenn im Verlaufe irgendeiner Krankheit in irgendeinem Körperteile Bazillen in größerer Menge auftreten, ist es ja natürlich, daß diese Bazillen Erscheinungen hervorrufen, wie jeder Fremdkörper im Organismus Erscheinungen hervorruft, daß infolge des Vorhandenseins dieser Bazillen allerlei Entzündungen auftreten. Schreibt man nun alles der Wirksamkeit dieser Bazillen zu, so lenkt man die Aufmerksamkeit tatsächlich nur auf dasjenige, was eigentlich die Bazillen machen. Man lenkt dabei aber diese Aufmerksamkeit ab von dem eigentlichen Ursprung der Erkrankung. Denn jedesmal, wenn im Organismus niedere Organismen einen geeigneten Boden für ihre Entwicklung finden, so ist eben dieser geeignete Boden durch die eigentlichen primären Ursachen schon geschaffen. Auf dieses Gebiet der primären Ursachen muß einmal die Aufmerksamkeit gelenkt werden.“ (Lit.:GA 312, S. 328f)

Heinz Grill schildert am Beispiel der Tollwuterkrankung, wie aus seelisch-geistiger Sicht der Mensch selbst die Ursache für Virusinfektionen bildet: "Der Rabiesvirus entstand zu einer Zeit, als der Mensch erstmals eine eigenartige Entdeckung leisten konnte und diese äußert sich in der lasterhaften Verführung zur Bequemlichkeit. Bis zur Zeit der Antike war die Genusswelt der Bequemlichkeit für den Menschen eine völlig unbrauchbare Wirklichkeit, so ungeeignet, wie wenn heute jemand nur noch im warmen Bett verweilen möchte und jede Aktivität scheut. Indem er aber die Bequemlichkeit entdeckte und sich dieser mit emotionalen Wonnegefühlen hingeben lernte, sendete er förmlich eine zerstörende Kraft auf die Weltenschöpfung aus und es kam ein Virus in das Tierreich, der eine heftige Attackierung auf das Nervensystem mit Aggression und Kämpfen bis hin zum unweigerlichen Tode verursachte. Nicht vom Tier zum Menschen sondern von den Verhaltensweisen, die die menschliche Entwicklung hervorbrachte, entsandte sich der Virus, der zum Tierreich überging und von diesem wieder zurück zum Menschen kam."[2]

Hygiene als soziale Frage

Siehe auch: Hygiene

Insofern durch hygienische Maßnahmen nicht nur der oder die Einzelne, sondern die soziale Gemeinschaft betroffen ist, muss die Hygiene nicht nur als abstrakt-wissenschaftliche, sondern auch als soziale Frage behandelt werden. Dabei müssen physische, seelische und geistige Faktoren berücksichtigt werden.

„Zwar fehlt es uns auch heute durchaus nicht an hygienischen Anweisungen, an Abhandlungen und Schriften über Gesundheitspflege auch als öffentliche Angelegenheit. Allein, man muß fragen: Diese Anweisungen, diese Betrachtungen des Hygienischen, wie stellen sie sich in das soziale Leben hinein? - Und da muß man eben sagen: Sie stellen sich so hinein, daß einzelne Reden über eine richtige Gesundheitspflege veröffentlicht werden als das Ergebnis ärztlicher, physiologischer, medizinischer Wissenschaft, wobei gewissermaßen das Vertrauen, das man zu einem Fach hat, dessen innere Wesenheit man nicht zu prüfen in der Lage ist, die Grundlage bilden soll für die Annahme solcher Regeln. Rein auf Autorität hin können weiteste Kreise, die es doch angeht - denn es geht alle Menschen an -, das annehmen, was gewissermaßen aus den Studierkammern und Untersuchungszimmern, den Untersuchungslaboratorien des Mediziners über Hygiene an die Öffentlichkeit tritt.

Wenn man aber davon überzeugt ist, daß im Laufe der neueren Geschichte, im Laufe der letzten vier Jahrhunderte, in der Menschheit die Sehnsucht heraufgezogen ist nach demokratischer Ordnung aller Angelegenheiten, so tritt einem, wenn das auch heute vielen als grotesk erscheint, doch entgegen dieses ganz Undemokratische des reinen Autoritätsglaubens, der auf hygienischem Gebiet gefordert wird. Das Undemokratische dieses Autoritätsglaubens tritt der Sehnsucht nach Demokratie gegenüber, wie sie in der Gegenwart oftmals - wenn auch, man möchte sagen in sehr paradoxer Weise - bis zu einem Kulminationspunkt heraufgeschritten ist.

Ich weiß sehr gut, daß der Satz, den ich eben ausgesprochen habe, von vielen als paradox empfunden wird, denn man stellt einfach nicht zusammen die Art und Weise, wie jemand das entgegennimmt, was auf Gesundheitspflege bezüglich ist, mit der demokratischen Forderung, wonach über öffentliche Angelegenheiten, die jeden mündig gewordenen Menschen angehen, auch die Gemeinschaft dieser mündig gewordenen Menschen zu urteilen habe - sei es direkt oder sei es durch ihre Vertreter. Gewiß muß ja gesagt werden: Es kann vielleicht nicht in vollständig demokratischer Weise sich so etwas ausleben wie eine hygienische Anschauung, eine hygienische Pflege des öffentlichen Lebens, weil es abhängig ist von dem Urteil desjenigen, der auf einem bestimmten Gebiete nach Erkenntnis sucht. Aber auf der anderen Seite muß doch die Frage auftauchen: Sollte nicht ein stärkeres Demokratisieren, als es heute unter den gegenwärtigen Verhältnissen möglich ist, auf einem solchen Gebiete angestrebt werden können, das so nahe, so unendlich nahe jeden einzelnen Menschen und damit die Menschengemeinschaft angeht, wie die öffentliche Gesundheitspflege? [...]

Nun möchte ich nicht mißverstanden werden [...], daß ich in diesem Vortrage, der ja gewidmet sein soll dem Thema «Die Hygiene als soziale Frage», für irgend etwas besonders Stellung nehme [...] Ich möchte [...] weder irgendwelche Partei nehmen für den alten Aberglauben, daß Teufel und Dämonen herumgehen und als Krankheiten in die Menschen aus- und einziehen, noch möchte ich Partei nehmen für den modernen Aberglauben, daß die Bazillen und Bakterien in die Menschen einziehen und ausziehen und die Krankheiten bewirken.“ (Lit.:GA 73a, S. 186f)

Funktionelle Dreigliederung des menschlichen Organismus

Um die Entstehung von Infektionskrankheiten zu verstehen, muss man die funktionelle Dreigliederung des menschlichen Organismus berücksichtigen:

„Derjenige, welcher genötigt ist durch seine Erkenntnisse, darauf aufmerksam zu machen, daß für Krankheiten, in deren Begleitung Bazillen oder Bakterien auftreten, als primäre Ursachen tiefere Ursachen vorhanden sind als eben das Auftreten der Bazillen, der behauptet ja noch nicht, daß die Bazillen nicht da seien. Es ist durchaus etwas anderes, zu behaupten, die Bazillen sind da und sie treten im Gefolge der Krankheit auf, als die primäre Ursache bei den Bazillen zu suchen. Dasjenige, was nach dieser Richtung zu sagen ist, habe ich gerade bei diesem Kursus für Ärzte, der jetzt gehalten wird, in ausführlicher Weise entwickelt [...] Es ist diese menschliche Konstitution nicht eine so einfache Sache, wie man sich oftmals vorstellt. Der Mensch ist nun einmal ein vielgliedriges Wesen. Ich habe in meinem Buche «Von Seelenrätseln» anfänglich dargestellt, daß der Mensch ein dreigliedriges Wesen ist, ein Wesen, das man nennen kann erstens den Nerven-Sinnes-Menschen, zweitens den rhythmischen Menschen, drittens den Stoffwechsel-Menschen. Das ist nun einmal der Mensch. Und diese drei Glieder der menschlichen Natur wirken ineinander; und sie dürfen nicht, wenn der Mensch gesund sein soll, anders ineinanderwirken, als daß in einer gewissen Weise zugleich eine Trennung der Gebiete da ist. So zum Beispiel darf der Nerven-Sinnes-Mensch, der mehr ist als das, was sich die heutige Physiologie vorstellt, nicht ohne weiteres seine Wirkungen auf den Stoffwechsel-Menschen anders übertragen, als daß diese Wirkungen vermittelt werden durch die rhythmischen Bewegungen der Zirkulations- und Atmungsvorgänge, die ja bis in die äußerste Peripherie des Organismus sich hineinerstrecken. Dieses Zusammenwirken, das kann aber in einer gewissen Weise unterbrochen werden.

[...] es ist zum Beispiel durchaus so, daß im menschlichen Unterleib Prozesse ablaufen, welche eingegliedert sind in den ganzen Organismus. Sind sie in den ganzen Organismus eingegliedert, dann wirken sie in der richtigen Weise. Werden sie durch irgendwelche Vorgänge entweder direkt im Unterleib erhöht, so daß sie dort reger werden, oder werden die entsprechenden Vorgänge - denn solche entsprechende Vorgänge sind immer da - im menschlichen Haupte oder in der menschlichen Lunge in ihrer Intensität kleiner, dann tritt etwas sehr Eigentümliches ein. Dann zeigt sich, daß der menschliche Organismus zu seinem normalen Leben in sich Prozesse entwickeln muß, die gerade nur bis zu einem gewissen Maße hin sich entwickeln dürfen, damit sie den ganzen Menschen in Anspruch nehmen. Wird der Prozeß erhöht, dann lokalisiert er sich, und dann tritt zum Beispiel im Unterleib des Menschen ein Prozeß auf, wodurch nicht in der richtigen Weise getrennt ist dasjenige, was im Menschenhaupte oder in der Lunge vor sich geht und was gewissen Prozessen im Unterleib entspricht. Es entsprechen sich immer die Prozesse so, daß sie einander parallel gehen. Dadurch aber wird das, was nur bis zu einem gewissen Maße im Menschen vorhanden sein darf, damit es seine Vitalität, die geist- und seelengetragene Vitalität, unterhält, gewissermaßen über ein gewisses Niveau hinaufgebracht. Dann wird das die Atmosphäre, möchte ich sagen, für allerlei Niederorganismen, für allerlei kleine Organismen, dann können sich diese kleinen Organismen da entfalten. Dasjenige, was das Schaffenselement der kleinen Organismen ist, das ist immer im Menschen drinnen, ist nur über den ganzen Organismus ausgedehnt. Wird es konzentriert, dann ist es Lebensboden für Kleinorganismen, Mikroben; da finden diese einen Boden drin. Aber die Ursache, warum sie da gedeihen können, die ist in überaus feinen Vorgängen im Organismus zu suchen, die sich dann als das Primäre herausstellen.“ (Lit.:GA 73a, S. 233ff)

Fieber

Hauptartikel: Fieber

Fieber tritt zumeist als Begleiterscheinung der Immunabwehr gegen eindringende Viren, lebende Mikroorganismen, bösartige Tumore oder andere als fremd erkannte Stoffe oder seltener auch im Rahmen anders verursachter Entzündungsvorgänge auf. Fieber ist keine Krankheit, sondern ein Zeichen des einsetzenden Heilungsprozesses. Fiebersenkende Maßnahmen sind daher in der Regel kontraproduktiv. Sie können den Heilungsprozess komplizieren und unnötig verlängern. Sie sind daher zu vermeiden, sofern nicht andere medizinische Indikationen wie etwa ein geschwächtes Herz-Kreislauf-System dies erforderlich machen. Durch das Fieber werden auch die Heilungskräfte des Ätherleibs aktiviert.

„Denken Sie, wie mit gewissen Unregelmäßigkeiten des Astralleibes Krankheiten zusammenhängen, und zwar dadurch, daß diese Unregelmäßigkeiten sich durch den Ätherleib bis zum physischen Leib fortsetzen. Nun nehmen wir an, der astralische Leib habe einen gewissen Schaden in sich selber. Durch diesen Schaden wirkt er auf den Ätherleib, und so setzt sich der Schaden bis zum physischen Leibe fort. Dieser wird auch schadhaft. Dann fängt der Organismus an, gegen den Schaden zu revoltieren, Schutzkräfte in Anwendung zu bringen. Diese Revolte ist gewöhnlich das Fieber; das ist der Aufruf der Heilungskräfte im Menschen. Das Fieber ist nicht Krankheit, sondern der Mensch ruft aus seinem ganzen Organismus die Summe seiner Kräfte zusammen, um diesen Schaden wieder gutzumachen. Diese Revolte des ganzen Organismus gegen den Schaden drückt sich in der Regel im Fieber aus. Das Fieber ist das Wohltätigste, das Heilendste bei der Krankheit. Der einzelne schadhaft gewordene Teil kann sich nicht heilen, er muß von anderen Seiten her die Kräfte zugeführt bekommen, und das hat seinen Ausdruck im Fieber.“ (Lit.:GA 107, S. 155f)

Es ist eine alte medizinische Erfahrung, dass die Wärmeprozesse - bis hin zum Fieber - vom Kopf bzw. vom Gehirn ausgehen, während die Kälte von unten, von den Füßen her aufsteigt. Tatsächlich ist das oberste thermoregulatorische Zentrum die Regio praeoptica des Hypothalamus, in der die sensorischen Daten der Wärme- und Kälterezeptoren aus der Haut des ganzen Körpers zusammenlaufen.

„Worauf beruht das Fieber? Das Fieber beruht darauf, daß eigentlich das Gehirn in eine überwiegende Tätigkeit kommt und den ganzen Menschen durchdringt. Nehmen Sie an, der Mensch bekommt in irgendeinem Organ, sagen wir in der Leber oder Niere, oder namentlich in den Lungen, irgendwie eine Unordnung auf die Weise, wie ich es Ihnen neulich erzählt habe. Da fängt nun das Gehirn an, dagegen zu revoltieren. Wenn die Lunge nicht mehr recht will, so fängt das Hintergehirn an, zu revoltieren und regt wiederum das Vordergehirn an, mitzurevoltieren gegen dieses Kranksein der Lunge, und dadurch entsteht das Fieber.

Das heißt aber, der Mensch wird von oben herunter, von seinem Kopfe aus erwärmt, von unten herauf erkaltet. Das ist gerade sehr interessant. Der Mensch wird wirklich von oben herunter erwärmt. Das Fieber machen wir mit unserem Kopf. Und wenn eine Entzündung in der großen Zehe auftritt - das Fieber, das wir kriegen, machen wir mit dem Kopf. Es ist sogar interessant, daß dasjenige, was am weitesten unten liegt, durch die allervordersten Teile des Gehirnes reguliert wird. Wie beim Hund das, was am allerweitesten hinten liegt, durch die Nase reguliert wird, so ist es auch beim Menschen. Wenn er in der großen Zehe Fieber kriegt, so liegt die Tätigkeit, die das Fieber erzeugt, ganz vorn. Der Mensch muß es schon mit seiner Würde vereinbar halten, daß, wenn er in der großen Zehe eine Entzündung kriegt, dann ihm sein Fieber von ganz da vorne kommt, da gerade über der Nase; so daß der Mensch immer von oben erwärmt wird und von unten erkaltet wird.“ (Lit.:GA 348, S. 180f)

Die höheren Wesensglieder des Menschen

Hauptartikel: Wesensglieder

Aus anthroposophischer Sicht müssen neben dem physischen Leib aber auch die höheren Wesensglieder des Menschen, deren Tätigkeit sich in den physischen Organen widerspiegelt, mit einbezogen werden. Das Drüsensystem ist der unmittelbarste physische Ausdruck des Ätherleibs, der eigentliche Träger der Lebens und damit auch der Heilkräfte ist. Im Nervensystem wirkt am stärksten der Astralleib. Das Ich, die einzigartige Individualität des Menschen, bildet den Mittelpunkt der Seele, wobei sich diese wiederum in drei unterschiedliche seelische Wesensglieder, die durch die, allerdings weitgehend unbewustte Tätigkeit des Ich ausgebildet werden. Die Empfindungsseele, das in gewissem Sinn niederste seelische Wesensglied, entsteht, indem das Ich mehr oder weniger unbewusst den Astralleib umwandelt. Durch die Arbeit des Ich am Ätherleib bildet sich die Verstandes- oder Gemütsseele und durch die - natürlich nur sehr zarte - Umwandlung des physischen Leibes entfaltet sich die Bewusstseinsseele. Je mehr der Mensch durch Selbsterziehung an diesen seelischen Wesensgliedern arbeitet, desto wirksamer werden auch die Selbstheilungskräfte, die das Immunsystem stärken.

Diese ganzheitliche Betrachtung des Menschen führt Otto Wolff zu der Beobachtung, dass „das Phänomen Ansteckung keineswegs nur bei den Infektionskrankheiten existiert. Dieselbe Erscheinung ist auf geistigem und auf seelischem Gebiet genauso zu beobachten. ... Die Begeisterung für eine Sache wirkt ebenso ansteckend wie eine negative Seelenhaltung, ein Sachverhalt, auf den R. Steiner für die Pädagogik wiederholt hingewiesen hat, der aber heute kaum berücksichtigt wird. Auch bei der Suggestion handelt es sich un eine bewusste, gewollte Infektion, d.h. das Eindringen einer Fremdwirksamkeit. Der Begriff Infektion wäre hier viel eher angebracht als bei den Mikroorganismen, da es sich um einen vom Eindringling gewollten Prozess handelt, was man den Bakterien oder Viren nicht unterstellen kann. Von hier zur Reklame gibt es alle Übergänge, wobei oft die Freiheit und Widerstandsfähigkeit des Menschen bewusst ausgeschaltet oder umgangen werden. ... Es handelt sich bei diesen Phänomenen keineswegs um Analogien oder Ähnlichkeiten, sondern um dieselben Vorgänge auf körperlicher, seelischer oder geistiger Ebene.“[3]

Wie der ideale Nährboden für Krankkheitserreger entsteht

Um zu verstehen, wie der ideale Nährboden für Krankheitserreger gebildet wird, muss man etwas weiter ausholen. Rudolf Steiner beginnt dazu mit einer Betrachtung des Pflanzenreichs.

Auf die Pflanze wirken einerseits mineralisierende irdische und anderseits kosmisch-astrale Kräfte. Durch erstere neigt sie dazu, eine Art von Mineralpflanze zu werden, durch letztere zu einer Art von Tierpflanze. Am stärksten wirken die mineralisierende Kräfte in den Wurzeln. Die tierbildenden Kräfte offenbaren sich hingegen am deutlichsten in den Blüten und Früchten. Auf dem alten Mond, der unserer Erdentwicklung vorangegangen ist, gab es tatsächlich ein Mineralpflanzenreich und ein Tierpflanzenreich. Unserer heutigen Entwicklung ist das nicht mehr angemessen und bereitet den Boden für zerstörerische, krankmachende Prozesse. Nehmen etwa Pflanzen zu starke astrale Kräfte auf, so werden sie zu Giftpflanzen.

Ähnlich ist es auch im menschlichen Organismus. Durch die Stoffwechselprozesse, die sich im oberen Menschen, namentlich im Kopf und in der Lunge abspielen, wird eine ahrimanisch verhärtende, mineralisierend irdisch-machende Wirkung in den Organismus hineingetragen. Durch den inneren Lungenstoffwechsel wird der Organismus selbst beinahe zu einer richtigen kleinen Erde. Die Stoffwechselprozesse, die im unteren Menschen, also in den eigentlichen Stoffwechselorganen ablaufen, haben einen überwiegend luziferisch auflösenden Charakter, der den Organismus in den kosmisch-astralen Umkreis zu zerstreuen droht. Gesund ist der Organismus, wenn diese beiden Kräfte im rechten Gleichgewicht zueinander stehen und streng getrennt voneinander gehalten werden. Tatsächlich werden sie durch den Herzrhythmus und den Atemrhythmus voneinander getrennt, die gleichsam wie ein eine Art von ätherisch-astralischem „Zwerchfell“ wirken. Werden hingegen die unteren Prozesse zu stark in den oberen Bereich hineingetragen, wird der ideale Nährboden für allerlei Krankheitserreger geschaffen. Überwiegen hingegen im oberen Menschen die mineralisierenden Kräfte, kann es etwa zu einer Lungenverhärtung kommen.

„Betrachten Sie noch einmal die die Erde bedeckende Pflanzenfläche, das heißt die Summe alles dessen, was zur Vegetation der Erde gehört. Wir müssen uns klar sein darüber, daß diese ganze Vegetation der Erde, wie sie von der Erde aus dem Weltenraum entgegenwächst, nicht bloß aus der Erde heraus diesem Weltenraum entgegengeschickt wird, sondern daß sie hinausgezogen wird durch Kräfte, daß also, wie wir ja schon gehört haben, überall hier Kräfte wirken, welche zum Pflanzenwachstum genau ebenso gehören wie die Kräfte, die von der Erde aus in die Pflanze hineinwirken. Es ist eine fortwährende Wechselwirkung zwischen den Kräften, die von der Erde aus in die Pflanze hineinwirken, und zwischen den Kräften, die aus dem außerirdischen Kosmos auf die Pflanze wirken. Nun, worinnen besteht diese Wirkungsweise, die ja eigentlich in unserer Umgebung fortwährend vorhanden ist? Würde es dazu kommen, daß diese Kräfte, die da aus dem Kosmos hereinwirken, voll zum Ausdruck kommen, daß sie also ganz die Pflanze ergreifen könnten, würden nicht die Planeten dafür sorgen, daß sich diese Kräfte auch wiederum zurückziehen können, daß sie also nicht voll die Pflanze umfassen, so würde die Pflanze, wenn sie vom Stengel aus der Blüte und dem Samen entgegenwächst, immer die Tendenz haben, zum Tiere zu werden. Es ist die Tendenz vorhanden der Tierwerdung. Das, was da aus dem Kosmos hereinwirkt, dem wirkt auf der anderen Seite wiederum entgegen aus der Erde herein bei der Pflanze die Tendenz, das Pflanzensein zu unterdrücken und innerhalb des Pflanzenseins sich zu mineralisieren.

Also ich mache darauf aufmerksam, daß eigentlich das Pflanzensein die Mitte hält zwischen dem Hinneigen zum Versalzen, zum Ablagern von Mineralien in der Pflanzensubstanz, zum Mineralisieren und zum Sichentzünden, zum Tierwerden. Das ist etwas, was fortwährend vorhanden ist in der äußeren Natur.

Dies aber, was ich Ihnen jetzt beschrieben habe, ist auch fortwährend vorhanden verinnerlicht, zentralisiert in dem menschlichen Organismus selber. Der menschliche Organismus ist dadurch, daß er eine Lunge hat, eine richtige kleine Erde, und alles dasjenige, was von der Lunge aus wirkt, wirkt geradeso im menschlichen Organismus nach unten, wie von der Erde aus in den Pflanzenorganismus nach oben die Kräfte hineinwirken, die eben von der Erde aus in den Pflanzenorganismus hineingehen. Und alles dasjenige, was durch die Atmung und Herztätigkeit dem inneren Lungenstoffwechsel und so weiter entgegenkommt, das wirkt so wie dieses Kosmische draußen (siehe Zeichnung Seite 330).

Zeichnung aus GA 312, S. 330 (Tafel 22)

Nun besteht eine Notwendigkeit im menschlichen Organismus. Es besteht die Notwendigkeit, daß alles dasjenige, was sich zuletzt konzentriert vom Organismus aus in der Herztätigkeit, ferngehalten wird dem, was sich organisiert, sich zuletzt konzentrierend in dem inneren Stoffwechsel der Lunge. Diese zwei Tätigkeiten, die dürfen nicht anders aufeinander wirken, als daß zwischen ihnen gewissermaßen — wenn ich mich des Ausdrucks bedienen darf — ein ätherisches Zwerchfell ist oder ein astralisches Zwerchfell. Diese beiden Tätigkeiten müssen auseinandergehalten werden. Und wir müssen die Frage auf werfen: Ist dieses Zwerchfell — ich gebrauche das Wort nur, um ein Bild anzudeuten — wirklich vorhanden? Gibt es ein solches Zwerchfell, welches abhält die Kopf-, Hals-, Lungentätigkeit, sich zu vermischen mit der Bauch- und Brusttätigkeit anders als durch den äußeren Atmungsrhythmus? — Dieses Zwerchfell gibt es, und es ist der äußere Atmungsrhythmus selber. Und da kommen Sie auf die Ineinanderstimmung des oberen und des unteren Menschen. Dasjenige, das man rhythmische Tätigkeit im Menschen nennt, dieses rhythmische Erzittern, welches sich äußerlich physisch ausdrückt im Atmungsrhythmus, dieses physische Erzittern setzt sich bis in die Äther- und Astraltätigkeit hinein fort und hält die Erdenkräfte des oberen Menschen, die noch in die Lunge hinein sich konzentrieren, und die Himmelskräfte des unteren Menschen auseinander, die durch die Tätigkeit, die im Herzen dann ihren Ausdruck findet, von unten nach oben wirken, so wie sie im Kosmos von der Peripherie nach dem Zentrum der Erde hin wirken.

Stellen Sie sich nun vor, daß der Rhythmus, der da in Betracht kommt, nicht ordentlich wirkt, dann ist das Zwerchfell, das ich hier bildlich gebrauche, das ja nicht physisch da ist, das aber eben durch das Aufeinanderschlagen der Rhythmen bewirkt wird, nicht in Ordnung. Dann kann das eintreten, welches analog ist einer zu starken Tätigkeit der Erde für die Pflanzen. Wenn die salzende Tätigkeit der Erde auf die Pflanzen zu stark würde, würden die Pflanzen zu mineralisch werden. Dann tritt das ein, daß gewissermaßen die Ätherpflanze, die eingebaut ist in die Lunge, die herauswächst aus der Lunge, wie die physische Pflanze aus der Erde herauswächst, der Anlaß wird, sagen wir, zur Lungenverhärtung. So daß wir in der Tat finden, daß diese Mineralisierungstendenz der Pflanze zu stark werden kann auch im menschlichen Organismus.

Aber es kann auch die Tierwerdetendenz zu stark werden. Wenn die Tierwerdetendenz zu stark wird, dann wird da im Organismus, im oberen Teil des Organismus eine Sphäre geschaffen, die nicht da sein sollte. Es wird eine Sphäre geschaffen, in die diese Organe eingebettet sind wie in eine Äthersphäre und die dem günstig ist, was nicht begünstigt werden darf im Organismus, dem Leben von kleinen Pflanzentieren. Da wird eine Sphäre geschaffen, welche günstig ist den kleinen Pflanzentieren. Woher die kommen, braucht uns gar nicht zu interessieren. Das muß uns interessieren, wodurch für sie eine günstige Lebenssphäre geschaffen wird. Diese günstige Lebenssphäre darf nicht da sein. Sie muß so wirken im Organismus, daß ihre Tätigkeit sich über den ganzen Organismus ausdehnt. Sie darf nicht als eine besondere Einschlußsphäre hier entstehen. Wenn sie sich über den ganzen Organismus ausdehnt, so unterhält sie das Leben des ganzen Organismus. Macht sie sich geltend als eine kleine Einschlußsphäre, so wird sie die Atmosphäre für die Lebensbedingungen kleiner Pflanzentiere, die wir dann nachweisen können in allem, wenigstens in vielem, was den oberen Menschen erkranken macht.

So müssen wir eben in dem Zurückgehen auf die rhythmische Tätigkeit und ihre Störung das Schaffen einer besonderen Sphäre statt der allgemeinen über den Organismus verbreiteten Sphäre suchen und uns das Rätsel des Bazilleneinflusses in dem menschlichen Organismus lösen. Aber ohne daß man auf die geistigen Ursachen zurückgeht, kommt man nicht dazu, dieses Rätsel zu lösen.“ (Lit.:GA 312, S. 329ff)

Impfung

Siehe auch: Impfung und Impfstoff

Die Impfung, genauer die Aktiv-Impfung, wird als Vorbeugung gegen Infektionskrankheiten eingesetzt und besteht in einer erregerspezifischen aktiven Immunisierung, d.h. in einer gezielten, aber niedrig gehaltenen Infektion, die aber in jedem Fall einen wesentlichen Eingriff in das Immunsystem des Menschen bedeutet. Die Passiv-Impfung oder Heilimpfung beruht hingegen lediglich auf einer passiven Immunisierung durch eine entsprechende Antikörpergabe. Neben der nicht zu vermeidenden Impfreaktion können in manchen Fällen auch über das übliche Maß hinausgehende Impfkomplikationen bis hin zu schwerwiegenden Impfschäden auftreten.

Durch Impfungen soll nicht nur der Schutz des einzelnen Individuums, sondern bei ausreichender Durchimpfungsrate auch die Herdenimmunität einer gegebenen Population erzielt werden, weshalb in manchen Ländern eine allgemeine Impfpflicht besteht oder gefordert wird. Anthroposophische Ärzte sind nicht generell gegen Impfungen, treten aber dafür ein, die individuelle elterliche Impfentscheidung zu respektieren, namentlich bei Impfungen gegen Kinderkrankheiten, die für die gesunde Entwicklung des Kindes oft bedeutsam sind.

Rudolf Steiner sah Impfungen als problematisch an, warnte aber zugleich nachdrücklich vor jeglichem diesbezüglichen Fanatismus. Am Beispiel der Pockenimpfung zeigte er, dass Impfungen für geistig strebende Menschen wesentlich weniger problematisch sind als für solche mit materialistisch-ungeistiger Gesinnung, da durch die Impfung ihre materialistische Haltung konstitutionell in ihrem Organismus verankert wird.

„Sehen Sie, wenn man jemand impft, und man hat den Betreffenden als Anthroposophen und erzieht ihn anthroposophisch, so schadet es nichts. Es schadet nur denjenigen, die mit vorzugsweise materialistischen Gedanken heranwachsen. Da wird das Impfen zu einer Art ahrimanischer Kraft; der Mensch kann sich nicht mehr erheben aus einem gewissen materialistischen Fühlen. Und das ist doch eigentlich das Bedenkliche an der Pockenimpfung, daß die Menschen geradezu mit einem Phantom durchkleidet werden. Der Mensch hat ein Phantom, das ihn verhindert, die seelischen Entitäten so weit loszukriegen vom physischen Organismus wie im normalen Bewußtsein. Er wird konstitutionell materialistisch, er kann sich nicht mehr erheben zum Geistigen. Das ist das Bedenkliche bei der Impfung. Natürlich handelt es sich darum, daß da die Statistik immer ins Feld geführt wird. Es ist die Frage, ob eben gerade in diesen Dingen auf die Statistik so viel Wert gelegt werden muß. Bei der Pockenimpfung handelt es sich sehr stark um etwas Psychisches. Es ist durchaus nicht ausgeschlossen, daß da der Glaube, daß die Impfung hilft, eine unberechenbar große Rolle spielt. Wenn man diesen Glauben durch etwas anderes ersetzen würde, wenn man naturgemäß erziehen würde die Menschen, so daß sie beeindruckbar wären durch etwas anderes als dadurch, daß man sie impft, etwa dadurch, daß man die Menschen wiederum an den Geist näher heranbrächte, so wäre es durchaus möglich, daß man gegen das unbewußte Hereindringen: hier ist Pockenepidemie! - durch vollständiges Bewußtsein davon: hier ist ein Geistiges, wenn auch ein unberechtigtes Geistiges, gegen das ich mich aufrechthalten muß! - ebenso gut wirken würde, wie man überhaupt den Menschen stark machen müßte gegen solche Einflüsse.

Wenn die Verhältnisse so liegen, wie zum Beispiel in unserer Gegend, wo die Einwirkung durch die Erziehung und so weiter sehr schwierig ist, wie soll man sich da verhalten?

Da muß man eben impfen. Es bleibt nichts anderes übrig. Denn das fanatische Sichstellen gegen diese Dinge ist dasjenige, was ich, nicht aus medizinischen, aber aus allgemein anthroposophischen Gründen, ganz und gar nicht empfehlen würde. Die fanatische Stellungnahme gegen diese Dinge ist nicht das, was wir anstreben, sondern wir wollen durch Einsicht die Dinge im Großen anders machen. Ich habe das immer, wenn ich mit Ärzten befreundet war, als etwas zu Bekämpfendes angesehen, zum Beispiel bei Dr. Asch, der absolut nicht geimpft hat. Ich habe das immer bekämpft. Denn wenn er nicht impft, so impft eben ein anderer. Es ist ein völliges Unding, so im einzelnen fanatisch vorzugehen.“ (Lit.:GA 314, S. 287f)

Einen beträchtlichen Unterschied macht es aus, ob der Impfstoff vom Menschen oder aus Tieren gewonnen wird. Was direkt vom Menschen herübergeimpft wird, wirkt nur auf den physischen Leib, während tierische Impfstoffe auch in den Ätherleib eingreifen.

„Dasjenige, was vom Menschen etwa direkt hinübergeimpft wird auf den anderen Menschen, das hat nur eine Bedeutung für die physische Organisation des Menschen. Es kommt lediglich bei dem eine bloß physische Wirkung in Betracht, was von einem Menschen auf den anderen hinübergeimpft wird. Das ist sehr interessant. Denn wenn zum Beispiel von einem Menschen zu dem anderen Blut hinübergebracht wird, so hat man bloß mit dem zu rechnen, was Blut auf den Organismus als physische Wirkung hervorbringen kann.

Das war besonders gut zu studieren in der Zeit, als der Übergang gemacht worden ist von der Pockenimpfung mit menschlicher Flüssigkeit zu der Kuhpockenimpfung, wo man direkt verfolgen konnte, wie die Wirkung vom physischen Leib bei dem früheren vom Menschen genommenen Impfstoff sozusagen hinauf rückte, dadurch daß man den tierischen Impfstoff verwendete, in den ätherischen Leib.“ (Lit.:GA 319, S. 228f)

Furcht vor Ansteckung

Siehe auch: Angst und Furcht

Durch die Furcht vor der Ansteckung wird das Immunsystem geschwächt. Angststörungen führen nachweislich zu einer verringerten Produktion von Lymphozyten, die für die Immunabwehr unerlässlich sind. Die Furcht vor Bazillen vergleicht Rudolf Steiner mit der mittelalterlichen Furcht vor Gespenstern:

„In unserer Zeit gibt es bekanntlich eine Furcht, die sich ganz sinngemäß vergleichen läßt mit der mittelalterlichen Furcht vor Gespenstern. Das ist die heutige Furcht vor den Bazillen. Die beiden Furchtzustände sind sachlich ganz dasselbe. Sie sind auch insofern ganz dasselbe, als ein jedes der beiden Zeitalter, das Mittelalter und die Neuzeit sich so verhalten, wie es sich für sie schickt. Das Mittelalter hat einen gewissen Glauben an die geistige Welt; es fürchtet sich selbstverständlich dann vor geistigen Wesenheiten. Die neuere Zeit hat diesen Glauben an die geistige Welt verloren, sie glaubt an das Materielle, sie fürchtet sich also vor materiellen Wesenheiten, wenn diese auch noch so klein sind [...]

Nun soll ja damit selbstverständlich nicht gesagt werden, daß die Bazillen durchaus gepflegt werden sollen, und daß es etwas Gutes ist, recht viel sozusagen mit Bazillen zusammenzuleben. Das soll durchaus nicht gesagt werden. Aber es widerspricht auch nicht dem, was gesagt wurde, denn schließlich Bazillen sind gewiß da, aber Gespenster waren auch da. Für diejenigen, die an die geistige Welt wirklich glauben konnten, ist nicht einmal in bezug auf Realität ein Unterschied in dieser Beziehung.“ (Lit.:GA 154, S. 46)

„Besonders muß man sich aber hüten, in irgendeinem Zeitalter darauf Rücksicht zu nehmen, was in dem Zeitalter gerade als Autorität auftritt. Solange man nicht spirituelle Einsicht hat, wird man da sehr fehlgehen können.

Das ist insbesondere auf einem Gebiete der Menschheitskultur der Fall, auf dem Gebiete der materialistischen Medizin, wo wir sehen, wie eben das maßgebend ist, was die Autorität in der Hand hat und immer mehr und mehr darauf Anspruch macht, wo das auf etwas hinauslaufen will, was viel, viel furchtbarer, schrecklicher ist als jemals irgendeine Autoritätsherrschaft des so viel angeklagten Mittelalters. Wir stehen schon heute darinnen, und das wird noch immer stärker und stärker werden. Wenn die Leute so furchtbar spotten über die Gespenster des mittelalterlichen Aberglaubens, dann möchte man wohl sagen: Ja, hat sich denn in bezug darauf etwas besonders geändert? Ist denn diese Gespensterfurcht etwa abgekommen? Fürchten die Leute nicht heute viel mehr Gespenster als dazumal? - Es ist viel schrecklicher, als man allgemein meint, was da vorgeht in der menschlichen Seele, wenn ihr vorgerechnet wird: Da auf der Handfläche sind 60000 Bazillenherde. In Amerika ist ausgerechnet worden, wie viele solcher Bazillen in einem einzigen männlichen Schnurrbart sind. Müßte man sich also nicht doch entschließen zu sagen: Diese mittelalterlichen Gespenster waren wenigstens anständige Gespenster, aber die heutigen Bazillengespenster sind zu knirpshaft, zu unanständige Gespenster, als daß sie die Furcht begründen sollten, die zudem erst im Anfange ist, und die da macht, daß die Menschen gerade hier, auf gesundheitlichem Gebiet, in einen Autoritätsglauben geraten werden, der furchtbar ist.“ (Lit.:GA 127, S. 22)

Wie man das Infektionsrisiko verringern kann, erläutert Rudolf Steiner am Beispiel der Pockenerkrankung so:

„Man kann sagen, daß die Ansteckungsgefahr doch eine außerordentlich starke ist bei der Pockenerkrankung. Nur sollte man nicht so leichtsinnig sein, just immer gleich an physische Vermittlung zu denken bei der Übertragung, sondern es sind sogar bei der Pockenerkrankung besonders stark vorliegend die psychischen Anlagen. Dafür könnte ein Beweis der sein, daß man sich sehr gut schützen kann, wenn man in der Lage ist, sich in rechter Art abzuschließen. Ich darf darüber deshalb sprechen, weil ich einmal als zweiundzwanzigjähriger Mensch - die Umstände brauche ich nicht zu erwähnen - einen Schüler unterrichtet habe, dessen Mutter mit schwarzen Pocken unmittelbar daneben lag, nur durch eine spanische Wand getrennt von der Stube, in der ich meinen Unterricht gab. Ich habe nichts dagegen gemacht, habe den Unterricht die ganze Zeit fortgesetzt, bis die Mutter wieder gesund geworden ist. Aber ich habe das ganz gern getan, namentlich auch, um zu sehen, wie man sich schützen kann, wenn man absolut den Pockenkranken, also auch den an schwarzen Pocken Erkrankten, nimmt ganz objektiv wie ein anderes Objekt, wie einen Stein oder einen Strauch, dem gegenüber man gar keine weiteren Furchtgefühle noch sonst psychische Regungen hat, sondern ihn nimmt als eine objektive Tatsache. Da ist in der Tat der Ansteckungsgefahr in hohem Maße zu begegnen. Daher kann schließlich der psychische Faktor auch bei der Ansteckung stark mitspielen.“ (Lit.:GA 314, S. 286f)

Schlaf

Hauptartikel: Schlaf

Rudolf Steiner weist auch darauf hin, dass Menschen durch zu langen Schlaf für epidemische Erkrankungen prädisponiert werden.

„Zu denjenigen Kapiteln, die immer wieder und wiederum durch Geisteswissenschaft studiert werden müssen, gehört die Beziehung des wachen Menschen zum schlafenden Menschen, gehört der gewaltige Unterschied, der besteht zwischen der menschlichen Organisation im Wachen und der menschlichen Organisation im Schlafen. Wie Geist und Seele sich verhalten im Wachen, wenn einander durchdringen die Leiblichkeit und die Geistigkeit und das Seelische des Menschen, wie sie sich verhalten, wenn sie temporär voneinander getrennt sind wie im Schlaf - das wird sorgfältig gerade durch Geisteswissenschaft studiert.

Nun kann ich, ich möchte sagen nur referierend einen gewissen Satz angeben, der aber ein ganz gesichertes Ergebnis der Geisteswissenschaft ist. Wir sehen im Leben sogenannte epidemische Krankheiten auftreten, Krankheiten, die ganze Menschenmassen ergreifen, die also durchaus zu gleicher Zeit eine soziale Angelegenheit sind. Die gewöhnliche materialistische Wissenschaft studiert sie am menschlichen physischen Organismus. Sie weiß nichts davon, welche ungeheure Bedeutung gerade für Epidemien und für die Dispositionen für epidemische Krankheiten in dem anormalen Verhalten des Menschen zu Wachen und Schlafen liegt. Dasjenige, was im menschlichen Organismus während des Schlafens geschieht, ist etwas, was, wenn es zum Beispiel im Überflusse geschieht, im hohen Grade für sogenannte epidemische Krankheiten prädisponiert. Menschen, die sich durch einen zu langen Schlaf Prozesse im menschlichen Organismus bereiten, die nicht da sein sollten, weil der Schlaf nicht so lange das Wachleben unterbrechen sollte, die sind in ganz anderer Weise für epidemische Krankheiten prädisponiert und die stellen sich auch in Epidemien in einer ganz anderen Weise hinein.“ (Lit.:GA 73a, S. 215)

Am Beispiel der Grippe zeigt Steiner, dass diese die höchst eigentümliche Eigenschaft hat, schlafende Krankheiten zu wecken:

„Vergessen wir nur ja nicht, wie von allen Seiten jetzt bei wirklich unbefangenen Beobachtern die Erkenntnis auftritt, daß ganz besondere Verhältnisse jetzt, man möchte sagen, über Teile der Erde ziehen und ganz besondere Formen des menschlichen Erkrankens hervorrufen. Und vergessen wir auch nicht, daß eine andere Erscheinung von großem Interesse in der Gegenwart sein muß, das ist diese, daß ja zweifellos selbst so etwas wie die gewöhnliche Grippe, wie sie heute auftritt, eine höchst eigentümliche Eigenschaft hat. Sie weckt nämlich eigentlich schlafende Krankheiten, Krankheiten, zu denen der Organismus inkliniert und die sonst durch die entgegenwirkenden Kräfte des Organismus in den Verborgenheiten bleiben, die also unter Umständen bis zum Tode sogar schlafen könnten, die werden in einer gewissen Weise dadurch aufgedeckt, daß der Mensch von der Grippe befallen wird.“ (Lit.:GA 312, S. 228f)

Materialistische Gesinnung

Siehe auch: Materialismus

Die Entstehung von Epidemien wird auch durch eine weit verbreitete materialistische Gesinnung gefördert.[4] Das gibt den ahrimanischen und luziferischen Widersachermächten nicht nur die Gelegenheit verschiedenste Krankheitserreger hervorzubringen, sondern auch die Abwehrkräfte gegen diese zu schwächen.

„Nun wird selbstverständlich jeder Mensch in der Gegenwart sagen, es wäre töricht, Bazillen geradezu zu mästen, zu pflegen, sie zu veranlassen, möglichst zahlreich zu werden. Aber es handelt sich nicht darum, daß man Grundsätze hat, und welche Grundsätze man hat, sondern darum, daß man die Sache vom richtigen Gesichtspunkt aus anzusehen vermag. Und nun kann vor der geisteswissenschaftlichen Erkenntnis nicht geleugnet werden, daß zum Beispiel ein Ich und ein Astralleib, die sich nur füttern mit materialistischen Vorstellungen, die abweisen alle spirituellen Vorstellungen, die abweisen allen Spiritualismus, davon nichts wissen wollen, wenn sie schlafend aus dem Leibe hinausgehen, aus der geistigen Welt Kräfte in die Organe hineinstrahlen, die geradezu förderlich sind für das Bazillenleben. Man kann, wenn man Bazillen recht mästen will, nichts Besseres tun, als rohe materialistische Vorstellungen in den Schlaf mit hineinnehmen und dadurch ahrimanische Kräfte aufrufen, welche einstrahlen in den Organismus und zu Bazillenpflegern werden.

Nun müssen wir, wenn wir eine solche Sachlage in der richtigen Weise beurteilen wollen, uns klar machen, daß in dem Augenblick, wo wir die Betrachtung auf das geistige Leben erstrecken, wir sogleich ins Auge zu fassen haben, was menschliche Gemeinschaft heißt. Denn das Zusammenwirken in der menschlichen Gemeinschaft erweist sich sogleich in ungeheurem Maße größer, wenn es sich handelt um geistige Wirkungen, als um diejenigen, die sich bloß vollziehen auf dem physischen Plan. Man könnte nämlich sagen, nun könnte also jemand am besten tun, um ja keine Bazillen in seinem Leibe schädlich werden zu lassen, als Heilmittel anzuwenden, sich mit spirituellen Vorstellungen schlafen zu legen. Vielleicht wäre das sogar ein Mittel, wenn man es äußerlich klinisch beweisen würde, daß die hartgesottensten Materialisten der Zukunft sich verschreiben ließen geradezu spirituelle Vorstellungen, und auf diese Weise einiges erhofft werden könnte für das spirituelle Leben. Nun aber, so einfach liegt die Sache nicht, denn es beginnt gleich die Bedeutung des gemeinschaftlichen Lebens, wenn es sich um Geistiges handelt, und da können wir sagen: Es nützt vielleicht gar nichts dem einzelnen, wenn er solche spirituellen Vorstellungen hegt, wenn die anderen ringsherum mit materialistischen Vorstellungen zu Bazillenpflegern werden, denn da pflegt einer für den anderen, - Das ist das Wichtige, was wir ins Auge fassen müssen. Deshalb muß immer wiederum betont werden, was ich auch hier schon besprochen habe: Geisteswissenschaft als solche kann das eigentlich Fruchtbare, das sie zu leisten hat für die Menschheit, sozusagen nicht bloß individuell leisten; es genügt nicht, daß der einzelne die geisteswissenschaftlichen Dinge aufnimmt, sondern Geisteswissenschaft muß in Geduld warten, bis sie ein Kulturfaktor wird, bis sie die Herzen und Seelen vieler durchzieht; dann erst wird sich zeigen, was sie den Menschen sein kann.

Es gibt allerdings etwas, was ebenso stark auf die ahrimanischen Wesenheiten wirkt, die wir in den Bazillen zu beobachten haben. Ich sage: ahrimanische Wesenheiten. Ich kann Ihnen leicht einen Unterschied sagen zwischen ahrimanischen Wesenheiten und anderen Wesenheiten, es geht leicht, das zu unterscheiden auch äußerlich. Wir sehen gewissermaßen rund um uns herum die Natur mit ihren Geschöpfen erfüllt. Alles, was unmittelbar draußen lebt in der Natur, hat gewissermaßen sein Leben von den fortschreitenden guten weisen Schöpfern. Alles das, was sein Dasein aufschlägt in anderen Organismen und da vorzugsweise gedeiht, ist unter den Geschöpfen luziferischer oder ahrimanischer Art. Alles Parasitäre ist auf luziferischen oder ahrimanischen Ursprung zurückzuführen; das muß festgehalten werden, denn dadurch können wir im Reiche der Natur sehr leicht unterscheiden. Eines, sagte ich, gibt es noch, was außerordentlich förderlich ist diesen ahrimanischen Geschöpfen, die als Parasiten im menschlichen Leibe leben, das ist das Folgende. Nehmen wir an, wir leben in einer Epidemie drinnen oder in einer Seuche. Selbstverständlich muß da einer für den anderen stehen, und da tritt das menschliche Gemeinschaftswesen und all das, was damit zusammenhängt, in ungeheurer Stärke auf, weil tatsächlich die karmischen Zusammenhänge so sein können, daß der, der durch individuelle Betätigung am wenigsten geeignet scheint, der Epidemie zu verfallen, doch ihr verfällt. Aber im allgemeinen gilt trotzdem - wir dürfen uns durch den Schein nicht täuschen lassen - , was ich jetzt sagen werde: Wenn man umgeben ist von den der Krankheit verfallenen oder sterbenden Menschen und diese Bilder zunächst aufzunehmen hat und dann mit diesen Bildern in den Schlaf zieht und nichts hineindringt als die egoistische Furcht, dann durchtränkt sich die Imagination, die aus diesen Bildern entsteht und während des Schlafes in der Seele lebt, mit der egoistischen Furcht, und das bewirkt, daß da schädliche Kräfte einschlagen werden in den menschlichen Leib. - Furcht-Imaginationen sind dasjenige, was tatsächlich pflegende Kräfte für des Menschen ahrimanische Feinde abgibt. Wenn sich ausbreitet eine edle Gesinnung, so daß die egoistische Furcht zurücktritt, und das liebende Helfen unter den Menschen wirkt und in den menschlichen Schlaf nun hineingeht, nicht mit Furcht-Imaginationen, sondern mit dem, was das liebende Helfen bewirkt, dann bedeutet das Schäden für die ahrimanischen Feinde des Menschen. Und es ist tatsächlich wahr, daß man erfahren würde, was die Ausbreitung einer solchen Gesinnung auf das Beendigen von Epidemien wirken könnte, wenn man sich danach benehmen würde. Ich deute Ihnen damit an, wie einmal, was heute noch nicht sein kann, von der Erkenntnis des geistigen Lebens heraus im sozialen Menschenleben gewirkt werden wird, wie die menschlichen Seelen in geistiger Erkenntnis erstarken werden und wie die in die Gesinnung übergehenden geistigen Erkenntnisse vom Geiste heraus gesundend auch auf das materielle Erdenleben wirken werden.“ (Lit.:GA 261, S. 15ff)

Die Bedeutung spiritueller Gedanken

Spirituelle Gedanken, die sich der materialistischen Gesinnung entgegenstellen, sind ein wesentlicher Faktor zur Abwehr infektiöser Erkrankungen. Entscheidend ist dabei nicht nur der Gedankeninhalt, sondern viel mehr noch die Art des Denkens. Ein ausschließlich starres verstandesmäßiges Denken wirkt ertötend auf den Organismus. Es bedarf der Ergänzung und Unterstützung durch ein kreatives lebendiges Denken, das die Lebenskräfte fördert und damit auch besser vor Erkrankungen schützt.

„Und wahrhaftig mehr als durch alle Mittel, die jetzt von der materialistischen Wissenschaft vorgebracht werden gegen all das, was Bazillen heißt, wahrhaftig mehr, unsäglich reicher für die Menschheitszukunft könnte man wirken, wenn man den Menschen Vorstellungen überlieferte, durch die sie vom Materialismus weggebracht werden und zu werktätiger Liebe vom Geiste aus angespornt werden konnten. Immer mehr und mehr muß sich im Laufe dieses Jahrhunderts die Erkenntnis verbreiten, wie die geistige Welt auch für unser physisches Leben absolut nicht gleichgültig ist, wie sie für die physische Welt ihre durchdringende Bedeutung hat, weil wir in der Tat vom Einschlafen bis zum Aufwachen in der geistigen Welt drinnen sind und da von ihr aus wirksam bleiben für den physischen Leib.“ (Lit.:GA 154, S. 47f.)

Karmische Ursachen

Siehe auch: Reinkarnation und Karma

Infektionskrankheiten hängen wie alle Krankheiten stets auch mit dem Karma des Menschen zusammen. So kann beispielsweise mangelndes Selbstgefühl dazu führen, dass man sich in der nächsten Inkarnation einer Seuche aussetzt, um in deren Überwindung das Selbstgefühl zu stärken.

„Nehmen wir an, jemand habe im letzten Leben so gelebt, daß er aus einem viel zu schwachen Ich-Gefühl heraus gewirkt hat, aus einem Ich- Gefühl, welches in der Hingabe an die äußere Welt viel zu weit ging, so weit, daß es mit einer Unselbständigkeit, Selbstverlorenheit wirkte, wie es für unseren heutigen Menschheitszyklus nicht mehr angemessen ist. Also das fehlende Selbstgefühl war es, welches einen Menschen in einer Inkarnation zu diesen oder jenen Handlungen geführt hat. Nun hat er während der Kamalokazeit die Handlungen vor sich gehabt, die aus diesem fehlenden Selbstgefühl herausgeflossen sind. Er nimmt daraus zunächst die Tendenz auf: Du mußt in dir Kräfte entwickeln, welche dein Selbstgefühl erhöhen, du mußt in einer nächsten Inkarnation dir die Gelegenheit schaffen, gegen den Widerstand deiner Leiblichkeit, gegen die Kräfte, welche dir entgegenkommen werden aus physischem Leib, Ätherleib und astralischem Leib, dein Selbstgefühl zu stählen, damit es gleichsam eine Schule durchmacht. Du mußt dir einen Leib anschaffen, der dir zeigt, wie aus der Leiblichkeit heraus die Anlage zu einem schwachen Selbstgefühl wirkt!

Was sich dann in der nächsten Inkarnation abspielen wird, wird wenig ins Bewußtsein treten, es wird sich mehr oder weniger in einer unterbewußten Region abspielen. Der Betreffende wird hinstreben zu einer solchen Inkarnation, welche gerade die derbsten Widerstände seinem Selbstgefühl entgegensetzt, so daß er es nötig hat, sein Selbstgefühl im höchsten Maße anzuspannen. Dadurch wird er wie magnetisch hingezogen werden zu solchen Gegenden und solchen Gelegenheiten, wo sich ihm tiefere Hindernisse entgegenstellen, wo sich sein Selbstgefühl ausleben soll gegen die Organisation der drei Leiber. So sonderbar es Ihnen klingen mag: Solche Individualitäten, die mit diesem Karma belastet sind, daß sie in der charakterisierten Weise durch die Geburt ins Dasein hineinstreben, suchen den Zugang zu Gelegenheiten, wo sie zum Beispiel einer Seuche wie der Cholera ausgesetzt sein können; denn diese bietet ihnen Gelegenheit, jene Widerstände, welche eben gekennzeichnet worden sind, zu finden. Was dabei durchzumachen ist im Inneren gegen die Widerstände der drei Leiber in dem Erkrankten, das kann dann bewirken, daß in der nächsten Inkarnation das Selbstgefühl in einem erheblichen Grade gewachsen ist.“ (Lit.:GA 120, S. 80f)

Bei Seuchen, die ganze Völker betreffen, steht das Volkskarma im Hintergrund, bei weltweiten Pandemien das ganze Menschheitskarma.

„Das Innere drückt sich immer später im Äußeren aus. Eine Krankheit ist die karmische Folge einer früheren verkehrten Tat, zum Beispiel einer Lüge. Wenn eine solche real wird, so wird sie eine Krankheit. Seuchen gehen auf weit zurückliegendes Unrecht der Völker zurück. Sie sind etwas Unvollkommenes, das von innen nach außen gerückt ist.“ (Lit.:GA 93a, S. 73)

Bedeutsam ist die von Ahriman geschürte Angst namentlich dann, wenn sie ganze Völker ergreift und unbewusst als Gruppenkarma in die folgende Inkarnation hinüberwirkt. Infektionskrankheiten erreichen dann sehr leicht ein epidemisches Ausmaß. Rudolf Steiner nennt als Beispiel die Ängste, die mit dem Einfall der Hunnen in Europa verbunden waren und im späteren Mittelalter die Lepraepidemien, den Aussatz, auslösten.

„Sie müssen in diesem Falle, wenn Sie geistig die tiefere Ursache dieser Krankheit erklären wollen, zurückblicken auf ein bedeutsames historisches Ereignis: auf das Ereignis, als von Osten her große Völkermassen über Europa hinwegstürmten und dieses Europa in Furcht und Schrecken setzten. Diese asiatischen Scharen waren Volker, die auf der alten Atlantierstufe stehengeblieben und daher im Niedergang begriffen waren, also Völker, die den Niedergangs-, sozusagen den Fäulnischarakter besonders stark in ihrem Astralleib hatten. Wären diese Völkerschaften über Europa herübergestürmt, ohne daß die Europäer sich erregt oder erschreckt hätten, dann wäre nichts passiert. So aber verursachten diese Horden Angst und Schrecken und Bestürzung; ganze Völkerschaften in Europa erlebten diese Angst- und Schreckenszustände. Und nun mischte sich der faule Astralstoff der Hunnen mit den von Angst und Furcht und Grauen durchwühlten Astralleibern der Überfallenen Völker. Die degenerierten Astralleiber der asiatischen Stämme luden ihre schlechten Stoffe auf diese furchtdurchwühlten Astralleiber der Europäer ab, und diese Fäulnisstoffe bewirkten eben, daß später die physische Wirkung der Krankheit auftrat. Das ist in Wahrheit die tiefe geistige Ursache des Aussatzes im Mittelalter. Es tritt also etwas, was geistig verursacht ist, in späterer Zeit im physischen Körper auf. Nur wer dieses Gesetz von Karma kennt und es zu durchschauen vermag, ist dazu berufen, in den Geschichtsverlauf tätig einzugreifen.“ (Lit.:GA 100, S. 87f)

Noch ausführlicher erläutert Steiner diese Zusammenhaänge an anderer Stelle:

„Wir müssen, wenn wir das verstehen wollen, genau unterscheiden zwischen der Rassenentwickelung und der Seelenentwickelung. Diese beiden dürfen durchaus nicht miteinander verwechselt werden. Eine Menschenseele kann sich so entwickeln, daß sie in einer Inkarnation in einer bestimmten Rasse sich verkörpert. Wenn sie sich da bestimmte Eigenschaften erwirbt, so kann sie sich in einer späteren Inkarnation in einer ganz anderen Rasse wieder verkörpern, so daß wir durchaus erleben können, daß heute innerhalb der europäischen Bevölkerung solche Seelen verkörpert sind, die in ihrer früheren Inkarnation in Indien, Japan oder China verkörpert waren. Die Seelen bleiben durchaus nicht bei den Rassen. Die Seelenentwickelung ist etwas ganz anderes als die Rassenentwickelung. Die Rassenentwickelung geht ihren ruhigen Gang vorwärts. Nun war es bei der alten europäischen Entwickelung so, daß die Seelen versetzt waren in europäische Rassen, weil sie nicht in die asiatischen Rassen hinüber konnten; deshalb waren die Seelen in jener Zeit immer wieder gezwungen, sich in europäischen Rassen zu verkörpern. Aber sie wurden immer besser und besser, und das führte dann dazu, daß die Seelen allmählich in höhere Rassen übergingen, daß also Seelen, die in ganz untergeordneten Rassen früher verkörpert waren, auf eine höhere Stufe hinauf sich entwickelten und sich später verkörpern konnten in den leiblichen Nachkommen der führenden Bevölkerung Europas. Die leiblichen Nachkommen der führenden Bevölkerung Europas vermehrten sich, wurden zahlreicher als sie ursprünglich waren, weil die Seelen nach dieser Richtung sich vermehrten. Da verkörperten sie sich also, nachdem sie besser geworden waren, in der führenden Bevölkerung Europas, und die Entwickelung geschah nun so, daß überhaupt als physische Rasse die leibliche Gestalt, in welcher sich die älteste europäische Bevölkerung ursprünglich verkörpert hatte, ausstarb, daß also gleichsam die Seelen verließen bestimmt geformte Leiber, die dann ausstarben. Das war der Grund, daß in den untergeordneten Rassen immer weniger Nachkommen waren, in den übergeordneten immer mehr und mehr. Nach und nach starben dann die untersten Schichten der europäischen Bevölkerung ganz aus.

So etwas ist eben ein ganz bestimmter Vorgang, den wir verstehen müssen. Die Seelen entwickeln sich weiter, die Leiber sterben dahin. Deshalb müssen wir so genau unterscheiden zwischen Seelen- und Rassenentwickelung. Die Seelen erscheinen dann in den Körpern, die von höheren Rassen abstammen. Solch ein Vorgang geschieht nicht ohne Wirkung. Wenn nämlich so etwas geschieht, daß über große Gebiete hin etwas gleichsam verschwindet, so verschwindet es nicht im Nichts, sondern es löst sich auf und ist dann in einer anderen Form vorhanden. Sie werden verstehen, als was es geblieben ist, wenn Sie ins Auge fassen, daß im Grunde genommen in den Urzeiten bei dem Aussterben der Schlechteren der Bevölkerung, von denen ich hier gesprochen habe, sich allmählich das ganze Gebiet mit dämonischen Wesen anfüllte, welche die Auflösungsprodukte, die Verwesungsprodukte dessen darstellten, was da ausgestorben war.

Es war also ganz Europa und auch Vorderasien angefüllt von den vergeistigten Verwesungsprodukten der ausgestorbenen Schlechteren der Bevölkerung. Diese Verwesungsdämonen hatten eine lange Dauer und sie wirkten später auf die Menschen ein, und so war es gekommen, daß diese Verwesungsdämonen, die da gleichsam in der geistigen Atmosphäre enthalten waren, einen Einfluß auf die Menschen gewannen und bewirkten, daß die Gefühle und die Empfindungen, die später die Menschen hatten, von ihnen durchsetzt wurden. Das zeigt sich am besten darin, daß, als von Asien später große Völkermassen nach Europa herüberkamen zur Zeit der Völkerwanderung, unter ihnen Attila mit seinen Scharen, und die Leute in Europa in großen Schreck versetzten, dieser Schrecken die Menschen geeignet machte, in Beziehung zu kommen mit dem, was von früher her noch vorhanden war als dämonische Wesenheiten. Nach und nach entwickelten sich durch diese dämonischen Wesenheiten als eine Folge von dem Schrekken, der durch die herüberkommenden Scharen aus Asien entstanden war, das, was als die Seuche des Mittelalters auftrat, als die Miselsucht, als der Aussatz. Diese Krankheit war nichts anderes als die Folge der Schreckens- und Furchtzustände, die die Menschen damals durchmachten. Die Schreckens- und Furchtzustände konnten zu diesem Ziele aber nur führen bei solchen Seelen, welche ausgesetzt waren den dämonischen Kräften von ehemals.“ (Lit.:GA 155, S. 92ff)

Das Leid, das der Mensch den Tieren zufügt, hat seine unmittelbaren Folgen im Leben nach dem Tod, wenn er das Kamaloka durchschreitet. Darüber hinaus hat es aber auch karmische Folgen, die sich in einer späteren Inkarnation durch Infektionskrankheiten manifestieren.

„Wenn wir die Menschheitsentwickelung betrachten, so sehen wir, wie viele Schmerzen der Mensch über das Tierreich ausgestreut hat und wieviel Tiere er getötet hat. Was bedeuten diese Schmerzen, diese Tode im Laufe der Evolution?

Da zeigt uns das okkulte Studium, daß jeder Schmerz, der einem schmerzempfindenden Wesen außer dem Menschen zugefügt wird, daß jeder Tod eine Aussaat ist für die Zukunft. So wie die Tiere gewollt sind durch die fortschreitende göttliche Entwickelung, sind sie nicht bestimmt, Inkarnationen zu haben wie die Menschen. Aber wenn eine Änderung eintritt in diesem weisheitsvollen Weltenplan, wenn der Mensch eingreift und die Evolution der Tiere nicht sein läßt, wie sie sein sollte ohne den Menschen, was geschieht dann? Nun, die okkulte Forschung lehrt uns, daß jeder Schmerz, jeder Tod, den der Mensch den Tieren zufügt, daß diese alle doch wiederkehren und auferstehen, nicht durch Reinkarnation, sondern weil den Tieren Schmerzen und Leiden zugefügt wurden. Diese Schmerzen, diese Leiden rufen die Tierheit wieder hervor. Die Tiere, denen Schmerz zugefügt wurde, werden zwar nicht in derselben Form wiedererstehen, aber das, was in ihnen Schmerz fühlt, das kommt wieder. Es kommt so wieder, daß die Schmerzen der Tiere ausgeglichen werden, so daß jedem Schmerze sein gegenteiliges Gefühl hinzugefügt wird. Diese Schmerzen, diese Leiden, dieser Tod, sie sind die Saat, die der Mensch gestreut hat; sie kommen so wieder, daß jedem Schmerze sein gegenteiliges Gefühl zugefügt wird in der Zukunft. Um ein konkretes Beispiel zu gebrauchen: Wenn die Erde vom Jupiter ersetzt sein wird, dann werden die Tiere in ihrer heutigen Form zwar nicht erscheinen, aber ihre Schmerzen und Leiden werden auferwecken die Empfindungskräfte der Schmerzen. Sie werden leben in den Menschen und sich in den Menschen verkörpern als parasitäre Tiere. Aus den Empfindungen und Gefühlen dieser Menschen heraus wird der Ausgleich geschaffen werden zu ihren Schmerzen. Das ist die okkulte Wahrheit, die man objektiv und ungeschminkt sagen kann, wenn es auch dem heutigen Menschen nicht angenehm ist. Der Mensch wird es einmal erleiden, und das Tier wird in einem bestimmten Wohlgefühl, in einer guten Empfindung den Ausgleich seiner Schmerzen haben. Das geschieht auch langsam und allmählich schon im Laufe des gegenwärtigen Erdenlebens, so sonderbar es scheint. Warum werden denn die Menschen gequält von Wesen, die eigentlich weder Tiere noch Pflanzen sind, sondern zwischen beiden stehen, die ein Wohlgefühl daran haben, wenn der Mensch leidet, von Bazillenarten und dergleichen Geschöpfen? Dieses Schicksal haben sie in früheren Inkarnationen dadurch, daß sie Leiden und Tod den Tieren zugefügt haben, sich geschaffen. Denn das Wesen, wenn es auch nicht in derselben Form erscheint, das empfindet hinüber über die Zeiten und empfindet den Ausgleich der Schmerzen in den Leiden, die der Mensch erfahren muß. So ist alles dasjenige, was an Leiden und Schmerzen geschieht, durchaus nicht ohne Folgen. Es ist eine Aussaat, aus der dasjenige hervorgeht, was durch Schmerz und Leid und Tod bewirkt worden ist. Es kann kein Leid, kein Schmerz, kein Tod geschehen, ohne daß dadurch etwas bewirkt wird, was später aufgeht.“ (Lit.:GA 143, S. 139ff)

Einwirkungen von Toten

Menschen mit mangelnder moralischer Gesinnung, deren Erdenleben von Gewissenlosigkeit und Verantwortungslosigkeit geprägt war, werden im Leben nach dem Tod zu Dienern furchtbarer geistiger Wesen, (z.B. "Mammon", Luzifer, Ahriman, Sorat und Asuras) die an der Entstehung von epidemischen Krankheiten beteiligt sind.

„Da sehen wir die physische Welt durchzogen von Krankheiten, Seuchen, sehen diese physische Welt durchzogen in früheren Zeiten von jenen Seuchen, die ja hinlänglich bekannt sind. Man braucht nur die verheerenden Züge unter der älteren europäischen Bevölkerung durchzugehen, wo die Pest, Cholera und dergleichen hinzog über die Lande. In dieser gegenwärtigen Zeit sind wir in bezug auf solche Dinge - man kann das Wort dafür gebrauchen - noch verhältnismäßig glücklich daran. Allein schon bereiten sich gewisse Epidemien vor, auf die bereits in unseren Vorträgen aufmerksam gemacht worden ist. So sehen wir also den gleichsam zur Unzeit eintretenden Tod über die Erde hinziehen, und so auch sehen wir Krankheiten und Seuchen über die Erde hinziehen. Und der Seher sieht Seelen, die da leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt, jenen Geistern helfen, die aus den übersinnlichen Welten in die Sinneswelt die Kräfte tragen, welche Seuchen, Krankheiten bringen, welche sozusagen unzeitige Tode bringen. Es gehört zu den furchtbaren Eindrücken, Menschenseelen in gewissen Zeiten ihres Lebens zwischen dem Tode und einer neuen Geburt wahrzunehmen, die Diener geworden sind der schlimmen Geister von Krankheit und Tod, und die sich selber dazu verurteilt haben, solche Diener der schlimmen Geister von Krankheit und Tod zu werden.

Versucht man nun das Leben solcher Menschen zurückzugehen bis vor die Zeit, da sie die Pforte des Todes durchschritten haben, dann findet man immer bei denjenigen Menschen, die sich das eben erwähnte Schicksal bereitet haben, daß sie in ihrem Leben auf dem physischen Plan Mangel an Gewissenhaftigkeit, Mangel an Verantwortlichkeitsgefühl gehabt haben. Das ist ein ständiges Gesetz, welches sich dem Seher zeigt, daß Seelen, die durch die Pforte des Todes schreiten, und die vorher gewissenlose Seelenanlagen gehabt haben oder in Gewissenlosigkeit gelebt haben, sich zu einer bestimmten Zeit zwischen dem Tode und der neuen Geburt zu den Dienern machen derer, die mitarbeiten müssen an dem Hereintragen von Seuchen, Krankheiten und unzeitigen Toden in die physisch-sinnliche Welt. Da sehen wir naturgemäßes Geschehen, dem diese Seelen unterliegen, und von dem wir nicht sagen können, es sei, wie eine Kristallisation oder wie der Stoß zweier elastischer Kugeln oder dergleichen, unabhängig von irgendwelchen moralischen Fehlern; sondern an dem, was da geschieht, was diese Seelen uns zeigen, sehen wir, wie sich in den höheren Welten durcheinandermischt dasjenige, was als Naturgesetzmäßigkeit in den höheren Welten wirkt, mit der moralischen Weltordnung, Wie die Dinge in den höheren Welten geschehen, das hängt ab von Wesenheiten, an denen das eine oder das andere geschieht, je nachdem diese sich moralisch in die Welt hineingestellt haben.“ (Lit.:GA 144, S. 32f)

Atmosphärische und kosmische Einflüsse

Menschen, die zu einem unregelmäßigen Atemrhythmus neigen, sind dazu disponiert, die jahreszeitlichen atmosphärischen Erscheinungen und auch bestimmte kosmische Rhythmen zu stark auf ihren Organismus wirken zu lassen. Erreger von Atemwegserkrankungen können sich dann leichter entfalten. Dies kann zu epidemischen Erkrankungen führen, wie Rudolf Steiner am Beispiel der Grippe bzw. Influenza erläutert:

„Denn bei all denjenigen Menschen, die zum Beispiel leicht zu einer Schädigung ihres Kopf-Brust-Rhythmus, der das Gröbste im Atmungsrhythmus hat, neigen, ist eine Disposition vorhanden, gewisse atmosphärische Erscheinungen, auch gewisse außertellurische Erscheinungen, stark auf sich wirken zu lassen. Andere, die von vornherein in gesunder Weise in bezug auf ihr Atmungssystem eingerichtet sind, bei denen wird Widerstand geleistet gegen solche Einflüsse. Denken Sie sich zum Beispiel — ich will etwas herausgreifen: es ist immer natürlich wieder so, daß andere Ursachen wiederum störend eingreifen können, aber verstehen, worauf es ankommt, kann man doch, wenn man in dieser Weise die Sache schildert —, denken Sie sich, man hätte es einmal zu tun in einem Winter mit einer starken Beeinflussung der Sonnentätigkeit — ich sage jetzt nicht der Lichtwirkung, sondern der Sonnentätigkeit — durch die äußeren Planeten Mars, Jupiter, Saturn. Eine solche Winterkonstellation wirkt anders, als wenn die Sonnentätigkeit durch das Fernabstehen von Mars, Jupiter und Saturn für sich allein zur Geltung kommt. Wenn ein solcher Winter da ist — man kann es schon bemerken an den atmosphärischen Erscheinungen, sie sind anders, als sie sonst sind —, dann wird ein starker Einfluß bei dazu disponierten Personen geübt auf die rhythmische Tätigkeit, die zwischen Brust und Kopf verläuft und die ihren gröbsten Ausdruck in der Atmungstätigkeit findet. Man kann sagen: Die Neigung, diesen Rhythmus regelmäßig zu machen, die wird durch eine solche kosmische Konstellation wesentlich verstärkt bei den Menschen, die zum Beispiel herausgeboren sind aus gesunden Verhältnissen, die robust sind in bezug auf ihr Inneres. Sie können dabei äußerlich sehr schmächtig sein. Bei denen ist ein sehr stark geregelter Atmungsrhythmus da, und entsprechend ist der Kopf-Brust-Rhythmus überhaupt dann stark geregelt. Ein solcher innerlich gefestigter Rhythmus, der läßt sich nicht leicht bestimmen von dem, was außen wirkt. Da müssen schon starke Insulte kommen, wenn Sie ihn bestimmen wollen. Bei wem aber schon dieser Rhythmus in einer gewissen Weise unregelmäßig verläuft, auf den wirkt ein solcher Einfluß, wie ich ihn geschildert habe, außerordentlich stark, denn der schon geschädigte Rhythmus hat die Tendenz, sich noch weiter schädigen zu lassen, und alle diejenigen Menschen, die dann auftreten mit solchen Dispositionen an denjenigen Orten der Erde, auf die diese Konstellation des Himmels besonders wirkt, sind zum Beispiel die Kandidaten für die sogenannte Influenza und für die Grippe. Diese Dinge müssen durchaus da sein, wenn der besondere Grund und Boden für so etwas wie für Influenza und Grippe geschaffen werden soll.“ (Lit.:GA 312, S. 338f)

Markus Sommer wies anlässlich der COVID-19-Pandemie darauf hin, dass "wir tatsächlich aktuell (März 2020) genau die Konstellation haben, von der Rudolf Steiner damals sprach und sie wird so ähnlich das ganze Jahr über wirksam sein."[5]

„Gewiß, die äußeren Tatsachen sind ... wahr; so sind natürlich auch die äußeren Tatsachen wahr, daß die oder jene Bazillenart etwas zu tun hat, sagen wir, mit der Grippe, die jetzt so verbreitet ist. Aber wenn es wahr ist, daß zum Beispiel für die Verbreitung einer gewissen epidemischen Krankheit die Ratten Krankheitsträger sind - ich will jetzt nur den Gedanken nehmen - , so kann man doch nicht sagen, daß von den Ratten diese Krankheit kommt, sondern man hat sich immer vorgestellt, daß die Ratten diese Krankheit verbreiten. An sich haben natürlich die Bazillen mit alledem, was die Krankheit ist, in Wirklichkeit nichts zu tun. Dasjenige, um was es sich bei solchen Dingen handelt, das ist, daß geradeso, wie wir es hinter den Symptomen der Geschichte mit geistig-seelischen Ereignissen zu tun haben, so haben wir es hinter den Symptomen der äußeren Körperlichkeit mit kosmologischen Ereignissen zu tun bei einer solchen Erscheinung. Bei anderen natürlich ist wieder anderes der Fall, nicht wahr. Was besonders wichtig ist in einem solchen Falle, ist der rhythmische Gang der kosmischen Ereignisse. Der muß studiert werden. Es muß gefragt werden: In welcher kosmischen Konstellation lebten wir, als in den achtziger Jahren die heutige Grippe in der milderen Form der Influenza auftrat? In welcher Konstellation kosmischer Natur leben wir jetzt? Wie vollzieht sich der kosmische Rhythmus, da die damalige Influenza in der etwas härteren Form der Grippe auftritt? - So wie Rhythmus gesucht werden muß hinter der historischen Symptomenreihe, so muß ein gewisser Rhythmus gesucht werden hinter dem Auftreten gewisser epidemischer Krankheiten [...]

Glauben Sie denn, daß man wirklich über diese Dinge etwas erkennen wird, bevor man sich herbeiläßt, durch eine geistig-seelische Erkenntnis zu einer richtigen Kosmologie überzugehen? Gewiß, man hat es als eine Narrheit aufgefaßt - in dieser Weise ist es eine Narrheit - , daß die Leute gesagt haben: Mit den Sonnenfleckenperioden hängt die Neigung der Menschen zu Kriegen zusammen. - Aber es gibt einen Punkt, wo selbst das nicht mehr eine reine Narrheit ist, wo das Auftreten gewisser pathologischer Impulse im Temperamentenleben selbst zusammenhängt mit solchen kosmologischen Erscheinungen wie den rhythmisch auftretenden Sonnenfleckenperioden. Und wenn dann diese kleine Gesellschaft, diese winzigen Herrschaften - Bazillen, Ratten - , dasjenige, was einen kosmologischen Zusammenhang hat, wirklich von einem Menschen zum anderen tragen, dann ist das nur etwas Sekundäres, das leicht bewiesen werden kann, das selbstverständlich dadurch ein großes Publikum findet; aber die Hauptsache ist es nicht. Und vor allen Dingen, hinter die Hauptsache kommt man nicht, wenn man nicht den Willen hat, wirklich auch die Peripheriesymptome zu studieren [...]

Die Menschen werden auch dadurch erst auf dem Gebiete des Sanitätswesens, der Hygiene, der Medizin zu etwas kommen, wenn sie auf diesem Gebiete nunmehr eine kosmologische, nicht eine historische, aber eine kosmologische Symptomatologie treiben. Denn dasjenige, was auf der Erde als Krankheiten lebt, das wird uns vom Himmel heruntergeschickt. - Nur muß man natürlich dann nicht in dem Vorurteil leben, in dem die moderne Menschheit lebt. Diese moderne Menschheit hat es sich sehr bequem gemacht: Ein Gott lebt überall [...] Und ... wenn man zur Kosmologie übergehen soll und zugleich bei dem bequemen Einheitsgotte bleibt, dann schickt dieser Gott die Krankheiten! Aber wenn man zu der Trinität aufzusteigen weiß: Gott, Luzifer, Ahriman, wenn man diese Trinität weiß in dem Übersinnlichen hinter den historischen Betrachtungen, hinter den historischen Symptomen, wenn man diese Trinität weiß draußen im kosmischen Weltall, dann hat man nicht nötig, auf den guten Gott sich zu berufen, wenn man sagt: Die Krankheiten sendet uns der Himmel, indem er mit der Erde zusammenwirkt,“ (Lit.:GA 185, S. 79f)

Religiöser Fanatismus

Nach den Ausführungen von Heinz Grill ist im religiösen Fanatismus eine weitere geistige Ursache für den Ausbruch von Infektionskrankheiten zu suchen: „Es ist nach esoterischer Betrachtung eine unbewusste Dimension im Menschen, eine astrale Wirklichkeit, die von innen heraus eine Art Anziehung nach außen über ein gestörtes Lebenskräftegleichgewicht aussendet und auf dieser Grundlage zielsicher den genau passenden Keim aufnimmt. Die Krankheit beginnt deshalb nicht mit einem Virus, sondern sie beginnt mit einer misslichen, geschwächten und in eigenen Ungleichgewicht befindlichen Konditionierung. ... Viele Personen haben sich gegen religiös fanatische Suggestionen und heftigste Eingriffe in die Privatsphäre nicht ausreichend gewehrt und förderten dadurch ein Verhältnis, dass sie durch ihr mangelndes Reagieren die reiche und autoritativ bevormundende Macht stärkten. Sie nahmen sich auf falsche Weise in ihren Selbstgefühlen zurück und verminderten ihre psychischen Ausstrahlungen und physischen Verhältnisse. Die religiöse Bedeutung, die innere Aufrichtekraft des Menschen, die zu einer moralischen Haltung zählt, werden in der Coronakrise nicht mehr gesehen, sie nehmen aber eine ganz tiefe und verborgene Ursache ein. Der Mensch wird in ein passives Glaubensschema befördert und verliert zunehmend das Vertrauen in seine Selbstkräfte. Der Virus tritt nun an jenen Orten auf, die am meisten die Projektionen aus einer degenerativen und scheinbar emanzipierten Glaubensliga empfangen. Es gibt tatsächlich eine Zahl von Personen, die religiöse Fanatiker sind und die größten Vorteile mit der Coronakrise für sich verbuchen.“[6]

In dem Sinne, dass eine Infektion dann auftritt, wenn das Lebenskräftegleichgewicht über längere Zeit gestört ist, weist Rudolf Steiner auf die Bedeutung von Sorgen und Kümmernissen über einen längeren Zeitraum hin:

„Vor allen Dingen wird Ihnen die Erfahrung den merkwürdigen Zusammenhang des ätherischen Leibes mit dem Astralleib dann ergeben, wenn Sie beobachten, wie im Menschen Sorge, Kümmernisse und so weiter fortwirken. Sie dürfen da nicht etwa bloß beobachten die Sorge und die Kümmernisse, die sich am letzten Tage oder in der letzten Woche abgespielt haben, die sind schließlich das allerwenigst Bedeutsame, sondern diejenigen, die weiter zurückliegen. Denn es muss immer eine gewisse Periode verfließen von der Zeit, wo Sorgen und Bekümmernise auf einen Menschen wirken, bis zu der Zeit, wo sie gewissermaßen organisch geworden sind, wo sie in das Wirken des Organismus übergegangen sind. Sorgen und Kümmernisse, wenn sie einen gewissen Grad erreichen, sind immer so, dass sie in einer späteren Zeit erscheinen als Anomalien im organischenWirken. Sie gehen bis zur Verunregelmäßigung des Rhythmusorganismus, und erst dann können sie weiter wirken auf den Stoffwechselorganismus und so weiter. Das müssen wir als eine Grundtatsache ins Auge fassen.“ (Lit.:GA 313, S. 53)


Siehe auch

Literatur

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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
Die Rudolf Steiner Ausgaben basieren auf Klartextnachschriften, die dem gesprochenen Wort Rudolf Steiners so nah wie möglich kommen.
Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und
Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.
Ausführliche bibliografische Informationen mit Volltextsuche in allen derzeit verfügbaren Online-Ausgaben bietet die Steinerdatenbank.de.

Weblinks

Videos

Einzelnachweise

  1. Ellis Huber: Das Virus, die Menschen und das Leben. Das Coronavirus im Vergleich zur alltäglichen Gesundheitsversorgung. Beitrag für Urania Berlin, 25. März 2020; auch Gastbeitrag in: Peira - Gesellschaft für politisches Wagnis, 6. April 2020.
  2. Heinz Grill, Die Steigerung der Immunkompetenz durch bewusstseinsbildende Übungen, https://heinz-grill.de/corona-geistige-verantwortung/
  3. Husemann/Wolff, Das Bild des Menschen als Grundlage der Heilkunst, Band III, Verlag Freies Geistesleben 1993, ISBN 3772505317, S.291
  4. siehe dazu auch: Axel Burkart TV - Coronavirus-Spiritueller Angriff auf die Menschheit?, https://www.youtube.com/watch?v=0hONX12nIXk
  5. Christengemeinschaft Nürnberg, CG Empfehlungen Prophylaxe Covid-19-1
  6. Heinz Grill, Die geistige Ursache des Coronavirus[1]