Europa (Mythologie)

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Europa und der Stier, Fresko aus Pompeji, 1.Jahrhundert, etwa zur Zeit Ovids

Europa (griech. Εὐρώπη, Eurṓpē, „die Weitsichtige“; von εὐρύς, eurýs, „weit“ und ὄψ, óps, „Sicht“, „Gesicht“) war nach der griechischen Mythologie die Tochter des phönizischen Königs Agenor oder dessen Sohn Phoinix[1] und der Telephassa. Eines Nachts hatte Europa einen merkwürdigen Traum:

„Im Lande Tyrus und Sidon erwuchs die Jungfrau Europa, die Tochter des Königs Agenor, in der tiefen Abgeschiedenheit des väterlichen Palastes. Zu dieser ward nachmitternächtlicherweile, wo untrügliche Träume die Sterblichen besuchen, ein seltsames Traumbild vom Himmel gesendet. Es kam ihr vor, als erschienen zwei Weltteile in Frauengestalt, Asien und der gegenüberliegende, und stritten um ihren Besitz. Die eine der Frauen hatte die Gestalt einer Fremden; die andere – und dies war Asien – glich an Aussehen und Gebärde einer Einheimischen. Diese wehrte sich mit zärtlichem Eifer für ihr Kind Europa, sprechend, daß sie es sei, welche die geliebte Tochter geboren und gesäugt hätte. Das fremde Weib aber umfaßte sie wie einen Raub mit gewaltigen Armen und zog sie mit sich fort, ohne daß Europa im Innern zu widerstreben vermochte. »Komm nur mit mir, Liebchen«, sprach die Fremde, »ich trage dich als Beute dem Ägiserschütterer Zeus entgegen; so ist dir's vom Geschicke beschieden.« Mit klopfendem Herzen erwachte Europa und richtete sich vom Lager auf, denn das Nachtgesicht war hell wie ein Anblick des Tages gewesen.“

Gustav Schwab: Sagen des klassischen Altertums, Kapitel 6

Tatsächlich hatte sich Zeus in sie verliebt und er verwandelte sich wegen seiner argwöhnischen Gattin Hera in einen Stier. Dann wies seinen Boten Hermes an, eine Kuhherde am Strand von Sidon im heutigen Libanon zusammenzutreiben, wo Europa mit ihren Gefährtinnen spielte. Auf seinem Rücken entführte er die schöne Europa und brachte sie nach Matala auf Kreta, wo er sich in seiner wahren Gestalt offenbarte. Europa gebar dem Zeus drei Söhne: Minos, Rhadamanthys und Sarpedon, die später in Streit gerieten über die Nachfolge des kretischen Königs Asterios (griech. Ἀστέριος, von αστέρ, „Stern“), dem „Sternenkönig“, der Europas äußerer Gemahl geworden war. Der fremde Erdteil, den sie im Traum gesehen hatte, wurde nach ihr «Europa» genannt.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Homer, Ilias xiv.321-322